Do Over

Epilog 2

Visions of Sugar Plums


Neun Jahre später ...

Zuerst ein Flüstern.

"Daddy?"

Dann ein bisschen lauter.

"Daddy?"

Edward rutschte ein wenig unter der warmen Decke hin und her. Mit dem Gesicht ins Kissen gedrückt murmelte er etwas Unverständliches. Er war erst spät von der Arbeit heim gekommen und der Samstagmorgen war schließlich da, damit man ausschlafen konnte. Er hatte sich nicht einmal die Mühe gemacht, den Wecker einzustellen.

Offenbar hatte aber jemand etwas Anderes vor. Eine kleine Hand rüttelte ihn ein Mal ... zwei Mal an der Schulter. Dann stieß sein morgendlicher Besucher ein schweres Seufzen aus und überlegte sich anscheinend etwas Neues. Edward war gerade dabei, wieder tiefer in den Schlaf abzutauchen, aber plötzlich spürte er ein paar kleine Finger an seinem Auge. Sein Lid wurde sanft hoch gezwungen und die verschwommenen weißen und roten Formen vor ihm nahmen langsam Gestalt an. Große, grüne Augen starrten in sein offenes und waren ihm so nah, dass er kleine goldene und dunkelgrüne Funken in den strahlenden Iriden sehen konnte.

"Es ist Zeit, aufzuwachen, Daddy", flüsterte sie und zwinkerte eulenhaft.

Edward starrte sie mit seinem offenen Auge an. "Makenna, was tust du da? Was stimmt denn nicht?", murmelte er ins Kissen.

"Nix!", sagte sie. "Es ist Zeit, aufzustehen!" Endlich ließ sie Edwards Lid wieder los und trat zurück, um sich rasch im Kreis zu drehen. "Es ist Zeit, um Santa zu besuchen!", kreischte sie, warf ihre Hände in die Luft und sprang auf ihren Zehenspitzen herum.

Edward bewegte sich immer noch nicht. Er blickte zu dem Wecker, der am Nachttisch stand. "Baby, es ist erst fünf Uhr morgens. Die Mall öffnet erst in ein paar Stunden."

Makenna runzelte die Stirn. "Aber du musst dich fertig machen."

"Ich brauche keine fünf Stunden, um mich fertig zu machen."

"Du hast gesagt, du machst Pfannkuchen", erinnerte sie mit ihrer Sing-Sang-Stimme.

"Makenna", stöhnte Edward. Er rollte sich auf den Rücken und legte seinen Arm über seine Augen. "Es ist noch zu früh."

Seine Tochter trat an die Seite des Bettes, legte ihre kleinen Hände an seine Wangen und drehte seinen Kopf in ihre Richtung. "Aber ich muss meinen Brief an den Weihnachtsmann schreiben", sagte sie leise. "Du musst mir helfen, Daddy."

Edward blickte in Makennas bittende grünen Augen, die wie ein Spiegelbild seiner eigenen Augen waren, und er wusste, dass er verloren hatte. Seine Tochter hatte ihn um den kleinen Finger gewickelt. Er fand es extrem schwierig, ihr irgendetwas zu verwehren, besonders wenn sie ihn um seine Hilfe bat.

"Okay", sagte er schließlich.

"Yay!", rief sie und sprang auf und ab.

"Schhh!", machte Edward und schwang seine Beine aus dem Bett. "Mommy schläft noch."

Bella stöhnte ein wenig und wälzte sich auf die andere Seite des Bettes. "Du machst wohl Witze", sagte sie verschlafen und schob sich das Haar aus dem Gesicht zurück. Sie setzte sich auf und strich mit einer Hand über ihren wachsenden Bauch. "Es ist satte zwei Stunden her, seit ich pinkeln musste."

Edward grinste und streckte seine Hand aus, um ihren Bauch zu berühren. Dann lehnte er sich vor und küsste ihn. Bella war im sechsten Monat schwanger mit ihrem dritten Kind – eine Überraschung, die Edward nicht vorausgeahnt hatte. Nach Masens Geburt vor fast neun Jahren hatten sie freudig auf Makennas Ankunft gewartet. Vier Jahre später wurde sie geboren und sie hatten angenommen, dass ihre Familie damit vollzählig wäre. Aber diesen Sommer musste Bella sich an drei Tagen hintereinander übergeben. Zuerst hatte sie es als Lebensmittelvergiftung abgetan, aber als die morgendliche Übelkeit weiterging, wurde ihnen rasch klar, dass ein drittes Kind auf dem Weg war. Sobald sie den Schock verdaut hatten, waren sie beide aufgeregt und genossen es, nicht zu wissen, ob es ein Junge oder ein Mädchen werden würde. Der Arzt hatte sie gefragt, ob sie das Geschlecht des Babys wissen wollten, aber sie hatten beide keine Sekunde lang gezögert und: "Nein", gesagt.

So aufregend es auch war, dass die Kinder aus Edwards seltsamen anderen Leben auch in diesem zu ihnen fanden, kam es ihm und Bella so vor, als wäre dieses Kind irgendwie ein noch größeres Wunder.

Edward musste bei diesem Gedanken lächeln. Eigentlich war sein ganzes Leben ein Wunder.

"Daddy!" Makenna hüpfte ein paar Mal auf und ab und erregte seine Aufmerksamkeit.

"Okay, okay", murmelte Edward, kletterte aus dem Bett und gab ihr einen Kuss auf den Kopf. "Lass mich schnell duschen gehen, meine Hübsche. Dann gehöre ich ganz dir."

"Makenna?" Bella rutschte an die Bettkante und Edward sah, wie sich ihr Blick verengte, als sie ihre Tochter betrachtete. "Was in aller Welt trägst du da?"

Edward griff nach seinem Bademantel und betrachtete Makennas Outfit zum ersten Mal genauer. Er konnte sein ersticktes Lachen nicht ganz zurückhalten, als er vollauf bemerkte, was sie da an hatte. Sie trug das neue, rote Samtkleid, das Bella für die Weihnachtsfotos gekauft hatte, aber offenbar war Makenna der Meinung, dass dies allein noch nicht weihnachtlich genug wäre. Darunter trug sie einen grellgrünen Rock aus Tüll, den sie sonst in ihrer Verkleidungskiste aufbewahrte, und rot-weiß-gestreifte Strumpfhosen und funkelnde, rote Spangenschuhe, die sie zu ihrem Geburtstag bekommen hatte – das Mädchen liebte den Zauberer von Oz über alles. Sie hatte auch ein knallgrünes Sweatshirt mit dem vorne aufgestickten Rudolph the Red-Nosed Reindeer übergezogen, genauso wie eine weiße Weste mit pailettenbesetzten Weihnachtsstern-Blüten als Knöpfen.

Makenna hatte versucht, ihr wirres Haar zu zähmen – und das mit jeder roten, weißen oder grünen Spange, die sie besaß. Die eine Hälfte ihrer bronzefarbenen Locken war ungekämmt und verfilzt, während die andere Hälfte büschelweise und wirr an ihren Kopf geklammert war. Darüber hinaus hatte sie noch ihre funkelnde Tiara aufgesteckt, die noch vom letzten Halloween-Prinzessinnen-Kostüm stammte. Das Schmuckstück war nur ein winziges Stück nach links verrutscht. Es rutschte aber noch ein wenig weiter, sobald sie ihren Kopf neigte und ihre Fäuste in die Hüften stemmte.

"Das ist festlich, Mommy", sagte sie und verdrehte übertrieben die Augen, was bei Edward schon böse Vorahnungen in Bezug auf ihre Jahre als Teenager hervorrief.

Bella stand auf und griff nach ihrer Hand. "Vielleicht ein wenig zu festlich, Süße", sagte sie mit einem Lächeln. "Du weißt, wie es heißt. 'Weniger ist mehr.'"

Makenna legte ihre Stirn in Falten. "Das macht aber keinen Sinn, Mommy."

Bella hielt inne und wickelte eine Locke von Makennas Haar um ihren Finger. "Du musst so denken. Wenn du zu festlich gekleidet bist, werden sich all die anderen kleinen Mädchen nicht gut fühlen, weil sie selbst nicht festlich genug angezogen sind."

Makenna dachte kurz darüber nach, dann lächelte sie breit. "Okay, Mommy." Sie lief zur Schlafzimmertür hinaus und Bella warf Edward über die Schulter einen belustigten Blick zu.

"Nicht schlecht", gab er mehr als nur ein wenig beeindruckt zu.

"Deswegen bin ich auch die Mommy", sagte sie mit einem Grinsen und folgte ihrer Tochter in ihr Zimmer.

xxx

Bis Bella es (nach einem kurzen Zwischenstopp am WC, denn das Kind hatte es sich gerade auf ihrer Blase gemütlich gemacht) in Makennas Zimmer geschafft hatte, hatte ihre Tochter offenbar einen weiteren Tauchgang in die Verkleidungs-Kiste unternommen. Offenbar stellten ein Superman-Umhang und grüne Fäustlinge aus Fleece mit dem am Handrücken aufgestickten Wort "Ho" noch wichtige Ergänzungen zu ihrem Feiertags-Outfit dar.

Aber bevor Bella etwas diesbezüglich sagen konnte, warf Makenna sich auf ihr Bett und klopfte auf den Platz neben sich.

"Mommy, ich habe ein ernstes Problem", sagte sie. Sie verzog ihre Augenbrauen, sodass ihr die Tiara über ein Auge rutschte und sie sie abwesend wieder hoch schob. Bella setzte sich neben ihre Tochter und fragte sich, was wohl der Grund für solch einen Stimmungswechsel sein könnte.

"Was ist denn los, Baby?"

"Ich bin kein Baby, Mommy."

"Du bist mein Baby", meinte Bella. "Und du wirst es immer bleiben."

Makenna schüttelte ein wenig ihren Kopf, aber dann blickte sie zur Tür und sagte im Flüsterton:

"Ich mache mir Sorgen, dass der Weihnachtsmann Masen keine Geschenke bringen könnte", sagte sie.

Bella lächelte. "Aber natürlich wird er das, Süße. Masen war ein sehr braver Junge."

Makennas Augen verengten sich. "Er hat mich letztens an den Haaren gezogen. Und er sagt, Mädchen sind dumm."

"Das meint er nicht wirklich so, Honey. Und er hat sich entschuldigt, nachdem er dich an den Haaren gezogen hatte."

"Aber das ist noch nicht das Schlimmste, Mommy", sagte Makenna mit gesenkter Stimme. Ihre Augen wurden groß. "Ich glaube, Masen glaubt nicht mehr an den Weihnachtsmann."

Bella zwinkerte überrascht. "Warum glaubst du so etwas?"

"Ich habe gehört, wie er mit Ben gesprochen hat", flüsterte sie. "Ben sagte, nur Babys glauben an Santa, und Masen sagte: 'Ja.'"

"Und du glaubst, dass er jetzt deswegen keine Geschenke bekommt?"

Makenna nickte ernst."

Bella lehnte sich zu ihr. Sie war gerührt davon, wie sehr ihre Tochter sich sorgte, und gab ihr einen leichten Kuss auf die Stirn. "Mach dir keine Sorgen, Baby. Auch wenn Masen nicht an den Weihnachtsmann glaubt, weiß ich mit Sicherheit, dass der Weihnachtsmann an Masen glaubt."

"Wirklich?"

Bella nickte und streichelte über Makennas zarte Wange. "Er würde nie etwas tun, das deinen Bruder verletzt, Süße. Du musst dir keine Sorgen machen, okay?"

Makenna dachte kurz nach, dann lächelte sie fröhlich. "Okay, Mommy."

"Also", sagte Bella und stand auf. "Ich glaube, du musst das alles jetzt ausziehen, zumindest bis wir gefrühstückt haben."

Makenna versteifte ihre Schultern und Bella machte sich bereit für eine Diskussion.

Zum Glück erforderte es nur wenig Überzeugungsarbeit, bis Makenna ihre "festlichen" Sachen gegen frühstücksfreundlicheres Gewand gewechselt hatte. Sobald sie ein T-Shirt und Jeans angezogen hatte, gab Bella ihr einen Kuss auf den Kopf und schickte sie los in die Küche. Sie sagte ihr, sie würde gleich nachkommen, sobald sie nochmals am WC gewesen war.

"Aber Mommy, du warst doch gerade!", sagte Makenna mit einem bedauernden Kopfschütteln.

"Ich weiß, Baby. Ich weiß", antwortete Bella. "Geh jetzt. Ich bin in einer Sekunde unten."

Bella war so darauf fixiert, ihr Ziel zu erreichen, dass sie nicht bemerkte, dass ihre Tochter nicht sofort nach unten ging. Stattdessen beobachtete sie ihre Mutter dabei, wie sie im Badezimmer verschwand, ehe sie auf Zehenspitzen zu Masens Zimmer trippelte. Sie sah sich schnell in alle Richtungen um, um sicher zu gehen, nicht erwischt zu werden, und dann ging sie in sein Zimmer. Sie schloss leise hinter sich die Tür, bevor sie zu seinem unordentlichen Schrank ging. Zum Glück wusste sie, wonach sie suchen musste, und sie brauchte nur wenige Sekunden, bevor sie etwas rasch in ihre Hosentasche steckte und sanft darauf klopfte.

Sie hielt ein Ohr an die Tür und lauschte kurz, bevor sie rasch das Zimmer verließ und nach unten lief. Sie sang mit einem Lächeln im Gesicht "Jingle Bells".

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Edward war sich binnen weniger Minuten geduscht. Er zog sich rasch an und rubbelte sich mit einem Handtuch über den Kopf, bevor er mit seinen Händen durch sein Haar fuhr, um es zu zähmen. Er lief den Gang entlang und lächelte, sobald er die hitzige Diskussion in Makennas Zimmer hörte.

"Aber ich muss fertig sein, Mommy!"

"Süße, du kannst noch stundenlang nicht in die Mall, und du willst doch nicht den ganzen Sirup auf dein hübsches Kleid kleckern, oder?"

"Ich werde mich nicht bekleckern", sagte Makenna dickköpfig. "Ich bin kein Baby!"

Edward grinste und lief unbemerkt an Makennas Zimmer vorbei. Er fühlte sich kein bisschen schuldig, diesem Konflikt aus dem Weg zu gehen.

Schließlich war das eine Sache unter Frauen, sagte er sich.

Er machte sich auf den Weg hinunter in die Küche und sammelte rasch die Zutaten für seine weltberühmten Pfannkuchen zusammen.

Okay, eigentlich waren sie eher wie aus Biskuitteig, aber an besonderen Anlässen fügte er auch Schokostückchen hinzu. Das zählte doch auch, oder?

Er hatte gerade das elektrische Pfannkucheneisen auf den Tresen gestellt und rührte gerade den Teig an, als sein Sohn in seinem Pyjama in die Küche geschlurft kam. Er rieb sich die Augen und sein Haar stand in alle Richtungen ab.

"Warum sind alle schon so früh wach?", grummelte er und sah böse zum Fenster hinaus, wo es noch dunkel war. "Es ist doch noch Nacht."

Edward lächelte Masen an, wuschelte ihm durch das Haar und erntete dafür einen weiteren halbherzig-bösen Blick. "Deine Schwester ist ein wenig aufgeregt, weil wir heute den Weihnachtsmann sehen werden."

Masen verdrehte die Augen und nahm an der Frühstücksbar Platz. Edward begann, die Eier aufzuschlagen und Milch hinzuzugießen. "Müssen wir?", fragte Masen.

Sein Vater hielt inne. "Seit wann möchtest du nicht gern den Weihnachtsmann sehen?"

Masen zuckte bloß die Achseln und mied Edwards Blick. Er verkreuzte die Arme auf dem Tresen und legte seinen Kopf darauf ab.

"Masen?" Da der Junge sich nicht bewegte, beugte Edward sich zu ihm und berührte sanft seinen Kopf. "Was stimmt denn nicht, Kumpel?"

Er blickte hoch und verzog die Stirn. "Ben hat mir die Wahrheit gesagt ... über den Weihnachtsmann", sagte er.

Edward zwang sich zu einem freundlichen Gesichtsausdruck. Er griff nach der Pfannkuchenschüssel und widmete seine Aufmerksamkeit wieder dem Rühren. "Was meinst du?", fragte er.

"Er hat mir gesagt, dass es keinen Weihnachtsmann gibt."

"Was?" Edward rührte ein wenig kräftiger. "Warum sollte er so etwas sagen?"

"Er ist ins Schlafzimmer seiner Eltern geschlichen und hat in den Kleiderschrank gesehen. Dort hat er all seine Geschenke gefunden", sagte Masen rundheraus. Sein standhafter Blick beobachtete jede Reaktion seines Vaters genau. "Er hat seinen großen Bruder deswegen gefragt und er hat ihm gesagt, dass der Weihnachtsmann nicht echt ist."
Edward seufzte schwer und verfluchte im Stillen den kleinen Ben Cheney. Er hatte gehofft, noch ein paar Jahre Zeit zu haben, bevor er sich um solch ein Problem kümmern musste. Es war nicht so, als würde es ihm gefallen, seinen Sohn zu belügen, aber die großen Kinderaugen und die Magie von Weihnachten zu erleben, war etwas Besonderes und sehr kurzlebiges, und er freute sich überhaupt nicht darauf, dass Masen dem entwachsen könnte. Er spürte auch, dass sein Sohn darauf wartete, dass er seine Vermutung entweder bestätigte oder abstritt. Offenbar war das Wort seines Vaters mehr wert als das seines Freundes oder dessen großen Bruders.

Aber obwohl er Masen so lang wie möglich seine Kindheit gönnen wollte, würde Edward ihn niemals direkt belügen. Stattdessen leerte er etwas Teig in den Griller und fragte leise: "Und was glaubst du?"

Masen war eine Minute lang still. "Ich weiß nicht", sagte er schließlich. "Was glaubst du?"

Edward hätte wissen müssen, dass er nicht so leicht davonkommen würde. Er lächelte seinen Sohn an. "Tja, ich glaube an viele Dinge, an die die meisten Leute nicht glauben", sagte er. "Ich glaube an Magie und Wunder. Und ich würde niemals sagen, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt."

Masen dachte darüber nach. Er wusste alles über Edwards seltsamen Ausflug in das alternative Leben und dass er - und auch seine Mutter - daran glaubte, dass das alles Wirklichkeit gewesen ist. Er wusste nicht, was er davon halten sollte, aber er würde seinem Vater nie seine Zweifel mitteilen.

Er war erst acht - fast neun - aber er kannte sich schon gut genug aus, um zu wissen, dass niemand gerne von seinem Sohn für verrückt gehalten wurde.

Edward wusste anscheinend sowieso, was er dachte, also streckte er den Arm aus und zerwuschelte seinem Sohn ein weiteres Mal das Haar. "Woran du glaubst, entscheidest du allein, Kumpel", sagte er leise. "Du musst für dich selbst entscheiden, woran du glaubst. Es gibt keine Mögllichkeit, wie man sich sicher sein kann, ob man Recht hat oder nicht. Darum wird das Ganze auch Schicksal genannt." Er spannte sich an, sobald er Makenna hörte, wie sie singend die Treppe herunter kam. Er drehte sich um und wendete die Pfannkuchen. "Aber tu mir einen Gefallen, okay?", fügte er hinzu. "Bis du es herausgefunden hast, ruiniere Makenna nicht das Weihnachtsfest. Sie freut sich wirklich schon sehr darauf, den Weihnachtsmann zu sehen."

Masen verdrehte die Augen. Er war noch immer verwirrt und kam sich zu alt für all das vor. Dennoch wollte er seiner kleinen Schwester, die er über alles liebte, den Spaß nicht verderben, obwohl sie ihn manchmal zu Tode nervte. Er lächelte ein wenig. "Okay, Dad."

"Danke, Kumpel", sagte Edward. Er schob einen Teller mit Chocolate Chip Pancakes zu seinem Sohn und drehte sich wieder um, um einen frischen für sein kleines Mädchen zu backen.

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"Wie schreibt man 'Rentier'?", fragte Makenna. Sie hatte vorsichtig einen roten Buntstift zwischen ihren Fingern.

Bella lächelte sie an. "R-E-N ... Masen, spiele bitte nicht mit deiner Milch."

Masen grummelte, aber hörte auf, durch seinen Strohhalm Blasen in die Milch zu pusten.

"R-E-N ...", meinte Makenna.

"Entschuldige, Baby. T-I-E-R."

Edward reichte Bella einen Teller Pfannkuchen und sie setzte sich zwischen den Kindern hin. "Bist du dir sicher, dass du heute nicht mitkommen möchtest?", fragte er.

"Wie schreibt man 'Santa'?"

"S-A-", sagte Bella und nahm einen Bissen von ihrem Frühstück. "Ich wünschte, ich könnte, aber ich musste dieses Interview schon zwei Mal verschieben – N-T-A." Seit Second Chances verfilmt worden war, war es zu einem der klassischen Weihnachtsfilme geworden. Und deswegen war Bella an Weihnachten immer sehr gefragt. Der lokale Fernsehsender hatte ein spezielles Weihnachts-Fernsehprogramm zusammengestellt und gefragt, ob Bella mitmachen möchte. Sie war eine der regionalen Berühmtheiten, die sich über ihre liebsten Weihnachtstraditionen unterhalten würden. Edward blieb somit übrig, um mit den Kindern in die Mall zum Weihnachtsmann zu gehen und ein Weihnachtsgeschenk für seine Frau auszusuchen.

Die Mall. Am Samstag vor Weihnachten. Edward hatte Kriege und Naturkatastrophen hautnah miterlebt, aber er musste zugeben, dass ihm vor der weihnachtlichen Mall mehr als nur ein wenig graute.

Aber er beschwerte sich nicht. Dies war das erste Jahr seitdem er die Mitternachtsnachrichten übernommen hatte, in dem er an Weihnachten frei hatte, und er hatte vor, jeden Moment davon zu genießen.

Das war eine Lektion, die er vor Jahren gelernt hatte und die er nach wie vor sehr ernst nahm.

"Wie schreibt man 'Wünsche'?", fragte Makenna.

"Ich weiß nicht, warum du überhaupt einen Brief schreibst", murrte Masen. "Glaubst du wirklich, der Weihnachtsmann hat Zeit, um alle Briefe von allen Kindern auf der ganzen Welt zu lesen?" Er hob seine Augenbraue hoch und Makennas Unterlippe begann ein wenig zu zittern.

Sie war jedoch kämpferisch und hob ihr Kinn hoch. "Die Elfen helfen ihm", sagte sie kurzum.

Masen schnaubte und Edward warf ihm einen warnenden Blick zu, bevor er Makenna sagte, wie man 'Wünsche' buchstabierte.

"Daddy, können Claire und Roger mit uns mit zum Weihnachtsmann kommen?", fragte sie und malte noch einige rote und grüne Verzierungen in eine Ecke ihres Briefes.

"Äh ..." Edward spähte dort hin auf den Tresen, wo Makennas Lieblingspuppe neben ihr saß. Die Puppe starrte mit ihren Glasaugen auf den Brief, den sie gerade schrieb. Neben der Puppe lag eine G.I. Joe Actionfigur, die Makenna von ihrem Bruder bekommen hatte. Die Figur trug die typische Hose im Camouflage-Stil und Kampfstiefel, allerdings trug er obenrum eines von Barbies geblümten Trägertops. Makenna liebte die Actionfigur, aber Edward kam sich dabei mehr als nur ein wenig unbehaglich vor. Bella hatte ihn bloß ausgelacht und ihm versichert, dass es ganz normal wäre, wenn seine Tochter einen Soldaten hatte, der Transvestit war und Roger hieß.

Edward war sich aber sicher, dass in irgendeinem Speicher irgendwo in Tribeca ein Ken mit gebrochenem Herzen herumlag, der sich schrecklich allein fühlte.

"Wir lassen sie diesmal besser zu Hause", antwortete Edward und ignorierte Bellas Grinsen. "Wir wollen doch nicht, dass sie verloren gehen."

Makenna nickte abwesend. "Wie schreibt man 'Barbie Reisespaß Wohnmobil'?"

Einen Moment lang starrten sie alle Makenna bloß an. Sie starrte zurück. "Roger geht gerne campen", sagte sie einfach.

Edward rieb sich über die Stirn und Bella lächelte bloß. "Honey, warum malst du nicht einfach ein Bild? Ich wette, dem Weihnachtsmann würde das gefallen."

Makenna grinste. "Gute Idee, Mommy." Sie griff nach einem neuen Buntstift und begann, Rogers künftigen Wohnwagen zu malen.

"So, ich muss los", sagte Bella und sah auf ihre Uhr, während sie ihren Teller zur Spüle brachte. Sie gab Edward einen leichten Kuss. "Viel Glück heute", sagte sie. "Wir sehen uns, wenn ihr wieder zurück seid." Sie drehte sich zu Makenna. "Erinnere dich daran, worüber wir gesprochen haben, Makenna. Das Kleid und die Schuhe ... und lass dir von Daddy die Haare machen, okay?"

"Was ist mit den Strumpfhosen?", fragte sie dickköpfig.

Bella seufzte. "Die Strumpfhosen gehen in Ordnung."

"Und meine hübsche Krone?"

"Keine Krone", sagte Bella streng. Makenna runzelte die Stirn, aber danach sah sie zu ihrem Vater und ein langsames, tückisches Lächeln schlich sich auf ihr Gesicht.

"Okay, Mommy", sagte sie gehorsam, aber Edward kannte dieses Lächeln.

Das Mädchen hatte vor, ihm die Tiara abzuschwatzen.

Bella hob ihre Augenbraue hoch und sah ihn an. Offensichtlich dachte sie genau das selbe, aber Edward zuckte bloß die Schultern. "Traue mir auch etwas zu", sagte er. "Ich kann perfekt mit ihr umgehen."

Stunden später stiegen sie schließlich in den Wagen. Masen trug einen hübschen roten Pullover und Jeans und Makenna ihr rotes Kleid und die neuen Schuhe.

Und die Tiara.

Er musste ihr sogar noch versprechen, ihr später eine heiße Schokolade und Kekse zu kaufen, damit sie den Superman-Umhang zu Hause ließ.

Und Edward dachte noch, er wäre gut davon gekommen.

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Schreie ertönten in der Luft. Edwards Schultern zuckten bei den hohen Kreischtönen zusammen.

"Neeeeein!", schrie ein kleines Mädchen. Die blonden Locken blieben an ihren tränenüberströmten Wangen kleben. "Ich will das Pferdchen reiten!"

Ihre Mutter versuchte, sie zu beruhigen. "Wenn du brav bist und hübsch für das Foto lächelst, kannst du danach auf dem Pferd reiten."

Das Mädchen schluchzte zwischen ihren Worten. Der Schluckauf raubte ihr den Atem. "Ich. Will. Pferdchen. Reiten. JETZT!"

Edward schlang seinen Arm um Makenna, die große Augen machte, und Masen blickte zu ihm hoch.

"Wow", sagte der Junge leise. "Da braucht wohl jemand eine Auszeit."

Edward musste sich auf die Lippe beißen, um nicht laut loszulachen, und ignorierte den bösen Blick der Mutter des kleinen Mädchens. Sie standen schon seit einer halben Stunde in der Schlange an, die zu Santa Claus führte, und sie waren noch keine zehn Meter vorangekommen. Daher konnte er dem kleinen Mädchen den Ausbruch nicht verübeln.

Obwohl er doch froh war, nicht der Elternteil zu sein, dem dieser Ausbruch gegolten hatte.

Dann begann ein verwirrtes Murmeln sich wie eine ansteckende Krankheit auszubreiten.

"Wie lange dauert es noch?"

"Wo ist der Weihnachtsmann?"

"Ich bin müde."

Das Murmeln gewann immer mehr an Lautstärke, bis die Schreie und Schluchzgeräusche förmlich in einem Heul-Armageddon ausarteten.

"Ich will nicht leise sein!"

"Ich hab Hunger!"

"Ich will nach HAUSE!"

Edward hätte schwören können, dass soeben der Titelsong von Apocalypse Now erklang.

Er beobachtete geschockt und erstaunt, wie sich die Wutschreie der kleinen Kinder mehrten und immer mehr Eltern nervös wurden und sie zu beruhigen versuchten und ihnen Schnuller in die schreienden Münder zu stecken.

Aber es war zu spät.

Ein Kind nach dem anderen wurde hochgehoben. Die verstimmten Eltern nahmen ihre schreienden Kinder und verließen die Reihen, damit sie sich auf den Weg zu den Restaurants oder dem Spielwarengeschäft machen konnten. Für Santa Claus würden sie ein anderes Mal kämpfen müssen.

Edward hatte ein wenig Mitleid mit den anderen Eltern, konnte aber die Siegessicherheit nicht unterdrücken, als sie sich in der Schlange endlich nach vorne bewegten.

In der Liebe und im Krieg ist alles erlaubt. Und wenn man auf Santa wartete.

Er hatte eine Hand in seiner Jackentasche vergraben, mit der anderen hielt er leicht Makennas Hand fest. Ihre zu Schlitzen verengten Augen suchten die Menge sorgsam ab. Ihren Brief an den Weihnachtsmann hielt sie fest in ihrer kleinen Faust.

"Was suchst du denn, Makenna?", fragte er.

"Den Weihnachtsmann", flüsterte sie.

"Er ist genau da vorne." Edward ließ ihre Hand loß, um auf den großen roten Thron am Anfang der Schlange zu deuten. "Du kannst ihn in einer Minute sehen."

Makenna sah ihn an, als könnte sie nicht recht glauben, dass er das gesagt hatte. "Das ist nicht der echte Weihnachtsmann, Daddy."

Edward war sich nicht ganz sicher, wie er darauf antworten sollte, aber Makenna fuhr auch ohne seine Antwort fort. "Das ist der Weihnachtsmann von den Bildern. Der echte Weihnachtsmann hat dafür keine Zeit. Darum hat er doch seine Helfer."

Masen schnaubta auf und Edward stieß ihn leicht mit seinem Ellenbogen an.

"Da ist er!", rief Makenna plötzlich und dann war sie weg. Sie lief durch die Lücken in der Menschenmenge und quer durch die Mall. Mit einer Hand hielt sie ihre Tiara fest.

"Makenna!", rief Edward, schnappte sich Masens Hand und zog ihn hinter sich her. "Komm hierher zurück!"

Die Panik wuchs in ihm an, aber er behielt seinen kleinen Rotschopf im Blickfeld und atmete erleichtert aus, sobald sie endlich bei einem kleinen Gang zwischen zwei Geschäften stehen geblieben war. Sie sah hoch zum Hausmeister, der einen Wischmopp in der Hand hielt, und sie gestikulierte mit Armen und Beinen. Sie blickte erst zurück zu Edward, als er ihren Arm berührte.

"Makenna, du kannst nicht einfach so davonlaufen", sagte er und kniete sich hin, damit er ihr in die Augen blicken konnte. Seine Sorge wurde nun von Erleichterung abgelöst. Er blickte hoch zum Hausmeister. "Und der nette Mann hier versucht zu arbeiten, Süße. Wir sollten ihn in Ruhe lassen." Er stand wieder auf und nahm ihre Hand. "Das tut mir sehr Leid", sagte er zu dem Mann.

"Daddy, nein", sagte Makenna und entzog sich seiner Hand. "Das ist der Weihnachtsmann!" Um das zu verdeutlichen, riss sie ihre Augen weit auf und Edward drehte sich entschuldigend zu dem Mann. Er musste zugeben, dass der Mann wirklich wie der Weihnachtsmann aussah mit seinem zurückgestutzten weißen Bart und dem weißen Haar, das unter seiner Baseball-Kappe zu sehen war. Seine blauen Augen funkelten fröhlich und seine Wangen waren rosa, da er gerade den Gang gewischt hatte. Er war dick, allerdings nicht so kugelrund, wie man sich Santa Claus normalerweise vorstellte, und er trug eine fleckige, graue Weste und ein weißer Lappen hing über seiner Schulter.

"Ist schon gut", sagte der Mann mit einem Zwinkern. "Das passiert mir ständig."

"Makenna, komm schon", sagte Masen leise. "Das ist nicht der Weihnachtsmann. Gehen wir und lassen wir uns fotografieren, damit wir danach unsere heiße Schokolade trinken können."

Makenna starrte ihn böse an. "Masen, das ist Santa. Sieh ihn genau an."

"Er sieht bloß aus wie Santa", antwortete ihr Bruder, aber er erschien nun verwirrt. "Er ist hier der Hausmeister."

"Er ist der Weihnachtsmann!", rief Makenna und stampfte mit dem Fuß auf. Edward zuckte zusammen, als ein paar Passanten die Köpfe in ihre Richtung drehten. Er befürchtete, dass dies ein kompletter Zusammenbruch werden könnte, und fuhr sich verzweifelt mit der Hand durchs Haar, um einen Weg zu finden, wie er dies verhindern könnte.

Das musste er aber nicht, denn der Hausmeister kniete sich hin und tippte Makenna an die Nase. "Also, Makenna, warst du dieses Jahr ein braves Mädchen?", fragte er.

Makenna nickte, dann zuckte sie zusammen und warf Edward einen Blick zu. "Die meiste Zeit", gab sie zu.

"Sie war sehr brav", unterbrach Edward und war dankbar, dass der Ausbruch abgewehrt war. Er ignorierte Masens genervtes Stöhnen. Offenbar stimmte der Junge dem nicht zu.

"Ah, das ist wunderbar", sagte der Hausmeister mit einem breiten Lächeln. "Und was wünschst du dir zu Weihnachten?", fragte er.

Makenna biss sich auf die Lippe und sah kurz über ihre Schulter zu ihrem Bruder. Sie streckte ihm ihren Brief entgegen. "Da ist alles drin", flüsterte sie.

Der Mann nahm den Brief. "Ah, gute Idee. Alles aufzuschreiben, damit ich nichts verwechsle."

"Ich musste auch ein paar Bilder malen, weil ich noch nicht alle Wörter kann."

"Das ist gut", sagte er, "ich mag Bilder sehr gerne." Er stand auf und nickte Masen zu. "Und was ist mit dir, mein Sohn? Was wünschst du dir zu Weihnachten?"

Masen errötete. Er blickte zu Boden und zuckte mit den Achseln. Edward legte ihm einen Arm um die Schultern und griff mit seinem anderen nach Makennas Hand.

"Wir sollten uns jetzt wirklich auf den Weg machen", sagte er. "Vielen Dank ... Santa Claus. Es tut mir Leid, dass wir Sie gestört haben."

Er begann wegzugehen, aber Makenna lief noch einmal zurück, warf ihre Arme um den Hals des Hausmeisters und flüsterte ihm rasch etwas ins Ohr.

"Makenna!", stöhnte Edward auf. Das war ihm peinlich und er war verwirrt. Er zog ihre Arme frei und entschuldigte sich nochmals für den Überschwung seiner Tochter.

Der Hausmeister grinste. Er stand auf und stützte sich auf seinem Mopp ab. "Überhaupt kein Problem."

"Vergisst du es auch nicht?", fragte Makenna ernst.

Er lächelte sie an. "Nie im Leben. Ich wünsche euch allen fröhliche Weihnachten."

Sie wünschten ihm ebenfalls ein frohes Fest, bevor Edward mit ihnen zurück zu der Schlange ging, wo die Fotos mit dem Weihnachtsmann gemacht wurden.

Ans Ende der Schlange, um genau zu sein.

Edward seufzte und wechselte von einem Bein auf das andere. Makenna hüpfte aufgeregt herum und plauderte über dieses und jenes. Masen war still und Edward sah, wie er hin und wieder in Richtung des Ganges spähte, obwohl der Hausmeister schon fort war.

"Alles okay, Kumpel?", fragte er. Masen nickte bloß.

Irgendwann hatten sie es bis ganz nach vorne geschafft und Makenna lief nach vorne und setzte sich auf das Knie des Weihnachtsmannes. Masen stellte sich pflichtbewusst neben den lustigen alten Elfen. (Er hatte mit Edward gestritten, dass er zu alt wäre, um sich noch auf das Knie des Weihnachtsmannes zu setzen, und Edward bedrängte ihn nicht.) Der Weihnachtsmann rief: "Ho ho," und ließ Makenna auf seinem Knie herumhüpfen, bevor er fragte, was sie sich zu Weihnachten wünschte.

"Also, ich wünsche mir einen Kinderbackofen und ein Kleid für Claire - das ist meine Puppe - und einen Barbie Reisespaß Wohnwagen für Roger ..."

"Roger?"

"Das ist meine andere Puppe."

"Das ist eine Action-Figur", korrigierte Masen sie, "und sein Name ist G.I. Joe."

"Nein, sein Name ist Roger", meinte Makenna mit bösem Blick.

Ein Mädchen in einem Elfenkostüm kam mit einem breiten Lächeln zu ihnen, um den beginnenden Streit mit einer Zuckerstange zu verhindern. Der Weihnachtsmann warf ihr einen dankbaren Blick zu und drehte sich zu Masen.

"Und was wünschst du dir, kleiner Junge?"

Masen sah ihn böse an, als er als "klein" bezeichnet wurde, aber bei Edwards strengem Blick stieß er seinen Atem resigniert wieder aus.

"Einen Hund", sagte er.

Edward zog eine Grimasse. Er schüttelte ein wenig den Kopf, als er sah, dass der Weihnachtsmann ihn ansah. Sie hatten schon zahlreiche Diskussionen über einen Hund geführt, aber er und Bella waren sich einig, dass sie zu volle Terminkalender hatten und es somit dem Hund gegenüber nicht fair wäre.

Masen war natürlich anderer Meinung.

"Ein Hund ist eine große Verantwortung", sagte der Weihnachtsmann ernst. "Vielleicht solltest du warten, bis du ein wenig älter bist."

"Ich bin fast neun."

"Tja, was wünschst du dir sonst? Vielleicht einen Football? Oder ein cooles Videospiel?" Er sah hoch zu Edward, der bei diesen Dingen nickte.

Masen seufzte ergeben auf. "Ja, das wäre cool", gab er zu. "Oder ein Skateboard?"

"Sir?" Eine leise Stimme lenkte Edwards Aufmerksamkeit von seinen Kindern weg. Er war überrascht, den Hausmeister neben sich stehen zu haben, der ihm Makennas Brief überreichte. "Ich dachte, den hätten Sie gerne."

Edward nahm den Umschlag und musste lächeln, als er das rote Strichmännchen vorne sah. "Danke", sagte er und steckte den Umschlag mit einem vorsichtigen Blick auf seine Kinder rasch in seine Jackentasche. Die kleine Elfe war wieder zurück und lenkte die Aufmerksamkeit der Kinder auf die Kamera. Sie wedelte mit einer Handvoll Glöckchen herum und zählte bis drei. Sie lächelten breit, die Kamera blitze auf und Edward konnte sein eigenes Lächeln nicht unterdrücken.

Er drehte sich zurück zum Hausmeister, aber er war nicht mehr da. Edward sah, wie er in Richtung der Restaurants verschwand, sein Wägelchen schob und den Menschen zunickte, an denen er vorbeiging.

"Daddy?" Makenna zog an seinem Ärmel, während sie an ihrer Zuckerstange lutschte. "Können wir jetzt gehen und eine heiße Schokolade bestellen?"

Edward nickte und sie gingen los in Richtung Starbucks. Der Hausmeister war verschwunden, wahrscheinlich war er zu den Toiletten gegangen, also nahm Edward einfach die Hände seiner Kinder und ging mit ihnen durch die Menschenmenge.

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"Also, wie ist es gelaufen?", fragte Edward und ging durch das Schlafzimmer zu Bella, um ihr die Schultern zu massieren. Sie seufzte, entspannte sich unter seiner Berührung und Edward küsste sie auf die Schläfe.

"Gut", sagte sie mit einem Schulterzucken. Sie lehnte sich zurück an seine Brust. "Du kennst diese Interviews. Sie sind alle in etwa gleich. Wie lief es in der Mall?"

Edward schlang seine Arme um sie und strich mit seiner Hand über ihren Bauch. "Gut. Toll."

"Irgendwelche Überraschungen?"

"Masen hat wieder versucht, nach einem Hund zu fragen", sagte er und Bella lachte. "Und ich dachte, wir hätten diesen Wunsch im Keim erstickt. Aber er hat auch von einem Skateboard gesprochen."

"Ich habe letzte Woche eines gekauft."

"Und deshalb bist du die Mommy", sagte er und knabberte an ihrem Hals. "Was machen die Kids gerade?"

"Sie spielen in ihren Zimmern", antwortete Bella. "Ich kann gar nicht glauben, dass es so ruhig ist."

Edward brummte und vergrub seine Nase in ihrem Haar, um ihr einen Kuss auf den Haaransatz zu geben. "Vielleicht können wir das zu unserem Vorteil nutzen."

Bellas Zittern strafte ihrer Worte Lügen. "Es ist mitten am Tag."

"Und?", sagte er an ihrer Haut. Er streckte die Zunge aus, um sie zu schmecken. "Wir müssen leise sein."

"Bist du dir sicher?", fragte sie, legte ihre Hände über die seinen und verwob ihre Finger in einander. Edward sah, wie sich ein leichter Rotton in ihrem Nacken ausbreitete, und kannte sofort den Grund dafür. Bella war nie besonders selbstbewusst, wenn sie schwanger war, und mitten am Tag Liebe zu machen, machte sie immer nervös, auch nach all diesen Jahren noch.

"Ich bin mir immer sicher", sagte Edward und strich mit seiner Nase ihren Haaransatz entlang. Er knabberte an ihrem Ohrläppchen und rieb mit seinen Händen liebevoll über ihren Bauch. Sie versteifte sich.

"Was ist los, Baby?", fragte er.

Sie zuckte die Schultern. "Ich weiß nicht. Ich komme mir nur so ... fett vor. Und alt. Weißt du, die Sekretären beim Fotoshooting hat mich heute als 'Ma'am' bezeichnet", sagte sie mit einem unglücklichen Blick über ihre Schulter. "Ma'am, um Himmels Willen."

"Arschloch", murmelte Edward. Ein Lächeln war auf seinen Lippen zu erkennen.

"Halt die Klappe." Sie versuchte, genervt auszusehen, aber Edward erkannte das Lächeln, das sie zu verbergen versuchte.

Edward drückte sie ein wenig fester und legte sein Kinn auf ihre Schulter. "Baby, zuallererst einmal, du bist nicht fett." Bei ihrem ungläubigen Schnauben fügte er hinzu: "Du bist schwanger und trägst mein Kind unter deinem Herzen ..." Er streichelte ihren Bauch, um dies zu betonen. "... und das ist so unglaublich sexy."

Sie neigte den Kopf zur Seite und er küsste wieder ihren Hals. "Ja?", fragte sie ein wenig außer Atem. Er hatte das alles schon gesagt, aber hier und da musste sie das einfach wieder hören.

"Mmm hmmm ...", murmelte er und verteilte kleine, nasse Küsse in ihrem Nacken. "Und du bist nicht alt. Du wirst mit jedem Tag schöner." Das war klischeehaft und er wusste es, aber es war wahr. Trotz der Tatsache, dass sie vor kurzem dreiundvierzig geworden war, war Bellas Haut immer noch weich und makellos, mit Ausnahme einiger kleiner Krähenfüße um ihre Augen herum, wenn sie lächelte. Ihr Haar war immer noch dick und braun, und darüber beschwerte er sich lauthals, als er an seinen Schläfen die ersten grauen Haare entdeckte. Bella hatte nur gelacht und ihm gesagt, es verleihe ihm Charakter, aber ihre Frisörin Miss Clairol bewahrte sie zum Glück vor dem selben Schicksal.

Es war ihm egal. Sie war perfekt. Und er wollte sie immer noch. Jederzeit.

"Du sagst die süßesten Sachen", murmelte Bella. Sie drehte sich in seinen Armen um und strich mit ihren Händen über seine Brust nach oben. Schließlich schloss sie sie um seinen Nacken.

"Ich bin eben ein süßer Kerl", sagte er mit einem sexy Grinsen, bevor er sich zu ihr beugte, um sie sanft zu küssen. Bella wimmerte, ihre Finger vergruben sich in seinem Haar und sie neigte den Kopf, um den Kuss zu vertiefen. Nicht zum ersten Mal fragte sich Edward, wie in solchen Situationen wie dieser immer so schnell ein heißer Blitz zwischen ihnen beiden entstehen konnte, der immer noch genauso scharf und elektrisch war wie am Anfang.

Er strich mit den Fingern unter den Saum ihres Shirts. Edward schob es hoch und sie bewegten sich in Richtung Bett. Bella stolperte und fiel mit einem kleinen Kreischen zurück auf die Matratze. Edward folgte ihr und stützte sich auf den Armen ab, um nicht auf sie zu fallen.

"Upps", sagte sie mit einem Grinsen und riss ihm nun eifrig sein Shirt über den Kopf. Edward hob ihres ebenfalls hoch und gab ihr einen sanften Kuss auf den Bauch, bevor er mit den Fingern leicht über ihre Brüste strich. Bella zuckte ein wenig, da sie aufgrund der Schwangerschaft überaus sensibel war, und Edward nützte die Gelegenheit und fuhr mit seiner Hand unter ihren Rücken, wo er ihren BH öffnete. Seine Augen weiteten sich, da ihre Brüste größer waren als sonst, und er leckte sich über die Lippen.

Bella kicherte. "Du siehst aus, wie ein Verhungernder, der ein Buffett vor sich sieht."

"Das ist definitiv ein Vorteil dieser ganzen Schwangerschaftssache", murmelte er und beugte sich nach unten, um ihren Nippel mit seiner Zungenspitze zu umkreisen.

"Oh Gott", stöhnte Bella. "Edward!"

"Schhh ...", flüsterte er und saugte sanft. Sie zuckte unter ihm, schlang ihre Beine um seine Hüften und ihre Fingernägel gruben sich tief in seinen Rücken. Edwards Hüften kreisten langsam gegen ihre. Sie tastete sich zwischen sie und suchte blind nach dem Knopf seiner Jeans.

"Ich brauche ...", murmelte sie.

"Ja." Er hob seine Hüften und zischte auf, während sie seinen Reißverschluss öffnete. Mit ihren Fingern strich sie leicht über seine Erektion. Er schob ihre Leggings ihre Hüften hinab und nahm ihren Mund in einem weiteren berauschenden Kuss gefangen.

"Mommy?" Eine kleine Faust klopfte an die Tür, und dank jahrelanger Übung schnappte Edward sich reflexartig die Tagesdecke und zog sie über sie beide.

Bellas Kopf senkte sich frustriert zurück auf das Bett. "Was ist denn, Baby?"

"Masen will Roger am Klo runterspülen!"

In einiger Entfernung konnten sie beide Masens wütende Stimme hören. "Sie bleibt nicht aus meinem Zimmer draußen!"

"Ich will doch nur mit dir spielen!"

"Du machst alle meine Sachen kaputt!"

Edward ließ sich mit einem schweren Seufzen neben Bella auf das Bett fallen und zog ihre Leggings wieder hoch. Sie setzte sie auf und er schloss ihren BH hinter ihrem Rücken.

"Ein anderes Mal?", fragte er und küsste ihre Schulter.

Bella lächelte sanft. "Du hast es erfasst."

"Mommy!"

"Ich komme schon!", rief Bella und zog sich ihr Shirt wieder an. Sie war dankbar, dass das kleine Mädchen nicht einfach hereingeplatzt war.

Edward schloss wieder den Reißverschluss seiner Hose, aber er streckte seine Hand aus, um sie aufzuhalten, als sie an ihm vorbeigehen wollte.

Er küsste sie schnell, hart und tief. Als er sich zurückzog, musste Bella zitternd einatmen.

"Ich liebe dich, Baby", sagte er leise.

Sie lächelte und berührte sein Gesicht. "Ich liebe dich auch."

Hand in Hand verließen sie das Schlafzimmer, um Roger vor seinem nassen Ende zu bewahren.

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Die nächsten paar Tage vergingen wie im Flug. Sie waren einkaufen, Geschenke verpacken und machten diverse andere weihnachtliche Dinge. Es war seltsam, dass sie an den Feiertagen nicht die gesamte Familie hier haben konnten, aber da Alice und Jasper in ein paar Wochen ihr erstes Kind erwarteten, war es Edwards Eltern ein Anliegen, heuer in ihrer Nähe zu bleiben. Nachdem Rosalie und Emmett schon jahrelang zusammen gewohnt hatten, wagten sie sich endlich vor den Traualtar und hatten geheiratet. In Wirklichkeit waren sie eigentlich durchgebrannt und verbrachten ihre Hochzeitsreise auf Hawaii. Charlie hatte heuer für einen Kollegen die Weihnachtsdienste übernommen, da dessen Frau im Krankenhaus war. Obwohl er schon in Altersteilzeit war, war er mit dem Department immer noch vielbeschäftigt und half öfters aus, wo Not am Mann war.

Sie hatten überlegt, ob sie mit den Kindern nach Washington reisen sollten, aber Bellas Arzt hatte dem einen Riegel vorgeschoben, da ihr Blutdruck ein wenig zu hoch war. Es ging ihr gut, aber er sagte, dass das Fliegen momentan nicht die beste Idee wäre.

Also waren sie heuer nur zu viert.

Es war schwerer für Bella als für Edward, aber sie versuchte, die stille Zeit mit ihrer Familie dennoch zu genießen. Und das Wissen, dass sie alle im Sommer das Baby besuchen kommen würden, half ihr.

Um ehrlich zu sein, genoss Edward es, diesmal ruhige Feiertage zu verbringen. Die stille und entspannte Atmosphäre um das Haus herum war etwas, das er zu schätzen gelernt hatte. Er kuschelte immer mit Makenna vor ihrem Schläfchen und las ihr eine Geschichte vor, bis sie ihre Augen nicht mehr offen halten konnte. Oder er spielte mit Masen draußen fangen, obwohl es gerade zu schneien begonnen hatte und ihre Finger langsam trotz der Handschuhe taub wurden. Sie buken und dekorierten Cookies und telefonierten über Skype mit den Großeltern. Und Edward liebte jede einzelne Minute.

Am heiligen Abend versammelten sie sich in alter Familientradition vor dem Fernseher.

"Hast du das Popcorn?", fragte er Bella und schnappte sich einige Saftpakete aus dem Kühlschrank.

Sie leerte den zweiten Sack mit einem Lächeln in die große Schale. "Mit extra Butter", sagte sie und schlug ihm auf die Finger, als Edward eine Handvoll naschen wollte.

Masen rief von seiner Position auf dem Fußboden aus: "Was ist mit den M&Ms?"

Edward holte einen Beutel mit den Süßigkeiten, öffnete ihn und leerte den Inhalt zur Freude seiner Kinder mit einem Grinsen zum Popcorn. Sie vermischten alles miteinander und steckten sich eine Handvoll von dieser warmen, halbgeschmolzenen Kombination in ihre Münder. Bella schaltete den Fernseher ein. Sie kuschelte sich an ihren Mann, während Makenna es sich auf ihren Beinen gemütlich machte. Masen lag mit dem Kinn auf seine Fäuste gestützt auf dem Fußboden.

"Es ist so weit!", sagte Makenna glücklich und klatschte in die Hände, als der Titel Second Chances am Bildschirm erschien.

Bella lächelte sanft und Edward griff nach ihrer Hand. Der Hauptcharakter – im Film hieß er Evan – saß in einer Bar, nippte an einem Drink und trauerte, weil er die Liebe seines Lebens verloren hatte.

Auch nach all diesen Jahren war es für Edward seltsam, seine Geschichte im Fernsehen zu sehen mit anderen Menschen als Charaktere. Bella änderte einige Namen und Orte, als sie das Buch geschrieben hatte. Bella hieß Bridget, und sie war auf dem Weg nach Hause nach Portland, nicht nach Forks, als Evan sie am Ende der Geschichte fand. Aber sonst entsprach alles in etwa dem wahren Leben. Er lächelte, als Evan Michael zum ersten Mal außerhalb der Bar traf ... und zuckte zusammen, als Rosalie (im Film hieß sie Rachel) ihn halb mit einem Kleidersack erschlug, nachdem er nach dieser Nacht auf Alices und Jaspers (Amys und Jacobs) Couch geschlafen hatte.

Makenna kreischte erfreut auf, als sie ihre Schauspielerin zum ersten Mal am Bildschirm sah. "Das bin ich!", sagte sie jedes Mal aufgeregt, wenn "Mallory" etwas besonders Süßes sagte oder machte. "Das bist du, Masen", sagte sie, als ihr Fernsehbruder sein neues Fahrrad ausprobierte und zugab, dass er das Glöckchen seines Vaters geklingelt hatte.

Masen war jedoch ungewöhnlich still. Er passte während des Films genau auf, und hier und da konnte Edward spüren, wie er ihn ansah. Aber wenn er sich zu seinem Sohn drehte, sah dieser schnell zurück zum Fernseher. Bella zuckte bloß die Schultern und weitete ihre Augen als stummen Ausdruck der Unsicherheit und Sorge.

Als Bridget in den OP gebracht wurde und Michael, der Engel, erschien, um Evan zurück in seine Welt zu schicken, blickte Makenna mit zitternder Lippe hoch zu Edward.

"Ist Mommy gestorben?", fragte sie leise und Edward zerbrach das Herz. Das war das erste Mal, dass sie die einzelnen Teile der Geschichte richtig kombiniert und es begriffen hatte, dass obwohl Edward im hier und jetzt lebte, eine ziemlich große Wahrscheinlichkeit bestand, dass die anderen Edwards und Masens und Makennas ohne ihre Bella weiterleben mussten. Er blickte zu Bella, die sich diskret einige Tränen von den Wangen wischte, bevor sie Makenna dicht zu sich zog und ihr einen Kuss auf den Kopf gab.

"Ich bin mir nicht sicher, was passiert ist, als ich gegangen bin", sagte Edward wahrheitsgemäß, "aber ich glaube, als ich hierher zurückkam, dass vielleicht der Edward, der in die andere Welt gehörte, dorthin zurückkehrte. Ich glaube, er war froh, seinen Masen und seine Makenna zurückzubekommen ... und seine Bella." Er streckte seinen Arm aus, um die Hand seiner Frau zu drücken, und sie nickte ermutigend. "Ich glaube, sie sind irgendwie alle zusammen."

Makenna biss sich auf die Lippe und machte große Augen, während sie darüber nachdachte. Dann nickte sie. "Ich hoffe es. Ich hoffe, die andere Makenna hat ihre Mommy und ihren Daddy." Einen Augenblick später kreischte sie auf. Ihre Traurigkeit von eben war vergessen, sobald sie sah, wie ihr Vater ihren neugeborenen Bruder im Fernsehen in die Arme nahm.

"Das bist du, Masen!", sagte sie und klatschte in die Hände.

Masen verdrehte die Augen. "Das sagst du jedes Mal", brummte er, aber Edward konnte ein kleines Lächeln erkennen, als der Fernseh-Edward dem Baby einen Kuss auf die Stirn gab.

Sie sahen sich den Rest des Films in Stille an und applaudierten beim Abspann.

"Ich liebe diesen Film", sagte Makenna schläfrig mit halb geschlossenen Augen.

"Ich weiß, Süße", sagte Edward und nahm sie hoch. Sie legte ihren Kopf an seine Schulter. Ihre Arme und Beine baumelten nach unten.

"Ich bin müde, Daddy."

"Ich weiß. Es ist Zeit fürs Bett."

"Aber ich will wach bleiben und auf Santa Claus warten", sagte sie und musste gähnen.

Edward kicherte und stieg die Stufen hoch. "Du musst schlafen gehen, wenn du willst, dass der Weihnachtsmann kommt. He sees you when you're sleeping, erinnerst du dich?"

"He knows when you're awake", sang sie schläfrig.

"Das stimmt." Er trug sie in ihr Zimmer und brachte sie zu Bett. Sie kuschelte sich in ihr Kissen. Ihre Puppen waren um sie herum arrangiert und halb von ihren Chaos-Locken bedeckt. Edward setzte sich neben sie und strich ihr ihre Locken aus dem Gesicht. Natürlich rutschten sie sofort wieder vor.

"Wir sehen uns morgen früh, meine Schöne", sagte er leise und lehnte sich vor, um ihr einen Kuss auf die Stirn zu geben.

"Vergiss Claire nicht, Daddy."

"Natürlich nicht", sagte er mit einem Grinsen und gab auch der Puppe einen Kuss auf den Kopf.

"Und Roger."

Edward runzelte die Stirn. Roger war anlässlich der Feiertage mit seiner armeegrünen Weste bekleidet, ohne Shirt, und er trug eine kurze, rote Hose und eine Weihnachtsmann-Mütze. Edward zog die Decke hoch genug, um seine kurze Hose zuzudecken, und gab ihm pflichtbewusst einen Kuss auf die Mütze.

"Okay?", fragte er.

"Okay", sagte sie zufrieden und zog Roger ein wenig näher. Ihre Augen schlossen sich.

"Gute Nacht", flüsterte Edward.

Makennas Lippen bewegten sich, aber ihre Augen blieben geschlossen. "Schlaf gut."

"Und träum was Schönes." Edward machte das Licht aus und ließ die Tür einen Spalt offen. Er betrat den Gang und sah Bella, die vor Masens Tür stand.

"Alles in Ordnung?", fragte er leise.

"Ich bin mir nicht sicher." Sie trat von der Tür zurück und lehnte sich zu ihm, damit nur er hörte, was sie sagte.. "Ich mache mir um ihn Sorgen."

Edward seufzte. "Ich weiß. Dieser Cheney-Junge ist ein kleines A..."

"Edward!"

"Ich weiß, es ist nicht seine Schuld. Ich hatte nur gehofft ..."

"Du hast gehofft, er würde noch etwas länger ein Kind bleiben", meinte sie. "Ich auch. Er kommt mir so ... traurig vor."

"Ja." Er schloss Bella in seine Arme und legte seine Wange an ihren Kopf, während sie ihren an seine Brust legte. "Ich gehe und rede mit ihm."

Bella nickte und ging ins Schlafzimmer. Edward öffnete Masens Tür. Er betrachtete mit einem kleinen Lächeln das Zimmer. Es war ein Chaos, aber auch nicht mehr als Edwards Zimmer in diesem Alter gewesen war. Posters von Sportlern und Lieblingsfilmen (hauptsächlich Science Fiction und Fantasy) waren an die Wände geklebt, genauso wie eigene Zeichnungen. Masen hatte schon in jungen Jahren eine Leidenschaft und ein Talent für Kunst gezeigt, und sein Schreibtisch war mit etlichen halbfertigen Zeichnungen bedeckt. Daneben lagen Notizbücher mit seinen eigenen Entwürfen. Edward lächelte, als er ein Bild von ihm und Bella sah, an dem er gerade arbeitete. Obwohl die Striche noch etwas Kindliches hatten, konnte er sich dank seinem typischen, wilden Haar definitiv selbst erkennen, und Bellas Bauch war etwas gerundet und die Kurven etwas verschmiert, wo Masen wiederholt radiert hatte, um es perfekt hinzubekommen.

Sein Sohn lag auf dem Bauch und hatte das Gesicht von der Tür abgewandt. Er bewegte sich nicht, aber Edward wusste, dass er wach war, also durchquerte er das Zimmer. Er stieg über Spielzeuge und herumliegendes Gewand herum, bevor er sich auf die Bettkante setzte.

"Hey, Kumpel", sagte er leise. "Können wir uns unterhalten?"

Nach einem Moment drehte Masen den Kopf. Er lag immer noch auf dem Bauch, aber sah seinen Vater misstrauisch an. "Bin ich in Schwierigkeiten?"

"Nein!", sagte Edward mit einem Lachen. "Nein, natürlich nicht, aber ..." Er lehnte sich zu ihm und stützte seine Arme auf den Oberschenkeln ab, als er seinen Sohn ansah. "Es sieht so aus, als würde dich etwas beschäftigen. Möchtest du darüber reden?"

Masen zuckte bloß die Schultern.

Edward fuhr sich mit der Hand durch das Haar. "Manchmal hilft es, wenn man darüber spricht, weißt du."

"Ich weiß. Es ist nur ..." Er zögerte und erwiderte den Blick seines Vaters nicht.

"Was?"

"Ich will nicht, dass du böse bist."

"Ich werde nicht böse sein", versprach Edward ihm und rieb ihm sanft über den Rücken. "Ich verspreche es. Du kannst mir alles sagen."

Masen war einen Moment lang still, dann rollte er sich auf den Rücken und biss sich auf die Lippe.

"Glaubst du ...", begann er. "Glaubst du wirklich, dass dir all das wirklich passiert ist?"

"Was alles?", antwortete Edward. "Oh, meinst du den Film?"

Masen nickte nervös. Offenbar machte er sich Sorgen wegen der Reaktion seines Vaters. Edward merkte, dass Ben Cheneys Kommentare über den Weihnachtsmann über all das, woran Masen glaubte, einen Schatten des Zweifels gelegt hatten, inklusive die außergewöhnliche Geschichte, die sein Vater erlebt hatte. Zur gleichen Zeit war es offensichtlich, dass er nicht daran zweifeln wollte. Er war in einem Fegefeuer gefangen zwischen kindlichem Vertrauen und der Realität der Erwachsenen, und er war sich nicht sicher, ob er voranschreiten oder mit aller Macht versuchen sollte, da zu bleiben, wo er war.

Edward war sich nicht sicher, wie er ihm sonst helfen konnte, außer ihm die Wahrheit zu erzählen.

"Ja", sagte er. "Wirklich. Ich glaube daran, dass das alles wirklich passiert ist, so wie deine Mom es in ihrem Buch geschrieben hat ... und wie es im Film gespielt wurde."

"Glaubst du nicht vielleicht, dass es nur ein Traum war?"

Edward griff in seine Hosentasche und zog seinen Schlüsselbund heraus. Die kleine silberne Glocke bimmelte ein wenig. "Nö. Ich habe zu viele Beweise", sagte er. "Diese Glocke zum Einen. Dann gibt es da dich und deine Schwester. Ihr seid genauso wie dort – tja, ein bisschen älter jetzt – aber sonst seid ihr genau gleich. Und auf keinen Fall hätte ich von euch träumen können, noch bevor ihr geboren wart, oder?"

"Ja, ich schätze schon", gab Masen zu. "Aber hast du es je jemandem erzählt und er hat es dir nicht geglaubt?"

Edward seufzte und stieß die Glocke einmal an. "Ich werde dich nicht belügen, Kumpel. Ich war sehr vorsichtig, wem ich erzählt habe, was wirklich passiert war. Ich weiß, es hört sich verrückt an, und ich weiß, ein paar Leute würden sagen, dass ich mir das ausgedacht hätte oder sogar lügen könnte. Also habe ich die Geschichte nur den Leuten erzählt, denen ich am meisten vertraue: deiner Mom, deinen Großeltern, unserer Familie und unseren Freunden."

"Aber willst du nicht, dass es jeder weiß?", fragte Masen. "Willst du nicht, dass sie dir alle glauben?"

Edward lächelte. "Darum geht es. Ich brauche das nicht. Ich weiß, was wirklich passiert ist. Das ist alles, das zählt." Er zog das Glöckchen von seinem Schlüsselring und hielt es einen Augenblick lang in der Hand, bevor er es auf Masens Nachttisch legte.

"Vielleicht kannst du sie eine Weile behalten", sagte er. "Sie hat mir immer geholfen, mich daran zu erinnern, dass ich nicht alles weiß, was es auf dieser Welt zu wissen gibt. Und das ist okay, weißt du? Es gibt Mysterien und Magie da draußen, die wir nicht verstehen können. Daran glaube ich tief und fest, Masen. Ich hoffe, das kannst du auch. Das macht das Leben wirklich spannend."

Masens Augen waren auf die Glocke gerichtet, aber er sagte nichts.

Edward lehnte sich hinab und gab ihm einen Kuss auf die Stirn. "Gute Nacht. Schlaf gut."

"Und träum was Schönes", murmelte Masen aus Gewohnheit, aber es war klar, dass seine Aufmerksamkeit auf die Glocke gerichtet war und auf alles, das diese repräsentierte.

Als Edward das Zimmer verließ, hörte er noch das leise Klingen der Glocke, als Masen sie in seine Faust schloss.

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"Daddy, wach auf! Es ist Weihnachten!" Makennas Kreischen riss Edward aus seinem Schlaf und er war schon halb zur Tür hinaus, bevor ihm wirklich klar wurde, dass er nicht mehr im Bett lag. Makenna hatte seine Hand geschnappt und zog ihn den Gang entlang.

"Wie spät ist es?", fragte er. Seine Stimme war noch ganz kratzig.

Bella stolperte hinter ihm her. "Kurz nach sieben."

Edward gähnte. Es war eine kurze Nacht geworden. Es war eine Familientradition geworden, dass sie sich kurz nach Mitternacht mit einer Geburtstagstorte voll mit Kerzen in Masens Zimmer versammelten. Edward und Bella wussten, dass es ein wenig enttäuschend war, wenn man an Weihnachten Geburtstag hatte, also machten sie jedes Jahr an seinem Halb-Geburtstag eine Geburtstagsparty mit all seinen Freunden. Aber an seinem echten Geburtstag – am Christtag – fand immer eine spezielle Familienfeier statt, an der sie sich in den ersten Minuten des Tages an seinem Bett versammelten. Nachdem sie ein schläfriges "Happy Birthday" gesungen hatten, öffnete Masen seine Geschenke, und erst nach ein Uhr waren sie alle wieder zurück ins Bett gegangen. Und die Regel war, dass niemand mit den Weihnachtsgeschenken anfangen durfte, bevor die Sonne am Himmel stand.

"Du hast sieben gesagt, Daddy", erinnerte Makenna ihn und hüpfte fröhlich voran. "Ich musste in meinem Bett bleiben, bis der kleine Zeiger auf der sieben ist. Und jetzt ist er auf der sieben."

"Ja, du hast Recht", gab Edward zu und rieb sich mit der Hand über das Gesicht. "Wo ist dein Bruder?"

"Er ist schon unten. Aber er sagte, er würde warten. Er weiß, dass er warten muss", plauderte Makenna. "Ich habe schon geguckt. Ich habe viele Geschenke bekommen, Daddy. VIELE Geschenke."

Edward lächelte sie an. "Natürlich. Du warst ja auch ein braves Mädchen."

Makenna grinste bloß, bevor sie seine Hand los ließ und die Stufen hinunter rannte. "Sie kommen!", rief sie.

Bella holte auf und lehnte sich an ihn. Er schlang einen Arm um ihre Schultern. "Bist du bereit dafür?", fragte sie.

Er atmete tief ein. Der Geruch der automatischen Kaffeemaschine belebte ihn schon ein wenig. "Sobald ich eine Tasse Kaffee habe, kann es losgehen."

"Danke, dass du mich daran erinnerst", murmelte Bella. "Kannst du mir eine Tasse entkoffeiniert bringen?"

Edward holte den Kaffee, und bis sie es sich alle vor dem Weihnachtsbaum gemütlich gemacht hatten, kam schon das erste Tageslicht durchs Fenster. Er nippte an seiner Tasse und machte es sich auf der Couch neben Bella bequem, während die Kinder sich auf die Geschenke stürzten. Schleifen und diverse Papierfetzen flogen durch die Luft und bildeten ein zerknülltes Chaos am Boden. Die Kinder lachten und riefen laut herum, sobald sie ein neues Geschenk ausgepackt hatten. Malutensilien, ein Football und ein Skateboard für Masen, und Makenna hatte ihren Kinderbackofen und den Barbie Wohnwagen bekommen. Glücklich setzte sie Roger auf den Fahrersitz, bevor sie den Ofen in einer Ecke aufstellte und sich die Pakete mit Kuchenmischung und Glasur ansah. Masen spielte mit den Rädern seines Skateboards, aber etwas lenkte ihn ab. Er sah noch einmal unter dem Baum nach, bevor er es sich mit seinen neuen Buntstiften auf einem Sessel bequem machte und er ein neues Bild begann.

Nachdem sich alle beruhigt hatten, ließ Makenna ihren neuen Ofen in der Ecke und kletterte auf Edwards Schoß.

"Müde, Baby?", fragte er und gab ihr einen Kuss auf den Kopf. Bella stand auf und begann, die Geschenke zu ordnen und das Chaos aufzuräumen.

"Nicht wirklich", sagte sie traurig.

"Was stimmt denn nicht?"

Sie sah zu ihrem Bruder und hielt sich die Hand vor dem Mund, als sie flüsterte: "Der Weihnachtsmann hat mir nicht gebracht, was ich mir gewünscht habe." Ihre Lippe zitterte und sie zwinkerte die Tränen zurück. Edwards Herz sackte tiefer.

Was hatten sie bloß vergessen?

"Aber ... aber du hast doch deinen Wohnwagen bekommen und den Ofen und das Kleid für Claire", meinte er. "Das hast du dir doch vom Weihnachtsmann gewünscht. Ich habe gehört, wie du es ihm gesagt hast."

Sie schüttelte den Kopf und schniefte ein wenig. "Nein", flüsterte sie. "Ich meine den echten Weihnachtsmann. Ich dachte, er würde es mir schenken, weil ich so brav war." Ihre Stimme brach.

"Du warst ja auch brav", meinte Edward und Bella sah ihn fragend an. Er zuckte bloß als Antwort und deutete auf Masen. Er wusste aus irgendeinem Grund, dass Makenna nicht wollte, dass er es hörte. Bella begriff und bat ihn, ihr zu helfen, den Müll hinauszubringen. Sobald sie aus dem Zimmer waren, drehte Edward Makenna auf seinem Schoß herum, sodass er ihr in die tränennassen Augen blicken konnte.

"Du warst brav", wiederholte er. "Nur bekommen wir nicht immer alles, was wir uns wünschen."

"Aber – aber ich habe ihm gesagt, das wäre das Einzigste, das ich mir wirklich wünsche. Wenn er mir das schenken könnte, dann will ich keine anderen Geschenke."

Edward spürte, wie ihm wegen dem Kummer seiner Tochter selbst Tränen in die Augen stiegen. "Baby, was hast du dir gewünscht?", fragte er verzweifelt und dachte, dass wenn es ihr so viel bedeutete, sie vielleicht losgehen und es für sie kaufen könnten. Vielleicht könnten sie es irgendwo verstecken, sodass sie es später finden könnte.

Er war verzweifelt und wollte, dass es ihr besser ging.

"Was war es denn?", fragte er und strich ihr das Haar von den tränennassen Wangen.

Sie schniefte. "Ich habe mir gewünscht, dass Masen an ihn glaubt", sagte sie leise.

Edwards Herz sank tiefer. "Oh, Süße ...", begann er.

"Mommy sagte, selbst wenn er nicht an den Weihnachtsmann glaubt, würde er dennoch Geschenke bekommen", sagte sie. "Aber ... er muss daran glauben, Daddy. Ich will, dass er daran glaubt." Sie begann zu schluchzen und Edward hielt sie fest. Er rieb ihr über den Rücken und wusste nicht, was er sagen sollte.

"Ist schon gut, Honey. Weine nicht", meinte er.

Gerade als Masen und Bella zurück ins Zimmer kamen, klingelte es an der Tür.

"Ich geh schon!", rief Masen und – zu seiner Überraschung – schoss Makenna hoch, wischte sich die Tränen weg und rannte ihm nach.

"Was in aller Welt geht hier vor?", fragte Bella.

"Ich bin mir nicht sicher. Makenna war gerade ..."

Ein lauter Schrei unterbrach Edwars Worte und die beiden eilten zur Vordertür, nur um dort Makenna vorzufinden, die mit großen Augen beobachtete, wie Masen hysterisch kicherte und sich auf dem Boden wälzte ...

... gemeinsam mit einem Hündchen.

Einem großen, schlaksigen Hündchen mit langen Beinen, großen Tatzen und Schlapperohren.

"Wo in aller Welt kommt der Hund her?", fragte Edward verwirrt.

Masen sprang auf die Beine und lief mit strahlendem Gesicht herüber zu seinem Vater. "Er saß bei der Haustüre", antwortete er. "Das ist Riley, Dad. Der Weihnachtsmann hat ihn endlich gebracht. Es gibt ihn wirklich!"

"Was?" Edward sah Bella nervös an. "Masen, woher kommt dieser Hund? Wahrscheinlich gehört er jemandem. Wir müssen nachsehen, ob er eine Hundemarke hat."

"Hab ich schon, Dad", meinte er und sprang auf und ab. Wenn Edward nicht so verwirrt gewesen wäre, hätte er wahrscheinlich bei der Aufregung seines Jungen gelächelt. "Schau!", sagte er, raufte mit dem Hündchen und fuhr mit seinem Finger über sein rotes Halsband bis zu der glänzenden, silbernen Marke.

Edward und Bella lehnten sich vor. Klar und deutlich stand dort "Riley", aber sonst nichts, keine Telefonnummer und keine Adresse.

Bella wollte Masens Enthusiasmus nicht dämpfen, war aber besorgt, dass jemand aus der Nachbarschaft diesen Hund suchen könnte. Sie sank auf ihre Knie und streichelte dem Hund über den Bauch. "Süßer, das ist ein wirklich niedliches Hündchen, aber wir können ihn nicht behalten", sagte sie. "Wir müssen herausfinden, wem er gehört."

"Nein, du verstehst nicht", sagte er überschwänglich. "Das ist Riley! Ich habe ein Bild von ihm gemalt." Er stand abrupt auf. "Ich zeige es euch!", rief er und rannte die Stufen hoch zu seinem Zimmer. Edward merkte, wie Makenna erstarrte und das Hündchen ansah.

"Er hat es wirklich gemacht", hauchte sie. "Er hat es gemacht!"

Masen kam mit einem seiner Notizbücher zurück, ließ sich auf den Boden fallen und blätterte hastig die Seiten durch.

"Ich kann ihn nicht finden", murmelte er. "Er war genau hier." Er warf das Buch zur Seite, streckte die Hand aus und kratzte den Hund hinter den Ohren. "Ist egal."

Masen sah direkt in Edwards Augen. "Du musst mir glauben, Dad. Das ist Riley. Das ist mein Hund. Den Weihnachtsmann gibt es wirklich." Plötzlich stand er auf, griff in seine Hosentasche und zog Edwards silbernes Glöckchen hervor.

"Das ist wahr, Daddy", meldete sich auch Makenna zu Wort. Sie sprang aufgeregt hin und her. "Das war der Weihnachtsmann! Er hat das gemacht!"

"Es ist ein Wunder, Dad", fügte Masen hinzu und streckte seinem Vater die Glocke hin. "Du bist derjenige, der mir gesagt hat, es wäre echt, erinnerst du dich?"

Edward nahm die Glocke, nickte langsam und brachte kein Wort hervor.

"Aber auch wenn du mir nicht glaubst, ist es in Ordnung", fügte Masen hinzu, "weil ich weiß, dass es wahr ist."

Und bei diesen Worten blickte Edward hoch. Egal, woher der Hund kam und was wirklich passiert war, seinem Sohn zuliebe musste er daran glauben. Wenn schon nicht an den Weihnachtsmann, dann zumindest an ihn.

Er wusste, wie sich das anfühlte.

Edward sank auf die Knie und hielt seinen Sohn sanft bei den Schultern fest. "Ich glaube dir", sagte er und sah ihm intensiv in die Augen. "Wirklich."

Masen lächelte fröhlich und Edward merkte, wie er zurücklächelte.

"Edward?"

Bei Bellas fragendem Blick nickte er. "Es ist wahr", sagte er. "Das ist Masens Hund. Das ist ... Riley." Sie würden schon damit zurechtkommen. Wenn jemand kommen und nach dem Hund suchen sollte, würden sie ihm anbieten, ihn abzukaufen oder dem Besitzer einen neuen zu kaufen. Er musste ihn seinem Sohn lassen.

"Yay!", kreischte Masen. "Kann ich mit ihm in den Garten gehen?"

"Ja, sicher", sagte Edward und verwuschelte ihm das Haar. "Zieh dir deinen Mantel und die Mütze an, okay?"

Masen rannte zurück in sein Zimmer, um seinen Mantel zu holen, und Makenna griff nach Edwards Hand.

"Siehst du, Daddy? Das war wirklich der Weihnachtsmann!" Sie sprang auf und ab und plauderte aufgeregt vor sich hin. "Ich wusste, dass er es war, sobald ich ihn entdeckt hatte, und dann habe ich ihm die Zeichnung gegeben, weil ich wusste, dass es das war, was Masen sich mehr als alles andere gewünscht hatte, und ich habe ihm gesagt, dass ich nur wollte, dass Masen daran glaubt ..."

"Makenna", unterbrach Edward sie und schüttelte den Kopf. "Wovon sprichst du? Was hast du getan?"

Sie sah hinab auf ihre Füße und flüsterte eilig die Worte. "Ich weiß, ich soll nicht in Masens Zimmer gehen", sagte sie und biss sich nervös auf die Lippe, "aber ich wollte nur helfen. Also hab ich eine von seinen Zeichnungen genommen."

"Oh, Baby", sagte Bella und kniete sich hin, um ihre Tochter zu umarmen. "Das ist nicht so schlimm. Ich bin mir sicher, Masen wird dir verzeihen, wenn du sie ihm zurückgibst."

"Aber ... aber ich kann nicht", sagte sie. "Ich habe sie nicht mehr."

Edward spürte, wie ihm langsam die Erkenntnis kam. "Süße", fragte er, "was hast du mit dem Bild gemacht?"

Sie sah zu ihm hoch und war sich nicht ganz sicher, ob sie wohl jetzt in Schwierigkeiten steckte. "Hab ich dir doch gesagt, Daddy. Ich habe sie dem Weihnachtsmann gegeben."

Masen lief in diesem Moment ins Zimmer, schloss das Hündchen in seine Arme und Makenna holte tief Luft.

"Ich habe die Zeichnung genommen", sagte sie ihm. "Die von Riley. Ich habe sie dem Weihnachtsmann gegeben. Es tut mir Leid, dass ich in dein Zimmer gegangen bin, aber ich wollte nur ..."

Masen grinste und unterbrach sie. "Das ist okay, Makenna", sagte er fröhlich. Er war zu sehr in der Aufregung des Augenblicks gefangen, um auch nur daran zu denken, dass er ihr eigentlich böse sein sollte. "Es ist mir egal. Komm schon! Gehen wir mit Riley spielen!"

Edward beobachtete sie, wie sie gingen, und war vor Schock erstarrt. Seine Gedanken versuchten, den Sinn des Ganzen zu begreifen.

Etwas Seltsames war passiert. Etwas Unmögliches.

Wieder einmal.

Man möchte meinen, man hätte sich zu diesem Zeitpunkt schon an seltsame und unmögliche Dinge gewöhnt.

"Edward?" Bella streckte die Hand aus und berührte seine Wange. "Geht es dir gut?"

Ohne ein Wort zu sagen drehte Edward sich um, ging zur Garderobe und schob Kleiderbügel herum, bis er den Mantel gefunden hatte, den er getragen hatte, als sie in der Mall beim Weihnachtsmann gewesen waren ...

"Was tust du?", fragte Bella.

Er griff in die Tasche und suchte nach dem Umschlag, den er schon ganz vergessen hatte. Er zog ihn mit zitternden Fingern heraus.

"Was ist das?"

"Makennas Brief an den Weihnachtsmann", sagte er. Der Umschlag war geöffnet worden, also griff er hinein und holte Makennas Brief hervor, gemeinsam mit einem Stück Papier. Er faltete es langsam auf und wusste, was er darauf finden würde, und dennoch lachte er laut auf, als er es schließlich sah.

"Edward?", wiederholte Bella. "Was?"

Er streckte es ihr hin und sie schnappte nach Luft. In allen einzelnen Details gezeichnet und von ihrem Sohn unterschrieben war der Entwurf dies Hündchens, das nun in ihrem Garten herumtollte. Lange Beine, große Ohren – eines zeigte nach oben, das andere hing nach unten – und komplett schwarz außer der hellbraune Fleck um das linke Auge herum. Um seinen Hals herum befand sich ein rotes Lederhalsband mit einer Marke, worauf man klar und deutlich "Riley" lesen konnte.

"Ich verstehe nicht", sagte Bella erstaunt. "Wie ... wer ...?"

Edward grinste, nahm Bellas Hand und führte sie in den hinteren Teil des Hauses, von wo aus sie ihre zwei Kinder beobachten konnten, wie sie mit dem Hündchen spielten.

"Das ist eine lange Geschichte", sagte Edward. "Wir waren in der Mall, und da war dieser Hausmeister, und Makenna war fest überzeugt davon, er wäre der echte Weihnachtsmann ..."

"Warte eine Sekunde", meinte Bella und hielt ihre Hand hoch. "Ich hole schnell meinen Laptop. Ich habe das Gefühl, dass ich das besser aufschreiben sollte."

Edward lachte und Bella lief ins Büro. Dann drehte er sich um, um durch das Fenster zu sehen. Masen lack auf dem Rücken am schneebedeckten Gras und lachte hysterisch, während Riley ihm über das Gesicht leckte. Makenna rannte im Kreis um sie herum, ihr offener Mantel wehte hinter ihr her und ihre Augen leuchteten vor Freude.

Und in diesem Moment wurde Edward klar, dass der Mann in der Mall, wer auch immer er gewesen sein mag, seinen Kindern mehr als nur einen Hund geschenkt hatte.

Er hatte ihnen ein weiteres Jahr voll Magie und Unschuld geschenkt.

Ein weiteres Jahr unbeschwerter Kindheit.

Und damit hatte er auch Edwards Weihnachtswunsch erfüllt.

Er klingelte leicht die silberne Glocke, bevor er sie wieder an seinen Schlüsselring hängte und diesen in seiner Hosentasche verstaute. Bella kam zurück in das Zimmer, stellte den Laptop auf den Tisch und fuhr ihn hoch.

"Also, fang nochmal von vorne an", befahl sie ihm. Ihre Finger tippten auf den Tasten herum, "und lass keine Kleinigkeit aus."

Edward kam zu ihr und schloss den Laptop vorsichtig. "Später", sagte er, nahm ihre Hand und führte sie zum Hintereingang. "Gehen wir hinaus und spielen wir mit dem Hund."

Und das taten sie dann auch.