Disclaimer: Die Charaktere gehören einzig und allein SM. Die Geschichte selbst gehört TKegl und ist eine genehmigte Übersetzung aus dem Englischen. Das Original befindet sich hier: www. fanfiction. net/s/6579540/1


Do Over

Kapitel 1

City Sidewalks, Busy Sidewalks


Der Schnee fiel sanft auf die Straßen der Stadt und die Menschen eilten von einem Ort zum nächsten. Sie wollten zu den Weihnachtsfeierlichkeiten gelangen. Frauen hielten sich an den Armen ihrer Männer fest, um auf dem rutschigen Bürgersteig nicht hinzufallen. An einer Straßenecke stand ein Mann in einem Weihnachtsmannkostüm und hielt in der einen Hand einen Spendenkorb für die Heilsarmee, mit der anderen läutete er seine Glocke. Ein paar Jungs, die sich bei Dunkelheit hinausgeschlichen hatten, lachten und warfen mit Schneebällen und tranken abwechselnd einen Schluck aus einer Wodkaflasche, die sie von einem ihrer Väter mitgenommen hatten.

Edward Cullen bekam nichts davon mit.

Er saß in irgendeiner Bar, so wie an jedem Weihnachtsabend der letzten zehn Jahre. Andere Städte. Andere Bars. Aber dieselben Erinnerungen.

Im Spiegel hinter der Bar sah er sein verschwommenes Spiegelbild. Er runzelte die Stirn, schwenkte seinen Drink und nahm dann mit einer Grimasse einen Schluck.

„Stört es dich, wenn ich mich zu dir setze?" Eine hübsche Blondine war im Spiegel neben ihm aufgetaucht, aber Edward drehte sich nicht um, um sie anzusehen. Als Antwort zuckte er nur mit den Schultern und beobachtete im Spiegel, wie sie sich auf den Stuhl neben ihm setzte.

Sie lächelte ihn einladend an. „Es ist wirklich kalt", sagte sie. „Ich dachte, ich komme hier mal rein, um mich aufzuwärmen. Oh!" Sie blickte hoch zum Fernseher, der sich in einer Ecke des Raumes befand, und ihr Lächeln wurde breiter. „Ich liebe diesen Film!"

Edward folgte ihrem Blick und erkannte eine vertraute Szene aus dem Film Ist das Leben nicht schön? wieder. George Bailey wollte gerade von der Brücke springen, in der Hoffnung, dass seine Lebensversicherung dann die Schulden seiner Familie abbezahlen würde. Edward sah in Stille zu, wie Clarence, der Engel, der George das Leben retten sollte, schneller war als er und in das eisige Wasser fiel.

„Den sehe ich mir jedes Jahr an, und er bringt mich immer noch zum Weinen", sagte die Blondine leise und stützte ihre Ellenbogen auf der Bar ab.

Edward nickte leicht und leerte den Rest seines Drinks. Er rollte einen Eiswürfel in seinem Mund herum, bevor er ihn zurück in das Glas klirren ließ.

„Ich bin Tanya", sagte sie zögernd. Edwards gleichgültiges Verhalten schreckte sie ein wenig ab.

Edward holte Luft und zwang sich zu einem Lächeln. Er wollte das Mädchen nicht vor den Kopf stoßen, denn sie war anscheinend nett. Es war nicht ihre Schuld, dass er so eine miese Stimmung hatte und es eigentlich seine Absicht gewesen war, für den Rest des Abends in dieser üblen Laune zu schwelgen.

„Edward", sagte er schließlich. Er ergatterte die Aufmerksamkeit des Barkeepers und hob sein leeres Glas hoch. Der Barkeeper nickte und Edward deutete auf Tanya. Damit meinte er, er solle ihr ebenfalls einen Drink bringen. Augenscheinlich war Tanya öfter hier, weil der Barkeeper nicht fragte, was sie haben wollte, sondern gemeinsam mit Edwards Whiskey einen Drink in einem Glas brachte.

„Danke", sagte sie mit einem Lächeln und nippte an ihrem Drink.

„Gin Tonic?", fragte Edward.

„Wodka Collins", antwortete Tanya und fuhr mit dem Finger den Rand des Glases nach. „Also ... Edward ... bist du auf dem Weg zu einer Party?" Sie blickte hinunter auf die Einladung, die neben einem dicken, gebundenen Buch auf dem Tresen lag.

Neben ihrem Buch.

Edward nahm einen weiteren Schluck von seinem Drink. „Ich hab beschlossen, nicht hinzugehen", sagte er knapp.

„Yeah", entgegnete Tanya ungebremst. „Ich sehe schon, dass eine düstere und staubige Bar viel ansprechender ist als eine große, glamouröse Wohltätigkeitsfeier im ...", sie blickte wieder auf die Einladung und grinste ein wenig „... Four Seasons."

Edward sagte nichts dazu.

„Warte kurz, das Four Seasons?", fuhr Tanya fort. „Ich habe in der Zeitung etwas darüber gelesen. Soll nicht Isabella Swan dort sein?"

Edward erschauderte etwas, als er diesen Namen laut ausgesprochen hörte.

„Yeah ..." Tanya griff nach dem Buch und drehte es um, damit sie das Cover sehen konnte. „Oh mein Gott! Ich liebe Cold Winter Nights! Die ganze Nights-Serie ist fantastisch", fuhr sie fort. Wegen ihrer eigenen Aufregung bemerkte sie Edwards Unbehagen nicht.

„Isabella Swan ist meine Lieblingsautorin", schwärmte sie. „Im Radio wurden ein paar Eintrittskarten für diese Party verlost, aber ich bin nicht durchgekommen. Ich kann nicht glauben, dass du eine Einladung hast und nicht hingehst!"

Tanya machte eine Pause und Edward kämpfte gegen ein tiefes Seufzen an. Er wusste, sie hoffte, er würde ihr seine Einladung überlassen oder sie zumindest fragen, ob sie mitkommen wollte. Er beobachtete sie im Spiegel. Sie blätterte durch seine Ausgabe von Cold Winter Nights und hatte ein Lächeln im Gesicht. Er hatte vorgehabt, hinzugehen. Bella endlich wiederzusehen ... mit ihr zu sprechen. Er war nur in diese Bar gekommen, um sich ein wenig Mut anzutrinken.

Momentan wartete er noch darauf, dass der neue Mut sich endlich zeigte.

Es war schon zehn lange Jahre her, seit er den größten Fehler seines Lebens begangen hatte. Er hatte schon den Ring in seiner Hosentasche gehabt, aber in letzter Minute hatte er Bella doch das silberne Armband geschenkt, das er als Notlösung für Weihnachten gekauft hatte. Sie hatte natürlich gelächelt und ihm gedankt, aber schon wenige Tage später hatten sie die Unterhaltung geführt.

Die Unterhaltung über „Haben wir eine gemeinsame Zukunft?"

Die Unterhaltung über „Entwickeln wir uns weiter?"

Die Unterhaltung über „Wirst du weiter mit mir zusammen sein oder mich abservieren, wenn du dieses Praktikum in New York beginnst?"

Er hatte sie losgelassen. Er hatte gesagt, er wäre noch nicht bereit, und Bellas Augen hatten sich mit Tränen gefüllt. Er hatte sie zurückgelassen, war nach New York gezogen und hatte versucht, nicht zurückzublicken.

Aber an Heiligabend war alles, was er tun konnte, zurückzublicken. Das Thema „was wäre, wenn?" machte ihn verrückt, und anstatt dass er sie jedes Jahr ein bisschen weniger vermisste, stellte er fest, dass sie ihm in Wahrheit immer mehr fehlte. Er hatte schon hundert Mal das Telefon genommen, um sie anzurufen, aber vor Schande und Schuld wählte er nie ihre Nummer. Und dann war da noch die Tatsache, dass sich nichts wirklich verändert hatte. Er war noch immer in New York und verfolgte seine Karriere im Fernsehjournalismus. Sie lebte immer noch in Seattle, und von dem, was er von entfernten Freunden gehört hatte, hatte sie sich weiterentwickelt.

Er nicht. Er hatte es mit ein paar Dates versucht, aber sich nie wirklich mit jemandem verbunden gefühlt. Er hatte One-Night-Stands versucht, aber diese unbefriedigend gefunden. Also konzentrierte er sich auf seine Karriere, machte endlose Überstunden, kletterte die Karriereleiter hoch und versuchte, nicht an das zu denken, das er zurückgelassen hatte.

Aber es wurde nur schlimmer, als Bellas erster Roman in die New York Times Bestsellerliste aufstieg ... genauso wie ihr zweites Buch. Bald war ihr Bild in jedem Buchladen zu sehen ... in der Fernsehwerbung ... ihre tiefgründigen braunen Augen schienen ihn überall zu umgeben und jede seiner Bewegungen zu verfolgen.

Es war die reine Folter.

Als ihm der Sender eine Position als Auslandskorrespondent anbot, hatte er sofort zugesagt. Er bereiste die Welt, berichtete über Kriege, Hungersnöte, Drogen, Politik ... und verbrachte so wenig Zeit wie möglich in den Staaten. Er lebte aus einem abgetragenen Rucksack, zog von einem Unglück zum nächsten und mied die Zivilisation, so gut er konnte. Aber nun, nach sechs Jahren, in denen er unterwegs gewesen war, hatte er die Chance für einen wöchentlichen Teil der nächtlichen Nachrichten bekommen. Dieses Angebot war zu gut, um nein zu sagen, aber das bedeutete auch, dass er nicht mehr so viel reisen musste. Er kam zurück nach New York, um sich mit seinem Produktionsleiter zu treffen, und hatte herausgefunden, dass jeder im höheren Management und jedes einzelne Fernsehtalent zu einer Wohltätigkeitsfeier eingeladen war.

Wo Isabella Swan der Ehrengast sein würde.

Ihren Namen auf der Einladung zu sehen war aufreibend, um es so zu sagen. In diesem Moment beschloss er, auf diese Party zu gehen und sie wiederzusehen. Hallo zu sagen ... und die Vergangenheit endlich ruhen zu lassen. Er hatte sogar eine Ausgabe ihres neuesten Buches gekauft, damit er einen Grund hatte, um zu ihr zu gehen.

Er hatte es natürlich gelesen – unzählige Male. Er kaufte immer eine Ausgabe ihres Buches, sobald es erschienen war, und verschlang es förmlich. Er wollte irgendwie erfahren, was aus Bella geworden war, indem er ihre Zeilen las. Sein eigenes Exemplar von Cold Winter Nights hatte Eselsohren und war abgegriffen, der Einband schon eingerissen vom wiederholten Lesen. Tanya hatte Recht – das Buch war unglaublich.

„Edward?" Tanyas Stimme erinnerte ihn daran, dass er ins Leere geblickt hatte. „Alles okay?"

Edward schlürfte einen Eiswürfel aus seinem Getränk und zerbiss ihn langsam. „Ja. Ich hab nur nachgedacht."

„Willst du darüber reden?"

Edward zuckte mit den Schultern.

„Es könnte helfen", schlug sie vor.

Edward dachte über Tanyas Angebot nach. Aus irgendeinem Grund mochte er sie ... er wusste, dass er ihr vertrauen konnte. Er hatte sie gerade erst kennengelernt, aber es kam ihm vor, als wäre sie schon ein Freund für ihn, und die Wahrheit war, dass er sehr wenig Freunde hatte. Seine Zunge war ein wenig gelöst, da er schon etwas Whiskey getrunken hatte, und er dachte, dass es vielleicht nett sein könnte, jemanden zum Reden zu haben.

Was zur Hölle. Er schwelgte in Selbstmitleid. Warum nicht noch etwas Geheule dazu? Edward griff nach der Einladung, strich mit seinen Fingern über die eingravierten Buchstaben und tippte dann leicht auf der Oberfläche der Bar herum.

„Eigentlich war ich auf dem Weg zu dieser Party, aber dann machte ich hier Halt", sagte er schließlich.

Tanya nippte an ihrem Drink. „Und ...", half sie ihm.

Edward atmete schwer aus, bevor er fortfuhr. „... und ich kann mich nicht aufraffen, einfach aufzustehen und hinzugehen."

„Was hält dich auf?"

Edward zog eine leichte Grimasse. „Bella."

„Bella?", wiederholte sie langsam, ehe ihr Mund aufklappte. „Du meinst Isabella Swan? Du kennst sie?"

„Ich kannte sie mal. Vor einer langen Zeit." Seine Augen fokussierten Bellas in goldenen, glitzernden Buchstaben geschriebenen Namen auf der Einladung.

Tanya beobachtete ihn einen Augenblick lang, bevor sie verständnisvoll nickte. „Ich hätte es wissen sollen."

Edward drehte sich neugierig zu ihr um. „Was wissen sollen?"

„Hast du's nicht gehört?", antwortete sie in einem ironischen Tonfall. „Die guten Männer sind entweder verheiratet oder schwul ... oder noch immer in die Verflossene verliebt."

Edward errötete ein wenig. „Ist das so offensichtlich?"

„Nur für jemanden mit einer extrem guten Menschenkenntnis."

Edward kicherte.

„Ich hätte nie gedacht, dass ein Kerl, der tagtäglich Bomben und Granaten ausweicht, so ein Weichei sein könnte", neckte Tanya ihn.

Edwards Augen weiteten sich. „Woher wusstest du ..."

Tanya wedelte mit der Hand, bevor sie ihren Drink wieder hoch hob. „Ich hab eine Minute gebraucht, um dein Gesicht einzuordnen, aber ich seh' mir doch die Nachrichten an." Sie verdrehte die Augen, da er geschockt aussah. „Mach dir keine Sorgen. Dein Geheimnis ist bei mir sicher, Edward. Aber ernst jetzt, das bringt dich offensichtlich um. Willst du nicht mindestens versuchen, sie zu sehen?"

Edward trank den Rest seines Whiskeys aus, eine warme Taubheit strömte endlich von seinem Bauch in seine Gliedmaßen. Natürlich wollte er sie sehen ... er musste sie sehen.

Er konnte das schaffen.

Er holte tief Luft und schenkte Tanya ein wackeliges Lächeln. „Möchtest du mich zu einer Feier begleiten?"