Eier

Der Barkeeper McKay und sein Angestellter Zelenka bereiteten den Saloon für den nächsten Morgen vor, als ein später Gast die Bar betrat.

McKay blickte nur kurz hoch, bevor er damit fortfuhr, die Tische abzuwischen: „ Erstens: Wir haben geschlossen. Zweitens: Für Sie mache ich keine Ausnahme, Kavanagh."

„Zu Ihnen will ich ja gar nicht," meinte Kavanagh belustigt, „und auch wenn ich nicht wüsste, was es Sie anginge: Ich bin hier, um Laura zu sehen."

„So spät noch? Sie wird nicht gerade begeistert sein." McKay versuchte seine Neugier zu verbergen, indem er kräftiger als nötig mit seinem Tuch über den Tisch fuhr.

„Oh, ich habe es so mit ihr vereinbart. Ich muss das großartige Geschäft, das ich heute abgeschlossen habe, doch feiern!" Mit beschwingtem Schritt drehte er McKay den Rücken zu und ging die Treppe hinauf.

„Ach, was für ein ‚großartiges' Geschäft kann ein Hühnerbauer schon abgeschlossen haben? Haben Sie der Witwe Brown vielleicht zehn Eier verkauft?"

Zelenka lachte über die Bemerkung seines Chefs. Kavanagh blieb abrupt stehen und drehte sich zu den glucksenden Männern um. „Wenn Sie es unbedingt wissen müssen: Ich war heute den ganzen Tag unterwegs und habe alle Hühner gekauft, die ich kriegen konnte. Eines Tages werde ich die größte Hühnerfarm weit und breit haben und dann werden Sie mich genauso hofieren wie Kolya!" Mit hochrotem Gesicht stampfte er aus dem Blickfeld der beiden Männer.

„Die größte Hühnerfarm will er haben. Hast Du das gehört, Rodney? Ein ganz schön ehrgeiziges Ziel." Zelenka schwang mit Leichtigkeit den Besen, während er das sagte.

„Ja. Und mir verkauft er immer noch keine Eier. Was ist denn das für ein Geschäftsmann, der sich weigert, seine Ware zu verkaufen?"

„Naja, nachdem Du ihn mit einem Esel verglichen hast, kann ich schon verstehen, dass er ein wenig sauer auf dich ist."

„Dann soll er eben keinen Blödsinn erzählen. Weißt Du, was er gesagt hatte? Dass man an den Gesichtszügen eines Menschen dessen Charakter erkennen kann. Und ich habe nur gesagt, dass das nicht stimmen kann, da er ja schließlich kein Eselsgesicht hat."

„Da hat er wirklich Blödsinn erzählt. Dir sieht man ja auch nicht an, was für ein Gauner du bist."

McKay warf seinen Wischlappen nach Zelenka, der sich aber rechtzeitig wegducken konnte.

„Weißt Du, Rodney, entschuldige dich einfach, dann haben wir auch wieder Eier zum Frühstück. Rodney, hörst Du mir überhaupt zu?"

Aus den Gedanken gerissen, zuckte McKay zusammen: „Ja, ja, ich höre dir zu. Es ist wirklich nicht in Ordnung, dass alle hier im Saloon leiden, nur weil Kavanagh mir keine Eier verkauft."

„Du entschuldigst dich also?" fragte Zelenka mit Hoffnung in der Stimme.

„Wieso sollte ich? Du hast doch gehört, er geht jetzt zu Laura, das ist die Gelegenheit, auf die ich gewartet habe. Du gehst jetzt los und sammelst auf seinem Hof so viele Eier wie möglich ein."

„Was?" sagte Zelenka empört, „Ich soll Eier klauen? Das kannst Du ruhig selber machen!"

„Das geht nicht. Ich gehe gleich zu Jennifer. Außerdem ist es besser, wenn Kavanagh hört, dass ich das Gebäude nicht verlasse, sonst würde er mich sofort verdächtigen. Aber mach dir keine Sorgen. Es wird kein Verdacht auf dich fallen. Kavanagh hält dich für einen anständigen Menschen."

„Ich bin ein anständiger Mensch!"

„Dann sei jetzt ein anständiger Angestellter und mach, was dein Boss verlangt!"

Zelenka stöhnte und nahm dann – untermalt von einigen deftigen tschechischen Flüchen – einen Korb aus der Küche. Er wusste genau, dass er keine Chance hatte, wenn McKay die Boss-Karte ausspielte. Daher ging er zur Hauptstraße hinaus und guckte in den wolkenbedeckten Himmel. Na toll. Es sah nach Regen aus.