Disclaimer: Twilight gehört Stephenie Meyer. Die Story selbst wird mit der freundlichen Genehmigung der Autorin troublefollows1017 aus dem Englischen übersetzt. Das Original befindet sich hier: www. fanfiction net / s/6453369/1/

Ich hoffe, euch gefällt's, und natürlich würde ich mich über eure Rückmeldungen sehr freuen.

Los geht's!


Fridays at Noon

Kapitel 1

Freitag, 18. Juni, mittags


Ich war gerade fertig geworden, die Salzstreuer nachzufüllen und stellte nun frische Blumen in die Vasen, die auf den Tischen des Speisesaals standen. Ich half, das Obst für die Bar zu schneiden, nahm Bestellungen von zwei Tischen auf und wollte nun zwei Minuten im Hinterzimmer verbringen, und zwar ohne meine verdammten Stöckelschuhe an, während ich auf das Essen für meine zwei Tische wartete. Ich trug nie Stöckelschuhe, aber sie gehörten hier zur Uniform. Wie ich mir bislang noch nicht die Knöchel gebrochen hatte, war mir ein Rätsel.

„Bella! Da bist du ja!", fauchte Rosalie, die gerade durch die Tür kam und mich sah. „Jessica kann heute nicht kommen, und ich brauche jemanden, der sich um den privaten Speisesaal kümmert."

„Und du willst, dass ich das mache?", sagte ich. Ich klang ein bisschen zu geschockt, als dass es ihr nicht aufgefallen wäre.

Sie verengte ihre haselnussbraunen Augen. Rosalie brauchte nichts zu sagen, sie erweckte mit einem bloßen Blick die tiefsten Ängste in mir.

Ich schüttelte den Kopf und versuchte, mich etwas zuversichtlicher zu geben. „Ich meine, klar. Was auch immer nötig ist, Rosalie."

Als Kellnerin zu arbeiten war nicht gerade mein Traumberuf. Es war eher so, dass ich diesen Job brauchte, um genügend Geld zu verdienen, damit ich mir eine Wohnung und ab und an auch etwas zu essen leisten konnte. Ich war Englischlehrerin von Beruf, aber aufgrund von Budgeteinsparungen und aufgrund der Tatsache, dass ich noch nicht lange arbeitete, wurde ich am Ende des Schuljahres gekündigt. Die gesamte wirtschaftliche Flaute machte es schwer, einen neuen Job zu finden. Zu meinem Glück hat mein Mitbewohner Jasper seine Schwester Rosalie überzeugen können, mir einen Job in dem Restaurant im Zentrum Seattles zugeben, wo sie die Restaurantleiterin war.

Ich hatte noch nie zuvor in einem Restaurant gearbeitet, aber ich hatte früher meinem Dad immer ein leckeres Abendessen gekocht, als ich noch in der High School gewesen war. Ich schloss daraus, dass es schon nicht so schwer sein konnte, die Bestellungen aufzunehmen und das Essen zu bringen. Ich musste nichts kochen, nur die Speisen servieren. Leider war das Essen hier im Eclipse ein bisschen komplizierter gestaltet. Meine wochenlange Erstausbildung hatte mir die Augen geöffnet. Ich musste die Speisekarte auswendig können und brauchte ein allgemeines Wissen über die Weine des Hauses. Ich musste wissen, welcher Wein zu welchem Menü passte und musste beschreiben können, woraus jede Speise bestand und wie sie zubereitet wurde. Das war total verwirrend. Dann gab es da noch die Regeln des Servierens. Ich hatte keine Ahnung, dass es eine Rolle spielte, von welcher Seite aus man jemandem etwas servierte oder wie man jemanden den Wein kosten ließ, bevor derjenige ein ganzes Glas eingeschenkt bekam. Das war komplett außerhalb meiner Liga, aber ich war entschlossen, dies alles schnell zu lernen. Das war die Überfliegerin in mir. Es gefiel mir nämlich nicht, irgendwo zu versagen.

Das Eclipse war außerdem ein Restaurant, in dem ich selbst aus zwei Gründen nie etwas gegessen hätte. Erstens konnte ich mir mit meinem Budget nicht einmal ein à la Carte Dessert leisten. Und zweitens wurden hier Speisen serviert, von denen ich noch nie etwas gehört hatte, wie zum Beispiel Foie Gras und Ricotta und Mais-Agnolotti in Sommertrüffel-Consommé. Ich stand mehr auf Veggie-Burger mit Pommes. In letzter Zeit hielt mich eigentlich nur die Makkaroni-mit-Käse-Eigenmarke aus dem Supermarkt am Leben. Die Leute, die ins Eclipse kamen, waren wohlhabend, sehr wohlhabend. Die ganzen Berühmtheiten Seattles kamen ständig zu uns. Manchmal war das ein toller Sportler oder ein angeberischer Politiker. Mächtige Geschäftsmänner strömten täglich in ihren schicken Anzügen ins Restaurant.

„Mr. Masen reserviert jeden Freitag Mittag den Speisesaal im Obergeschoß", erklärte Rosalie, während sie mich die Stufen hoch führte, die in diesen privaten Speisesaal führten. „Jessica ist die Serviererin seiner Wahl, aber offenbar dachte sie, ich wüsste nicht, dass sie dieses Wochenende mit ihrem Freund wegfahren wollte. Aus irgendeinem Grund glaubt sie, ich hätte meine Augen und Ohren nicht überall an diesem Ort! Aus irgendeinem Grund glaubt sie, dass sie mich in letzter Minute hinters Licht führen könnte! Tja, ihr kleiner, gelogener Anruf, dass sie krank wäre, kostete ihr gerade diesen Job. Ich hoffe, du musst nicht daran erinnert werden, dass ich alles weiß, dass in diesem Lokal passiert, und jeder, der das nicht versteht, wird es teuer bezahlen. Muss ich dich daran erinnern, Bella?"

Ich schüttelte den Kopf. Nachricht laut und deutlich empfangen – leg dich nicht mit Rosalie Hale an. Rosalie war so anders als ihr Bruder. Rosalie war von der Persönlichkeit her ein überspannter Typ. Nur jemand mit solch einer Attitüde konnte ein Restaurant führen, nahm ich an. Jasper andererseits war einer der angenehmsten Menschen, die ich je getroffen hatte. Wir lernten uns im College kennen und waren schon seit einigen Jahren befreundet. Außer dass er mir mit dem Job geholfen hatte, nahm er mich bei sich auf, als ich mir keine eigene Wohnung mehr leisten konnte. Jasper rettete mich vor der Schande, wieder zurück in meine Heimatstadt zu meinem Dad ziehen zu müssen. Dafür war ich im auf ewig dankbar. Er und ich waren dicke Freunde – rein platonisch natürlich. Er hatte eine Freundin namens Maria, die ihn meiner Meinung nach wie Dreck behandelte, aber wer war ich schon, um das beurteilen zu können.

Ich begann, die Treppe zum privaten Speisesaal zu erklimmen, und strauchelte auf der ersten Stufe, wodurch ich schmerzvoll auf meinem linken Knie landete.

„Bella", fauchte Rosalie, als wäre mein Name ein Schimpfwort. „Versuch dich oder besser gesagt mich nicht lächerlich zu machen. Mr. Masen macht hier immer große Geschäfte. Heute ist er mit seinem Assistenten da. Es sollte kein Problem für dich sein, mit einem Tisch mit zwei Personen klarzukommen. Ich hätte Emmett hoch geschickt, aber Mr. Masen bevorzugt es, von einer Dame bedient zu werden, und du bist heute leider die einzige Kellnerin hier. Also verpatz' das hier nicht."

Verpatz' das hier nicht. Das war mein neues Mantra.

Die Kellner hier im Eclipse waren großteils männlich, was mich anfangs überrascht hat. Dann rechnete ich das Trinkgeld meines ersten Tages hoch. Die Kundschaft gab außergewöhnlich hohe Trinkgelder. Die Männer konnten prima ihre Familien unterstützen, wenn sie hier im Eclipse als Kellner arbeiteten. Ich hatte wirklich keine Ahnung, wohin ich durch Jasper hineingeraten war, als er anbot, mir zu helfen. Dies war nicht das Forks Diner. Zur Hölle, dies war nicht einmal der Rote Hummer, und ich dachte immer, dass dieses Lokal schon extravagant wäre.

Ich erklomm die Stufen und passte auf, sorgfältig einen Fuß vor den anderen zu setzen, damit ich nicht wieder hinfiel. Ich öffnete die Tür und fand zwei Männer vor, die an einem langen, rechteckigen Tisch saßen. Sie trugen beide sehr teuer aussehende Anzüge, und der eine war merklich älter als der andere. Der ältere Mann hatte kurzes, schütteres graues Haar und einen kurz geschnittenen Bart. Er war ein gutaussehender, älterer Gentleman, aber es war der jüngere Mann, der mir den Atem raubte.

Die Haare des Mannes waren ein wildes, bronzefarbenes Chaos. Rötlich-braune Strähnen standen in alle Richtungen ab, aber irgendwie sah es dennoch aus, als ob es Absicht gewesen wäre. Er konnte noch keine dreißig sein, wahrscheinlich war er nicht viel älter als ich. Seine Augen waren so grün, dass sie einem auf alle Fälle auffielen, auch wenn ich noch am anderen Ende des Zimmers stand. Und dann hatte er noch dieses Sexgott-Kinn. Oh Mann, der Kerl hatte eine tolle Kinnpartie, die ich gern berührt hätte – am liebsten mit meiner Zunge.

Die zwei Männer waren in eine ernste Unterhaltung vertieft und schenkten mir keine Aufmerksamkeit. Also blieb ich geduldig stehen und wartete, bis sie mich bemerkten, damit ich sie begrüßen und ihnen die Spezialitäten des heutigen Tages erklären konnte.

„Ich schwöre dir, Alec, wenn ich heute jedes Mal einen fünf Cent Nickel bekommen hätte, wenn jemand sich für irgendetwas entschuldigte ...", zeterte der jüngere Mann. Ich musste sofort daran denken, dass er besser ein wenig darauf aufpassen sollte, wie er mit seinem Chef sprach.

„Ich weiß, Edward. Ich weiß."

„Das ist lächerlich", schnaubte er und fuhr sich mit einer Hand durch das Chaoshaar auf seinem Kopf. Er drehte sich um, um mich zu erblicken. „Was?"

Oh Scheiße. Er sprach mit mir.

„Wo ist Jessica? Wir sind schon seit fünf Minuten da, und noch keine Jessica."

Ich trat etwas näher und versuchte zu lächeln, obwohl ich so nervös war, dass ich langsam spürte, wie mir der Schweiß auf der Stirn ausbrach.

„Verzeihung, Jessica ist heute nicht da. Mein Name ist Isabella, ich bin heute Mittag Ihre Bedienung." Ich hasste es, meinen vollen Namen zu benutzen, aber Rosalie meinte, dass Isabella sich formeller anhörte und ich daher den Kunden auch diesen Namen nennen sollte.

„Siehst du!" Der junge Mann warf seine Faust auf den Tisch, sodass das Silberbesteck und die Gläser klapperten. „Was hab ich dir gesagt? Verzeihung. Heute habe ich noch nichts anderes gehört!", rief er.

Er Kerl war vielleicht heiß, aber ein heißes Gemüt passte wohl eher zu ihm.

„Entspann dich, es ist nicht ihre Schuld, dass Jessica nicht da ist. Richtig, Isabella?" Der Mann, von dem ich annahm, dass er Mr. Masen wäre, sah mich mit einem aufmunternden Lächeln an.

„Stimmt, Sir", antwortete ich nervös und versuchte, mich auf den höflicheren Mr. Masen zu konzentrieren. Sein Assistent musste erst noch lernen, wie man Leute behandelte, die einem das Essen brachten. Ich reichte ihnen die Speisekarte und begann, ihnen die Tagesspezialitäten zu erklären. „Heute haben wir zwei Spezialitäten ..."

„Ich brauche die Spezialitäten nicht zu hören", sagte der schnippische Assistent und öffnete nicht einmal seine Speisekarte. „Wir hätten gerne eine Flasche Ihres Romanée-Conti, vorzugsweise aus dem Jahr 2000, aber 2004 ginge auch. Ich nehme den Zuchtsalat als Vorspeise und dann das Lamm."

Ich zwinkerte ein paar Mal und war mir nicht ganz sicher, ob ich ihn richtig verstanden hatte. Ich hatte noch nicht die komplette lange Weinliste im Kopf, aber ich wusste, dass dies einer der teuersten Weine war, die wir hatten. Solche Weinflaschen kosteten nicht bloß ein paar hundert Dollar, nein, sie kosteten ein paar tausend Dollar. Ich sah zu seinem Chef und suchte nach einem Anzeichen, ob er vielleicht nicht solche teuren Weine bestellen dürfte, aber Mr. Masen war ganz in seine Speisekarte vertieft.

„Ich beginne mit der Tagessuppe und dann die kurzen Rinderrippen." Er lächelte warm und reichte mir die Karte zurück. Ich nahm die andere, unbenutzte Speisekarte hoch, die neben dem Assistenten mit dem heißen Gemüt lag, denn offenbar war es ihm zu viel Arbeit, sie mir selbst zurückzugeben.

„Sind Sie mit dem Romanée-Conti einverstanden?", fragte ich und wollte sicher gehen, dass ich seinen Assistenten richtig verstanden hatte.

„Entschuldigung?", fragte Edward, der Assistent, durch zusammengebissene Zähne. Seine grünen Augen strahlten mit einer Bissigkeit, wie ich sie noch nie gesehen hatte.

„Verzeihung, i-i-ich wollte nur sicher gehen, dass das okay ist", stotterte ich.

Er warf seine Hände in die Luft. „Hast du das gehört, Alec? Jetzt wäre ich schon zehn Cent reicher!"

„Edward, entspann dich", sagte Mr. Masen besorgt. „Du bekommst sonst noch einen Herzinfarkt, bevor du dreißig bist."

„Ich bin mir sicher, Sie haben Ihnen in Ihrer Ausbildung beigebracht, dass sie ohne zu fragen alles tun sollen, was der Kunde von Ihnen verlangt", spuckte Edward, der Assistent, herablassend aus.

Ein Teil von mir wollte ihm gratulieren, da er offenbar als Klassenbester seine Arschloch-Uni verlassen hatte, aber ich riss mich zusammen und blieb ruhig.

Der einzige Gentelman am Tisch drehte sich mit einem weiteren netten Lächeln zu mir. „Was auch immer Mr. Masen bestellt, ist für mich in Ordnung. Ich würde seinen Geschmack nie in Frage stellen, auch wenn ich nicht für ihn arbeiten würde."

Die Zeit blieb stehen. Mein Kinn war nach unten geklappt und ich war mir nicht ganz sicher, wieso ich noch nicht in Ohnmacht gefallen war. Mr. Assistent mit dem heißen Gemüt war eigentlich Mr. Masen Schrägstrich Chef mit dem heißen Gemüt, und der ältere, nettere Mr. Masen war eigentlich gar nicht Mr. Masen, sondern Mr. Alec, der Assistent ohne dem heißen Gemüt.

„Natürlich, entschuldigung", rief ich.

„Fünfzehn!", brüllte der echte Mr. Masen.

„Verzeihung", murmelte ich wieder, weil mein Gehirn und mein Mund nicht länger miteinander verbunden waren.

„Zwanzig! Schaffen wir einen Vierteldollar?", fragte er und starrte mich mit seinen harten, jadegrünen Augen böse an.

Ich schüttelte den Kopf und verließ das Zimmer, so schnell meine Beine mich tragen konnten. Ich lief die Stufen hinab und schaffte es auszurutschen, kurz bevor ich unten ankam. Mein Hintern prallte mit einem schmerzhaften Knall auf der vorletzten Stufe auf. Ich sprang hoch und zuckte vor Schmerz zusammen, während ich mich auf den Weg machte, um den Wein zu holen und die Bestellung in der Küche abzugeben.

Emmett bemerkte meinen Sturz und folgte mir.

„Bist du in Ordnung?"

„Mir geht's gut. Mein Hintern wird mir morgen weh tun, und wahrscheinlich werde ich heute keine fünfzehn Prozent Trinkgeld bekommen, aber mir geht's gut."

„Wie läuft's da oben? Jessica sagt, Masen kann manchmal ein echtes Arschloch sein. Man möchte meinen, dass ein Kerl, der einige Milliarden Dollar verdient, sich ruhig auch Manieren kaufen könnte."

Meine Augen wurden groß. „Milliarden?"

Emmett lachte. „Bells, hast du wirklich keine Ahnung, wer der Kerl dort oben ist? Edward Masen, Geschäftsführer der Masen Corporation. Er ist Software-Entwickler und hat das momentan beliebteste IT-Security-Programm der Welt entwickelt. Er hatte schon vorher Geld, aber in den letzten paar Jahren hat er mehr verdient als alle anderen in seiner Familie zusammen. Ich habe gehört, er ist mittlerweile knappe achtundzwanzig Milliarden schwer. Er ist so um die achtundzwanzig Jahre alt mit achtundzwanzig Milliarden Dollar. Kannst du dir das vorstellen?"

Achtundzwanzig. Milliarden. Dollar. So viel Geld zu besitzen, machte doch irgendwie keinen Sinn.

„Großartig. Tja, das erklärt auch den Wein, den er gewählt hat. Das erklärt auch, warum er mich am liebsten tot umfallen gesehen hätte, als ich ihn mit seinem Assistenten verwechselt habe. Toll. Einfach toll." Ich war so ein Idiot. Ich stellte einen Multimillionär in Frage wegen einer Flasche Wein, die wahrscheinlich einen Bruchteil davon kostete, was er in einer Stunde verdiente.

Emmett lachte wieder. „Oh Mann. Vermassle das nicht mit ihm, Bella. Er reserviert diesen Speisesaal jeden Freitag Mittag. Rosalie wird dich köpfen, wenn er nicht mehr kommt, weil du ihn beleidigt hast."

„Verstanden", antwortete ich und suchte unseren Sommelier. Und plötzlich wünschte ich mir, Jessica und ihr Freund hätten noch einen Tag gewartet, um diesen dummen Trip nach San Francisco zu unternehmen.

Eric, unser außergewöhnlich guter Weinexperte, reichte mir die wahnsinnig teure Flasche Wein, und erinnerte mich zum millionsten Mal daran, dass ich sie ein wenig atmen lassen solle, bevor ich dem Kunden einschenkte. Ich trug die viertausendfünfhundert Dollar teure Weinflasche die Stufen hinauf, als wäre sie mein eigenes Kind. Irgendwoher wusste ich, dass wenn ich hinfiel und sie zerbrach, Rosalie mich ebenso zerbrechen und mich feuern und meinen nächsten Gehaltsscheck behalten und mich für die Differenz verklagen würde, und da bliebe immer noch eine Menge Geld übrig.

Erstaunlicherweise schaffte ich es bis nach oben, ohne hinzufallen oder etwas zu zerbrechen. Ich schenkte ihm den extrem teuren Wein in sein Glas und ließ ihm ein paar Minuten Zeit, damit er atmen konnte. Ich servierte ihnen unsere Vorspeisen und reichte ihm sein Glas, damit er den Wein kosten und befürworten konnte.

Edward Masen starrte ins Glas, bevor er den tiefroten Wein herumschwenkte. Er hob das Glas an seine Nase und roch, bevor er den Rand an seine Lippen setzte. Ich war fasziniert. Obwohl er ein Arschloch war, hatte er schöne Lippen. Er probierte den Wein, aber ich konnte sagen, dass er ihn noch nicht geschluckt hatte. Er ließ den Wein auf seiner Zunge. Ich sah schließlich, dass er ihn schluckte und er noch einmal probierte. Meine Augen konzentrierten sich auf seinen Mund. Ich wollte wegsehen, aber da war etwas an ihm, das es mir unmöglich machte. Seine Zunge kam hervor und strich über seine Unterlippe. Ich hegte eine starke Abneigung gegen ihn und seine achtundzwanzig-Millionen-Dollar-Einstellung, aber sein Mund war irgendwie perfekt. Er setzte das Glas ab und nickte dann befürwortend. Ich füllte sein Glas und dann das seines Assistenten.

Ich schaffte es, während des Essens keinen weiteren großen Fehltritt hinzulegen. Ich servierte ihnen das Hauptgericht, ohne dem nickelzählenden Mr. Masen einen neuen Grund zu geben, mich anzuschreien. Ich war zuversichtlich, dass ich mich im Vergleich zu vorhin verbessert hatte und am Ende vielleicht sogar ein nettes Trinkgeld bekommen würde. Momentan lagen zehn Prozent schon weit über fünfhundert Dollar. Fünfhundert Dollar für eine Stunde Arbeit, darüber würde ich mich nicht beschweren. Plötzlich war es nicht mehr so schlimm, dass Jessica ihren Urlaub schon früher angetreten war.

Alles lief gerade so gut, ich schätze, ich hätte damit rechnen sollen, dass etwas schief läuft. Es war einfach Pech gewesen. Als ich ihnen die Desserts brachte und ihre Wassergläser auffüllte, bellte Mr. Masen gerade Befehle in sein Blackberry. Er nahm einen Schluck von seinem Wein und stellte dann das Glas gefährlich nahe an die Tischkante.

Als ich gerade nach seinem Wasserglas griff, rief er laut: „Nein!"

Ich erschrak und war mir nicht sicher, ob das Nein mir oder der Person am anderen Ende der Leitung gegolten hatte. Ich riss meine Hand weg und dabei traf ich sein Weinglas. Es stürzte um und der sehr teure, sehr rote Wein lief auf seine äußerst hellgraue und höchstwahrscheinlich sehr teure Anzughose.

„Oh Gott! Es tut mir so Leid!" Ich griff nach einer Serviette und er sprang von seinem Stuhl auf.

„Verdammte Scheiße nochmal!", schrie er.

So viel dazu, dass alles gut lief.

„Es tut mir Leid. Sie haben mich erschreckt. Ich war mir nicht sicher, ob Sie mit mir gesprochen haben. Es tut mir Leid."

„Ich muss auflegen, Peter. Das inkompetente Personal hier im Eclipse hat gerade meinen achttausend-Dollar-Caraceni-Anzug mit einem Glas Wein aus einer viertausendfünfhundert-Dollar-Flasche ruiniert. Sieh, dass du alles fertig hast, wenn ich zurück ins Büro komme."

Er setzte sein Handy ab und riss mir die Serviette aus der Hand.

„Es tut mir so Leid", sagte ich mit zitternder Stimme. Entweder würde er mich umbringen oder Rosalie, mein Tod war jedenfalls gewiss. „Ich kann Ihnen etwas Soda bringen."

„Nicht!", bellte er. „Bringen Sie mir nichts außer die Rechnung. Wir sind hier fertig!"

Ich nickte und rannte nach unten, um ihm seine Rechnung zu bringen. Ich kramte mein gesamtes Selbstvertrauen hervor, um nicht zu weinen. Er war so wütend. Wütende Menschen machten mich nervös. Ich mochte es nicht, das war mir unangenehm. In den meisten Situation wollte ich einfach nur nicht auffallen.

Mr. Masen saß auf einem anderen Stuhl, als ich zurückkam, und tupfte mit einer unserer weißen Stoffservietten auf dem Fleck auf seiner Hose herum. Es sah beinahe so aus, als würde er eine Wunde versorgen. Ich konnte kein Blut sehen, also war ich dankbar zu wissen, dass es nur Wein war.

„Ich bitte nochmals um Verzeihung. Natürlich werde ich die Reinigungskosten übernehmen", bot ich ihm aus Höflichkeit an. Es kam mir richtig vor, damit er sehen konnte, dass es mir wirklich Leid tat.

„Das will ich auch annehmen, dass Sie das zahlen!", fauchte er.

„Edward", versuchte sein Assistent ihn zu beruhigen.

Ich konnte spüren, wie mir Tränen in die Augen stiegen. „Es tut mir so Leid."

Er griff nach der Rechnungsmappe aus Leder und legte seine American Express Card aus Platin hinein. Als ich damit zurückkam, kritzelte er schnell seinen Namen auf die Quittung und ging. Er sah mich nicht einmal an. Er stand einfach auf und lief zur Tür hinaus.

„Danke für das wunderbare Mittagessen, Isabella", sagte Alec, der Assistent, mit einem netten Lächeln. Wie konnte so ein netter Mann bloß für so einen Idioten arbeiten?

Ich nahm die unterschriebene Kreditkartenquittung und bemerkte sofort, dass er mir überhaupt kein Trinkgeld gegeben hatte. Tja, fein. Ich war mir sicher, dass er das gleich mit der Rechnung der Anzugreinigung ausgleichen wollte. Natürlich hatte ich keine Ahnung, wie viel die Reinigung eines achttausend-Dollar-Anzugs kosten würde. Wer kaufte überhaupt einen Anzug, der so viel kostete? Nicht einmal mein Auto hatte so viel gekostet.

Millionäre. Streicht das. Multi-Millionäre. Solche Leute kauften einen Anzug um achttausend Dollar und gingen essen um fünftausend Dollar.

Für den Rest meiner Schicht versuchte ich, Edward Masen mit seinem schrecklichen Temperament und seinem perfekten Mund und seiner sexy Kinnpartie und seinen bösen Blicken und seinem Wunsch, von jedem Menschen bei einer Entschuldigung einen Nickel zu kassieren, aus meinen Gedanken zu verbannen. Es gelang mir ganz gut, bis ich etwa zwei Stunden später zum Empfangstresen gerufen wurde.

„Isabella?", fragte ein Mann, den ich nicht kannte.

„Ja", antwortete ich vorsichtig.

„Mr. Masen hat mich gebeten, Ihnen das hier zu bringen", sagte er mit einem kleinen Lächeln, das dem von Alec, dem Assistenten, ähnelte, als er gegangen war. Sie sahen beide so aus, als hätten sie Mitleid mit mir. Ich sollte aber eher mit ihnen Mitleid haben. Sie mussten jeden Tag für Mr. Masen arbeiten. Ich musste es nur eine Stunde lang machen, und sogar das war schon mehr als genug. Er reichte mir einen Umschlag, auf dessen Vorderseite mein Name in einer hübschen Schrift geschrieben stand.

Ich war neugierig, was mir der allmächtige Mr. Masen wohl ein paar Stunden nach unserem desaströsen Zusammentreffen senden würde, also riss ich den Umschlag mit meinem Finger auf. Vielleicht fühlte er sich schuldig, weil er mir kein Trinkgeld gegeben hatte. Das wäre nett gewesen. Ich zog ein Stück Papier heraus und musste erst einmal nach Luft schnappen.

„Was ist denn?", fragte Angela, eine der Empfangsdamen.

„Eine Rechnung für eine Stunde reinigen über fünfundsiebzig Dollar!"

„Warum schickt dir jemand eine Reinigungsrechnung?" Angela sah genauso verwirrt aus, wie ich mich fühlte.

Er behielt ein gigantisches Trinkgeld ein und schickte mir nun die Rechnung für die Reinigung seiner Hose? Der Mann besaß mehr Geld, als ich je in meinem ganzen Leben verdienen könnte, und er wollte, dass ich ihn für die Reinigung entschädigte? Ich war in meinem ganzen Leben noch nie so böse gewesen. Ein Teil von mir wollte dieses verdammte Stück Papier einfach in den Müll werfen. Sollte er doch all seine Assistenten vorbeischicken, damit er seine dummen fünfundsiebzig Dollar bekam. Ich würde es nicht bezahlen.

An Freitagen arbeitete ich nur bis vier. Die erfahreneren Kollegen kümmerten sich um die Freitagabend-Gäste. An Freitagabenden konnte man das große Geld machen. Geld, das ich wirklich gebrauchen konnte, nachdem Edward Masen mich heute so in die Mangel genommen hatte.

Je mehr ich über ihn nachdachte, desto wütender wurde ich. Wer bezahlte fünfundsiebzig Dollar für die Reinigung einer Hose? Das war doch Wucher! Ich sah mir die Rechnung an, die mit der selben American Express Karte bezahlt worden war wie sein Essen heute. Schnelle Reinigung innerhalb einer Stunde – das kostete extra. Die Hose wurde von der Reinigungsfirma abgeholt und auch wieder zurückgebracht – das kostete ebenfalls extra. Besondere Pflege für besonders teure Hosen – noch ein Aufschlag.

Verrückt. Wenn dieser Kerl dachte, ich würde ihm das zahlen, wenn er mir diese Rechnung schickte, verarschte er sich damit selbst. Ich bemerkte, dass er seine Visitenkarte beigefügt hatte, damit ich wusste, wohin ich das Geld schicken sollte.

Edward A. Masen, CEO
Masen Corporation
1201 Third Avenue, Suite 5400
Seattle, WA 98101

Ich steckte die Visitenkarte und die Rechnung in meine Tasche und zog mir die Stöckelschuhe aus. Ich warf mir meine Umhängetasche über die Schulter und sammelte mein Trinkgeld des heutigen Tages ein, das sich als relativ wenig herausstellte. Es war bewölkt, aber die Temperatur war angenehm. Ich ging auf dem Weg zur Bushaltestelle an einer Bank vorbei, und plötzlich kam mir eine Idee. Ich würde Edward Masen die Reinigung bezahlen, aber ich würde ihm spüren lassen, was für ein Arsch er war, wenn er das von mir verlangte.

xxx

Hoch in den vierundfünfzigsten Stock gelassen zu werden war nicht so einfach, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ein Sicherheitsbeauftragter kontrollierte mit einem seltsamen Blick die äußerst seltsamen Gegenstände in meiner Tasche und ich erntete seltsame Blicke, da ich eine weiße Bluse mit einer roten Seidenkrawatte, einen schwarzen Rock, schwarze Strumpfhosen und schwarze Converse trug – ich war eine Fremde in einem fremden Land. Jeder in der Lobby hatte anscheinend einen Sicherheitsanstecker und eine schicke Handtasche. Ich musste ein Formular unterschreiben und meinen Führerschein vorzeigen, damit ich zu dem verdammten Fahrstuhl gelangen konnte. Sobald ich in dem Stockwerk angekommen war, in dem sich die Masen Corporation befand, wurde ich mit weiteren Hindernissen konfrontiert. Ich hätte vorher darüber nachdenken sollen, wie schwierig es wohl sein würde, zum Geschäftsführer solch einer großen Firma vorzudringen.

„Aber Sie haben einen Termin?", fragte der Mann am Empfang ein weiteres Mal.

„Nicht genau, aber Mr. Masen bat mich, ihm etwas zu bringen", antwortete ich und wusste genau, dass ich nicht wie jemand aussah, der Mr. Masen üblicherweise etwas anderes als vielleicht seinen Kaffee bringen würde.

„Ich hole seinen Assistenten", sagte der Mann und war offenbar von mir genervt.

Ich setzte mich im Wartebereich hin und passte gut auf, nichts zu berühren, was ich zerbrechen und der böse Mr. Masen mir anschließend verrechnen könnte. Hier gab es schöne Vasen und interessante Kunstobjekte. Ich fragte mich, ob die auch Millionen von Dollars gekostet hatten oder ob jemand vielleicht einen Großeinkauf bei IKEA getätigt hat oder so.

„Kann ich Ihnen helfen?", fragte eine nette Frau ein paar Minuten später. Wie viele Assistenten brauchte so ein Arschloch wie er? Mindestens zwei, wie es aussah.

Ich stand mit etwas Mühe auf. Meine Tasche war so verdammt schwer und ihr Inhalt klimperte und klirrte bei meiner Bewegung. Die Assistentin sah mich an, als hätte ich eine Bombe in meiner Tasche versteckt.

„Ähm, ich bin hier wegen Mr. Masen. Mein Name ist Bel... ich meine, Isabella. Isabella Swan. Ich arbeite im Eclipse, wo Mr. Masen heute gegessen hat. Ich bin hier, um ihn für die Reinigungsrechnung zu entschädigen. Ich habe versehentlich etwas Wein auf seiner Hose verkleckert und ihm angeboten, das zu bezahlen. Ich wollte vorbeikommen und ihm mein heutiges Trinkgeld geben."

Der Ausdruck auf ihrem Gesicht war unbezahlbar. Es war schön zu wissen, dass jeder dachte, es wäre völlig bekloppt, wenn ein Millionär von einer Kellnerin verlangte, dass sie ihm die Reinigung bezahlen sollte.

Sie schenkte mir ein nettes, mütterliches Lächeln, als wäre ich ein ahnungsloses Kind. „Liebes, ich bin sicher, dass Mr. Masen die Kosten für die Reinigung selbst bezahlen kann. Das ist wirklich nicht notwendig."

„Oh, aber Mr. Masen hat mir die Rechnung zugeschickt. Er bat mich darum."

Oh, sicher, er bat mich darum, das war ja wohl klar.

„Mr. Masen hat Sie gebeten, seine Reinigung zu bezahlen? Er hat Ihnen die Rechnung geschickt?", fragte die nette Assistentin und sah komplett verwirrt aus.

„Ich habe die Rechnung mit", sagte ich, holte sie aus meiner Tasche und reichte sie ihr. Seine Kreditkartendaten standen ebenfalls auf der Quittung.

Sie sah sich den Zettel an und reichte ihn mir zurück. Ihr Mund stand dabei vor Verwirrung ein wenig offen.

„Ähm, warum geben Sie es nicht mir, meine Liebe, und ich kümmere mich darum, dass er das Geld bekommt." Sie streckte die Hand aus, als würde ich ihr gleich fünfundsiebzig Dollar geben.

„Oh, ich würde sie Mr. Masen gerne persönlich geben. Ich möchte mich gern noch einmal entschuldigen", bat ich sie, so süß ich konnte.

Sie überlegte einen Augenblick lang und deutete mir dann, ihr zu folgen. Sie verwendete ihre Schlüsselkarte, um eine Tür zu öffnen, und dann betraten wir den Gang, der uns in einen anderen Bereich des Büros führte. Meine Nerven erlangten beinah die Überhand, und ich begann nervös auf meiner Lippe herumzukauen, bis diese schmerzte.

Wir wandten uns in einen weiteren Gang und dann drückte sie den Rufknopf eines Fahrstuhls. Wir stiegen ein, sie steckte ihre Karte in einen Slot und die Türen schlossen sich. Einen Moment später öffneten sie sich wieder und wir liefen weiter. In diesem Stockwerk war alles sehr offen und luftig. Der Boden war aus Marmor und die Wände waren in einem tiefblauen Farbton gehalten. Man konnte aufwändig gestaltetes Gebälk sehen, das einem sofort ins Auge stach. Die Kunstwerke an diesen Wänden hier heroben stammte definitiv nicht von IKEA.

„Warten Sie hier", sagte die nette Assistentin, bevor sie ihre Karte in ein weiteres Lesegerät steckte und durch eine große Doppeltür aus Holz ging.

Dieses Büro war unglaublich. Ich konnte sehen, dass er seine Milliarden an Dollars in einen guten Innendesigner investiert hatte. Ich versuchte, meine Hand unter den Trageriemen meiner Tasche zu stecken, denn er schnitt schmerzhaft in meine Schulter ein, und hoffte, den Abdruck etwas zu lindern.

Die Assistentin kam nicht wieder zurück, stattdessen kam Alec, der Assistent, heraus.

Er begrüßte mich freundlich. „Isabella, schön, Sie wiederzusehen." Er bot mir meine Hand an und ich schüttelte sie unbeholfen.

„Ich wollte Mr. Masen seine Reinigungskosten rückerstatten und mich noch einmal entschuldigen", erklärte ich, obwohl ich anhand des entschuldigenden Blickes, den er mir zuwarf, bereits wusste, dass er schon erfahren hatte, weshalb ich hier war.

„Das hätten Sie nicht tun müssen. Mr. Masen hat heute einen eher schlechten Tag, und sobald er wieder einen kühleren Kopf hat, wird er sich schrecklich dafür fühlen, Ihr Geld anzunehmen."

„Ist schon gut. Wirklich. Meine Eltern haben mir beigebracht, all meine Schulden zu bezahlen."

„Ich kann ihm das Geld geben, wenn Sie wollen", sagte Alec und streckte seine Hand aus, wie es die Assistentin vorher schon getan hatte.

„Ich würde es ihm wirklich gern persönlich geben."

Alec seufzte geschlagen. Er steckte seine Schlüsselkarte in das Lesegerät und öffnete die Türen. Er hielt sie für mich auf, damit ich zuerst eintreten konnte. Die Assistentin von vorhin saß an einem Tisch in diesem Bereich und sah ein winziges bisschen nervös aus.

„Hier entlang", sagte Alec und führte mich zu einer weiteren Tür.

Er klopfte und eine Stimmte rief: „Herein!"

Alec öffnete die Tür und kündigte mich an, als ob er mich einem König präsentieren würde. Die junge Maid Isabella Swan of Forks ist hier, um König Edward Masen von und zu Arschloch zu sehen.

„Miss Isabella Swan ist hier, Sir."

Edward Masen blickte von den Papieren auf seinem Schreibtisch hoch und mein Herzschlag beschleunigte sich. All die Zuversicht, die ich den ganzen Weg hierher verspürt hatte, schmolz bei seinem bloßen Anblick dahin. Ein überraschter Ausdruck lag einen kurzen Moment lang auf seinem Gesicht, und dann verwandelte es sich in einen, der vielleicht belustigt wirken sollte. Seine Lippen verzogen sich zu einem etwas schiefen Grinsen.

„Danke, Alec", sagte er beinah freundlich.

Und damit ließ Alec, der Assistent, mich mit ihm allein. Ich versuchte, mich auf meine Atmung zu konzentrieren, damit ich nicht aus schierer Nervosität vor diesem Zusammentreffen ohnmächtig werden würde. Ich dachte, ich wäre groß und mutig, aber urplötzlich kam ich mir sehr klein und dumm vor.

„Ich habe dich nicht erwartet, Isabella. Du überraschst mich, und das passiert nicht sehr oft." Er lächelte immer noch schief. Er war rein äußerlich gesehen wirklich ein schönes Exemplar der Spezies Mann. Es war schwer, sich von seinem Aussehen nicht ablenken zu lassen. Es gab nicht viele Menschen, die wie er aussahen. Models und Filmstars vielleicht. Ich war aber nicht ohne Grund hier, und dieser Grund war nicht, bei dem Anblick seines hübschen Gesichts loszusabbern. Ich war hier, um ihn an sein hässliches Inneres zu erinnern.

„Tja, ich wollte mich nur noch einmal entschuldigen." Ich griff in meine Umhängetasche und sofort verschwand sein Lächeln. Vielleicht vertraute er dem Sicherheitspersonal nicht, das meine Tasche aber gründlich untersucht hatte. Vielleicht dachte er, ich würde ihn erschießen wollen.

Ich zog einen schimmernden Nickel heraus und legte ihn auf seinen Tisch. „Verzeihung, dass ich Ihre Hose bekleckert habe." Ich griff hinein und zog eine weitere fünf-Cent-Münze heraus. „Verzeihung, dass ich heute nicht Ihren Standards gerecht war. Meine Ausbildung war so scheiß schwierig." Und noch eine. „Verzeihung, dass Sie so ein präpotentes Arschloch sind, das aus irgendeinem Grund glaubt, dass es einfach andere Leute anschreien und sie zu einem zitternden Häufchen Elend machen kann, wenn sie doch nur ihren Unterhalt verdienen wollen, denn nicht jeder Mensch auf dieser Welt kann sich einen Anzug um achttausend Dollar leisten oder eine Flasche Wein um viertausend Dollar. Manche von uns schaffen es gerade so und müssen dennoch auf jeden Cent Acht geben."

Ich öffnete den Riemen meiner Tasche und leerte den Inhalt auf seinen Schreibtisch. Nickel-Münzen, um genau zu sein. Sie klimperten über seinen Schreibtisch und bedeckten alle Papiere und Akten, die darauf lagen.

„Fünfundsiebzig Dollar. Ich glaube, so viel hat die Reinigung Ihrer Hose heute gekostet. Damit wäre das ausgeglichen."

Ich verließ sein Büro und musste einfach lächeln. Sein Gesichtsausdruck war jeden Nickel wert gewesen.