The Biology Project

Kapitel 6

Warten


BPOV

Er war nicht da.

Der verrückte, gruselige Kerl war nicht da.

Warum war ich so enttäuscht?

Ich meine, außer der riesen Latte und dem heftigen Atmen hatte er so getan, als würde ich nicht existieren. Ich kannte nicht einmal seinen Namen. Mein Mathelehrer hatte ihn erwähnt, aber ich hatte ihn vergessen.

Ethan?

"Edward Cullen", sagte Jessica und leckte sich über die Lippen, nachdem sie seinen Namen ausgesprochen hatte, als wäre er eine Süßigkeit in ihrem Mund.

"Verschwende deine Zeit nicht mit ihm, Bella", antwortete Lauren. "Er ist schon fast ein Jahr lang hier und keine hier ist gut genug für ihn. Er ist auch ein bisschen komisch. Er sieht die Mädchen immer an, als würde er sie am liebsten verspeisen wollen."

"Er könnte mich verspeisen", sagte Jessica komplett ernst.

Ich verschluckte mich an meinem Apfel, bevor sie zu lachen begann und mir auf den Rücken klopfte, damit sich das Apfelstück in meiner Kehle wieder löste.

Ich hustete und trank einen großen Schluck Wasser, während sie sich mit anderen Themen beschäftigten und nicht mehr mit meinem komischen und definitiv gruseligen Biologie-Partner.

Ich ließ meine Hoffnungen im Sande verlaufen, als sie erwähnten, dass er jede so ansah wie mich gestern.

Nö, er wollte mich sicherlich nicht verspeisen.

Wie jeder andere Kerl auf dem Planeten. Was zur Hölle musste ich tun, damit ein Junge mich bemerkte?

Ich saß allein in Biologie und sah hinaus in den Regen, der ständig hier in Forks niederging.

Ich kam mir vor, als würde ich darauf warten, dass etwas passierte. Statt selbst die Kontrolle über mein Leben zu erlangen und dafür zu sorgen, dass es passierte. Ich hatte mich sicherlich zu sehr bemüht, über den gruselig heißen Kerl nachzudenken.

Ich musste etwas verändern.

Ich war im Abschlussjahr. In einer neuen Schule. Mit neuen Leuten, die nicht wussten, wie schüchtern ich war. Ich würde nie flachgelegt werden, wenn ich mich weiterhin so benahm.

Edward Cullen war nicht an mir interessiert. Und meine ständigen Tagträume von ihm halfen nicht dabei, jemand Neues auf mich aufmerksam zu machen. Aber jedes Mal, wenn ich mich umsah, wanderten meine Gedanken zurück zu ihm.

Diese Augen.

Dieses unordentliche Haar.

Und ja, diese Beule in seiner Hose.

Wie konnte er so offensichtlich damit herumlaufen?

Und wie konnte herausfinden, was sich unter dieser ausgeblichenen Jeans befand?

Ich schüttelte den Kopf wegen meines erneuten Tagtraums und konzentrierte mich auf meine Notizen. Ich brauchte sie nicht unbedingt, aber Edward war mein Laborpartner. Ich würde ihm meine Unterlagen geben, damit ich eine Unterhaltung beginnen konnte.

Bloß schade, dass mein Outfit heute umsonst gewesen war.

Tja, Mike Newton hatte etwas gesagt. Er war zumindest nicht so gruselig und hatte mir nicht sooo lang auf die Brust gestarrt. Aber er hatte doch hingesehen. Er lächelte und hat sich tatsächlich mit mir unterhalten. Auch wenn er sich die meiste Zeit über mit meinen Möpsen unterhalten hatte.

Aber er hatte nicht den selben Effekt auf mich wie Edward gestern.

Vielleicht gefiel es mir, dass der gruselige, heiße Junge mich ein wenig zu oft angestarrt hatte.

Starrte er mich zwanghaft an?

Vielleicht war ich diejenige, die pervers war.

Ich meine, ich hatte Tagträume von einem Jungen, der die ganze letzte Stunde über einen Steifen gehabt hatte. Ich dachte immer wieder daran, wie viel Platz in seiner engen Hose wohl war. Ich schüttelte den Kopf, als es klingelte. Die letzte Stunde war an mir vorbeigeflogen, während ich versucht hatte, an alles zu denken, bloß nicht an ihn.

Nach der Sportstunde ließ ich mein Haar zu einem unordentlichen Pferdeschwanz hochgebunden, zog meinen bequemen Kapuzenpullover darüber und ging los zu meinem Truck. Ich winkte Angela und Jessica, als sie sich von mir verabschiedeten. Bislang war diese Woche eine bizarre Enttäuschung gewesen.

Vielleicht würde er morgen da sein und ich konnte etwas über ihn herausfinden.

Am nächsten Tag tauchte er aber wieder nicht auf, und langsam fragte ich mich, ob er an meinem ersten Tag vielleicht nur krank gewesen war. Das würde erklären, wieso er so oft auf die Toilette gelaufen ist. Und vielleicht würde das auch sein heftiges Atmen und seinen glasigen Blick erklären. Er war auch ein wenig errötet, wenn ich darüber nachdachte, als er zum ersten Mal in die Klasse gekommen war.

Ich beschloss, nicht länger darüber nachzudenken.

Das Wochenende hatte begonnen. Ich würde noch verrückt werden, wenn ich weiter an ihn denken würde. Und das war schon ausreichend gruselig. Er dachte ja sicher nicht an mich, das war mir klar.

Dennoch spürte ich einen Funken Hoffnung, wenn ich daran dachte, ihn am Montag wiederzusehen.

Er würde sicher nicht noch länger fehlen, richtig?

Warum dauerte das Wochenende bloß so lang?

Ich hasste es, zu warten.