Das verbotene Zeug

Heute war Salattag. Den hatte Woolsey eingeführt, weil die Cholesterinspiegel der Expeditionsmitglieder überdurchschnittlich hoch waren.

McKay schnaubte. Er fand, dass sie schlimmere Probleme hatten als zu hohe Cholesterinspiegel.

Mit Schaudern dachte er daran, wie sie am Morgen noch gerade davongekommen sind, gejagt von hunderten mit Speeren bewaffneten Halbnackten. Ihm wurde schlecht, als sie wieder in Atlantis waren und er sah, wie sein Rucksack von einem Speer durchbohrt war, der ihm galt.

Nein, er brauchte jetzt keinen Salat, er brauchte etwas… Härteres.

Mit den Worten „Ich habe zu tun" verließ er seine Teamkameraden.

Er kannte die Gerüchte. Getuschel, das verstummte, wenn er einen Raum betrat. Er gehörte schließlich zur Führungsriege, ihm erzählte man so etwas nicht. Aber er bekam es doch mit. Es gab einen Ort in Atlantis, den man die „Verbotene Zone" nannte. Ein Ort für diejenigen, die dem Alltag entfliehen wollten. Genau diesen Ort suchte er.

Ziellos wanderte er mal dahin, mal dorthin. Dann auf einmal sah er Jenkins, einen britischen Chemiker. Und Jenkins sah ihn und blieb wie versteinert stehen: „Dr. McKay?"

McKay zögerte. Er war der Chefwissenschaftler und hatte deshalb eine besondere Verantwortung. Es war seine Pflicht, illegale Aktivitäten zu melden und er war sich sicher, dass Jenkins in die ganze Sache involviert war, vielleicht sogar der führende Kopf war. „Jenkins, ich hatte heute einen harten Tag."

„Ich habe davon gehört. Ein Speer, nicht wahr?"

„Ja, ein Speer." McKay wünschte sich, dass Jenkins ihm was anbieten würde, aber der Chemiker schien ihm nicht zu trauen.

„Na, dann…" setzte Jenkins an.

„Ich weiß, dass Sie was verkaufen und ich will was davon," platzte es aus McKay heraus.

„Oh." Einen Moment lang sagte Jenkins nichts, dann: „Ich weiß nicht, wovon Sie sprechen."

„Jetzt tun Sie nicht so! Halb Atlantis weiß Bescheid!" McKay überlegte, ob er drohen oder bitten sollte. „Sie kennen mich. Ich werde Sie nicht verraten, aber ich will was."

Jenkins schien die Risiken abzuwägen, dann nickte er: „Okay, kommen Sie mit. Bezahlt wird in bar, Anschreiben gibt es nicht."

Der Chemiker führte seinen Chef in ein kleines, abseits gelegenes Labor. Als die beiden eintraten, blickten mehrere Augenpaare sie irritiert und geschockt an, aber Jenkins beschwichtigte die Anwesenden mit einer Geste.

Ein Bunsenbrenner stand auf einem Tisch, daneben etliche zweckentfremdete Petrischalen. Die Luft war verräuchert und McKay starrte auf den Topf, der über dem Bunsenbrenner hing. Er verspürte genau die Anspannung, die die meisten Menschen verspüren, wenn sie im Begriff sind, etwas Verbotenes zu tun. Dennoch konnte er es kaum abwarten.

Jenkins nahm eine Flasche mit klarer Flüssigkeit in die Hand und fragte: „So, Dr. McKay, Ihre Fish and Chips mit oder ohne Essig?"