Prolog…

Das Wetter war eisig und herzlichst ungemütlich, während die dicken Schneeflocken am Zugfenster vorbeiflogen um dann im Schneegetümel zu verschwinden. Der Schneesturm hielt jetzt schon seit einigen Stunden an und die Wetterverhältnisse zwangen den Zug dazu, langsamer zu fahren.

Eine der reisenden war Jane Costner, ein fünfzehnjähriges, brünettes Mädchen- Und ein äußerst unzufriedenes dazu.

Sie machte diese Reise nicht freiwillig, das war klar! Ihre Eltern waren bereits vor einigen Tagen mit dem Zug von nach Nome gefahren. Nome... Was war das überhaupt? Wer gab einem Kaff schon so einen Namen? Das konnte ja nur mies enden! Ja, man konnte sagen, dass Jane absolut keine Lust auf das hier alles hatte.

Im Sommer wurden es hier nie mehr als elf Grad und im Winter sank die Temperatur auf Minus fünfzehn Grad runter- Das konnte ja spaßig werden.
Warum sie das tat, oder eher tun MUSSTE? Ganz einfach: Ihre Eltern wollten für die nächsten fünf Jahre Alaskas Tundra erforschen, sie waren nämlich Biologen. Doch anstatt ihre Tochter einfach bei Verwandten abzuschieben, musste sie ja unbedingt mitkommen, ob sie wollte oder nicht. Jane machte das krank! Fünf Jahre! Das musste man mal auf sich wirken lassen. Aber vielleicht hatte sie ja noch glück und kam hier weg, ehe sie erwachsen war.

Sie wollte einfach nur zurück nach Ketchikan! Ihretwegen hätte man das alles nie tun müssen, aber jetzt konnte sie auch nichts mehr machen.

„Na wenigstens wirst du deinen Spaß haben, was Kaskae?"
Die Malamutehündin, die nur dösend im Abteil gelegen hatte, schreckte auf, als sie ihren Namen hörte und sah dennoch freudig zu ihrem Frauchen. Ihre braunen Augen blitzten voller Vorfreude auf, auch wenn sie nicht wusste auf was sie sich überhaupt freute.

Über die Lautsprecher kam eine Meldung an alle Reisenden, dass der Zug nun anhalten würde. Erleichtert atmete Jane auf und schulterte ihre neue Reisetasche, die sie zu Weihnachten bekommen hatte- Das letzte Weihnachten für die nächsten fünf Jahre, was sie in der Zivilisation verbracht hatte- denn wo auch immer sie gleich Enden würde, es wäre definitiv keine Zivilisation.

„Kaskae, komm Mädchen.", befahl Jane und nahm die neue, glänzende, schwarze Lederleine in die Hand, die sie ebenfalls zu Weihnachten bekommen hatte.

Die Malamutehündin sprang auf und lief aufgeregt hechelnd dicht neben Jane gepresst und sah sich mit großen Augen um, als sie den Zug verließen. Während Jane sich noch ihre Handschuhe anzog und ihre Mütze zurechtzupfte, konnte Kaskae sich vor Neugierde kaum bremsen! Auch wenn das Wetter einen keine zehn Meter sehen ließ und es minderst minus zehn Grad hatte, es war Anfang März, so machte es ihr nichts aus- Sie war ein Alaskan Malamute, ihr Fell war dick und ihre Neugierde unzügelbar. Sie wäre liebend gern durch den Schnee gerannt, der am Bahnsteig lag, doch ein fieses Stück Leder, namens Leine, hinderte sie daran.

„Hey, ruhig! Langsam! Beruhig dich, so toll ist die Gegend hier auch wieder nicht!", versuchte Jane ihre Hündin zu beruhigen und nahm hektisch die Leine kürzer.

„Ach komm schon! Ihr Menschen seid so ungerecht…", seufzte Kaskae und folgte Jane über den Bahnsteig zu einer kleinen, unterdachten Bank und setzte sich.

„Mann, wann kommen die endlich, mir ist eiskalt…", bibberte Jane und versuchte sich in ihren Klamotten so gut es ging warm zu halten, doch es half nur dürftig. „Na, du kannst da nicht mitreden, dein dickes Fell hätte ich auch gerne…"

Kaskae kicherte, dann horchte sie jedoch plötzlich auf, als sie etwas im Schnee hörte.

„Janny!", rief eine wohlbekannte Stimme und Jane sah erschrocken auf, doch als sie sah, wer da auf sie zukam, lächelte sie.

„Miss Morris!", rief sie überglücklich aus und stolperte, wenn auch bibbernd, auf die Haushälterin zu- Ja, man musste sagen, Janes Eltern hatten Geld, aber das war eines der Dinge, über die man nicht sprach.

„Ich sollte schon früher da sein, tut mir so leid, aber das Unwetter, und…"

„HE! Schon gut! Ich lebe noch, und jetzt bringt mich schnell nach Hause, ich friere."

„Selbstverständlich, aber davor möchte ich noch hallo zu unserem kleinen Mädchen sagen!", lachte Miss Morris und tätschelte freudig Kaskaes Kopf. „Na der wird das hier gefallen- Aber nun ins Auto, ich weiß nicht wie der Rückweg seien wird."

Miss Morris begleitete Jane und Kaskae in einen Pick-up und startete den Motor- Eigentlich hatte Miss Morris gar keinen Führerschein, doch sie konnte trotzdem Auto fahren, Janes Vater hatte es ihr beigebracht. ‚Dein Vater ist ein wundervoller Fahrlehrer, aber ein grausiger Beifahrer.', pflegte Miss Morris immer spaßend zu sagen.

Jane stieg schnell in das Auto ein Kaskae sprang ihr auf den Schoß, was zugegebener Maßen doch sehr eng wurde, in einem kleinen Fahrerraum wie diesem.
„Und Janny,", begann Miss Morris. Sie nannte Jane schon immer Janny, egal wie alt sie auch war. „sag, willst du Schlittenfahren lernen? Den richtigen Hund und die richtige Umgebung hast du ja jetzt."

Jane verzog das Gesicht und schüttelte entschlossen den Kopf. „Nein, nein, nein! So was überlass ich den Eingeborenen! Und Kaskae wird auch ohne Schlitten recht fröhlich sein, was?"

Jane sah ihrer Malamutehündin kurz ins Gesicht und diese hechelte zustimmend, als hätte sie verstanden.

„Braver Hund.", lobte Jane und strich ihr kurz durch das grauschwarze Fell.

Währenddessen rannte Steele mit zusammengebissenen Zähnen seine Runden um das Haus seiner Besitzer- Wie jeden Tag. Seit der „Sache" mit Balto war er nicht mehr gern gesehen bei den anderen Hunden- Zugegeben, er trainierte noch mit ihnen, doch, und das regte ihn am meisten auf, er war nicht mehr der Leithund, er hatte jegliche Glaubhaftigkeit verloren, niemand sah mehr zu ihm auf- Sie verachteten ihn, Respekt hatten sie ebenfalls alle vor ihm verloren. Es war so erniedrigend!

Steele war so in Gedanken versunken, dass er das leere Fass gar nicht bemerkte, was mitten auf seiner Strecke lag und direkt hineinknallte. Erschrocken jaulte er auf und rieb sich mit der Pfote über den Kopf. Verdammt! Ach, was regte er sich denn so auf, es war doch sowieso alles vorbei.

Morgen begann das Spiel schon wieder- Er trainierte schweigend mit den anderen verbrachte dann die restliche Zeit bei seinem Herrchen, anders wie früher, wo er immer noch bei seinen Anhängern herumgeprahlt hatte- Jetzt hatte er keine Anhänger mehr, niemand mehr, der ihn als Vorbild sah.
Doch er versuchte seine angesammelten Aggressionen immer damit abzureagieren, dass er rannte- Ganz, ganz lange um das Haus rannte. Zudem musste Steele nun mal in Form bleiben, denn der Wille zu gewinnen, der war noch felsenfest vorhanden.