Zitternd starre ich auf die Überreste des Motorrads vor mir, dann auf das riesige Beil in meinen bebenden Händen.

Was hatte ich getan?

Fahrig sammelte ich einige der Stücke ein, um zu sehen, ob sie wieder zu reparieren waren. Sirius war so stolz darauf gewesen, er liebte es – nicht nur weil es einen weiteren Akt der Rebellion seinen Eltern gegenüber darstellte.

Nie wieder würde ich sein Grinsen sehen und das laute Knattern hören, wenn er in der Nacht verschwand.

Wütend warf ich von mir, was auch immer ich in den Händen gehalten hatte. Natürlich würde ich ihn nicht wiedersehen und das war gut so. Elender Verräter.

Merlin, er sah so besorgt aus, so wütend, so verzweifelt.

Und das soll alles nur daran gelegen haben, dass ich ihn gestört hatte, bevor er seine Aufgabe zu Ende bringen konnte, dass sein Meister in dieser Nacht verschwunden ist?

Er hatte Tränen in den Augen, als er gegangen ist. Tränen, die er, wie ich glaubte, um seinen besten Freund vergoss, nicht um ihren Mörder.

Ich dachte, er würde gehen, weil er es nicht ertragen konnte an diesem Ort zu sein, an dem Liebe und Glück gleichermaßen zerstört wurde wie das Haus. Aber nein, er wollte schnell weiter, um auch seine anderen Freunde zu ermorden.

Peter. Ich hätte es verhindern können. Ich hätte ihn aufhalten müssen, um Peter zu schützen.

Was habe ich stattdessen getan? Ihn umarmt, versucht ihn zu trösten, ihm geglaubt, als er sagte, ich solle gut auf Harry aufpassen.

Er hielt ihn liebevoll im Arm, den Kleinen, und er hat ihn nur widerwillig hergegeben, als würde er ihn nicht auch verlieren wollen. Heuchler!

Und währenddessen hat er vor sich hingemurmelt, um Verzeihung gebeten, von Schuld und Verrat gesprochen. Er ist schon genauso skrupellos und wahnsinnig wie seine verdammte Cousine, wie alle Blacks.

Ich dachte, er war wegen Harry verzweifelt, wegen James und Lily, nicht wegen Voldemort, nicht will dieser es nicht geschafft hat, ein Kind zu töten.

Ohne Zweifel wollte er es selbst tun. Sein eigenes Patenkind. Verräter!

Ich kann es nicht verstehen. Die Freundschaft der vier war für die Ewigkeit gebaut. Sie sollte nicht so einfach zerstört werden dürfen, erst Recht nicht von einem von ihnen.

Was soll ich Remus sagen? Dass ich den Mörder seiner besten Freunde laufen ließ, ja, ihn sogar getröstet habe?

Und Harry? Dass ich ihn der Gefahr ausgesetzt habe, das gleiche Schicksal zu erleiden wie seine Eltern? Dass er durch mich auch beinahe ermordet worden wäre?

Ich weiß nicht wie ich den beiden jemals wieder in die Augen blicken soll.

Dumbledore erzählt jedem, dass ich niemandem etwas zuleide tun könnte. Ein Blick auf das zerstörte Motorrad vor mir und die damit verbundene Schuld erzählen eine andere Wahrheit.

Hätte ich auch zugeschlagen wäre es Sirius gewesen?

Meine Wut ist wie weggeblasen. Ich fühle mich leer.

Die Reste des Motorrads verstaue ich sicher im hintersten Winkel meiner Hütte, als Sinnbild meiner Schuld.

Vielleicht kann ich es wieder reparieren, auch wenn das meine Tat nicht auslöschen würde, genauso wenig wie das bohrende Gefühl in meinem Innern.

Schließlich könnte zumindest Peter noch leben.