Selbst Höllenfeuer kann der Erleuchtung dienen, wird es nur richtig eingesetzt.

Eines der ersten Dinge, die im MedCorps-Training auf dem Plan stehen, ist, die Zimperlichen auszusortieren, indem man das Arbeitsmaterial herzeigt, d.h. die völlig zerstörten Überreste, in die der menschliche Körper durch Feindeinwirkung zerlegt werden kann, ohne ihn komplett umzubringen. Alles aus realen (wenn auch namenlosen) Fallberichten, in Lebensgröße und in Farbe, in all seiner kreischenden (tatsächlich ein gutes Zeichen, die Atemwege funktionieren noch), wimmernden oder stöhnenden, blutigen Pracht.

Nach etwa zwei Dutzend bist du entweder draußen vor der Tür und würgst, oder du hast dich daran gewöhnt. Die Farbe Rot, in all ihren Schattierungen, wird bei genügend Wiederholung zum abstrakten Konzept.

Was dann der Punkt ist, an dem der Major, der für die Vorlesung verantwortlich zeichnet, auf den Tisch bringt was ich später als 'den Gegrillten Mann' bezeichnet gehört habe. Verbrennungen dritten Grades über das meiste was von ihm übrig ist – dreifache Amputationen, jeweils über beiden Knien und auf halber Höhe des linken Oberarms – schwere Schädigungen der Lunge und der oberen Atemwege durch Inhalation eines überhitzten Gases, innere Organe geschädigt durch massive Hitzeeinwirkung auf die Außenseite der Körperhöhle... ein paar gebrochenen Rippen, die zu einem ungebremsten Sturz passen, fallen da schon kaum mehr auf. Dazu gedrängt, die schrecklichste aller Erste-Hilfe-Maßnahmen – Triage – durchzuführen, hätte ich ihn geradewegs unter Nicht zu retteneingeteilt. Aber das ist noch nicht das Schlimmste. Die Amputationen sind zu sauber (alle größeren Blutgefäße sorgfältig kauterisiert), die Verbrennungen zu umfassend (für etwas, das immer noch atmet), um nicht absichtlich zugefügte Verletzungen zu sein. Selbst die Handvoll Kerle, die versucht haben, ihre Abgebrühtheit zu beweisen, indem sie über alle bisherigen Fälle Witze gerissen haben, halten jetzt plötzlich den Mund.

"Nur eine, Sir", sagt einer von ihnen, als der Major fragt, ob es irgendwelche Fragen gibt, "Welche Art Monster tut daseinem Mann an, ohne ihn anschließend aus seinem Elend zu erlösen?"

Der Major starrt ernst seine Hakennase entlang, ehe er antwortet. "Ein Jedi", sagt er schließlich.

Puff, da lösen sich die letzten meiner Kindheitsillusionen über die Helden der Klonkriege in Rauch auf. Sollte ich jemals die Ehre haben, Darth Vader zu treffen, werde ich ihm die Hand schütteln müssen – metaphorisch gesprochen, natürlich – für seine unablässigen Bemühungen, diesen Teufeln das Handwerk zu legen.

"Sir, wie lange hat der Patient noch überlebt?", fragt eine andere Stimme, quer durch das wütende Gemurmel, das im ganzen Hörsaal ausgebrochen ist.

"Bis heute: vierzehn Jahre", erklärt der Major und produziert damit wieder geschocktes Schweigen im ganzen Raum.


A/N: Um das medizinische Kauderwelsch ein wenig aufzulösen:

Triage ist ein Begriff aus der Militärmedizin und kommt immer dann zur Anwendung, wenn ich mehr Verwundete/Kranke habe, als die vorhandenen Mittel versorgen können. Die Kriterien wechseln ein bisschen von Fall zu Fall, aber im Grunde werden die Verwundeten immer in drei Gruppen eingeteilt: Leichtverletzte können warten, bzw. zu weiter entfernten Versorgungsplätzen transportiert werden; Schwerverletzte werden sofort und vor Ort versorgt; Schwerstverletzte bekommen (so ausreichend vorhanden) Schmerzmittel – und das war's. Die harsche Logik dahinter ist, dass ich mit den Mitteln, die ich brauche um einen Schwerstverletzten durchzubringen, drei Schwerverletzte durchbringen kann, und so in Summe mehr Leben rette.

Kauterisieren bedeutet etwas (z.B. ein Blutgefäß) mittels Hitzeeinwirkung bzw. chemischen Verbrennungen zu versiegeln.