Beginning

Nie in seinem Leben hatte Loki geglaubt einmal Vater zu werden, geschweige denn ein wirklich guter Vater zu sein. Es bedeutete immerhin viel Verantwortung auf ein Kind zu achten und es zu erziehen. Zudem wusste er auch, dass sie genauso wie er eine schwere Last tragen würde. Denn ihm war klar, wenn er je Kinder haben würde, würden sie anders sein als die Anderen, genauso wie er es immer gewesen war.

Doch die Zeit verging und Zufälle und Ereignisse geschahen, die nicht einmal er hatte voraus sehen können. Und nun hatte er nicht nur ein Kind, sondern gleich drei.

Jedes von ihnen war anders, als all die anderen Kinder in Asgard. Jedes hatte eine andere schwere Last zu tragen. Aber trotz allem liebte er alle drei. Sie waren seine Kindern, wie könnte er sie da nicht lieben, auch wenn sie in den Augen anderer Monster, Missgeburten waren.

Jörmungandaal war der Älteste. Er sah seinem Vater sehr ähnlich, mit den schwarzen Haaren und den großen dunklen Augen. Für sein junges Alter war er hoch gewachsen und sehr still. Die meiste Zeit über sprach er nicht viel. Versteckte sich lieber hinter Büchern, die er mehr als alles andere liebte.

Jeder Tag sah Loki mit Besorgnis wie der Junge hinter Bergen aus Papier verschwand und dabei alleine in einer Ecke saß. Alle anderen mieden ihn, traute sich nicht einmal ihn auch nur anzusehen. Nannten ihn hinter vorgehaltener Hand ein Ungeheuer. Und das nur, weil er noch eine andere Seite hatte.

Denn neben dem unschuldigen Gesicht des Jungen lag etwas, was die meisten Leute erschütterten. Er konnte, wenn er wollte, eine riesige Schlange werden. Eine Schlange die jeden mit einem einzigen Hieb des Schweifes töten konnte. Aber das hatte er bisher noch nie getan. Jedoch hatte Loki Angst, dass es passieren konnte. Denn all die Beschimpfungen, die er ertragen musste, gingen nicht spurlos an ihm vorbei. Er litt stumm vor sich hin und Loki konnte ihm nicht helfen.

Hel war die Mittlere und seine einzige Tochter. In seinen Augen war sie das wohl hübscheste und klügste Mädchen in der ganzen Stadt. Sie war neugierig und wollte immer alles um sich herum wissen. Oft zwang sie ihren älteren Bruder ihr vorzulesen und er kam ihrer Bitte immer nach, denn er auch liebte sie sehr.

Auch sie war wie Jörmungandaal ein sehr ruhiges, fast schon schüchternes Mädchen. Mit Fremden sprach sie kein Wort und wenn ihr jemand zu nah kam, der ihr Angst machte, versteckte sie sich immer wieder hinter ihrem Vater. Besonders vor Thor fürchtete sie sich ungemein. Er war so groß und tollpatschig. Aber trotzdem mochte sie ihn irgendwie, denn er war der einzige, der sich nicht vor ihr fürchtete. Sie nicht für abscheulich hielt, trotz ihres Aussehens. Denn egal wie oft Loki ihr sagte, dass sie schön sei, lag die Wahrheit jedoch offenkundig auf ihrem Gesicht geschrieben. Ihre Last war offen für jeden zu sehen, im Gegensatz die ihrer Brüder.

Die rechte Körperhälfte von Hel war blaugrün verfärbt, ganz so als würde sie verwesen, verfallen. Sie versuchte es zu verstecken. Kämmte sich die Haare über ihre betroffene Gesichtshälfte und trug nur Kleidung, die das Offensichtliche verschleierte. Aber es half nichts, denn jeder wusste davon. Jeder wusste genau, was für eine Missgeburt sie war. Das Mädchen litt, genauso wie ihr Bruder stumm darunter, nicht so angeschaut zu werden, wie all die anderen Frauen. Nur eine Abscheulichkeit zu sein und nie so wie die anderen.

Fenrir war der Jüngste von den Dreien und ein richtiger Wirbelwind. Im Gegensatz zu seinen Geschwistern konnte er nicht auch nur eine Minute lang still sitzen bleiben. Er rannte umher und versuchte sich mit allem zu messen, was ihm auch nur über den Weg lief. Besonders gerne versuchte er Thor zu Boden zu ringen, was er, wie Loki erstaunt fest stellen musste, sogar schaffte. Der kleine Junge hatte eine unglaubliche Kraft, die kaum zu bändigen war. Und wenn er nicht auch, diese Last zu tragen hätte wie jedes seiner Kinder, würde er perfekt in die typische Normalität von Asgard hinein passen.

Der kleine Junge konnte, wenn er wollte, sich in einen ausgewachsenen Wolf verwandeln. Dadurch nahm seine unglaubliche Kraft noch einmal zu und er wurde fast schon zu einer Gefahr für andere, so empfanden es die Meisten zu mindestens. Doch Loki wusste genau, dass er so etwas nie mit Absicht tun würde. In seinen Augen war er noch ein Kind, welches seine Kraft nicht kontrollieren konnte. Aber wie immer glaubte ihm Niemand.

Seine Kinder, so monströs und unheimlich sie den meisten auch waren, waren sein Halt. Er liebte sie, wie sonst Niemand. Sie waren der Grund, warum er noch Kämpfte. Denn ihnen wollte er ein besseres Leben geben als er gehabt hatte. Auch er war in seinem Leben immer der Ausgestoßene gewesen, hatte nie Jemand gehabt, der für ihn dagewesen war. Nur sein Bruder, in dessen Schatten er immer gestanden hatte.

Dass sie so fühlten wie er, wollte er verhindern. Diese Drei unschuldigen Kinder sollten einen besseren Anfang in ihrem Leben haben als er.