Story: Wenn man nicht mehr weiterweiß, schreibt man eben ein Zwischenspiel. Ein Rückblick, in diesem Falle. Ähem, könnte eventuel mal wichtig werden. Widmen wir dieses Zwischenspiel dem WG13.

~Zwischenspiel~

Verluste

by Ianis

In England gibt es viele kleine Wälder. Es gibt auch große, aber viel mehr kleine. So gibt es auch einen kleinen Wald bei Dormansland, einer Siedlung südlich von London. Der Wald ist vielleicht so groß wie die Siedlung selbst. Wald und Häuser liegen aber nicht unmittelbar nebeneinander.

Am Rande dieses Waldes, auß0erhalb des Ortes also, stand ein Anwesen, das seit mehreren Generationen von einer Familie bewohnt und bewirtschaftet wurde. Ein Wohnhaus, ein Schuppen und ein Stall, in dem aber schon längere Zeit kein Vieh mehr unterstand.

Schuppen und Stall lagen bereits in Schutt und Asche, Glut leuchtete noch in der Nach und Rauchschwaden zogen gen Himmel. Am Wohnhaus nagten die Flammen noch. Das Holz knarrte, immer mehr fiel es in sich zusammen. Schreie drangen nach draußen. Verzweifelte Schreie der Eltern, Wimmern und Weinen der zwei Kinder, ein Hund bellte panisch.

Etwas abseits, weit genug von der Hitze der Flammen weg und doch nah genug, um sich an den Schreien zu erfreuen, stand eine Gruppe von Menschen, in schwarz gekleidet. Ihre Gesichter lagen im Dunkel verborgen, sie standen still und reglos da.

Ein Mann, der in Gruppe stand, wandte den Kopf zum Wald. Im Schein der Flammen erkannte er eine Gestalt, die zischen den Bäumen stand. Er verengte die Augen. Es musste noch ein Kind sein. Langsam löste er sich aus der Masse und ging zu der Stelle. Erst als er direkt vor der Gestalt stand, erkannte er ein kleines Mädchen. Zwar hatte das Kind keine Haare auf dem Kopf, doch es trug ein Kleidchen, mit einem bunten Blumenmuster. Das Mädchen konnte höchsten vier Jahre alt sein. Die Schreie waren hier noch lauter zu hören.

Der Mann stellte sich neben das Mädchen und sah den Flammen zu. Nach zehn Minuten krachte das Wohnhaus mit ohrenbetäubendem Lärm in sich zusammen. Er sah von der Seite zu dem Mädchen herunter. Sein Gesicht leuchtete im Schein des Feuers. Zwar glänzten die Augen des Kindes, doch keine Träne rann über die Wange.

Die Schreie waren verstummt.

"Tot." Die Stimme des Mannes war leise, ohne Mitleid, kalt.

Das Mädchen hob den Kopf und sah in das kühl lächelnde Gesicht des Mannes. Ihr Blick nicht trotzig, doch lag sichtbarer Widerstand in ihm. Sie würde nicht Weinen. Sie sah den Mann nicht flehend an, sie wusste, was er getan hatte. Doch klagte sie ihn heute nicht dafür an, sie schrie nicht, wie es eine kleine Stimme in ihrem Inneren tat.

"Lauf. Bevor die anderen dich sehen." Sein Lächeln wurde breiter und kälter.

Das Mädchen blinzelte eine Träne weg. Dann drehte es sich langsam um und verschwand im Dunkel des Waldes.

Der Mann spielte mit dem Gedanken, die Gruppe auf das fliehende Mädchen aufmerksam zu machen. Doch er entschied sich dagegen. Das Mädchen war kaum älter als sein Sohn.

Er strich sich eine Strähne blonden Haares aus dem Gesicht und ging wieder zur Gruppe zurück.

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Für Ideen bin ich weiterhin sehr dankbar!