EDEN



Er stand an einem großen Panoramafenster und starrte in die absolute Schwärze, die sich hinter den etwa zwanzig Zentimeter dicken Fenster aus transparentem Stahlcarbonium ausbreitete und nur an einigen Stellen von hellen Punkten unterbrochen wurde. Er hatte die Hände auf dem Rücken gefaltet und atmete tief ein und aus.

Man konnte von hinten nur die schrzen Haare sehen, die in einen etwa vierzig Zentimeter langen Pferdeschwanz über seinem Rücken lagen. Das Gesicht des gut ein Meter achzig Großen jungen Mannes konnte man nur als Reflektion im Fenster erkennen. Es zeigte ein asiatisches Gesicht mit blauen Augen, die einen leichten Stich in Graue besaßen. Der Ausdruck in den Augen und dem Gesicht passte nicht zu dem etwa Achzehnjährigen, sondern zeigte daß er mehr durchlebt hatte, als sein scheinbares Alter verriet. Sein Gesicht war von tiefer Sorge gezeichnet. Eine Sorge, die nicht zu einem so jungen Gesicht passte.

"Ranma, wir sind gleich soweit," sagte eine weibliche Stimme, über einen versteckten Lautsprecher.

Ranma nickte.

"Ich komme gleich."

Für kurze Zeit glitten seine Gedanken in die Zeit zurück, als alles begonnen hatte.

Damals hatten Außerirdische die Erde angegriffen und begonnen jedes Leben auf dem Planeten einfach auszulöschen. Ihre Gründe waren einfach. Die Menschen stellten eine Gefahr für sie da. Sollten die Menschen erst einmal beginnen in den Weltraum zu riesen und sich mit Überlichtgeswchwindigkeit zu bewegen, wären sie früher oder später auf das Imperium der Aliens gestoßen und es mit sehr hoher Warscheinlichkeit vernichtet. Aber damals waren die Menschen keine Bedrohung für sie, also vernichteten sie die Meschheit.

Nur etwa dreihundert Menschen überlebten diesen Genozid. Sie wurden von einer anderen außerirdischen Rasse, den Keepern, wie sie sich selbst nannten, gerettet. Ein Gerät, daß den Transporter aus Star Trek wie ein Spielzeug

aussehen ließ, beamten sie diese dreihundert Menschen auf ihr Schiff. Sie hätten mehr Menschen retten können, aber sie kamen einfach zu spät. Uns selbst wenn sie rechtzeitig angekommen wären, hätten sie nur etwa tausend Menschen retten können.

Warum sie nicht den Versucht machten, die Anderen Aliens, die Grys, an dem Völkermord zu hindern? Sie konnten es nicht. Ihr Flotte war klein und grade ausreichend und ihre einzige Welt zu schützen. Und die Grys besaßen eine Flotte deren Größe in die Hundertausende ging.

Der Transporter der Keeper hatte noch eine weitere Funktion, er statte alle geretteten Meschen mit zusätzlichen Erinnerungen und Fähigkeiten aus, die sie benötigten um in der harten Realität der Milchstrße zu überleben. Der Transport hatte auch eine unerwartete Nebenwirkung. Alle Geretten blieben mit ihrem Alter auf dem Stand, auf dem sie waren, als die gebeamt wurden.

Wie auch immer, die Grys bemerkten den Transport und griffen das Schiff an. Das Schiff selbst wurde nicht beschädigt, aber die Keeper-Besatzung starb und das Schiff floh selbständig. Die Überlebenden wurden mit dem Bordcomputer konfrontiert, der ihnen das Schiff übergab. Laut seiner Aussage war das eine gängige Politik der Keeper. Die Überlebenden eines Volkes, das von einem anderen Volk ausgerottet wurde, sollte auf diese Wiese ein neuer Anfang ermöglicht werden. Also wurden die letzten Mitglieder der Spezies Homo sapiens zu heimatlosen Wanderen zwischen den Sternen. Das war vor fünfhundert Jahren.

Ranma Saotome schüttelte den Kopf als er darüber nachdachte. Er war seit vierhundertfünfzig Jahren der Kommandant dieses Schiffes, nachdem der alte Kommandant, ein Amerikaner namens John Clarke, ein ehemaliger CIA-Agent, bei einem Unfall mit einem undichten Raumanzug ums Leben kam.

Er hatte die Verantwortung über inzwischen wieder siebenhundert Menschen, die allesamt relativ Unsterblich waren, und ein Kugelraumschiff, das, obwohl mit fünfhundert Metern Durchmesser, klein war. Die Verantwortung über die Heimat der Menschheit seit fünfhundert Jahren und das mit Abstand am meisten von den Gry gesuchte Restvolk.

Die einzigen Menschen die Ranma damals auf dem Schiff kannte war die Nerima Wrecking Crew. Akane Tendo, inzwischen seine Frau, Nabiki und Kasumi, Ukjo, Shampoo, Mousse, Ryoga und Ranma's Schwester Ranko. Ranma hatte inzwischen drei Kinder und zwei Enkel. Nunja, die Flucht ließ nicht sehr viel Zeit für die Erhaltung der Art und es lebten auch nur hundertfünfzig Menschen, die noch wußten, wie schön es auf der Erde war.

Ranma verkniff sich eine Träne, als er daran dachte, Das zwei seiner Enkel in letzen Gefecht mit den Gry gefallen waren.

Er atmete tief durch und verließ den Raum. Hinter ihm kam ein schmutzig- brauner Planet in Sicht, der von dunkleren Wolken und einem grauen Mond umkreist wurde.

Ranma betrat die Zentrale der EDEN. Ein Name, hinter dem eine gewisse Ironie steckte, wie jeder zugab. In der Bibel stand, daß die Menschheit im Garten Eden mit Adam und Eva begonnen hatte. Jetzt lebten die letzten Meschen in diesem Universum auf einem Raumschiff namens EDEN.

Er ging direkt auf den Sessel des Kommandanten zu. Alle Mitglieder der Brückencrew waren anwesend. Der erste Offizier, Darryl Michailowitz, die beiden Steuermänner, Akane Tendo und Jewgeni Zarkow, der Ortungsoffizier, Michel Schmidtz, der Waffensystemoffizier, Ryoga Hibiki, und die Wissenschafts- und Kommunikationsoffizierin, San Liu Xian. Alle waren Menschen, die auf der Erde noch ein normales Leben geführt hatten. Nicht ständig auf der Flucht vor irgendwelchen Schiffen und Flotten, die es ihnen schwer machten.

Nachdem er sich gesetzt hatte, sah Ranma auf den Hauptbildschirm. Er zeigte den schmutzig-braunen Planeten und den grauen Mond. Er schüttelte betrübt den Kopf.

"Und sie war einmal so schön," murmelte er.

Er starrte noch einige Sekunden auf den Bildschirm, wie die anderen auch. Dann drehte er sich um.

"San, wie sieht es aus? Ist der Compressor bereit?"

San nickte.

"Er ist bereit."

"Gut. - Nichts wie weg. Raus aus diesem verfluchten Universum."

Er sprach damit allen an Bord aus der Seele. Die immerwährende Flucht war ein Fluch. Und mit dem Interdimensionscompressor würden sie diesem Fluch entfliehen. Genauso, wie der Transporter die Flüche von Jusenkyo gebrochen hatte.

San nickte ein zweites Mal.

"Ich starte die Ãœberganssequenz."

Ein blaues Licht flammte in einem langsamen Rhytmus im gesammten Schiff auf und in den tiefen Eingeweiden der Maschienensektion erwachte ein kleier, etwa fünf Kubikmeter großer Würfel zum Leben.

Nach kurzer Zeit begann das gesammte Schiff von außen blau zu leuchten, als gigantische Kraftfelder an der Struktur des Weltraumes zu zerren begannen und einen Riß im Weltraum schufen. Die EDEN schien an Form zu verlieren, löste sich langsam auf und verschwand.

Auf der anderen Seite erschien sie langsam, wie ein Bild auf einem alten Schwarzweiß-Fernseher, der nur langsam zu Leben erwachte.

Vor der EDEN stand der blau-weiße Ball eines Planeten, der Erde.

Während alle anderen in der Zentrale aufsprangen und jubelten, war Ranma nicht so sehr nach jubeln zu mute. Alles in ihm schrie förmlich, daß sie vom Regen in die Traufe geraten waren. Vielleicht nicht ganz so ein großes Problem, wie die Gry, aber es würde Probleme geben. Das wußte Ranma.

"Wenn mich jemand sucht ich bin im Casino."

Ranma sah das Glas in seiner Hand an, in der eine gräuliche Flüssigkeit hin und her schwappte. Er hob das Glas an den Mund und stürzte den Inhalt herunter.

"Ich hoffe, wir kommen hier endlich an richtigen Alkohol. Dieses Zeug ist einfach nicht dazu geeignet sich zu besaufen."

Ranma wußte wovon er sprach. Seit er Kommandant der EDEN war und damit in gewisser Weise das Oberhaupt der restlichen Menschheit, hatte er sich mehr als nur einmal betrunken. Nicht jeden Tag, aber es kam alle paar Wochen vor, wenn er glaubte, das ihm die Probleme über den Kopf zu wachsen drohten.

"Ich verstehe dich nicht. Warum bist du nicht glücklich, wie die anderen auch. Vor allen Dingen du hast es verdient."

Ranma sah seine Schwester an, die in ihrer Freizeit an der Bar im Casino arbeitete. Er zuckte mit den Schultern.

"Keine Ahnung. Ich habe nur so ein ungutes Gefühl."

Ranko nickte. Dann fühlte Ranma wie sich jemand neben ihn setzte. Es war ein scheinbar zwölf jähriges Mädchen mit roten Haaren und einem sehr ernsten Gesichtsausdruck.

"Gib mir einmal das selbe, was mein..."

Sie sah Ranma von der Seite an und lächelte.

"...Großvater hatte."

Ranma sah sie an.

"Du weist das ich nicht so genannt werden will, Washu. Das bewirkt nur das ich mich alt fühle."

Washu sah Ranma skeptisch an.

"Du bist alt. Fünfhundertzwanzig um genau zu sein."

"Ja und du bist vierhundertelf."

Obwohl es eine Art Bordgesetz war, niemanden mit dem Transporter zu beamen, der jünger als zwanzig war, hatte es ein Gry-Angriff nötig gemacht einige Kinder schnell von einem Planeten zu evakuieren. Unter ihnen war auch Washu, die zu dem Zeitpunkt grade einmal zwölf war.

"Was machen deine Daten?"

"Ich werte sie grade aus. Vielleicht kann ich den Compressor noch verbessern."

Ranma lächelte.

"Ich habe nichts anderes von dem größten technischen Genie der Menschheit erwartet."

Washu lächelte breit und kippte ihren Drink herunter.

"Was hast du eigentlich vor?"

Ranma zuckte mit den Schultern.

"Keine Ahnung. Lassen wir uns erst mal überraschen. - Ranko, gib mir noch einen."

Er empfing den Drink und stürzte ihn herunter.

"Mich interessiert, wie dieser Scotch schmekt, von dem Scotty immer schwärmt, wenn er dieses Zeug trinkt," sagte eine Stimme hinter ihm.

Ranma drehte sich nicht um. Er wußte wer da hinter ihm stand. Sie war etwas größer als er salbst, schlank, hatte fast weiße Haare, die einen starken Stich ins blaue hatten und konnte ziemlich wütend werden. Sie kam dabei ganz nach ihrer Mutter.

"Was möchtest du, Ryoko?" fragte Ranko.

"Das übliche. - Nein, besser einen doppelten."

"Wieder Probleme mit Corben gehabt?" fragte Washu.

Ryoko nickte.

"Immer das selbe mit ihm. Wenn er nicht teleportieren könnte, wäre er einfacher zu kriegen. Dieser Junge hat einfach zu viel Flausen im Kopf."

Ranma lächelte. Viele der an Bord aufgewachsenen Menschen hatten parapsychishe oder andere Fähigkeiten. Ryoko und Washu waren dafür Praradebeispiele. Während Washu einen IQ hatte der weit über die 2500 hinaus ging, besaß Ryoko einige sehr interessante parapsychische Kräfte. Teleportation, Telekinese, eine natürliche Fähigkeit Bioenergie zu manipulieren, die sie nicht, wie z.B. Ranma oder Ryoga trainieren müßte, und die Fähigkeit des Phasengehens, d.h. sie konnte durch Wände gehen und sich regelrecht unsichtbar machen, was in ihrer Stellung als Sicherheitschefin an Bord sehr nützlich war.

"Er ist erst elf. Und als ob du nicht auch so gewesen wärst."

Ryoko verzog das Gesicht.

"Dad, das war etwas ganz anderes."

Ranma lachte auf.

"Ach ja? Ich kann mich daran erinnern, daß du Ryoga in den Maschienenraum teleportiert hast und er eine Woche brauchte, um wieder in die Zentrale zu kommen."

"Das war vor fast fünfhundert Jahren," entgegnete sie.

"Ja und? Corben macht das selbe."

Ryoko antwortete nicht sondern schüttete den ihren Doppelten in ihren Hals.