Post Tenebras, Lux (Nach Dunkelheit, Licht)

Obligatorischer Disclaimer (von Loten): Würde ich irgendeinen von ihnen besitzen, wären die Dinge ganz anders gelaufen, glaubt mir. Ich leihe sie mir nur für eine Weile aus; leider muss ich sie irgendwann wieder zurückgeben.

Warnungen (von Loten): Eventuelle SS/HG Romanze, eventuelles M Rating, eventuelle Lemons. Don't like, don't read. Aber das Stichwort ist 'eventuell' - dies ist eine lange Geschichte. Um genau zu sein, um die 300,000 Worte.

Notiz des Autors (Loten): Diese Geschichte beginnt zehn Jahre nach dem Ende der Heiligtümer des Todes. Es folgt dem Canon bis auf Snapes Tod und dem Epilog-der-nicht-anerkannt-werden-darf. Die Kapitellängen werden variieren; ich schreibe im Roman-Stil, also lassen sich die Teile oft nicht so leicht in einzelne Kapitel aufbrechen. [...] Kritik ist akzeptiert und gern gesehen. Ich hoffe euch gefällt es!

Notiz des Übersetzers (Cyberrat): Ich habe die Geschichte vor ein paar Wochen gefunden und mich auf Anhieb in sie verliebt. Loten hat einen unglaublichen Schreibstil und da ich zur Zeit Semesterferien habe, habe ich mich entschlossen, meine Freizeit produktiv zu nutzen. Ich werde versuchen, alle 3 Tage ein Update zu machen, die Geschichte ist im Englischen bereits beendet und ich bin positiv, dass ich sie auch beenden werde. Ich habe schon einige Kapitel im Voraus übersetzt, damit ich einen gewissen Puffer habe. Ich habe versucht, mich so nah wie möglich an Lotens Schreibweise anzupassen, da sie mir wirklich gut gefällt. Also... viel Spaß beim Lesen!


"Serendipity is the gift of finding things we did not know we were looking for."[1]

– Glauco Ortolano


Der Bahnhof von Waterloo während der Hauptverkehrszeit versank immer in völligem und totalem Chaos. Wirklich, dachte Hermine, während sie sich durch die Menge zwängte, sie musste verrückt sein, hier zu sein. Es war noch nicht einmal, dass sie es nötig hatte die Verkehrsmittel der Muggel zu benutzen und wenn man bedachte, dass Sommerferien waren hatte sie überhaupt keinen Grund zu reisen. Während sie sich ihren Weg durch die Horden bahnte, die sich unter den großen Bildschirmen versammelt hatten, die die Abfahrten und Ankünfte der Züge zeigten, achtete sie nicht auf ihre Umgebung. Sie war vollkommen darauf konzentriert aus dem Bahnhof zu kommen und eine Tasse Kaffe zu finden, die nicht die Welt kosten würde; Als Ergebnis ihrer Unaufmerksamkeit lief sie frontal in eine Person, als sie die Ecke eines Zeitschriftenkiosks umrundete.

Der Mann, mit dem sie kollidiert war zischte schneidend und zuckte zurück, um zu versuchen zu verhindern, dass sein Kaffee überschwappte. Sie sah auf, die Entschuldigung starb unausgesprochen auf ihren Lippen, als sie sein Gesicht sah; finster blickend, starrte er auf sie hinunter und seine geknurrte Aufforderung, sie solle aufpassen, wohin sie ginge, wurde mitten in der Silbe abgeschnitten. Die beiden starrten einander in fassungsloser Stille an, während ihr Geist versuchte einen Sinn aus dem zu ziehen, was sie gerade sah; es fühlte sich an, als hätte die Erde sich auf ihrer Achse verschoben.

Sie hatte noch nie viel Glück gehabt, die Emotionen in diesen dunklen Augen zu interpretieren, außer eisiger Wut, herablassender Verachtung oder böswilligem Amüsement, aber nun las sie eine Sekunde puren Schocks, rasch gefolgt von Unwillen, der ebenso schnell Überdruss platz machte. Sie nahm sich einen Moment, um an ihm hoch zu schauen, damit kämpfend, was gerade passiert war. In gewissem Sinne sah er genauso aus wie das letzte mal, als sie ihn gesehen hatte, in anderem Sinne jedoch ganz anders.

Die charakteristische gebogene Nase war nach wie vor mehr oder weniger die gleiche, obwohl ihre Linie ein wenig verschoben war von etwas, das wie ein alter Bruch aussah, aber ansonsten hatten sich andere Merkmale verändert. Immer die Zahnarzttochter bemerkte sie, dass er scheinbar endlich versucht hatte, seine Zähne zu richten, die nicht länger gelblich waren, jedoch immer noch ein wenig schief. Die fettigen Haare, die praktisch sein Markenzeichen gewesen waren, waren nun auf jeden fall sauberer, obwohl sie nach wie vor leicht strähnig in Vorhängen um sein Gesicht hangen; eine dünne weiße Linie war über seinem linken Auge zu sehen und das Ende einer Narbe lugte dort aus seinem Haaransatz. Ein oder zwei graue Haare wanden sich durch das Schwarz, aber nicht viele. Seine Haut war nach wie vor blass, aber nicht ganz so fahl wie sie sie erinnerte; ohne seine Roben konnte sie sehen, wie dünn er war. Sein Gesicht sah ausgemergelt aus und die Schatten unter seinen Augen waren tief. Er sah… müde aus.

Er trug Muggelkleidung und sah nicht ungewöhnlich darin aus, nicht so wie viele andere Zauberer. Seine Jeans waren oft getragen, verwaschen, franzten an den Beinen aus und hatten ein Loch in einem Knie; er trug schwarze Stiefel und ein schwarzes T-Shirt welches bekleckert war mit was aussah wie Farbe. Nicht das, was sie erwartet hatte, zu sehen. Er hatte eine elastische Sportbandage an seinem linken Arm, die sich von unterhalb seines Ärmels über seinen Ellenbogen und fast bis zu seinem Handgelenk erstreckte. Als ihre Augen ein weiteres mal zu seinem Gesicht wanderten, sah sie zwei verblichene, zackige Narben an seiner Kehle; Sie war dagewesen, als er diese Wunden bekommen hatte. Es war wirklich er.

Jetzt bin ich vollkommen verrückt geworden. Ich fange an zu halluzinieren. Snape ist tot. Sie sollte es wissen; sie hatte zugesehen, wie er gestorben war, fast zehn Jahre zuvor. Trotzdem war die Ähnlichkeit unverwechselbar – oh, da waren neue narben und er sah älter aus, aber wer auch immer dieser Mann war, er sah ziemlich genau so aus, wie sie sich Severus Snape vorstellen würde, wenn er überlebt hätte. Und es war unbequemerweise wahr, dass sein Körper nie gefunden worden ist. Zu der Zeit, als es irgendjemandem in den Sinn gekommen war, ihn von der Hütte zu bergen – zu ihrer kollektiven Schande, das war nicht passiert bis fast einen Tag nachdem der Krieg geendet hatte – war nichts mehr dort gewesen bis auf einen großen Blutfleck und den Fragmenten eines gebrochenen Zauberstabs.

Es hatte Suchen im Laufe der Jahre gegeben, erinnerte sie sich, während sie den Mann anstarrte. Hauptsächlich aus Schuldgefühlen, da der Orden langsam begann zu realisieren, wie viel die Welt ihm schuldete. Keine Spur war je gefunden worden und schließlich hatten sie aufgegeben. Sicherlich konnte niemand für eine Dekade versteckt bleiben, wenn die halbe Zaubererwelt nach ihm suchte – es hatte mehr Aufsehen erregt in den Medien als Elvis Sichtungen – dennoch musste sie sich wundern, wie gut ein professioneller Spion sich verstecken konnte, wenn er wirklich nicht gefunden werden wollte.

„Genießen Sie die Aussicht?", fragte er leise, ohne eine wirkliche Emotion hinter den Worten. Seine Stimme war fast genau so wie sie sie erinnerte. Das selbe kühle, seidige gedehnte Sprechen, vielleicht ein wenig leiser und ein wenig heißer, jedoch ohne die feindlichen Töne, die sie mit ihm assoziierte.

Ihren Kopf in Unglauben schüttelnd, starrte Hermine ihn an. „Sie sind es wirklich, nicht wahr?", wunderte sie sich leise. „Sie sind wirklich hier."

„Solange ich keinen Alptraum habe,", antwortete er sarkastisch, „und während das bei weitem keine Seltenheit ist, bezweifle ich doch deutlich, dass ich begonnen habe über Sie zu träumen, Miss Granger. Ich habe noch nicht vollkommen meinen Verstand verloren."

Ah, das war der Snape, an den sie sich erinnerte. „Mir ist es sicherlich gestattet, ein wenig schockiert zu sein,", schoss sie zurück. „Bis vor zwei Minuten hatte ich geglaubt, Sie seien tot." So viele Fragen schossen durch ihren Kopf, dass sie selbst nicht wusste, welche es zuerst nach draußen bringen würde, als sie weitersprach. „Was tun Sie hier?"

Er legte seinen Kopf ein wenig schief, seine Augen verengten sich, dann blickte er sich um in dem überfüllten Bahnhof und deutete vage mit einer langfingrigen Hand. „Sehen Sie sich um. Denken Sie, irgendeiner dieser Menschen hat uns bemerkt? Denken Sie irgendeiner von ihnen denkt gerade an mehr als ihre nächstes Ziel?"

Das war nicht gerade, was sie gefragt hatte, aber sie sah, was er meinte. Mitten in einer Menge zu sein, hatte etwas anonymes an sich. Der Gestik seiner Hand Folge leistend, blickte sie sich um und sah aus dem Rand ihres Sichtfeldes, wie er sich bewegte; sich versteifend, schnellte sie zurück, um ihn anzublicken und er rollte mit den Augen. „Seien Sie nicht närrisch. Ich werde sicherlich nicht meinen Zauberstab ziehen und sie mitten in Waterloo verhexen. Außerdem, wenn ich Sie hätte verletzen wollen, hätte ich das gleich gemacht, als ich Sie erkannt hatte und während Sie noch ausgesehen hatten wie ein Fisch auf dem Trockenen."

„Sie waren genauso überrascht wie ich.", schnappte sie, verletzt. Er antwortete nicht; stattdessen drehte er sich plötzlich um und begann durch die Menge hindurch zu laufen. Sie war überrumpelt und stand für ein paar Augenblicke wie festgefroren an ihrem Platz, ehe sie sich anschickte, ihm zu folgen; als sie mit seinen langen Schritten gleichzog, bemerkte sie, dass er hinkte. „Warten Sie!"

„Wieso das denn?", fragte er in einem gelangweilten Ton.

„Ich möchte mit Ihnen reden."

„Und warum zur Hölle denken Sie, dass ich mit Ihnen würde reden wollen?", fragte er und drehte sich um, um sie anzublicken. „Im Gegenteil, ich…" Seine Augen zuckten zu etwas über ihrer Schulter und schmälerten sich, als er abrupt aufhörte zu reden; sie drehte sich, um zu sehen, was er anstarrte, bemerkte eine Bewegung und sah gerade rechtzeitig zurück um zu sehen, wie er in der Menge verschwand.

Ich kann nicht glauben, dass ich darauf hereingefallen bin, schalt sie sich angewidert selbst und wusste, dass es absolut keinen Sinn machte ihm zu folgen, tat es jedoch trotzdem. Er war näher am Eingang als sie; er würde einen sicheren Platz finden und disapparieren. Sie würde ihn niemals einfangen. Immer noch vollkommen fassungslos wegen dem Geschehenen, drückte sie sich durch die Menge in die Richtung, in der er verschwunden war und versuchte sich einen Reim auf die Sache zu machen. Nach all der Zeit… Snape lebt.


Trotz größter Anstrengung verlor sie ihn in der Menge der Hauptverkehrszeit in London und gab den Versuch schließlich auf, um sehr nachdenklich nach Hause zurück zu kehren. Eins war sicher: wenn Snape in London in der Öffentlichkeit war, dann musste dies sehr weit von dort entfernt sein, wo er tatsächlich lebte. Wenn er in über neun Jahren nicht gefunden worden war, dann weil er nicht gefunden werden wollte. Und sie konnte es ihm kaum verübeln; nach Voldemort war er der wahrscheinlich meist gehasste Zauberer der Welt. Es war unfair, das wusste sie jetzt, aber bis zu dem Zeitpunkt, als sie die Erinnerungen, welche er Harry gegeben hatte, selbst gesehen hatte, hatte sie ihn genauso gehasst wie alle anderen auch.

Zum Schluss hatten sehr wenige Menschen diese Erinnerungen gesehen. Harry hatte darauf bestanden. Privatsphäre schien das Letzte zu sein, was sie für den Mann nun hätten tun können – obwohl Harry zugegebenermaßen das größte Geheimnis vor dem gesamten Schlachtfeld herausgeschrien hatte; zum Glück wusste die Gesellschaft der Zauberer als Ganzes immer noch nichts davon. Weniger als ein Dutzend Menschen hatten irgendeine der Erinnerungen gesehen; Hermine war eine der Wenigen, die sie alle gesehen hatten. Sie hatten seinen Namen so gut es ging rein gewaschen, hatten verkündet, dass sie Beweise hatten, die belegten, dass Snape trotz allem auf ihrer Seite gewesen war und hatten einen Mitschrieb der Konversation veröffentlicht, in welcher Albus Snape darum bat, ihn zu töten und erklärt, warum dies geschehen war, doch der Verlust Dumbledores und der Horror, der sich während des finalen Kriegsjahres in Hogwarts entfalten hatte, hatten Narben hinterlassen, die zu tief gingen, um zu heilen. Wenn es nach den meisten Menschen der Zaubererwelt ging, war Snape ein Bösewicht, dessen Tod zu einfach gewesen war.

Die überlebenden Ordensmitglieder sahen die Dinge nun anders. Als Schulleiterin hatte McGonagall viele Stunden damit verbracht mit Dumbledores Portrait und den Portraits früherer Schulleiter zu diskutieren; sie hatten alles bestätigt und langsam hatte der Orden realisiert wie viel sie dem Mann schuldeten, den sie für all diese Jahre gehasst hatten. Ohne ihn hätten sie sicherlich verloren. Während dieser Unterredungen war mehr ans Licht gekommen, was genau er für sie ausgehalten hatte, als irgendeiner von ihnen je hätte wissen wollen – „und ich hatte sicherlich noch nicht einmal das Schlimmste von allem gewusst", hatte Albus traurig gesagt. „Er wollte nie darüber reden und hatte nicht ein einziges Mal nach Hilfe gefragt."

Als sie an die Portraits dachte, musste Hermine automatisch an einen der größten Punkte denken, die alle ins Zweifeln gebracht hatte bezüglich Snapes Tod. Wie auch immer die Umstände gewesen waren, Snape war ein legitimierter Schulleiter für ein Jahr gewesen, Hogwarts selbst hatte ihn anerkannt. Nicht so wie Umbridge, welche vor manch verschlossener Tür gestanden hatte, hatte das Schloss Snape als seinen Meister anerkannt. Wenn er in der Hütte getötet worden wäre, wäre er im Dienst gestorben und sein Portrait hätte sicherlich im Büro des Schulleiters erscheinen müssen wie die anderen auch. Albus hatte sich geweigert, diese Theorie weder zu bestätigen noch zu widerlegen, doch wahrscheinlich eher, weil er es wirklich nicht wusste und nicht, weil er hinderlich sein wollte und zum Schluss hatten sie aufgehört, darüber nachzugrübeln. Sie hatten aufgehört zu suchen. Sie hatten ihn aufgegeben – schon wieder.

Sie hatten überhaupt nur aus Schuldgefühlen nach ihm gesucht, gestand sie sich über die nächsten paar Tage selbst ein. Sie waren fast erleichtert gewesen, als sie zum Entschluss gekommen waren, die Suche aufzugeben. Niemand von ihnen hatte ihn wirklich finden wollen. Was hätten sie sagen sollen? „Ups, `tschuldigung"? Nein, wahrscheinlich war es besser, wenn er tot bliebe.

Und nun hatte sie ihn gesehen, lebend und – sicherlich nicht gesund, aber so gesund, wie man erwarten konnte unter den Umständen. Die Frage war, was sie damit tun sollte? Wenn sie irgendjemanden davon überzeugen konnte, dass sie nicht verrückt war und sie ihn wirklich gesehen hatte, was dann? Es war zweifelhaft, dass das Ministerium ihn finden würde. Sie waren jetzt effizienter, als sie vor dem Krieg gewesen waren, aber nicht sehr und sicherlich nicht genug, um einen Spion zu finden, der den Großteil seines Lebens damit verbracht hatte zu lernen, wie man sich versteckte. Es war unwahrscheinlich, dass sie erfolgreicher wäre, wenn sie privat nach ihm suchte. Er wollte schlicht und ergreifend nicht gefunden werden.

Oder wollte er? Ich bin sicherlich nicht qualifiziert zu wissen, was er denken könnte. Ich denke nicht, dass irgendjemand es jemals wusste. Das war ein Problem. Wenn er nicht gefunden werden wollte, war es sicherlich netter seine wünsche zu respektieren und ihm dem Leben zu überlassen, welches er für sich selbst erschaffen hatte. Aber er verdiente so viel mehr als das. Zum Schluss entschied Hermine, dass sie versuchen würde, ihn selbst zu finden, in ihrer freien Zeit. Sie würde sich erst überlegen, was sie mit ihrem Wissen anfangen würde, wenn sie erfolgreich sein sollte.


„Harry, ich bin's."

„Hallo, Hermine! Was ist los?"

„Hör zu, ich brauche einen Gefallen. Es wird sich aber ein wenig seltsam anhören."

„Schieß los."

„Ich brauche eine Kopie von allem, was das Ministerium über Snape hat."

„Wieso?"

„Du wirst es mir nicht glauben."

„Probier's trotzdem."

„Naja… Ich denke er lebt. Ich will versuchen ihn zu finden."

Da war eine lange Stille. „Hermine…"

„Ich weiß, dass es sich verrückt anhört. Ich weiß, dass es wahrscheinlich unmöglich ist, nach all der Zeit. Darum mache ich es nicht offiziell. Das ist nur etwas für mich, um die Zeit rumzukriegen, bis das neue Semester beginnt – nenn es ein Versuchsprojekt, wenn du willst. Bitte, Harry."

„Du denkst wirklich, dass er lebt?"

„Ich bin mir sicher. Ich bin nicht sicher, dass ich ihn finden kann, aber ich denke, dass es sich lohnt es zu versuchen. Wirst du mir helfen?"

„Du weißt, dass ich es werde. Ich werde dir die Dokumente so schnell es geht, schicken. Lass es mich wissen, wenn du irgendetwas finden solltest."

„Das werde ich. Danke, Harry. Aber sag noch niemandem sonst etwas, ja? Ich werde ihn wahrscheinlich nicht finden."

„Okay. Viel Glück."

„Danke. Ich denke, dass ich es brauchen werde."


Wo sollte sie ihre Suche beginnen? Zumindest wusste sie, dass er immer noch in Großbritannien war, oder zumindest gewesen war. So zu denken, war kontraproduktiv; wenn sie über die Grenzen Großbritanniens suchen müsste, würde sie ihn niemals finden. Es würde nirgendwo in London sein und nirgendwo, wo auch nur eine kleine Zauberergemeinde war. Er würde wahrscheinlich auch nicht in einer der größeren Städte leben, obwohl sie sich da nicht absolut sicher war – sie konnte sich über gar nichts absolut sicher sein. Wirklich. Nicht, wo dieser Mann involviert war.

Sie verbrachte die nächsten paar Tage damit, alles durchzusehen, was über ihn bekannt war, - was nicht viel war – und sich daran zu erinnern, was sie persönlich observiert hatte über die Jahre – was noch viel weniger war. Er war geheimnisvollste Mann, dem sie je begegnet war; sie hatte durch zehn Minuten Starren in ein Denkarium mehr über ihn gelernt, als in sieben Jahren Unterricht. Wenn er irgendwelche Verbindungen zu seinem ehemaligen Heim in Spinners End hatte, würden sie ihm nichts bringen; Als das Ministerium ein paar Wochen nach dem Ende des Krieges dort nachgesehen hatte, war es abgebrannt gewesen. Es konnte zwar nicht bewiesen werden, aber man hatte sich darauf geeinigt, dass es nicht Snape gewesen sein konnte. Seine Kollegen hatten zugestimmt, dass es zu dramatisch sei. Zu offensichtlich.

Es schien möglich zu sein, dass er als Muggel lebte. Er hatte Muggelkleidung getragen, als sie ihn gesehen hatte und hatte offensichtlich keinen Zugang zu einem Heiler gehabt seit dem Ende des Krieges. Um in der Welt der Muggel zu leben, würde er einen Personalausweis brauchen, vielleicht einen falschen Namen. Dies gab ihr einen Vorteil zu allen anderen, die vielleicht gesucht hatten; sie war eine Muggel-Geborene, sie wusste eher, wie sie nach ihm zu suchen hatte. Sie setzte sich vor ihren Computer eine Woche nach ihrer ersten Sichtung und verband sich mit dem Internet. Egal wie gut er sich versteckte, sie bezweifelte, dass er wusste, wie er sich elektronisch verheimlichen konnte.

Es war nicht überraschend, dass es keinen frischen Eintrag über jemanden gab, der Severus Snape hieß. Hermine hatte das gewusst, aber hatte gedacht, dass es sich trotzdem lohnen würde, mal nachzusehen. Nur nach Snape zu suchen, erbrachte einige Treffer, einschließlich dem Eintrag über den Tod seiner Eltern, aber er würde einen anderen Namen benutzen. Sie tippte in Gedanken einen Finger auf der Tastatur und starrte ausdruckslos auf den Bildschirm, während sie stark nachdachte. Snape war ein Gewohnheitstier, oder zumindest war er eins gewesen, als sie ihn gekannt hatte und sie kannte viele Menschen, die, wenn sie ein Alias kreierten meistens an etwas hängen blieben, welches etwas mit ihrer wahren Identität zu tun hatte, ob durch Zufall oder mit Bedacht. Der Halbblut Prinz… Sie zog ihre Notizen wieder zu sich heran und zehn Minuten später suchte sie nach dem Namen Tobias Prinz.


Sie brauchte eine Woche, um systematisch durch alle Adressen zu gehen, die sie gefunden hatte. Dies war die letzte Möglichkeit auf ihrer Liste und als sie auf das Gebäude sah, spürte sie, wie die Hoffnung sie verließ. Es sah so aus, als wäre ihre Vermutung falsch gewesen; sie würde sich einen anderen Namen überlegen müssen, nach dem sie suchen konnte. Dies konnte es nicht sein; wo auch immer Severus Snape sich versteckte, es schien ziemlich unwahrscheinlich, dass es hier war. Obwohl, ich denke, dass es sicherlich der letzte Ort wäre, an dem irgendjemand suchen würde. Sie unterdrückte ein Lächeln; was hatte sie erwartet, eine einstürzende, gotische Villa? Sie atmete tief ein und betrat die Lobby, wo sie auf einen übergewichtigen, glatzköpfigen Mann hinter der Rezeption zutrat.

„Entschuldigen Sie mich. Ich suche Tobias Prinz?"

Er grunzte. „Oh, der. Er parkt auf der anderen Seite der Anlage. Parzelle 57." Ohne seine Augen von der Zeitung zu nehmen, gab er ihr ein schmuddeliges Stück Papier, welches sich als eine rudimentäre Karte der Wohnwagenanlage herausstellte. „Er mag keine Leute, falls Sie irgendwelches Zeugs verkaufen oder so."

„Ist er schon lange hier?"

„Ein paar Jahre vielleicht. Wohnwagen gehört ihm, er zahlt nur Unterhalt für den Platz. Seh' ihn nicht oft." Nachdrücklich die Seite der Zeitung umblätternd machte er es deutlich, dass die Konversation beendet war.

Hermine studierte die rudimentäre Karte und folgte der Straße durch die Anlage bis zu einer entfernten Ecke, wo ein verbeulter, alter Wohnwagen geparkt war, dessen schäbige Aufmachung in starkem Kontrast zu der ziemlich gut in stand gehaltenen Anlage um ihn herum stand. Hier war Snapes Versteck? Sie lauerte auf der anderen Straßenseite unter einem Desillusionierungszauber und beobachtete den Wohnwagen für eine Weile. Wenn er sich hier versteckte, war sie überrascht, dass es nicht versteckt war; noch nicht einmal die grundlegendsten Muggel-vertreibenden Zauber schienen es zu beschützen. Es konnte nicht richtig sein. Sie wollte gerade aufgeben, als ein ähnlich verbeult aussehender alter Jeep an ihr vorbei rumpelte und auf den Flecken freier Erde fuhr, der neben dem Wohnwagen war.

Es war Snape. Sein Hinken schien heute schlimmer zu sein, als er aus dem Auto ausstieg und die Tür zuschloss, den Wohnwagen aufschloss und hineintrat. Sie blieb wo sie war, während Dunkelheit begann, um sie herum einzusetzen, bewaffnet mit ihrem alten und jetzt irgendwie verbeulten Omniglas und machte es sich auf der anderen Seite der Erdstraße gemütlich, um den Wohnwagen intensiv zu beobachten.

Spät am Abend, als sie schon halb am Schlafen war und sich schon fast überzeugt hatte, dass das hier ein Fehler war, ging die Seitentür auf und er trat nach draußen auf die Stufen, um sich eine Zigarette anzuzünden. Soweit sie wusste, rauchte Snape nicht, doch dann wiederum hätte er fünfzig am Tag rauchen können und sie hätte es nicht wirklich wissen können. Sie alle hatten so lange damit verbracht ihn und seine Vergangenheit in Längen zu diskutieren, dass sie sich stoppen und daran erinnern musste, dass sie wirklich eigentlich gar nichts über ihn wusste und sie glaubte, dass niemand jemals den wirklichen Snape gekannt hatte.

Sie hob ihr Omniglas, drückte den Knopf für den Nachtsichtmodus, fokussierte auf ihn und spürte ihren Atem stocken. Er trug ein schlichtes, graues T-Shirt; der Kragen war tief genug, dass sie die zwei zackigen Narben auf seiner Kehle sehen konnte, deutlich sichtbar auf der blassen Haut. Als ob dies nicht genug Bestätigung wäre, zeigten die kurzen Ärmel seine Arme und als er die Zigarette an seine Lippen hob, konzentrierte sie sich auf die Innenseite seines linken Unterarms. Das Dunkle Mal war über die Jahre auch verblasst, aber immer noch leicht sichtbar.

Die Hermine, die er einst eine unerträgliche Alleswisserin genannt hatte, wäre nun auf der Stelle zu seiner Tür gerannt, um mit ihm zu sprechen. Sie war jetzt älter und hoffentlich weiser und entschied sich stattdessen, weg zu gehen. Das war der Deal, den sie mit sich selbst gemacht hatte; erst ihn finden, dann herausfinden, was mit dem Wissen zu tun war. Innerlich waren ihre Gedanken in Aufruhr; Ich habe Severus Snape gefunden.


Anmerkung von Loten: Und so fängt es an...[...]


Anmerkung Cyberrat: Ich werde Lotens Anmerkungen so weit es geht übernehmen. Wenn sie sich auf schon vergangene Deadlines beziehen, oder irgendwelche Festtagswünsche ausdrücken, die schon vergangen sind, werde ich dies - verständlicherweise - nicht übersetzen, es aber durch die eckigen Klammern kenntlich machen, damit ich nicht ungewollt ihre Worte verfälsche.

[1] Der glückliche Zufall ist das Geschenk Dinge zu finden, von denen wir nicht wussten, dass wir sie gesucht haben.