Fridays at Noon

Kapitel 5

Freitag, 16. Juli, mittags


Das war die unwirklichste Woche meines Lebens. Ich war mit Edward Masen zusammen, Milliardär, Playboy, CEO eines globalen Software-Unternehmens, und noch dazu ein riesen Exzentriker. Unser Wiedergutmachungs-Date am letzten Freitag endete äußerst positiv. Er küsste mich auf seiner Dachterrasse, wir sahen uns den Sonnenuntergang und dann saßen wir in der Bibliothek und unterhielten uns über unsere Lieblingsbücher, bis ich zu gähnen begann. Er wollte mich überreden, mich von Brady heim fahren zu lassen, aber wir einigten uns darauf, dass er mir lediglich bis nach Hause folgte. Edward war sich so sicher, dass mein Truck es nicht zurück in die Stadt schaffen würde, aber es funktionierte alles wunderbar.

Er lud mich wieder für Samstag ein, um mir bei Tageslicht den Rest seines Anwesens zu zeigen. Alles war genauso eindrucksvoll wie das Hauptgbäude. Zuerst gingen wir zu den Pferden. Er hatte vier – einen schwarzen Friesen-Hengst, eine graue Araber-Stute und zwei Palominos. Ich wusste nicht viel über Pferde, Jasper allerdings schon, und er war beeindruckt, als ich ihm von ihnen erzählte. Mein Liebling war der Friese namens Twilight, weil er mich an Edward erinnerte. Das Pferd war wunderschön und stark, sah aber gleichzeitig dunkel und gefährlich aus. Er hatte laut Edward auch ein ziemliches Temperament, obwohl er überrascht war, als Twilight zu mir herüber kam und den Kopf neigte, um sich von mir streicheln zu lassen. Anscheinend kam ich gut mit temperamentvollen Männern zurecht.

Nach den Stallungen zeigte Edward mir den Indoor Pool. Ich musste seine sehr überzeugende Einladung zum Nacktbaden ablehnen, obwohl ich mich langsam fragte, wie der Mann wohl unter seinen Hemden aussah. Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, ich fühlte mich nicht täglich stärker körperlich zu ihm hingezogen.

Als nächstes gingen wir durch das einstöckige Gästehaus mit den drei Schlafzimmern und dreieinhalb Badezimmern. Es war schöner als jedes Haus, in dem ich je zuvor gewohnt hatte oder zu Besuch gewesen war. Edwards Gäste konnten sich sehr glücklich schätzen.

Außerdem sahen wir uns in seinem privaten Kino einen Film an. Es war nicht anders als in einem echten Kino, außer dass wir die Einzigen dort waren. Es gab eine normal-große Kinoleinwand, die bequemsten Sitze, auf denen ich je gesessen hatte, und einen eigenen Imbiss-Stand mit jeder Art von Süßigkeit, die ich mir nur vorstellen konnte, und daneben einen Bottich voll Kino-Popcorn.

Am Sonntag führte Edward mich zum Brunchen ins Café Champagne aus, einn weiteres kleines, einfaches Lokal, über das er sagte, es erinnerte ihn an Lokale, in denen er gegessen hatte, als er in Paris gewesen war. Nach dem Essen gingen wir in den Olympic Sculpture Park am Hafen. Wir verbrachten nur den Tag zusammen, da er sich am Sonntag Abend um irgendwelche Geschäfte kümmern musste. Er sagte irgendetwas über die asiatischen Märkte. Ich hatte keine Ahnung, was er meinte. Manchmal fragte ich mich, ob der Mann jemals schlief. Sein Blackberry läutete und piepste Tag und Nacht.

Edward wohnte an den Wochenenden in seinem Anwesen, hatte aber für die Wochentage eine Eigentumswohnung in der Stadt. Dort aßen wir am Montag und Mittwoch gemeinsam Abendessen. Charlotte folgte Edward, wo auch immer er war, also brauchte ich gar nicht zu erwähnen, dass ich an diesen zwei Abenden sehr gut speiste. Edwards Wohnung lag in einem der Hochhäuser am Ufer. Die Fenster reichten vom Boden bis zur Decke und boten einen Panoramablick über Elliott Bay, die Stadt und die Berge. Man konnte von Mount Rainier bis zu den Olympics sehen. Seine Wohnung war viel zeitgemäßer eingerichtet als sein Haus. Alles war sehr schnittig und eintönig. Grau, schwarz und weiß waren die herrschenden Farben. Es war eine beeindruckende Wohnung, aber lang nicht so persönlich wie sein Haus. Es gab keine Fotos, keine CDs, keine Bücher. In seiner Wohnung fand man kein Zeichen, wer Edward wirklich war.

Die ganze Woche über hielt Edward die Stimmungsschwankungen unter Kontrolle, und ich konnte kaum abstreiten, dass ich ihn mochte. Ich mochte ihn wirklich, wirklich sehr. Er war immer noch einschüchternd, aber ich konnte sehen, dass er auch eine weichere Seite hatte. Er zeigte sie nicht gerne, aber sie war da.

Gestern Abend hatte Edward mich jedenfalls wieder für heute zum Abendessen in sein Anwesen eingeladen. Ich hatte Jasper als Wiedergutmachung einen Pizza-und-DVD-Abend versprochen, also musste ich ablehnen. Mr. Masen nahm dies nicht so gut auf, denn anscheinend war er daran gewöhnt, dass es immer nach seinem Kopf ging. Als ich trotz seiner Nötigung und seinen schnippischen Bemerkungen nicht nachgab, legte er eiskalt einfach auf. Jasper hatte die ganze Streiterei leider gehört. Er war so angepisst, weil ich mich wegen Edward schlecht fühlte, und konnte die Sache einfach nicht ruhen lassen. Nachdem ich zum hundertsten Mal hörte, wie er Edward als den nicht so bezaubernden Prinzen bezeichnete, musste ich zu härteren Mitteln greifen, damit er es nicht noch einmal sagte, wie beispielsweise zu der Drohung, all seine Maxim-Magazine zu verbrennen, die er in der Schublade seines Nachtkästchens aufbewahrte.

Mein nicht so bezaubernder Prinz würde jede Minute zum Mittagessen hier sein. Ich war mir wie so oft nicht sicher, was ich erwarten sollte. Anscheinend standen wir jeden Freitag vor einem neuen ungelösten Problem. Ich hoffte, dass er darüber geschlafen und eingesehen hatte, dass er sich wegen der ganzen Sache kindisch benommen hatte.

"Buh." Jasper erschreckte mich auf der anderen Seite der Küchentür.

"Was machst du hier?", fragte ich ihn. Ich schob mir eine lose Haarsträhne aus dem Gesicht.

"Ich könnte sterben für die französische Küche und dachte, warum gehe ich nicht ins Restaurant meiner Schwester und nerve meine beste Freundin?"

Jasper konnte vieles, aber lügen gehörte nicht zu seinen Stärken.

"Mmmhmm", murmelte ich skeptisch.

"Jaz?" Rosalie kam aus ihrem Büro und sah genauso überrascht aus wie ich.

Jasper umarmte seine Schwester zur Begrüßung. "Hast du einen Tisch für mich in Bellas Bereich? Ich brauche heute ihre persönliche Betreuung. Vielleicht kann sie heute nur im Hauptsaal bleiben, solange ich hier bin?"

Ich schlug ihm fest auf die Schulter. "Du bist wegen ihm hier, oder?"

"Au!"

"Wegen wem?", fragte Rosalie.

"Du musst mich nicht von ihm fernhalten!"

"Von wem?", wiederholte Rosalie.

Jasper stimmte mir nicht zu. "Letzte Woche hast du ihn gehasst, als du zur Arbeit gegangen bist, und als du wieder zu Hause warst, hattest du einem zweiten Date mit diesem Kerl zugestimmt. Du hast mich letzte Woche sitzen gelassen. Ich werde das nicht noch einmal zulassen. Ich vertraue ihm nicht."

"Wem?", kreischte Rosalie noch einmal.

"Edward Masen", antwortete ich, ohne den Blick von meinem verrückten, überfürsorglichen besten Freund zu nehmen.

"Oh, um Gottes Willen! Jede verdammte Woche!" Rosalie warf ihre Hände übertrieben hoch. Sie deutete auf mich, während sie mit ihrem Bruder sprach. "Hat sie dich darauf angesetzt? Hat sie dich gebeten, hierher zu kommen und das zu machen, damit sie heute nicht in den privaten Speisesaal muss?"

"Nein! Heute will ich den privaten Speisesaal machen", antwortete ich an seiner Stelle.

"Sie hat mich nicht gebeten, hierher zu kommen, Rose. Was mich daran erinnert, ich bin böse auf dich, weil du nicht auf ihre Beschwerde gehört hast, dass sie falsch behandelt wurde. Dieser Masen-Typ hat ernsthafte Probleme und führt sie an der Nase herum. Kannst du bitte heute jemand anderen hoch schicken?"

"Nein!", sagten Rosalie und ich gleichzeitig.

Genau dann sah ich, wie Angela Edward in den privaten Speisesaal führte. Ich hätte mich gefreut, ihn zu sehen, wäre da nicht wieder eine Frau an seinen Arm geklammert gewesen. Wie es aussah, war sie nicht jemand, der für ihn arbeitete. Anscheinend gingen sie sehr ... freundlich mit einander um. Sie war klein und hatte dunkles, stacheliges Haar. Ich brauchte eine Minute, dann merkte ich, dass sie das lächelnde Mädchen war, das auf dem Foto in seinem Wohnzimmer die Arme um ihn geschlungen hatte. Eine alte Freundin vielleicht? Sie war offenbar jemand, der ihm genug bedeutete, dass er ihr Bild in seinem Haus hatte. Sie war auch jemand, den er als Bestrafung verwenden konnte, weil ich das Date mit ihm verweigert hatte.

Bevor er die Stufen hoch ging, drehte Edward sich um und erblickte uns, wie wir drei in seine Richtung starrten. Er hielt an und brachte seine kleine Spielgefährtin herüber. Ich hasste diese Spielchen. Ich hasste es, dass Jasper Recht hatte und ich falsch lag.

"Ms. Hale. Jasper. Isabella." Seine Augenbrauen zogen sich hoch, als er meinen Namen sagte, als würde er mich herausfordern, auf seinen bösen Schachzug zu reagieren.

"Mr. Masen." Rosalie trat vor mich und ihren Bruder und brachte ihren besten Charme zum Einsatz. "Wie geht es Ihnen heute?"

Wenn er eine Reaktion von mir sehen wollte, würde ich ihm keine geben. Alles, das ich tun konnte, war zu starren. Die mysteriöse Frau war anspruchsvoll gekleidet, aber seltsamerweise trug sie mitten im Juni einen langärmeligen Rollkragenpulli. Sie hielt sich mit beiden Händen an Edwards Arm fest. Sie unterschied sich so sehr von seiner letzten Essens-Loserin, ich meine, seinem Date. Diese lächelte sogar freundlich. Eigentlich lächelte sie anscheinend mich direkt an. Ich wollte sie hassen, aber wenn er dachte, er könnte noch ein armes Mädchen dafür benutzen, um mir unter die Haut zu gehen und damit ich einen weiteren Abend mit ihm verbrachte, so lag er eindeutig falsch.

"Es ist Freitag, ich kann mich nicht beschweren ... nicht sehr." Mit dem letzten Teil war ich gemeint. Sein Date schlug ihm auf den Arm und verdrehte die Augen so wie ich. Toll, sie hatte also auch Zunder.

"Tja, gehen wir erst einmal nach oben und machen Sie und Ihr Gast es sich bequem, und dann schicke ich Ihnen Ihren Kellner nach oben.

Edward und ich merkten beide, dass sie Kellner gesagt hatte, nicht Kellnerin.

Er stellte sie rasch in Frage. "Gibt es einen Grund, warum Isabella heute nicht den privaten Speisesaal übernimmt?"

"Wir wollen Isabella. Bitte. Ich wäre sonst so enttäuscht", jammerte sein Date.

Steckte sie mit ihm unter einer Decke? Half sie ihm freiwillig dabei, mich eifersüchtig zu machen?

Jasper schob seine Schwester zur Seite und forderte Edward heraus. "Weißt du was, Masen? Du bist ein echtes Arschloch. Du hast nicht gekriegt, was du wolltest, also tauchst du hier auf und machst ... was? Sorgst dafür, dass sie sich schlecht fühlt? Du bist nichts anderes als ein verzogener Idiot, der noch nie das Wort Nein gehört hat. Das ist irgendwie erbärmlich."

Edwards Gast fauchte zurück: "Entschuldigung? Was glaubst du, wer du bist, dass du so mit ihm reden kannst?"

"Er hätte dich nicht mit hierher bringen sollen."

"Wirklich? Edward darf nicht wen auch immer er will zum Essen mitnehmen?", forderte sie ihn mit in die Hüften gestämmten Händen auf.

"Jasper, hör auf", bettelte ich. Um ehrlich zu sein, hatte ich keinen Anspruch auf Edward. Wenn er mit anderen Frauen essen wollte, hatte ich nicht das Recht, ihm das zu verwehren. So wie Jasper mein Freund war, war dieses Mädchen vielleicht auch mit ihm befreundet.

Jasper ignorierte mich völlig. "Mir persönlich ist es komplett egal, mit wem er essen geht, aber wenn er eine Frau in das Lokal bringt, wo die andere Frau, mit der er zusammen ist, arbeitet, dann ist er ein Arschloch."

Edwards dunkelhaarige Verteidigerin funkelte Jasper böse an. "Könntest du bitte aufhören, meinen Bruder als Arschloch zu bezeichnen? Das geht mir langsam auf die Nerven."

"Dein Bruder?", keuchte ich vor Schreck.

"Hi", sagte sie und ging flink um Jasper herum, damit sie zu mir gelangte. "Ich bin Alice, Edwards Schwester. Ich freue mich so, dich kennenzulernen, Isabella. Mein Bruder hat mir schon so viel von dir erzählt. Okay, für normale Standards war das nicht so viel, aber er hat mir ein wenig von dir erzählt, und für Edwards Begriffe ist das schon viel." Ohne Vorwarnung zog mich dieses Mädchen namens Alice in eine Umarmung.

"Alice", seufzte Edward. Er sah wegen ihrer direkten Art ziemlich betreten aus.

"Mr. Masen, ich entschuldige mich für mein Personal und für meinen Bruder", sagte Rosalie, die Jasper von Edward wegschob und mich böse ansah. "Sie werden sich mit mir auseinander setzen müssen, das kann ich Ihnen versichern."

Toll. Jetzt war ich in Schwierigkeiten, obwohl ich nicht einmal etwas getan hatte. Ich würde Jasper umbringen.

"Au, Rose!", rief Jasper, als sie ihn ein zweites Mal zurückschob.

Edward lächelte. "Ms. Hale, ihrem Bruder fehlen vielleicht gesellschaftliche Umgangsformen, aber ich bin mir sicher, er trägt sein Herz am rechten Fleck. Was Miss Swan betrifft, so können wir es ihr nicht wirklich verübeln, dass sie in denen, die sich um sie sorgen, beschützerische Züge erweckt, nicht wahr?"

"Ich schätze nicht", stimmte Rosalie zu, wobei sie aber nicht allzu glücklich aussah.

"Also ist das der Freund, der dich heute von uns fernhält", sagte Alice. Sie drehte sich zu meinem reumütigen Mitbewohner.

"Ich bin verwirrt", gab ich zu. Ich musste bei dieser total vermasselten Unterhaltung noch einmal von vorne beginnen.

Edward konnte seine Freude nicht verbergen, weil er mich verwirrt hatte. Er grinste geradezu. "Meine Schwester ist wieder in der Stadt, und ich wollte euch beim Abendessen gerne miteinander bekannt machen, aber da du schon etwas mit Jasper vor hast, habe ich mir gedacht, ich könnte sie zum Mittagessen mitbringen, damit ihr euch kennen lernen könnt. Anscheinend wurde sie für jemand anderen gehalten."

"Mein Fehler", gab Jasper freimütig zu. Er wandte sich an Alice statt an Edward. "Ich entschuldige mich für meine Voreiligkeit. Bella ist wie eine Schwester für mich, da werde ich immer ein wenig beschützerisch."

"Ich finde es süß, dass du dich für deine Freunde einsetzt, aber du solltest dir zuerst über alle Tatsachen im Klaren sein, bevor du das nächste Mal anfängst, deine Schlüsse zu ziehen", sagte Alice. Sie nahm wieder ihren Platz an der Seite ihres Bruders ein. "Mach' es wieder gut für mich. Warum kommt ihr heute nicht beide zum Abendessen, du und Isabella? Wir verbringen den Abend zu viert, dann kriegen wir alle unsere Zeit mit Bella."

Ich hatte gar nicht gewusst, dass solch eine Nachfrage nach mir bestand. Edward war nur allzu erfreut über diese Idee. Der verzogene Bengel bekam also doch noch seinen Willen.

"Ähm ..." Jasper sah zu mir und dann wieder zurück zu Alice. "Sicher."

Und so war es dazu gekommen, dass Edward und ich ein Doppeldate mit seiner Schwester und meinem Mitbewohner hatten. Das würde sicher ein interessanter Abend werden.


"Daneben!", hustete Jasper laut in seine Faust, als ich vergeblich versuchte, mit dem Wii-Controller umzugehen. Ich hatte nie gemerkt, dass mein Mitbewohner genauso wetteifernd war wie unser Gastgeber heute Abend.

Mein Wurf war zu hoch.

"Ich werde aufhören, wenn du mit diesem Scheiß weitermachst", warnte ich.

"Gut zu wissen, dass sie eine schlechte Verliererin ist, egal gegen wen sie spielt", sagte Edward von seinem Platz auf der Couch aus. "Ich dachte, vielleicht lag es nur an mir."

Ich verengte meine Augen zu Schlitzen. "Ich bin keine schlechte Verliererin. Ihr spielt ein schmutziges Spiel und das ist unmöglich."

Edward und Jasper sahen erst mich an, dann einander.

"Schlechte Verliererin", sagten sie gemeinsam mit einem Nicken.

"Ich steige aus. Alice, willst du für mich spielen?", fragte ich und hielt ihr den Controller hin, welchen sie eifrig nahm.

"Oh, ich kenne mich aus, wenn es darum geht, schmutzig zu spielen." Sie zwinkerte in meine Richtung.

Ein grinsender Edward stand auf und nahm meine Hand. "Wir gehen hoch auf die Terrasse. Ihr zwei kommt auch ohne uns klar, nehme ich an?"

"Ich verspreche, sein Ego nicht allzu sehr zu verletzen", antwortete Alice. Sie stellte ein neues Spiel auf der Wii ein. "Boxen wir, Mr. Hale."

"Oh, na dann los, Miss Masen", sagte er und rieb sich die Hände. Jasper lächelte von einem Ohr zum anderen. Jede meiner Sorgen, es würde ihm ohne mir nicht gut gehen, war verschwunden.

Edward führte mich hoch und durch meine liebsten Zimmer. Es war dunkel draußen, aber eine klare, warme Nacht. Er entfachte ein Feuer im Kamin und wir setzten uns auf die riesigen Gartenstühle aus Holz, die rundherum standen. Edward war heute leger gekleidet – tja, leger für Edward. Er hatte seinen Anzug ausgezogen und trug eine teuer aussehende, dunkle Jeans und ein schwarzes Hemd mit hoch gerollten Ärmeln. Manchmal fragte ich mich, ob dieser Mann überhaupt ein normales T-Shirt besaß. Ich konnte ihn mir gedanklich sogar beim Trainieren mit Hemd und Krawatte vorstellen.

Eine Flasche Wein und zwei Weingläser warteten bereits auf uns. Edward musste die ganze Zeit über geplant haben, mich hier hoch zu bekommen. Ich hatte meine Beine unter mich gezogen, beobachtete das Flackern des Feuers vor mir und nippte an dem Glas Rotwein, das er mir gereicht hatte.

Alice Masen war einer der freundlichsten Menschen, die ich je getroffen hatte. Sie war so lebhaft und kontaktfreudig, das völlige Gegenteil ihres manchmal grüblerischen großen Bruders. Sie brachte allerdings eine hellere Seite an ihm zum Vorschein, was schön zu sehen war. Sie war ein wenig vage, als es um ihren Beruf ging, sie sagte nur, sie arbeitete für eine gemeinnützige Organisation. Sie führte ein Camp für "besondere" Kinder. Edward hielt sie davon ab, noch mehr zu sagen, und änderte rasch das Thema. Es war komisch, aber nichts Ungewöhnliches für den launischen Mr. Masen. Ich mochte Alice. Sie kam mir wie eine sehr bestimmte Person vor, aber anders als ihr Bruder. Alice Masen war eine Frau von Ehre, aber sie war nicht im Geringsten arrogant oder versnobt. Anscheinend stand sie mit beiden Füßen fest am Boden.

Beim Mittagessen war mir heute aufgefallen, dass ihre Kleiderwahl etwas mit den Narben zu tun haben könnte, die an ihrer Hand und ihrem Hals sichtbar waren. Ich wusste nicht, wie umfangreich sie waren, aber etwas sagte mir, dass sie einen größeren Bereich ihres Körpers bedeckten, als ich sehen konnte. Ich dachte daran, Edward zu fragen, was ihr zugestoßen war, aber ich wollte den schönen Abend nicht ruinieren, indem ich ein wahrscheinlich heikles Thema aufbrachte.

"Einen Nickel für deine Gedanken?" Edwards Stimme riss mich aus der Trance, in der ich dank des Feuer steckte.

Ich kicherte bei seiner Verspieltheit. "Ich dachte nur daran, wie sehr ich deine Schwester mag."

"Sie ist so liebenswert, dass sie dich innerhalb eines Tages für sich gewinnen konnte?"

"Es ist schwer zu glauben, dass jemand wie sie mit jemanden wie dir verwandt sein kann, so liebenswert ist sie", neckte ich ihn.

"Bin ich so schlimm, hm?"

"Ihr zwei seid einfach verschieden."

Er starrte in das Feuer. Die Flammen spiegelten sich in seinen Augen wieder, sodass es unmöglich für mich war, seine Gefühle deutlich zu lesen.

"Sie und ich sind sehr verschieden", sagte er traurig.

"Ihr seid verschieden, aber doch gleich", stellte ich klar. Sein düsterer Tonfall gefiel mir nicht. "Sie ist sehr selbstbewusst und selbstsicher, so wie du. Anscheinend weiß sie genau, was sie will und wie sie es kriegen kann. Du bist genauso. Weißt du, jetzt, wo ich darüber nachdenke, ist sie irgendwie die unbeschwertere Ausgabe von dir."

Edward gluckste, bevor er einen Schluck trank. "Sie ist ein guter Mensch, wie du."

Ich hasste er, dass er dachte, er wäre kein guter Mensch. Ich wollte glauben, dass auch er ein guter Mensch war. Er musste für mich ein guter Mensch sein, wenn daraus etwas Echtes werden sollte.

"Sie vergöttert dich, also kannst du nicht so schlimm sein. Sie hat keine Angst vor dir – das ist mal klar." Alices Beziehung zu ihm gab mir die Hoffnung, dass was auch immer zwischen mir und Edward entstand, es nicht dazu führen würde, dass ich mit einem gebrochenen Herzen enden würde.

"Und du?" Edwards Blick richtete sich wieder auf mich.

Ich zuckte die Schultern. Diese Woche hatte ich schon weniger Angst vor ihm. Er hatte mir zumindest keinen Grund gegeben, Angst vor ihm zu haben.

"Komm her", sagte er leise. "Setz' dich zu mir."

Ich stand auf und stellte mein Weinglas auf dem Beistelltisch neben ihm ab. Er setzte sich zurück, soweit er auf dem großen Stuhl konnte, und spreizte seine Beine. Ich setzte mich dazwischen hin und lehnte mich zurück an seinen Körper. Er schlang seine Arme um mich und vergrub seine Nase in meinem Haar. Er sagte nichts, aber ich spürte, er versuchte mir zu zeigen, dass Angst nicht das Gefühl war, das ich bei ihm haben sollte.

Von seinen Armen umgeben empfand ich keine Furcht. Eigentlich war ich noch nie so entspannt gewesen. Vielleicht lag es am Wein, aber ich war mehr als zufrieden.

"Ich liebe deinen Geruch", flüsterte er.

Ich versuchte mein Lächeln als Reaktion auf seine Worte nicht zu verstecken, da er mich sowieso nicht sehen konnte. Überraschenderweise war das nicht das erste Mal, dass er in dieser Woche das Wort "lieben" benutzt hatte. Der Mann, der nichts und niemanden liebte, liebte es, wenn ich eine bestimmte Blauschattierung trug und wie ich roch. Das musste etwas zu bedeuten haben.

"Wir sollten S'mores machen. Du hast nicht zufällig eine Tüte mit Jumbo-Marshmallows, eine Tafel Schokolade und eine Packung Vollkornkekse griffbereit?"

Ich drehte meinen Kopf ein Stück, um ihn anzusehen.

"Ich glaube nicht, dass Charlotte auch nur eine der Zutaten auf der Einkaufsliste für diese Woche hatte. Eigentlich habe ich noch nie ein S'more gegessen. Hört sich ... nach einer Sauerei an."

Ich verdrehte die Augen. "Du hast noch nie ein S'more gegessen? Nicht einmal als Kind, und da war es ja eigentlich dein Job, eine Sauerei zu veranstalten?"

Sein Lachen ließ mich erbeben, da ich halb auf ihm lag. "Nein, das habe ich mich nicht getraut, nicht einmal damals."

"Was zur Hölle hast du dann gegessen, wenn du campen warst?"

"Ich war auch noch nie campen", gab er zu.

Ich drehte meinen Oberkörper herum, sodass ich ihn ansehen konnte. "Du warst noch nie campen?" Er schüttelte den Kopf. "Du lebst in der Nähe einiger der schönsten Nationalparks und Naturschutzgebiete des ganzen Landes, und du warst noch nie campen?"

"Warum sollte ich campen gehen, wenn zu Hause ein luxuriöses King-size Bett auf mich wartet?"

"Um eins zu werden mit der Natur. Um unter den Sternen zu schlafen. Um Hotdogs und S'mores am Lagerfeuer zu essen. Um Spaß zu haben." Ich zählte alle meine besten Gründe auf.

"Oh, Isabella, wenn du mir die Chance gibst, dann versichere ich dir, können wir auch jede Menge Spaß in meinem Bett haben", antwortete er heiser. Er berührte meine Lippen mit seinem Finger.

Ich drehte mich wieder zurück, damit ich von ihm wegsah. Meine Wangen waren von etwas anderem als dem Feuer warm geworden.

"Ich probiere dein King-size Bett aus, wenn du mit mir campen gehst", versuchte ich zu verhandeln. Ich dachte, er würde den Deal nicht eingehen. Eigentlich konnte ich mir Edward nicht vorstellen, wie er ein Zelt aufschlug.

"Schön, nächstes Wochenende gehen wir in der ersten Nacht campen und die zweite verbringst du hier bei mir", antwortete er. Er drückte seine Lippen an meine Schläfe.

Ich neigte den Kopf. "Wirklich?"

"Warum nicht?"

"Das wird eine Sauerei werden."

"Du wirst mit mir schlafen müssen."

Er sagte es, als wäre es etwas Schlechtes. Es hörte sich aber überhaupt nicht schlecht an. Es klang eher danach, als würde ich das machen wollen, auch wenn er nicht campen ging.

"Ich schätze, das ist dann ein Deal", sagte ich. Ich versuchte, unbeeinflusst zu klingen, fühlte mich aber sehr beeinflusst, wenn ich daran dachte, zwei Nächte mit Edward zu verbringen.

"Ich schätze ja", murmelte er. "Setz' dich auf, ich will, dass du mich ansiehst."

Er schob mich hoch und drehte mich um. Dann zog er mich über seinen Körper, sodass ich gegrätscht über ihm saß. Er umschloss mit seinen Händen zart mein Gesicht.

"Hast du eine Ahnung, was ich alles für dich tun würde, Isabella?" Das muss eine rhetorische Frage gewesen sein, denn bevor ich antworten konnte, küsste er mich. Das war kein süßes, kleines Herumgeschmuse mehr. Das war das Vorspiel zu einem heftigen Trockenfick.

Als seine Zunge begann, meine zu bearbeiten, wurde mir im ganzen Körper warm. Edwards Hände fielen von meinem Gesicht zu meinen Hüften, damit er die Reibung zwischen unseren Körpern verstärken konnte. Seine Erektion war spürbar, sie drückte sich genau an der richtigen Stelle an mich. Ich würde jede Minute zu stöhnen beginnen. Eine seiner Hände fand den Weg hoch zu meiner Brust und knetete sie durch mein T-Shirt hindurch.

Alles wurde noch ein wenig hitziger, er schob mein Shirt mit der einen Hand hoch und mit der anderen zog er den Spitzenstoff meines BHs hinunter. Ich musste ihn aufhalten.

"Deine Schwester und Jasper könnten jede Sekunde hier herauf kommen."

Ich hielt eine Armeslänge Abstand, aber das hielt ihn nicht wirklich ab. Er hatte immer noch beide Hände unter meinem Shirt und kniff mir in meinen nun freiliegenden Nippel.

"Darüber musst du dir keine Sorgen machen." Er schob meinen Arm weg und zog mich näher. Er küsste meinen Hals und ich wand mich, um loszukommen.

"Edward, stopp", beharrte ich. Ich kämpfte darum, mein Shirt an zu behalten. "Sie könnten hier herauf kommen."

"Werden sie nicht", knurrte er, bevor er den Kopf neigte und mit seiner Zunge über meinen aufrechten Nippel leckte.

"Sie könnten aber", bestritt ich. Es war das Letzte, das ich gerade brauchen konnte, wenn Jasper mich sah, wie ich Edward augenscheinlich einen halb-nackten Lap Dance gab. Ich würde mir etwas anhören können. Meine körperliche Gegenwehr schwankte aber. Meinem Körper gefiel, was Edward mit mir anstellen konnte. Gewissen Teilen meines Körpers gefiel das sogar mehr als was jemals ein Anderer mit mir gemacht hatte.

"Werden sie nicht", behauptete er. Sein Blick hob sich, seine Augen waren glühend. Das war eine intensive Mischung aus Lust und Wut, Bedürfnis und Gereiztheit.

Er legte wieder die Hände um mein Gesicht und küsste mich fest. Ich gab klein bei und küsste ihn genauso leidenschaftlich zurück. Er ließ mich los und machte sich wieder daran, mein Shirt hoch zu schieben.

"Du weißt es nicht mit Sicherheit, dass sie nicht hoch kommen", wimmerte ich. Als letzte Verteidigung weigerte ich mich, die Arme hochzuheben.

"Gott verdammt!", brüllte er. Irgendwie hob er mich in seinem vor Wut hervorgerufenen Kraftakt mit sich hoch.

Nun hatte ich Angst.

Er ergriff fest meine Oberarme. "Sie weiß, ich habe dich hier hoch gebracht, um mich mit dir ans Feuer zu setzen! Sie wird nicht herauf kommen, wenn sie weiß, hier brennt ein Feuer! Fuck!"

Voll unerklärlicher Wut warf er mich zurück auf den Stuhl, bevor er den Tisch umtrat, auf dem unsere Weingläser standen. Die Gläser und der Wein flogen über die Ziegelsteine. Edward ging ans andere Ende der Terrasse und ergriff das Geländer. Er ließ den Kopf hängen und brüllte in die Dunkelheit. Er schrie Obszönitäten in die Nacht, die niemanden oder vielleicht auch die ganze Welt auf einmal betrafen.

Mein Herz schlug doppelt so schnell wie normal, der Kampf- oder Fluchtinstinkt in meinem Körper gewann die Oberhand. Ich wollte aber nicht gegen ihn ankämpfen oder vor ihm weglaufen. Ich richtete mein Shirt und stand auf. Ich nahm an, es wäre nicht sicher, mich ihm zu nähern, also blieb ich ein Stück hinter ihm stehen und versuchte, zu begreifen, was gerade geschehen war.

Alice würde wegen des Feuers nicht hier herauf kommen? Die Narben, vielleicht hatte es etwas mit ihren Narben zu tun.

Edward richtete sich auf, sah aber noch immer auf sein Grundstück hinab. Ich trat langsam ein paar Schritte auf ihn zu. Meine Brust schmerzte von dem unerbitterlichen Klopfen meines Herzens. Meine Hand zitterte, als ich sie ausstreckte und auf seinen Rücken legte.

"Ich verstehe nicht", flüsterte ich. Ich war erstaunt, dass ich überhaupt Worte zustande brachte. "Warum würde Alice nicht hier hoch kommen, wenn sie weiß, wir sitzen am Feuer?"

"Ich will nicht darüber reden", fauchte er grimmig.

Meine Hand zog sich zurück, als würde sie sich davor in Sicherheit bringen wollen, um nicht abgebissen zu werden. Ich wollte nach unten laufen und Alice und Jasper holen. Es tat mir Leid, dass ich ihn wütend gemacht habe. Seine Schwester tat mir Leid, die wahrscheinlich in ein Feuer geraten war. Und am meisten tat es mir Leid, dass ich nicht wusste, wie ich mit ihm umgehen sollte, wenn er so war.

"Es tut mir Leid. So wie ich Jasper kenne, könnte ich mir gut vorstellen, dass er hoch kommt, um nach mir zu sehen. Ich bin nicht gerade schlau, wenn es um Sex geht. Mir ist schnell etwas peinlich. Ich wollte nicht ..."

Edward drehte sich um, ein gequälter Schmerz war in seinen Augen zu erkennen. Es war unmissverständlich, sogar in den Schatten der Nacht.

"Gott, entschuldigst du dich bei mir?"

"Ich schätze schon ... ich meine, ja ... ich weiß nicht", schwafelte ich.

Er zog mich in seine Arme und umarmte mich fest. Wir standen einige Minuten lang so da. Letzte Woche, als er sich als kompliziert bezeichnet hatte, hatte ich noch keine Ahnung gehabt, wie kompliziert er wirklich sein konnte. Mit Edward zusammen zu sein war wie eine Achterbahnfahrt, hoch und runter, eine wilde Fahrt voll Kurven und Wendungen, es war aufregend und gleichzeitig total furchteinflößend.

"Du und Jasper solltet nach Hause fahren. Ich will nicht, dass ihr zu spät noch auf der Straße seid", sagte er auf seine kontrollierte und kontrollierende Art.

Einfach so hatte er wieder das Kommando. Er nahm meine Hand und stellte sorgsam sicher, dass ich nicht in das zerbrochene Glas am Boden trat. Wir sprachen nicht, als wir wieder zurück ins Spielzimmer gingen. Ich konnte Alices Lachen vom Gang aus hören. Sie und Jasper spielten gerade Poolbillard, als wir eintraten.

"Du bist so eine Schwindlerin!" Jasper schüttelte ungläubig den Kopf, nachdem Alice die letzte Kugel versenkt hatte.

Alice ging reuelos zu ihm hinüber und streckte ihm die Hand hin. "Ich sollte mich entschuldigen, aber ich hatte viel zu leichtes Spiel mit dir."

Er reichte ihr eine zwanzig Dollar Note, die sie mit einem zufriedenen Grinsen in ihre Gesäßtasche steckte.

"Jasper und Isabella sollten fahren. Es ist schon spät", kündigte Edward an. Sie machten beide ein langes Gesicht.

"Komm schon, ich brauche noch einen Versuch, um mein Geld zurückzugewinnen", beschwerte Jasper sich.

"Du glaubst, nach dem letzten Spiel kannst du mich noch schlagen?", sagte Alice heiter.

"Oh, ich kann, und das werde ich auch."

"Große Worte für einen Kerl, der gerade gegen mich verloren hat, obwohl ich mich nicht einmal richtig anstrengen musste!"

"Du musstest dich nicht anstrengen, häh?", lachte Jasper.

Als die beiden hin und her scherzten, ging Edward hinüber zu Alice und nahm ihr den Queue aus der Hand.

"Es ist an der Zeit, dass sie fahren", sagte er streng.

Alice sah erst ihn an, dann mich. Ich war nicht so gut wie Edward, wenn es darum ging, meine Gefühle zu verbergen. Ich war mir sicher, ich sah noch immer ein wenig geschockt aus. Sie richtete ihre Aufmerksamkeit wieder auf ihren Bruder.

"Was ist passiert?", fragte sie mit anschuldigendem Tonfall.

"Nichts", sagte er ruhig.

Zum Glück hatte sie nicht mich gefragt. Ich dachte, ich könnte nicht sprechen, ohne dass meine Stimme zitterte.

"Hast du Bella zum Essen morgen mit Carlisle und Esme eingeladen?", fragte Alice, die sich durch sein eisiges Verhalten nicht beirren ließ.

Edward senkte die Stimme. Sein Missmut, weil sie das Essen mit Menschen, die ich nicht kannte, erwähnt hatte, war ihm deutlich anzusehen. "Sie schafft es nicht. Sie müssen fahren. Jetzt."

Alice war nicht die Einzige, wie ich bemerkte, die ein wenig nervös wurde. Jasper hatte seinen Queue weggelegt, kam an meine Seite und hielt meine Hand.

"Gehen wir", flüsterte er, bevor er sich an Edward und Alice wandte. "Danke für das Essen, Edward. Alice, ich werde mein Geld ein anderes Mal zurückgewinnen. Gute Nacht."

Er zog mich rasch aus dem Zimmer. Ich sagte nichts, genauso wie Edward oder Alice. Der Abend war so wunderbar angenehm gewesen. Wir hatten ein nettes Abendessen. Alice war witzig und eine interessante Persönlichkeit. Sogar das Herumknutschen fühlte sich gut an, bis es so schrecklich geendet hatte.

Jasper öffnete die Tür für mich und lief dann um den Wagen herum, um an der Fahrerseite einzusteigen. Er sagte kein Wort, bis wir durch das Tor fuhren.

"Was zur Hölle ist passiert, Bella? Hat er dir weh getan? Ich schwöre bei Gott, wenn er dir weh getan hat, werde ich noch mal zurück fahren und ihn umbringen. Es ist mir egal, wie groß seine Sicherheitsmannschaft ist."

Ich schüttelte den Kopf. Ich konnte nicht zusammenhängend sprechen, wenn meine Gefühle und Gedanken so aufgewirbelt waren. Bevor ich reagieren konnte, liefen mir die Tränen über die Wangen.

"Schwöre mir, dass er dir nicht weh getan hat", sagte Jasper, der ein wenig in Panik geriet. "Schwöre es, sonst fahre ich zurück."

Ich schüttelte energisch den Kopf und wischte mir mit beiden Händen über das Gesicht. "Er hat mir nicht weh getan."

Ich wusste nicht, ob es die Wahrheit war oder eine Lüge. Es war ein wenig von beidem. Er war aggressiv, auf sexueller, körperlicher und verbaler Art, aber ich dachte nicht, dass er mir weh tun wollte. Was er aber wollte, war mich wegzuschicken. Ich war mir nicht sicher, was ich davon halten sollte. Ich wollte, dass er mich an sich ran ließ, dass er mir etwas gab, damit ich ihn und seine Stimmungsschwankungen langsam verstehen konnte. Vielleicht hatte er zu viele Mauern errichtet, um mich vorbei zu lassen. Vielleicht wollte er mir nur ersparen, das Unmögliche schaffen zu wollen.

Weil wenig Verkehr war und Jasper raste, schafften wir es in etwa dreißig Minuten zurück in die Stadt. Ich ging direkt in mein Zimmer und vergrub mein Gesicht in meinem Kissen. Hinter geschlossenen Türen ließ ich mich gehen. Jasper störte mich nicht und gab mir den Raum und die Zeit, die ich brauchte.

Als ich spürte, dass all die negativen Gefühle abgelassen waren, machte ich mich fertig fürs Bett. Ich zog mir meine Sachen aus und schlüpfte in mein altes T-Shirt von der University of Washington und in eine Shorts aus Baumwolle. Ich band mein Haar hoch zu einem losen Knoten und sah mein Gesicht im Spiegel an, bevor ich meine Zimmertür öffnete, um ins Bad zu gehen. Meine Augen waren geschwollen und rot, das konnte ich auf keinen Fall verbergen. Ich hoffte, Jasper war bereits ins Bett gegangen.

Als ich aus meinem Zimmer trat, sah ich das Licht unter seiner Tür. Er war in sein Zimmer gegangen, war aber immer noch wach. Ich war fast schon im Bad, als es an der Tür klopfte. Jasper war aus dem Zimmer und zur Eingangstür gestürmt, bevor ich überhaupt ans Öffnen denken konnte. Auf der anderen Seite der Tür stand Edward.

"Auf keinen Fall. Geh weg", sagte Jasper. Er versuchte, ihm die Tür vor dem Gesicht zuzumachen. Edwards Hand schlug gegen die Tür, er hielt sie offen.

"Bitte", sagte Edward beharrlich.

"Lass ihn rein, Jaz", krächzte ich. Meine Stimme war heiser von dem vielen Schluchzen.

Jasper wollte nichts davon hören. "Du hast gerade eineinhalb Stunden lang geweint. Ich glaube, für einen Abend hat er genug Schaden angerichtet."

"Lass ihn rein", wiederholte ich ein wenig deutlicher.

Edward schob sich an Jasper vorbei und folgte mir wortlos in mein Zimmer. Ich schloss die Tür, obwohl ich wusste, dass Jasper dort draußen wie ein Adler lauern würde.

"Meine Schwester ist am Boden zerstört, weil sie sich nicht ordentlich verabschieden konnte. Sie hofft, heute war nicht das letzte Mal, dass sie dich gesehen hat."

"Ich fühle mich auch schlecht", antwortete ich. Ich drückte meinen Rücken an die Tür, meine Hand lag noch auf der Türklinke. Ich versprach nicht, sie wieder zu sehen, denn anscheinend hing das mehr von Edward ab als von mir.

Er fuhr sich mit der Hand durchs Haar, und es sah so aus, als hätte er das schon mehrere Male gemacht, seit ich ihn zuletzt gesehen hatte.

"Ich will nicht, dass du dich vor mir fürchtest", sagte er mit vor Bedauern schwerer Stimme.

"Tu ich nicht." Er warf mir einen Blick zu, der mich wissen ließ, dass er mir nicht nur nicht glaubte, aber auch dass er nicht in Stimmung für so etwas war. "Ich hab eine Heidenangst", gestand ich.

Meine Worte riefen anscheinend Schmerzen in ihm hervor. Er zuckte zusammen und ließ den Kopf hängen. "Ich wünschte, ich könnte dir sagen, dass du keine Angst haben solltest."

Auch wenn er mir sagen konnte, ich solle keine Angst haben, würde es nichts dagegen bewirken, dass ich tatsächlich so empfand. Diese Tatsache war nur mit Schuld daran, dass ich geweint hatte. Angst sollte nicht die überwiegende Emotion in einer Beziehung sein.

"Ich war nicht dafür bereit. Ich hatte nicht vor, meine Schwester so schnell in diese Geschichte zu bringen. Hätte Charlotte ihre Klappe gehalten, wäre das kein Thema gewesen", fauchte er.

Plötzlich tat mir Charlotte sehr Leid. Ich war mir sicher, sie würde noch zu hören bekommen, wie unglücklich ihn das gemacht hatte, wenn es nicht schon passiert war.

"Leider hat meine Schwester herausgefunden, dass es dich in meinem Leben gibt, und man kann ihr nur schwer etwas verwehren, wenn sie etwas wirklich will." Er gab mir ein weiteres Beispiel, warum Alice genauso war wie ihr großer Bruder. "Meine Schwester bei mir zu haben bewirkt auch, dass ich ... über Dinge nachdenke, über die ich nicht gerne nachdenke."

Ich ließ die Türklinke los, aber bewarte den Abstand zwischen uns. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte, also blieb ich ruhig stehen und nahm an, dass er noch mehr sagen wollte.

"Ich kann das nicht." Er deutete zwischen uns beide. "Ich weiß nicht, wie ich das machen soll. Ich sollte dich in Ruhe lassen. Ich sollte dich nicht bitten, das mit mir durchzumachen, aber ich kann nicht aufhören. Ich werde wütend auf dich, weil ich dich so sehr will, und das ist unfair. Ich weiß, es ist unfair."

Seine Ehrlichkeit kam wieder unerwartet. Jedes Mal, wenn ich mich selbst davon überzeugte, dass ich ihn einfach verlassen sollte, zog er mich durch seine Verletzlichkeit wieder zurück. Ich ging einen Schritt auf ihn zu, ich hatte das seltsame Bedürfnis, ihn zu trösten.

"Ich habe dich vor mir gewarnt. Ich bin nicht normal, Isabella. Ich funktioniere am besten in einer Welt, wo ich etwas sage und die Leute das befolgen. Ich muss mich nicht erklären oder hinterfragen, warum ich etwas will. Ich bekomme einfach, was ich will und wann ich will."

Ich verstand das mehr als alles andere an ihm. Das war ein Teil dessen, was mir heute Nacht so eine Angst eingejagt hatte. Ich wollte die in einer Lage sein, in der ich nicht die völlige Kontrolle über meinen Körper hatte.

Er setzte sich auf mein Bett und umklammerte weiterhin seinen Kopf. "Ich habe heute die Kontrolle verloren. Ich hätte deine Gefühle respektieren und aufhören sollen, als du darum gebeten hast. Dafür gibt es keine Entschuldigung." Er sah zu mir hoch, sein ganzes Wesen strahlte Ehrlichkeit aus. "Es wird nie wieder vorkommen. Ich schwöre es dir."

Etwas sagte mir, dass er es auch so meinte. Edward kam mir wie ein Mensch vor, der einen Fehler nicht zwei Mal machte.

"Ich glaube dir", sagte ich ihm. Ich setzte mich neben ihn auf das ungemachte Bett, um ihm zu zeigen, dass ich keine Angst vor seiner Nähe hatte. "Ich weiß nur nie, was ich von dir erwarten soll. Ich komme mir vor, als müsste ich die ganze Zeit über vorsichtig sein. Du hast so viele Trigger. Es ist, als wäre ich in einem Minenfeld, und egal, was ich auch mache oder wie sehr ich aufpasse, ich löse bestimmt eine aus. Vielleicht bin ich hier das Problem."

"Warum tust du das?", fauchte er. "Warum übernimmst du immer so schnell die Schuld? Ich bin hier das Problem, Isabella. Nicht du."

"Dann sprich mit mir. Wenn du weiterhin willst, dass das hier, was auch immer es ist, funktioniert, muss ich dich kennen und dich verstehen. Was ist mit dir und deiner Schwester geschehen?"

Edward rieb sich mit den Händen über das Gesicht. Anscheinend kämpfte er mich sich selbst darum, was er sagen sollte. "Alice war zehn Jahre alt, ich war fünfzehn. Es gab ein Feuer, und die rechte Seite ihres Körpers wurde von der Hüfte bis zum Hals verbrannt. Sie konnten die Flammen ersticken, bevor sie ihr Gesicht und ihre Haare erreichten. Die kosmetischen Chirurgen sagten immer, sie hatte Glück gehabt." Er lachte humorlos. "Als ob man von Glück sprechen könnte, wenn man riechen muss, wie das eigene Fleisch verbrennt."

Ich musste hart schlucken. Ich hatte keine Ahnung gehabt, wie tragisch die Situation gewesen war. Ich fragte mich, ob auch er körperliche Narben davongetragen hatte. Dass er seelische Narben hatte, war ziemlich offensichtlich.

Edward seufzte traurig und hatte die Augen auf den Boden gerichtet. "Sie hält es nicht wirklich aus, in der Nähe eines Feuers zu sein. Sie meidet es. Das kann eine posttraumatische Stress-Scheiße hervorrufen. Sie hat Albträume, schätze ich."

Als ich darüber nachdachte, merkte ich, dass letzte Woche, als ich in seinem Haus war, jeder einzelne Kamin entzündet war. Diesmal brannte kein Feuer im Kamin, kein einziges. Mir war es zwar im Speisesaal aufgefallen, aber ich hatte mir nicht viel dabei gedacht. Es war mitten im Juli, warum brauchte er ein Feuer im Kamin? Nun wusste ich, dass er nur auf Alice achtete und sie beschützte.

"Das ist schrecklich." Ich versuchte, kein Mitleid in meinen Tonfall zu legen. "Sie kommt mir so stark und selbstsicher vor."

"Wir Masens wissen, wie wir unsere Schwächen gründlich verschleiern können", antwortete Edward. Er nahm meine Hand zwischen seine beiden. Seine Hände waren weich und warm. Er streichelte mit seinen langen Fingern über meinen Handrücken.

"Wurdest du im Feuer auch verletzt?" Ich wagte die Frage, in der Hoffnung, dass er mehr erzählte.

Er schüttelte den Kopf, sagte aber nichts. Er hob meine Hand an seine Lippen und sorgte dafür, dass die Schmetterlinge in meinem Bauch herumwirbelten. Er konnte so lieb sein, wenn er wollte, das völlige Gegenteil im Vergleich zu vorhin auf der Dachterrasse.

"Das muss so schlimm für deine Eltern gewesen sein", begann ich, aber Edward ließ meine Hand abrupt fallen und stand auf.

"Landmine", keuchte er. Seine Hände waren an seinen Seiten zu Fäusten geballt.

Eltern waren tabu. Verwirrend, aber gut zu wissen. Ich saß still da, wartete auf ihn und hoffte, er würde seine Fassung wieder erlangen.

"Danke, dass du mir das über Alice erzählt hast. Ich werde dich nicht weiter bedrängen, versprochen."

Ich sah, wie sich seine Hände lockerten und wie seine rechte nun wieder seine Haare bearbeitete. Er drehte sich um, sein Ausdruck war ruhig, aber sein Blick ging in die Ferne.

"Alice und ich gehen morgen mit unserer Tante und unserem Onkel mittagessen. Wenn ich danach noch ein wenig Arbeit erledigen kann, sollte es möglich sein, dass ich am Sonntag ein wenig Zeit mit dir verbringe. Wenn du willst, könntest du am Nachmittag in meine Wohnung kommen und zum Abendessen bleiben."

Ich nickte. "Das klingt toll." Er wollte mich nicht beim Essen mit seiner Tante und seinem Onkel dabeihaben, aber wenn seine Eltern Landminen waren, dann war die weitere Verwandtschaft wohl vorerst auch ein großes No-Go.

"Ich sollte gehen. Es ist schon spät und du brauchst deinen Schlaf", sagte er ein wenig zu mechanisch. Die Wand, über die er mich kurz hat blicken lassen, war wieder aufrecht.

Ich stand auf und trat vor ihn, um eine Hand auf seine Brust zu legen. "Danke, dass du gekommen bist, um alles zu bereinigen. Wenn du mich lässt, können wir das gemeinsam schaffen." Ich schenkte ihm ein kleines Lächeln.

Seine Augen wurden warm und er sah mich voll Verehrung an. "Für dich, Isabella, würde ich so ziemlich alles tun, außer wegzugehen." Seine Finger schoben mir ein paar Haarsträhnen aus dem Gesicht. Er beugte sich vor und küsste meine Lippen. Danach ließ er seinen Mund noch eine Sekunde länger verweilen. "Gute Nacht", flüsterte er, und dann war er weg.

Er ging ohne ein Wort an Jasper vorbei und verließ die Wohnung. Jasper lehnte an der Rückwand der Couch. Seine Arme hatte er vor seinem Körper verschränkt und er trug einen missbilligenden Ausdruck im Gesicht.

"Er bringt nur Ärger mit sich, Bells. Ich mag seine Schwester wirklich sehr, aber er sorgt nur für Ärger."

Er hatte wahrscheinlich Recht, aber jetzt konnte ich nicht mehr aussteigen. Ich hing da mit drinnen und kam nicht mehr los, auch wenn ich wollte. Ich konnte nur hoffen, dass nicht alles im Sand verlaufen würde.