TITEL: Jeder Moment eine Erinnerung
GENRE: Drama/Angst
CHARAKTERE: House, Cuddy
PAIRING: Gen
RATING: PG-13
SPOILER: Spoiler für 8x22
WÖRTER: 500
ZUSAMMENFASSUNG: Als er nach langer Zeit wieder vor ihrer Haustür steht, ist es eine Frage von Leben und Tod. (Post-'Everybody Dies'-Fic)


Der Geruch von Tannenwäldern unter den letzten Sonnenstrahlen. Ein vertrautes Lächeln. Das Geräusch der Plastikverpackung, die das Schmerzmittel hält. Freude. Genießen. Der dumpfe Schmerz in seiner Brust. Das Gefühl, das Richtige zu tun. Eine leise Träne, die sein Gesicht hinunterrinnt. Ein letzter Atemzug.

Jeder Moment eine Erinnerung.

"Du bist tot." Sie sagt es so nüchtern, als hätte sie längst gewusst, dass es nicht so ist. Vielleicht ist es der Schmerz, der nie ganz gewichen ist. Der Schmerz, der sie verfolgt hat, auch wenn die Meilen sie davon trennen sollten.

"Ja", bestätigt er unumwunden. "Und nein."

Sie steht nur da und er steht nur da. Was in dieser Welt soll es auch noch geben?

Er räuspert sich und stützt sich auf den Stock, der schon lange keinen Halt mehr geben kann. "Wilson wiederum ist tot. Definitiv."

Es ist der Schock, den ihr sein plötzliches Auftauchen nicht geben konnte. Sie murmelt etwas, das er nicht versteht, blickt ihn mit großen Augen an, die sich langsam mit Tränen füllen. Ihr Körper scheint zusammenzusacken und findet ein wenig Halt am Türrahmen ihres Vorstadthäuschens. Er schaut auf seinen Stock hinab.

Vielleicht hätte es einen Weg gegeben, es ihr sanfter beizubringen. Doch das Schicksal ist auch nicht sanft zu ihm gewesen.

Er holt den verschlossenen Briefumschlag aus seiner Jacke und hält ihn ihr wie ein tröstendes Taschentuch hin. "Hier", sagt er und hofft, dass sie ihn möglichst schnell davon befreit, "er wollte, dass du den bekommst."

Sie zögert, wischt sich Tränen aus dem Gesicht, und das Papier brennt währenddessen wie Feuer auf seiner Haut. Er ist kurz davor, den Brief fallenzulassen, als sie ihn endlich an sich nimmt.

Der Schmerz durchfährt seinen Körper und er denkt an die volle Dose Vicodin in seiner Hosentasche. Daran, wie sie ihm immer Sicherheit gegeben hat, und ihn nun nur noch an die Momente erinnert, als er die trockenen Kapseln durch spröde Lippen schob.

Er schafft es nicht, sie ein weiteres Mal anzusehen. Einen winzigen Moment lang ist es nicht Wilson, den er sieht, sondern Cuddy. Schlafend, friedlich, zwischen aufgewühlten Bettlaken. Ein morgendlicher Sonnenstrahl gefangen in ihrem Haar.

Er dreht sich um und geht.

"Sag mir, was passiert ist", fleht sie hinter ihm.

"Sorry, aber ich hab keine Worte mehr dafür." Dann hält er an und besinnt sich doch noch einmal. "Aber er hatte eine gute Zeit."

"Das ist nicht wahr, oder?" Sie schüttelt mit dem Kopf, als könne sie es nicht wahrhaben und sehne sich den Moment des Aufwachens herbei. "Du bist tot."

Er zuckt mit den Schultern. "Keine Ahnung. Vielleicht bin ich in so einer Art Zwischenwelt. Nicht tot, aber auch nicht am Leben. Fegefeuer. Jeder das, was er verdient, oder?"

Sie sagt nichts und er erwartet es nicht.

Als er die Auffahrt ihres neuen Lebens hinuntertrottet und zurück auf die Straße abbiegt, sieht er ihn wieder in dem Schatten, den er selbst auf den Asphalt wirft, hört ihn zwischen dem Geräusch vorbeiziehender Vögel.

Es gibt keinen Moment ohne ihn und es wird ihn nie geben, solange er auf dieser Welt wandelt.

ENDE