Nay: Sorry, dass die Antwort erst in diesem Kapitel kommt, aber ich hatte das letzte schon on gestellt, als ich Dein Review gesehen habe.

Erstmal vielen lieben Dank fürs Schreiben, rollen wir die Geschichte von hinten auf.

Ich, für mich persönlich, kann nur sagen, dass Reviews mein täglich Brot sind und mir ohne jegliche Rückmeldungen schnell die Lust am Schreiben vergehen würde. Ich erwarte ja nicht zu jedem Kapitel seitenlange Abhandlungen, aber es ist ungemein motivierend ab und an mal zu lesen, wie die Leute es so finden.

Was das Schreiben von FF an sich angeht: Ich hätte auch nie gedacht, dass ich sowas auf die Reihe bekommen würde, aber ich kann sagen, wenn man einmal drin ist, geht es sehr gut. Wenn Du Ideen hast, solltest Du es auf jeden Fall ausprobieren. Aufhören kannst Du ja immer noch.

Und jetzt vielen lieben herzlichen Dank für die ganzen Komplimente. Das geht runter wie Honig! ;)

LG

Tami

Das Ergebnis war nicht ganz das, was ich mir erhofft hatte. Anstatt mit einem Stück fleischfarbener Plastik auf dem Boden zu landen, erhob sich neben mir ein Gebrüll, dass einem abgestochenen Schwein alle Ehre gemacht hätte.

Verblüfft starrte ich auf meine Hand, in der ich immer noch fest Glorfindels Ohr hielt. Allerdings hing der Kopf wie auch der Rest des Körpers noch dran. Während der blonde Bodybuilder schrie, man möge diese Verrückte von ihm entfernen, nahm ich einfach die zweite Hand zu Hilfe und zog noch einmal kräftig an dem Ohr. Irgendwann musste selbst der beste Klebstoff nachgeben! Doch auch bei diesem Versuch war mir nicht mehr Erfolg beschieden.

Bevor ich genau wusste, was geschah, hatte mich auch schon mein Schicksal ereilt. Oder besser gesagt: Blondies Bodyguard. Trotz angeblich gebrochener Zehen hatte Gothic-Erestor sich über den Schreibtisch geschwungen, mich um die Mitte gepackt und von seinem Kumpanen weggezerrt. Allerdings mit soviel Vehemenz, dass wir durch die zum Glück geöffneten Glastüren strauchelten und erst auf der sonnenbeschienen Holzterrasse wieder zum Stehen kamen.

Verblüfft starrte ich nach drinnen, wo Meister Elrond gerade vorsichtig Rauschgoldengels Ohr unter die Lupe nahm. Für einige Augenblicke stockte mir der Atem. Selbst von hier draußen konnte ich erkennen, dass Glorfindels Ohr feuerrot war und anzuschwellen schien. Von der Spitze bis hinunter zum Halsansatz.

Das war doch nicht möglich... Plastikohren konnten nicht anschwellen wie ein verstauchter Fuß... Ich versuchte meine Gedanken zu ordnen, doch trotz dieser unheimlichen Entdeckung schien für einen Moment eine seltsame Ruhe über mich zu kommen. Als hätte mir gerade jemand gesagt, dass alles gut werden würde. Doch ich wollte jetzt nicht ruhig sein. Heftig machte ich mich aus Erestors eisernem Griff frei und taumelte zur Seite. Das mir Erfolg beschieden war, konnte nur daran liegen, dass ihm genauso wenig an körperlicher Nähe zwischen uns lag wie mir.

„Was bezweckt Ihr eigentlich mit so einem Verhalten?" knurrte mich Blondies Bodyguard an. Es war offensichtlich, dass er sich nur mit Mühe zurückhalten konnte, mir eine Ohrfeige oder Ähnliches zu verpassen. „Es kann nicht echt sein... Wenigstens die spitzen Ohren müssen angeklebt sein..." murmelte ich vor mich hin.

Allerdings verfügten diese Kerle hier ganz offensichtlich über ein außergewöhnliches Gehör. Selbst mit einem Ohr, das auf das Doppelte seiner eigentlichen Größe anzuschwellen schien. Sowohl Möchtegern-Elrond als auch der Rauschgoldengel drehten sich jetzt in meine Richtung. Trotz der Schmerzen, die ich ihm zugefügt hatte, schien er seine gute Laune immer noch nicht ganz verloren zu haben. „Wieso, bei den Valar, sollte ich mir falsche Ohren ankleben?" fragte er mich verblüfft. Und auch seine beiden Kumpanen schienen nun ernsthaft an meiner Zurechnungsfähigkeit zu zweifeln. Das war ihren Gesichtern klar und deutlich anzusehen.

Was war nur hier los? Was war nur mit mir los? Ich drehte mich um und machte ein paar Schritte nach vorne, um soviel Abstand wie möglich zwischen mich und alles andere zu bringen. Doch auch das sollte mir keine Hilfe sein. Bisher hatte ich von dieser Filmkulisse nicht viel gesehen, doch jetzt stand ich auf einer Terrasse, hoch über einem Tal in das sich ein gigantischer Wasserfall ergoss. Tief unter mir war eine Schlucht, in der sich ein wilder Fluss dahin wand. Rechts und links, entlang dieser Felsschlucht, zog sich ein Haus über einen felsigen Absatz. Nein, kein Haus. Dafür war es zu groß. Eher ein Palast. Oder vielleicht doch einzelne Häuser, die durch Brücken, Gänge, Balkone, Terrassen, Stege und Wege miteinander verbunden waren.

Vorsichtig trat ich bis an das Geländer heran, das die Terrasse begrenzte und allzu Begeisterte wohl vor einem Sturz in die Schlucht bewahren sollte. Ich ließ meinen Blick von rechts nach links und wieder zurück schweifen. All das war viel zu groß für eine Filmkulisse oder den Bau eines verrückten Hobby-Rollenspielers. Zu groß und auch zu echt.

Mir stiegen die Tränen in die Augen und die leise Stimme in meinem Hinterkopf wurde immer lauter. Was, wenn das hier wirklich Mittelerde ist? Was, wenn Du wirklich nicht mehr in Deiner Welt bist? Doch bevor sich die geflüsterten Worte in meinem Kopf zu einem hysterischen Kreischen steigern konnte, rief mich eine leichte Berührung an meinem Arm in die Wirklichkeit zurück. Oder besser: In das, was ich dafür halten sollte. Ich blickte in ein Paar inzwischen wohlbekannte tintenblaue Augen.

„Nein... nicht... nicht anfassen..." stammelte ich und wich wieder einige Schritte nach hinten aus. „Was...ist das hier?" brachte ich schließlich mit einer ausholenden Geste hervor, die das ganze Tal einschloss. Die Antwort, die ich von meinem düsteren Gegenüber erhielt, war denkbar einfach. „Bruchtal. Elronds Haus."

Ich brachte nicht mehr zu Wege, als immer wieder den Kopf zu schütteln. Schließlich presste ich mir fest die Handballen in die Augen, als würde das irgendetwas helfen. Als ich die Hände wieder sinken ließ und um mich blickte, war trotzdem alles noch da. Sogar noch mehr. Denn jetzt stand dieser Elrond-Verschnitt ebenfalls neben mir. Wie einem kleinen Kind legte er mir einen Arm um die Schulter und führte mich langsam in die Bibliothek zurück. Dieses Mal war ich zu geschockt, zu verwirrt und auch zu verängstigt, um mich dagegen zu wehren. Wie bereits gestern wurde ich in dem Ohrensessel platziert, nur mit dem Unterschied, dass diesmal Glorfindel und nicht der dämonisch dreinblickende Erestor auf der Chaiselongue lag und mir zürnte. Er drückte sich wohl so etwas wie die Mittelerde-Version eines Eisbeutels auf das geschwollene Ohr.

Mein offensichtliches Erschrecken und die Verwirrtheit, die sich auf meinem Gesicht spiegelten, schienen mir immerhin Elrond wieder etwas gewogener zu machen. Er klang nicht mehr ganz so befehlend wie noch ein paar Minuten zuvor. „Ihr müsst wahrhaft verwirrt sein. Doch lasst mich Euch versichern, dass niemand Euch etwas Böses will. Ihr seid hier in Sicherheit. Werdet Ihr mich nun erklären lassen, warum wir Euch zu uns geholt haben?"

„Sie haben mir irgendetwas gegeben. Irgendwelche Drogen. Etwas, das mir Dinge vorgaukelt und dafür sorgt, dass ich nicht klar denken kann..." Fahrig rieb ich mir die Stirn und versuchte mir immer noch klar zu werden, was da gerade alles passiert war. Zumindest Glorfindels spitze Ohren waren echt und ebenso dieser Bau hier. Keine Pappwände, keine Überbleibsel von einem Filmset.

„Dass Ihr jemandem so etwas zutraut, sagt viel mehr über Euch und Eure Handlungsweisen aus, als über uns." Inzwischen hatte sich natürlich auch wieder der Hells Angel zu uns gesellt und auf der Schreibtischkante Platz genommen. „Glaubt Ihr wirklich, dass wir so etwas nötig hätten?" Die Abfälligkeit, mit der er das sagte, die Arroganz in seiner Stimme, hätten sogar einen Mr. Darcy aus Stolz und Vorurteil noch wie einen geselligen, bodenständigen Menschen aussehen lassen, mit dem man sich gerne unterhielt.

„Und wie soll ich mir erklären, dass ich in einem Moment ganz normal in meinem Büro sitze und im anderen in einer märchenhaften Fantasie-Welt stehe? Die einzig andere mögliche Erklärung wäre die, dass ich einfach wahnsinnig geworden bin und mir das alles nur einbilde!" Das sparsame, spöttische Lächeln in Herrn Erestors Mundwinkeln ließ allerdings jetzt schon darauf schließen, was er mir als Nächstes an den Kopf zu werfen gedachte und so kam ich ihm zuvor. „Jaja, schon gut. Sie halten mich eh für verrückt. Außerdem wäre so eine jämmerliche Person wie ich, nie in der Lage mir jemand so ganz und gar großartigen auszudenken wie zum Beispiel den Herrn Erestor. Ach nein, entschuldigung: LÄCHERLICH war das Wort, mit dem Sie mich gestern so freundlich bedachten!" Wäre ich dazu in der Lage gewesen, wären jetzt aus meinen Augen zwei 5000 Volt-Blitze geschossen, die Gothic-Erestor einen möglichst qualvollen Tod beschert hätten. Da mir diese Fähigkeit leider jedoch vollständig abging, zog er nur eine Augenbraue in die Höhe.

Und bevor wir beide einander wieder an die Kehle gehen konnten, schaltete sich auch Krankenpfleger-Elrond wieder ein. „ Ihr seid weder wahnsinnig noch steht Ihr unter den Einflüssen von irgendwelchen Heilkräutern." Aha, Heilkräuter. So nannte man das hier also. „Wir benötigen Eure Hilfe und aus diesem Grund haben Radagast und Erestor Euch mittels Magie und mit Hilfe der Valar hierher gebracht. Ist das denn wirklich so schwer zu glauben?"

„Ja, weil es unmöglich ist! Weil es keine Magie gibt! Weil das hier nur ein Märchen ist!" Inzwischen hatte meine Stimme wieder Nanny-Fine-Qualitäten erreicht.

„Nun, Ihr seid aber hier. Und Ihr habt bereits festgestellt, dass zumindest meine Ohren echt sind." schaltete sich jetzt auch Glorfindel von seiner Seidenliege aus ein. Natürlich mit einem unheilvollen Grinsen im Gesicht. „Gibt es irgendeinen Grund, warum Ihr plötzlich Euren Verstand verloren haben solltet? Oder hat Erestor Euch irgendwann vor Eurem Eintreffen hier etwas eingeflößt, was diesen Effekt hervorrufen könnte? Und wieso hat er Euch dann nicht umgehend dieses Folterinstrument abgenommen, dessen Funktionsweise Ihr so amüsant an ihm demonstriert habt? Ist nicht manchmal die einfachste Erklärung die wahrscheinlichste?" Ausgerechnet Blondie brachte mit seiner charmant-dauergrinsenden Art die Dinge auf den Punkt, die spätestens seit heute Morgen durch mein Unterbewusstsein geisterten. Doch noch war ich nicht bereit aufzugeben.

„Ja, aber..." Der Erestor-Schauspieler schaute mich dermaßen interessiert an, dass man fast hätte meinen können, er wäre in der Tat gespannt auf meine Gegenargumentation. Was mich etwas aus dem Konzept brachte. „...aber nur, wenn es wahrscheinlich wäre, dass so etwas wie Bruchtal und die Elben existieren. Aber das ist nur eine Geschichte und damit nicht existent und damit wiederum kann ich nicht hier sein. Können Sie nicht endlich aufgeben, die Kostüme ausziehen und mich in Ruhe lassen?" Letzteres kam nun schon deutlich kläglicher heraus, als mir lieb war.

„Demnach haltet Ihr uns für so etwas wie... Schauspieler?" Fake-Elrond schien etwas pikiert über diesen Gedanken. „Dem ist durchaus nicht so. Warum lasst Ihr mich nicht einfach eine Geschichte erzählen, ein paar Dinge erklären und dann könnt Ihr selbst entscheiden, ob Ihr es vorzieht von uns weiter als... Gaukler zu denken!" Er hatte das Wort Gaukler mit so viel Verachtung ausgesprochen, dass ich nicht umhin kam, zu vermuten, dass er für fahrendes Volk, Zaubertricks und Schauspielerei nicht viel übrig hatte.

„Vielleicht sollten wir eher die Valar anrufen, damit sie Ihr eine Erleuchtung bescheren. Das würde zumindest unsere Nerven schonen." knurrte Erestor in seinen nicht vorhandenen Bart. Und da er anscheinend auch keine wirkliche Reaktion von jemandem erwartete, warf Elrond sich in Erzählerpose.