Fridays at Noon

Kapitel 2

Freitag, 25. Juni, mittags


"Rosalie sucht nach dir", warnte Emmett mich, als ich vom Damen-WC kam.

Ich seufzte unbeabsichtigt auf.

"Lass ihr dein Seufzen nicht hören", sagte er mit einem Lächeln, das seine Grübchen zum Vorschein brachte.

Ich war mir nicht sicher, warum Rosalie mich jetzt brauchte. Es war beinahe Mittag und ich hatte gerade zwei Tische, die auf ihre Vorspeisen warteten. Ich wollte sie sicher nicht vernachlässigen. Bevor ich aufs WC ging, hatte ich beiden Tischen neue Drinks von der Bar gebracht. Heute würde alles glatt laufen.

Ich sah hinaus in den Speisesaal und merkte, dass bei meinen beiden Tischen anscheinend alles in Ordnung war. Niemand sah unglücklich oder ungeduldig aus. Ich lief zur Küche, um zu sehen, ob ich Rosalie finden und gleichzeitig nach dem Essen sehen konnte. Rosalie kam gerade die Stufen zum privaten Speisesaal herunter, als ich vorbeiging.

"Da bist du ja", knurrte sie.

"Emmett sagte, du suchst nach mir?", sagte ich so fröhlich wie möglich. Ich versuchte mein Bestes, mir ihre ständige Frustration mit mir nicht anmerken zu lassen.

"Du übernimmst heute wieder den privaten Speisesaal."

"Was?", kreischte ich. "Nein, nein, nein. Ich sollte diese Woche nicht diejenige sein, die sich um den privaten Speisesaal kümmert."

"Mr. Masen hat explizit dich verlangt. Ich weiß nicht warum, er war doch letzte Woche mit deiner Bedienung so unzufrieden. Ich habe versucht, jemand anderes vorzuschlagen, aber er hat praktisch befohlen, dass du ihn bedienst."

Warum in aller Welt wollte Edward Masen, dass ich ihn wieder bediente, außer um mich für meinen kleinen Stunt letzte Woche zu bestrafen? Meine Mundwinkel zogen sich hoch bei dem Gedanken an all die Nickel-Münzen, die auf seinem Tisch aufgetürmt gewesen waren, und den geschockten Ausdruck auf seinem Gesicht. Ich habe ihn sprachlos gemacht, er hat bei den vielen silbernen Münzen nach Luft geschnappt. Das war wirklich einer meiner besten Augenblicke gewesen. Wenn er wollte, dass ich ihn bediente, würde er mir wahrscheinlich die nächste Stunde lang das Leben schwer machen. Mein Lächeln verzog sich rasch wieder.

"Ich habe schon zwei Tische hier. Bitte zwinge mich nicht. Er hasst mich. Ich meine, er hasst mich wirklich. Wir wollen ihn doch nicht als Kunden verlieren. Jemand anderes sollte den privaten Bereich machen, bitte", bettelte ich vergebens.

"Versuche diesmal, so etwas wie ein Trinkgeld zu bekommen", sagte sie mit einer Handbewegung und ging davon. Sie hatte nicht einmal über meine Bitte nachgedacht.

Ich stampfte mit dem Fuß auf wie ein kleines Kind und ging in die Küche, um das Essen für meine anderen Tische zu holen. Ihn zu vermeiden, würde mich bei Mr. Masen nicht sehr weit bringen, da war ich mir sicher. Es würde ihm nur einen weiteren Grund geben, um gemein zu mir zu sein.

Sobald ich meine anderen Tische bedient hatte, lief ich widerwillig nach oben. Ich holte noch einmal tief Luft und öffnete die Tür. Heute war Mr. Masen von einer größeren Gruppe an Kollegen begleitet. Es saßen vier Frauen und ein Mann sowie Alec, der Assistent, hier. Eine der Frauen sprach gerade und hatte die Aufmerksamkeit der ganzen Gruppe auf sich gelenkt.

Sobald ich durch die Tür getreten war, blickte mich Mr. Masen jedoch direkt an. Seine grünen Augen sahen heute weicher aus. Seine Lippen verzogen sich zu dem selben amüsierten Lächeln, das ich gesehen hatte, als ich vor einer Woche in sein Büro gekommen war. Ich schluckte hart und wünschte mir, ich hätte einen Schluck Wasser getrunken, bevor ich hier hochgekommen war. Plötzlich kam ich mir ausgetrocknet vor, meine Nerven gingen mit mir durch.

Er sah weg und wieder zu der Frau hin, die gerade zu Ende sprach.

"Also sollte Denali bis Mitte August fertig sein."

"Mitte August?", wiederholte Mr. Masen skeptisch.

Die Frau, die ihre rotblonden Locken zu einem festen Knoten geschlungen trug, nickte. "Wenn Kates Prognoserechnung stimmt."

"Oh, meine Prognose ist in Ordnung", sagte eine dunkelhaarige Frau zu Mr. Masens Rechten versichernd.

"Ich habe diese Woche mit einigen wichtigen Leuten eine Besprechung. Ich will keine Versprechungen machen, die ich nicht halten kann, Tanya", sagte er immer noch zu der Rotblonden. Seine Augen wanderten kurz zurück zu mir.

"Denali wird bis Mitte August fertig sein. Versprochen."

"Du versprichst etwas?", meinte Mr. Masen, als sie wieder seine völlige Aufmerksamkeit hatte. Ich konnte seine Stimmung nicht deuten. In einer Minute sah er zufrieden aus, in der nächsten gar nicht mehr. Ich könnte nie für diesen Mann arbeiten. Zumindest wusste ich, dass Rosalie ständig zickig sein würde. Edward Masen hatte anscheinend extreme Stimmungsschwankungen.

"Ich verspreche es."

"Tja, wenn ich jedes Mal einen Nickel bekommen hätte, wenn mir jemand etwas versprach und es dann nicht halten konnte, hätte ich jetzt jede Menge Nickel, und ich brauche keine weiteren fucking Nickel mehr."

Ich wollte nicht, aber ich wagte einen Blick in seine Richtung. Und ja, er sah mich direkt an und hatte wieder dieses schiefe Grinsen im Gesicht. Ich lächelte unfreiwillig zurück. Er hatte wirklich viele Nickel.

"Bestellen wir unsere Drinks", sagte er und nickte in meine Richtung.

Dieses Essen verlief viel besser als das letzte. Sie musste über jede Menge Geschäftliches diskutieren und das brachte Mr. Masens Blutdruck zum Glück nicht zum Steigen. Ich schaffte es, ihnen allen ihre Getränke und ihr Essen zu servieren, ohne jemanden zu bekleckern. Ich ertappte Mr. Masen mehr als einmal dabei, wie er mich beobachtete. Sein Blick folgte mir durch den Raum von seinem Platz am Kopfende des Tisches aus. Ich versuchte, mich dadurch nicht irritieren zu lassen, aber ich spürte, wie mein Herzschlag sich beschleunigte, wann immer unsere Blicke sich trafen.

Ich brachte ihnen die Rechnung und fand Mr. Masen außerhalb des Zimmers vor, als er gerade telefonierte. In einer Hand hielt er sein Handy, mit der anderen fuhr er sich immer wieder durch sein Haar.

"Es ist mir scheißegal, was er gesagt hat! Das macht er eben. Er spielt diese idiotischen Spielchen. Und wir spielen nicht. Gott, wenn ich mit einem Mord davonkäme", murmelte er düster. Dann drehte er sich um und erblickte mich, wie ich die Stufen hochkam. Der wütende Edward war wieder da. Seine Augen waren wieder kalt und hart. Er drehte mir den Rücken zu. "Kümmere dich einfach darum. Finde heraus, wer es ist, und ruf mich nicht eher wieder an. Dafür bezahle ich dir schließlich das ganze Scheiß Geld, nicht wahr?"

Ich war oben angelangt und hoffte, dass ich es in den Saal schaffte, bevor er auflegte. Ich griff zur selben Zeit nach dem Türgriff, als er sich umdrehte und ebenfalls danach griff. Ich spürte einen kleinen Funken, als unsere Finger sich berührten, und dies sorgte dafür, dass ich meine Hand wieder zurückzog. Ich starrte hinunter auf meine Füße, hatte Angst, ihn anzublicken, denn ich wusste, er war wütend genug, um gewisse Leute tot zu sehen. Er wollte nicht einfach jemanden tot sehen, er wollte dafür sorgen, dass er tot war.

Er öffnete die Tür und wartete auf mich.

"Geh voran, Isabella! Ich würde hier lieber nicht den ganzen Tag lang herumstehen!", fauchte er, als ich mich nicht bewegte. Meine Augen schossen hoch zu seinen und ich konnte den Frust und die Wut sehen. Ich konnte es mitten in meiner Brust spüren.

Ich eilte durch die Tür und er folgte mir. Ich legte das Mäppchen mit der rechnung vor seinen Platz und begann dann, die Dessertteller abzuservieren. Er hielt mir das Mäppchen hin, seine Kreditkarte lugte am oberen Ende hervor. Ich nahm es, ohne ihm in die Augen zu sehen.

Ich hatte nicht wirklich erwartet, dass er nett zu mir war, oder? Er war nicht nett. Er hatte Probleme damit, seine Wut unter Kontrolle zu halten. Ich wusste das, obwohl er mir heute anders vorkam. Edward Masen war ein verzogener Schnösel. Das durfte ich nicht vergessen.

Ich gab ihm seine Rechnung zurück, sammelte die letzten Teller ein und fragte, ob ich noch jemandem etwas bringen durfte. Als alle geantwortet hatten, dass sie nichts mehr wollten, wartete ich unten, bis alle gegangen waren. Sie verbrachten weitere zehn oder fünfzehn Minuten da oben, und ich überlegte, ob ich noch einmal nach ihnen sehen sollte, denn vielleicht hatten sie ihre Meinung geändert und brauchten doch noch etwas. Bevor ich meinen Mut aufbringen konnte, um Mr. Masen noch einmal entgegentreten zu können, da kamen seine Kollegen auch schon die Stufen herunter.

"Ein schönes Wochenende", sagte ich höflich, als sie vorbeigingen. Sie wünschten mir dasselbe oder nickten und lächelten mir einfach zu.

Alec, der Assistent, und Mr. Masen waren nicht bei ihnen. Ich machte mich daran, mich um einen anderen Tisch im Hauptbereich zu kümmern, und als ich zurückkam, standen die beiden Männer am Fußende der Treppe.

"Das Essen war wunderbar, Isabella. Bitte richten Sie dem Küchenchef unsere Komplimente aus", sagte Alec mit seinem typischen bemitleidenden Lächeln.

"Mache ich. Ein schönes Wochenende, Sir", antwortete ich und wich wieder dem Blickkontakt mit dem verdrießlichen Mr. Masen aus.

Er wich meinem Blick aber nicht aus. Er beugte seinen Kopf zu mir. "Bitte sagen Sie Ms. Hale, sie soll nicht zu böse auf Sie sein", flüsterte er und reichte mir das Mäppchen mit der Rechnung.

Ich wagte es, hoch in sein Gesicht zu blicken. Er lächelte, diesmal mit einem verschlagenen Glitzern in den Augen. Ich stöhnte innerlich auf bei dem Gedanken daran, was das wohl bedeuten mochte. Ich hatte nichts getan, weshalb Rosalie böse auf mich sein könnte. Ich hatte auch nichts getan, um ihn böse zu machen, außer unabsichtlich sein privates Telefonat zu unterbrechen.

Ich ging zurück zum Tresen, um seine Zahlung zu registrieren, und zu meiner Überraschung war der Bereich für das Trinkgeld leer geblieben. Ich konnte spüren, wie mich die Hitze meiner eigenen Wut umfing. Wie konnte er es wagen? Wie konnte er es wagen, mir zwei Wochen hintereinander kein Trinkgeld zu geben? Ein Teil von mir wollte hinauslaufen und nachsehen, ob er noch da war und auf seine dumme Limousine wartete, damit sie ihn zurück in sein dummes Büro brachte. Dies war meine Bestrafung für die Nickel. Er hatte Rosalie nach mir gefragt, weil er vorgehabt hatte, es mir heimzuzahlen.

"Hey, was stimmt denn nicht?", fragte Emmett. Ich hatte gar nicht gemerkt, dass er zu mir gekommen war, und auch nicht, dass mir heiße, nasse Tränen über das Gesicht liefen.

"Nichts. Ich sollte froh sein. Ich sollte wirklich froh sein."

Er sah mich neugierig an. "Worüber solltest du froh sein?"

"Mr. Masen hat mir wieder kein Trinkgeld gegeben, aber ist schon okay", sagte ich und wischte mir meine sinnlosen Tränen von den Wangen. "Ich bin froh, weil ich jetzt auf keinen Fall mehr den privaten Speisesaal bedienen werde. Nicht, nachdem ich zwei Mal hintereinander kein Trinkgeld bekommen habe. Rosalie kann mich auch nicht mehr zwingen."

"Heute hast du aber niemanden bekleckert, oder?", fragte Emmett und zuckte zusammen, als ich ihm einen bösen Blick zuwarf.

"Nein, ich habe niemanden bekleckert! Es lief gut. Er hatte keinen Grund, mir heute kein Trinkgeld zu geben. Nicht wenn man meine Leistung heute betrachtet." Ich wusste aber, dass es dabei nicht um heute ging.

Emmett schlang einen seiner großen Arme um meine Schulter. "Tut mir Leid, Bells. Das ist einfach Scheiße. Du solltest mit Rose darüber reden. Sie wird es verstehen. Ihr ist die Kundenzufriedenheit am wichtigsten, aber die Leute dürfen nicht mit ihren Angestellten herumspielen und damit davonkommen."

Ich nickte und stimmte zu, mich mit ihr zu unterhalten. Sie kam gerade zufällig die Stufen herab, als ich in den Hauptbereich gehen wollte.

"Was hast du getan?", sagte Rosalie durch zusammengebissene Zähne. Könnten Blicke töten, dann wäre ich jetzt gestorben.

"Nichts, warum?" Masens letzte Worte hallten in meinem Kopf wider. Bitte sagen Sie Ms. Hale, sie soll nicht zu böse auf Sie sein. Hatte er etwas zu ihr gesagt? Was könnte er wohl gesagt haben?

"Warst du schon da oben?", fragte sie und deutete die Stufen hoch.

"Nicht seit sie gegangen sind", antwortete ich und versuchte herauszufinden, was denn so schief gelaufen sein konnte.

"Der Saal ist heute Abend für eine Hochzeitsfeier reserviert, und ich erwarte von dir, dass du alles weggeräumt hast, wenn ich zurückkomme. Hast du mich verstanden?"

"Ähm, absolut", sagte ich komplett verwirrt.

Sie stürmte davon und ich machte mich auf den Weg nach oben, um nachzusehen, wovon zur Hölle sie denn gesprochen hatte. Ich hatte fast alles schon abserviert, noch bevor die Hilfskraft hochgegangen war. Was könnte Masen getan haben, dass Rosalie so wütend auf mich war.

Ich öffnete die Tür und sah sofort, was sie so erzürnt hatte. Der fünf Meter lange Tisch war von Anfang bis Ende, von einer Seite zur anderen, mit 1-Cent-Pennies bedeckt. Da lagen so viele Pennies, auch auf den Stühlen, auf dem Boden, überall. Ich legte meine Hand an meinen Mund und begann hysterisch zu lachen.

Touché, Mr. Masen. Touché.


"Also lass mich das wiederholen, er hat dir ein Trinkgeld von hunderttausend Pennies gegeben?" Jasper fiel es schwer, meine Geschichte zu glauben, als er wieder einen Schluck von seinem Bier trank.

"Er hat mir die Plastikbehälter dagelassen, mit denen er sie wohl hergebracht hatte, und einen Rollwagen, damit ich sie über die Treppe bringen konnte. Ich musste Emmett bitten, mit mir zur Bank zu gehen, weil ich sie nicht mehr bewegen konnte, nachdem sie vollgefüllt waren. Er dachte, dass jede vielleicht neunzig Kilo wog. Der Bankangestellte war so angepisst."

"Tausend Dollar Trinkgeld in Pennies. Das ist wahnsinnig komisch", lachte Jasper, sodass sein Kopf zurückfiel. "Das schlägt deinen Streich mit den fünf-Cent-Nickeln mit links."

Masen hat mich effektiv übertrumpft. Verdammt.

Jasper und ich genossen eine Nacht außerhalb der Stadt. Maria hatte uns in diesen protzigen Nachtclub gebracht, weil sie den Türsteher kannte. Sie war mit ihren Freundinnen auf der Tanzfläche, während Jasper und ich uns über die Ereignisse der Woche austauschten. Ich ging nicht so gerne aus, aber Jasper hatte mich überredet und versprochen, mit mir herumzuhängen.

"Du hättest sehen sollen, wie angepisst deine Schwester war."

"Oh, das kann ich mir vorstellen", gluckste er. "Du solltest besser glauben, dass sie ihm etwas extra verrechnet, wenn er mit so einem Blödsinn weitermacht."

"Ist mir egal, was sie mit ihm macht, solange sie es nicht an mir auslässt", sagte ich und wischte das Kondensat von meiner Bierflasche. "Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie mich nicht mehr für den privaten Speisesaal für Mr. Masens freitägliches Mittagessen einteilt. Zumindest ein Gutes hatte dieses ganze Fiasko."

"Keine Fridays at Noon mehr." Jasper hielt mir sein Bier hin, um mit mir anzustoßen.

Unsere Flaschen klirrten aneinander. "Halleluja!", rief ich.

"Jaz, komm tanz mit mir." Maria schlüpfte auf den Platz neben ihm. Sie zog ihre Unterlippe vor und schlang ihren Arm besitzergreifend um seinen.

"Ich kann Bella nicht allein hierlassen", protestierte er.

Maria verdrehte die Augen. Ich war nicht ihre beste Freundin. Eigentlich hatte ich sogar gehört, wie sie versucht hatte, ihn davon zu überzeugen, dass wir nicht in den Club kämen, wenn ich mit dabei wäre. Jasper hatte ihr gedroht, gar nicht zu kommen, wenn ich auch nicht kommen konnte, und Maria hatte nach einer Runde Schmollen schließlich zugestimmt.

"Mach dir um mich keine Sorgen, mir geht's gut", sagte ich. Ich wusste, dass er nicht gern tanzte, aber ich wollte nicht, dass Maria nicht noch böser auf mich wurde, als sie es ohnehin schon war.

"Siehst du, ihr geht's gut. Vielleicht hat sie sogar ein wenig Glück und reißt einen Kerl auf, was aber ziemlich unwahrscheinlich ist, wenn du die ganze Nacht lang bei ihr sitzt. In diesem Club kommt die Elite von Seattle zusammen. Vielleicht findet sie sich einen Sugar Daddy, den sie anschnorren kann."

Die Bombe war geplatzt. Maria war nicht glücklich damit, dass wir eine WG hatten. Obwohl ich meine Hälfte der Miete bezahlte, dachte sie, ich würde Jasper ausnützen.

"Maria, sag nicht so einen Scheiß", fauchte Jasper.

"Was?", antwortete sie und tat unschuldig.

Ich schüttelte den Kopf und lächelte, weil mein Freund mich verteidigen wollte. "Geh mit deiner Freundin tanzen, Jaz. Ich habe eine Tasche voll Pennies, vielleicht bringt mir einer Glück und ich finde einen Mann", sagte ich sarkastisch genug, damit er es verstand und sie nicht.

Jasper wusste, dass ich keinen Mann wollte. Meine letzten paar Dates waren ein kompletter Reinfall gewesen. Seit Mike Newton war ich mit niemandem mehr richtig zusammengewesen. Er und ich hatten uns kurz nach unserem Abschluss getrennt. Er zog nach Kalifornien und suchte sich einen Job, und ich war hier in Seattle geblieben. Zwischen uns waren nicht genug Gefühle gewesen, um eine Fernbeziehung zu überstehen. Zuerst war ich traurig deswegen, aber ich merkte bald, dass Mike nicht der Eine für mich war. Ich war mir sicher, ich würde es wissen, wenn ich den Einen kennen lernte.

Jasper ging zögerlich mit Maria auf die Tanzfläche und ich blieb am Tisch sitzen und nippte an meinem Bud Light Bier. Die Nacht würde nicht so witzig sein, wenn Jasper nicht hier war. Ein paar von Marias Freundinnen kamen zurück zum Tisch und ich entschuldigte mich, da ich an die Bar wollte, um mir noch einen Drink zu holen.

Ich stand dort und wartete darauf, dass der Barkeeper mich bemerkte. Offenbar bedeutete es, dass ich nicht sehr rasch bedient werden würde, da mein Ausschnitt nicht bis zu meinem Bauchnabel reichte und mein Rock mehr als nur meine Arschbacken bedeckte. Nicht dass ich wie eine Landstreicherin angezogen war. Ich hatte eine Jeans an, in der mein Hintern wirklich gut zur Geltung kam, und ein ärmelloses blaues Top mit einem anständigen Ausschnitt. Ich dachte, wenn ich mein Haar offen trug, sah ich ziemlich heiß aus. Offenbar war der Neandertaler-Barkeeper, der mit einem halbnackten Mädchen am anderen Ende der Bar flirtete, anderer Meinung.

"Jemand muss im Himmel Bescheid sagen, dass ich einen Engel gefunden habe", lallte mir ein widerlich betrunkener Mann ins Ohr. Natürlich dachten Trottel wie er, das wäre eine gute Anmache.

"Tut mir Leid, da hast du die Falsche erwischt", sagte ich und hoffte, er würde rasch wieder sein Interesse verlieren oder der Barkeeper würde endlich herüberkommen und mir ein Bier geben, damit ich rasch von hier verschwinden konnte.

"Wenn du die Falsche bist, bin ich der Richtige." Die Hand des Typen strich meinen Arm hinauf und er drückte sich an mich.

"Ich habe wirklich kein Interesse. Ich bin mit meinem Freund hier, also verzieh dich", sagte ich streng und stieß ihn weg.

"Ich sehe hier keinen Freund. Ich sehe dich und mich, und wir können viele interessante Sachen miteinander machen", sagte er und drückte seinen Schritt an meine Hüfte.

Ich wollte ihm schon eine verpassen, als sich eine Hand an seine Schulter legte und ihn zurückzog.

"Wenn du sie noch einmal berührst, werde ich dich zerstören", knurrte Edward Masen. Er stellte sich zwischen mich und meinen betrunkenen Verehrer.

Der Kerl musterte Mr. Masen und beschloss, sich geschlagen zu geben. Er hob seine Hände entschuldigend hoch und verzog sich in die Menge. Ich stand wie erstarrt da und konnte nicht glauben, was gerade passiert war.

"Was kann ich dir bringen?", fragte endlich der Barkeeper mit dem schlechtesten Timing aller Zeiten.

"Ah", antwortete ich wie ein Idiot, da mein Gehirn sich gerade verabschiedet hatte.

"Für mich einen Grey Goose Vodka Tonic und die Lady bekommt einen ..." Edward sah mich erwartungsvoll an.

Ich stand da und brachte kein Wort hervor. Was zur Hölle tat Edward Masen im selben Club wie ich?

"Du hast Bier getrunken, richtig?"

Woher wusste er, was ich getrunken hatte? Ich starrte ihn wie ein Vollidiot an. Er lächelte und lehnte sich an die Bar.

"Wie wäre es mit einem Heineken Light für die Lady", sagte er zu dem Barkeeper.

Natürlich bestellten Milliardäre keine langweiligen inländischen Getränke. Ich erwachte aus meiner Starre und beschloss, meine Genervtheit wegen seiner Arroganz nicht zu verbergen.

"Du musst mir keinen Drink spendieren. Ich kann sehr wohl selbst meinen Drink bestellen und bezahlen."

"Das kannst du sicher", grinste er. "Der betrunkene Idiot hat dich wahrscheinlich nur nervös gemacht."

"Ich bin auch im Stande, allein mit solchen Idioten umzugehen, die glauben, ich wäre leichte Beute."

"Da bin ich mir nicht so sicher", sagte er und zog die Augenbraue hoch.

Er war unbelehrbar. Ich hasste es, wenn die Menschen dachten, ich könnte mich nicht um mich selbst kümmern. Edward Masen brauchte sich nicht um mich zu sorgen. Nicht, dass er sich Sorgen machte. Ich war ihm komplett egal. Also warum sollte er?

Der Barkeeper kam zurück mit unseren Drinks, Edward reichte ihm einen Fünfziger und sagte ihm, er solle den Rest behalten. Anscheinend bekamen nicht alle ihr Trinkgeld in Pennies.

"Dankeschön dafür", sagte ich und hielt meinen Drink hoch. "Und für die Hilfe mit dem Widerling."

Mein einziges Ziel war, von ihm wegzukommen. Ich ging durch die Menge, um zu sehen, ob ich Jasper irgendwo finden konnte. Ich brauchte ihn, damit ich mich wieder beruhigte. Ich stand neben einem großen Pfeiler in der Nähe der Tanzfläche und suchte nach einem Zeichen von meinem Freund inmitten all der sich bewegenden und sich aneinander drängenden Körper. Ich nahm einen Schluck von meinem Bier und verfluchte mich dafür, weil ich dachte, dass es besser schmeckte als mein eigenes Bier vorhin.

"Einen Penny für deine Gedanken?", ertönte eine samtige, glatte Stimme hinter meiner Schulter.

Ich konnte nicht anders, ich stieß ein kleines Lachen aus. "Ich habe genug Pennies, danke."

Er lachte und lehnte sich neben mir an den Pfeiler.

"Tja, ich könnte dir auch einen Nickel für deine Gedanken anbieten. Ich habe jede Menge davon."

"Das ist witzig, weil ich habe gerade gedacht, wenn ich für jedes Arschloch, das einen Hinweis nicht deuten konnte, einen Nickel bekäme ..."

Er lachte wieder, als würde ihn das wirklich belustigen. Er war wirklich schön, wenn er lachte. Sein Lächeln hellte sein ganzes Gesicht auf. Ich sah wieder auf die Tanzfläche. Ich musste irgendwohin sehen, bloß nicht zu ihm und in sein schönes Gesicht. Mein Herz schlug doppelt so schnell und seine Nähe machten mich ein wenig schwindelig, was eigentlich lächerlich war. Ich hasste Edward Masen.

"Ich glaube, dein Freund hat da draußen zu viel Spaß ohne dich", sagte er, lehnte sich näher und ließ mich kurzzeitig vergessen, wie man atmete.

"Er ist nicht mein Freund", stellte ich klar. Ich wusste nicht, warum ich das erklären wollte. "Er ist mein Mitbewohner."

"Dein Mitbewohner?" Er klang überrascht und vielleicht auch ein wenig zufrieden.

"Ein Mitbewohner. Das ist jemand, mit dem man eine Wohngemeinschaft gründet, damit man sich die Kosten für die Miete teilt, weil man es sich nicht leisten kann, in dieser Stadt in einer eigenen Wohnung zu leben. Ich verstehe, dass das für jemanden wie dich vielleicht fremd sein mag."

"Ah, ein Mitbewohner. Ja, ich glaube, davon habe ich schon gehört. Zum Glück habe ich nie einen gebraucht. Wie ich gehört habe, können sie nervig, laut und unordentlich sein und ohne zu fragen deine Sachen ausborgen", sagte er mit einem listigen Lächeln und funkelnden Augen. Oh, wie man sich in diesen Augen verlieren konnte.

Ich hasse Edward Masen. Ich hasse Edward Masen. Ich hasse Edward Masen.

"Jasper ist toll. Er ist ein super Mitbewohner. Ich habe keine Beschwerden", sagte ich, schüttelte den Kopf und sah wieder hinaus auf die Tanzfläche.

"Das sieht mir nicht wie ein Ort aus, an dem man dich normalerweise treffen könnte. Sieht nicht wie deine Szene aus", sagte er über die Musik hinweg.

Nicht meine Szene, alias außerhalb meiner Liga. Arme Kellnerinnen waren wohl nicht oft hier anzutreffen.

"Was genau ist meine Szene?", fragte ich und drehte mich um, um ihn wieder anzusehen. Er starrte mich so intensiv an, dass mir ganz schwummrig wurde.

"Ich weiß nicht, Miss Swan. Sie neigen dazu, mich jedes Mal zu überraschen, also würde ich es nicht wagen, einfach zu raten. Es sieht einfach so aus, als würden Sie nicht so viel Spaß haben, wie Sie sollten."

Ich nahm einen weiteren Schluck, um mich abzulenken. Interessierte es ihn, dass ich keinen Spaß hatte? Warum sollte es Edward Masen interessieren, ob ich mich amüsierte oder nicht? Warum unterhielt er sich überhaupt mit mir?

"Komm hoch in die VIP Lounge mit mir", sagte er so autoritär, dass es fast wie ein Befehl klang und nicht wie eine Frage. Er bot mir seine Hand an.

Ich bewegte mich nicht. Mein Blick wanderte zwischen seiner Hand und seinem Gesicht hin und her. Dieses Gesicht. Diese Augen. Diese Lippen. Er war so nett, aber ich wusste aus Erfahrung, dass er innerhalb einer Sekunde gefühlskalt werden konnte. Zum Glück rettete mich Jasper davor, eine Wahl zu treffen.

"Bella", sagte er und schlang seine Arme von hinten um mich. Mr. Masen zog rasch seine Hand zurück und starrte meinen Retter böse an.

"Jaz."

"Belästigt dich dieser Kerl, Darlin'?", fragte er und legte sein Kinn auf meine Schulter.

Jasper war ein guter Freund. Er hatte mich schon oft gerettet so wie Masen vor ein paar Minuten. Nicht dass ich oft gerettet werden müsste. Jasper war eben beschützerisch.

"Das ist Edward Masen. Mr. Masen ist oft zu Gast im Eclipse. Jasper ist eigentlich Rosalies Bruder", sagte ich und stellte die beiden einander vor. Ich hoffte, Jasper würde sich nicht anmerken lassen, dass ich ihm alles über den berühmten Mr. Masen erzählt hatte.

"Rosalie Hale ist Ihre Schwester?" Mr. Masens Blick wurde weniger böse, als er diese Information verarbeitete.

"Schon mein ganzes Leben lang", antwortete Jasper mit seinem verspielten Grinsen und bot ihm seine Hand an. "Schön, dich kennenzulernen, Edward. Du bist dieser Computer Typ. Der Masen Security aufgebaut hat, richtig?"

"Das bin ich." Mr. Masen schüttelte seine Hand, konnte seine Augen aber nicht von seiner anderen Hand abwenden, die Jasper sicher um meine Hüfte gelegt hatte.

Ich drehte mich zu Jasper. "Ich glaube, ich nehme ein Taxi und fahre heim. Ich bin müde."

"Das ist eben so, bei solch einem undankbaren Job. Kannst du glauben, dass so ein Arsch ihr das Trinkgeld heute in Pennies gegeben hatte?"

"Wirklich?" Der listige Mr. Masen spielte mit und machte große Augen.

"Ja, das arme Ding musste allein fast sechshundert Pfund Pennies zur Bank ein paar Blocks weiter schleppen, weil meine Schwester ihr so sicher wie die Hölle nicht helfen wollte. Ich komme mir schuldig vor, weil ich ihr diesen Job besorgt hatte. Bella ist eigentlich Englischlehrerin von Beruf."

Mr. Masen war wahrlich überrascht. Er sah mich an, als würde man normalerweise auf den ersten Blick erkennen, wenn jemand ein Lehrer war. "Wirklich?"

"Sie hat vor einem Jahr die University of Washington abgeschlossen, als Jahrgangsbeste sogar, weil sie so fucking klug ist. Sie hat in der Stadt einen Job bekommen, wurde aber als Erste wieder rausgeworfen wegen den Budgetkürzungen und weil sie noch keine fixe Anstellung hatte. Ich habe ihr geholfen, den Job bei meiner Schwester zu bekommen, damit sie über die Runden kommt, und dann wird sie zwei Wochen hintereinander von so einem reichen Schnösel veräppelt. Das pisst mich an, weißt du?" Jasper trug ein wenig dick auf, aber ein Teil von mir wollte ihn dafür küssen, weil er für mich einstand.

"Das kann ich mir vorstellen", murmelte Mr. Masen verlegen. "Du wirst sicher gehen, dass sie gut nach Hause kommt, nehme ich an?", fragte er und trat einen Schritt zurück.

Und wieder die Besorgnis. Er war ein verwirrender Mistkerl.

"Ja, ich kümmere mich darum", antwortete Jasper. "Schön, dich kennengelernt zu haben, Edward."

Er nickte. "Gute Nacht, Isabella", sagte er, bevor er sich in den VIP Bereich zurückzog, aus dem er gekommen war.

"Hast du sein Gesicht gesehen?", gluckste Jasper und klatschte in die Hände. "Du gehst nicht wirklich, oder? Du hast das nur gesagt, um ihn loszuwerden?"

Wollte ich ihn loswerden? Ein Teil von mir dachte nein, aber der andere, klügere Teil von mir dachte ja, das sollte ich zumindest.

"Ich glaube, ich gehe. Ich hab nicht zum Spaß gesagt, ich wäre müde."

"Soll ich mit dir mitkommen?"

"Und Maria hier lassen? Ich glaube nicht, dass ich ihren Zorn deswegen zu spüren bekommen will, Kumpel. Wir sehen uns morgen." Ich umarmte ihn und lief dann auf den Ausgang zu.

Ich stand vor dem Club und wartete auf ein Taxi, als der betrunkene Vollidiot von vorhin wieder auftauchte. Anscheinend hatte er einen Bella-Radar oder so.

"Da bist du ja. Wie ich sehe, hast du diesen Arsch Freund von dir sitzen gelassen. Vielleicht solltest du es mal mit einem echten Mann versuchen", lallte er und kam zu mir herüber.

Ich ignorierte ihn. Vielleicht half es ja, wenn ich so tat, als würde er nicht existieren.

"Oh, sei nicht so, meine Schöne", sagte er hinter mir. Sein heißer Atem streifte über mein Haar. Er stank nach Schnaps und Zigaretten. "Ich verspreche, ich werde sanft sein."

An Tagen wie diesen wünschte ich, ich hätte den Pfefferspray dabei, den mein Dad mir gegeben hat, als ich in die Stadt gezogen war. Dieser Kerl brauchte wohl eine Ladung davon. Seine großen Hände legten sich an meine Hüften und ich verpasste ihm instinktiv eine mit dem Ellenbogen in die Rippen. Er ließ mich los, begann aber zu lachen.

"Du bist eine Resolute, häh? Wir werden jede Menge Spaß haben." Seine Augen sahen nicht mehr maskiert und verspiet aus, sondern dunkel und gefährlich. Dieser Kerl wollte mich verletzen. "Stefan", rief er zu irgendjemandem. "Hol den Wagen."

"Ich fahre nirgendwo mit dir hin", sagte ich so gefährlich wie möglich.

Er lachte wie wahnsinnig und griff nach meinem Arm, bloß damit ihm beide Arme nach hinten gerissen wurden und er zu Boden fiel. Sein Gesicht knallte hart auf den Asphalt. Ich sah hoch zu den zwei Männern, die über ihm standen. Der eine war ein großer, schwarzer Mann in einem schwarzen Anzug und der andere war kein geringerer als Mr. Masen.

"Ich glaube, ich habe dir gesagt, was ich tun würde, wenn du sie noch einmal anfasst, oder?" Er bückte sich und zog den Kopf des Mannes an seinen Haaren zurück. "Ich glaube, deine Nase ist gebrochen. Lass das lieber von jemandem ansehen. Isabella, steig in den Wagen."

Wieder einmal war ich vor Schock erstarrt und konnte mich nicht bewegen. Mr. Masen stand in einer geschmeidigen Bewegung auf und griff nach meinem Arm, damit er mich herumdrehen konnte. Seine Berührung an meinem Arm war elektrisch. Das war der selbe Funken wie vorhin.

"Steig in den Wagen, Isabella", knurrte er und schob mich zur Straße.

Am Bürgersteig stand ein schwarzer Mercedes mit verdunkelten Fenstern. Ein weiterer Mann, ein junger Kerl mit sandbraunem Haar, hielt die Tür auf. Er trug den selben schwarzen Anzug wie der Kerl, der dem Betrunkenen ins Gesicht geschlagen hatte.

Ohne denken zu können, tat ich, was mir gesagt wurde, und ich rutschte auf den Rücksitz des Wagens. Mr. Masen folgte hinter mir. Der blonde Kerl setzte sich auf den Fahrersitz und der große Dunkelhäutige auf den Beifahrersitz.

"Wo wohnst du, Isabella?", fragte Mr. Masen. Seine Stimme war voller Wut.

Ich sah ihn an und wusste, dass er zornig war. Die dunklen Schatten des Wagens konnten seine Gefühle vor mir nicht verbergen. War er böse auf mich?

"Würdest du mir bitte antworten? Wo wohnst du?", wiederholte er frustriert.

Ich ratterte meine Adresse herunter, der blonde Mann nickte und machte eine Kehrtwendung an der nächsten Ampel, da wir in die falsche Richtung unterwegs waren.

"Wenn jemand sagt, er würde etwas tun, dann sollte er das auch wirklich tun. Nichts pisst mich mehr an als jemand, der nicht macht, was er zugesagt hatte!", schäumte Masen giftig über. Er zwickte sich mit den Fingern in seine Nasenwurzel.

Ich wusste nicht, was er meinte. Ich hatte ihm gesagt, dass ich gehen wollte, und das tat ich auch. Ich hatte auf ein Taxi gewartet. Woher hätte ich wissen sollen, dass der betrunkene Typ mich finden würde?

"Du musst dir bessere Freunde suchen, Isabella. Freunde, die ihre Versprechungen auch einhalten."

Es ging um Jasper? Edward Masen war wütend, weil Jasper nicht sichergestellt hatte, dass ich in ein Taxi stieg. Dieser Tag konnte nicht noch seltsamer werden.

"Er hat angeboten, mit mir nach Hause zu fahren, und ich habe ihm gesagt, er solle bleiben. Sei nicht böse auf ihn."

"Tja, dann schätze ich, bin ich wieder böse auf dich!", fauchte er und brachte mich dazu, ein Stück von ihm wegzurutschen. Mein Herz hämmerte vor sich hin. Ich konnte nicht herausfinden, warum dieser Mann so eine Wirkung auf mich hatte.

"Du hast keinen Grund, böse auf mich zu sein. Ich werde dir nicht antworten. Ich kenne dich ja nicht einmal!"

Wir fuhren in bedrückender Stille den restlichen Weg zu meiner Wohnung. Als der Wagen am Straßenrand stehen blieb, sprang der blonde Mann auf und öffnete mir die Tür.

Bevor ich ausstieg, hielt ich inne. "Danke", sagte ich knapp.

"Gute Nacht, Isabella", sagte er leise von seinem Platz auf der anderen Seite des Wagens aus.

Ich war froh, zu Hause zu sein und ins Bett gehen zu können. Es war ein anstrengender Tag voll unerwarteter Ereignisse und Wendungen gewesen. Ich hoffte, rasch einzuschlafen, aber die Gedanken an Mr. Masen und sein verwirrendes Verhalten hielten mich wach. Wie konnte jemand so verspielt und galant und in der nächsten Sekunde so unfreundlich und ätzend sein?

In meinen Gedanken konnte ich mir seine Augen vorstellen. Diese lebhaften, grünen Kugeln, die einem direkt verrieten, mit welchem Edward Masen man es zu tun hatte. Sie konnten die Farbe von weichem, grünen Gras bis hin zu harten Smaragden annehmen. Wenn sie freundlich waren, waren sie die schönsten Augen, die ich je bei einem Mann gesehen hatte. Sie riefen beinah nach mir und baten mich, mich in ihnen zu verlieren. Aber wenn sie wütend waren, machten sie mir mehr Angst als alles, dem ich je zuvor gegenübergestanden war.

Zwischen der Penny-Rache, der doppelten Rettung und der Fahrt nach Hause konnte ich mir nicht vorstellen, warum so jemand wie er so viel Energie an so jemandem wie mir verschwenden würde. Je mehr ich darüber nachdachte, desto unglaublicher kam mir das alles vor. Warum gab er sich mit mir ab? Wie ich schon im Wagen gesagt hatte, kannten wir uns doch nicht einmal Ich drehte und wälzte mich herum, bis ich endlich in einen unruhigen Schlaf abtauchte. Dies war die erste Nacht, in der ich von Edward Masen träumte.