Disclaimer: Grimm gehört NBC, Universal, GK Productions, Hazy Mills Productions und Open 4 Business Productions. Mir nix.

Für mi_guard – danke für die Treue und das nette Plotbunny ;)


„Portland PD! Stehenbleiben, verdammt noch mal!"

Detective Nick Burkhardt raste hinter seinem Verdächtigen her, der die Straße hinunterhetzte, als seien Höllenhunde hinter ihm her. Irgendwo weit hinter sich hatte Nick seinen Partner, Hank Griffin, gelassen.

Der schlanke Polizist mit dem dunklen Haar holte noch ein bißchen mehr Geschwindigkeit heraus, um zu seinem Täter aufzuschließen. Der warf einen Blick über die Schulter und Nick wäre beinahe stehengeblieben, als er das Wogen des Wesens im Inneren des Verfolgten bemerkte.

Skalengeck! Natürlich Skalengeck! Welche Wesenart sonst konnte schon so dämlich sein wie Skalengecks? Vermutlich ein Jay-Junkie, der auf der Suche gewesen war, um Geld für seine nächste Dosis zu stehlen.

Mit anderen Worten: Idiot!

Nick stöhnte innerlich auf, zog den Kopf zwischen die Schultern und hastete weiter, übersprang die Bordsteinkante und bog, immer noch dem Skalengeck nach, in eine Seitenstraße.

„Bleib endlich stehen!" brüllte Nick aus der Tiefe seiner Lungen. Doch den Gefallen wollte ihm sein Verdächtiger nicht tun.

Statt dessen schlug der Skalengeck einen Haken, riß einige Mülltonnen um und verschwand in einem Hinterhof.

Nick biß die Zähne zusammen, nahm die umgeworfenen Mülltonnen wie Hürden bei einem Lauf und folgte dem Wesen in den Hof, die Rechte am Griff seiner Waffe.

Als er den Hinterhof erreichte konnte Nick gerade noch einen kurzen Blick auf den Skalengeck erhaschen, der über einen Lattenzaun geklettert war, den irgendjemand in den schmalen Durchgang zwischen den beiden Häusern gebaut hatte, die den Hof von der Straße trennten.

Nick knirschte einen Fluch, nahm Anlauf und sprang seinerseits auf den Lattenzaun. Seine Schuhe kratzen auf der Suche nach Halt über das Holz, während er sich mit den Armen hochstemmte, darüber kletterte und schließlich auf der anderen Seite wieder auf dem Boden aufkam. Eilige Schritte zu seiner Rechten zeigten ihm nur allzu deutlich den Weg, den das Wesen genommen hatte.

Nick bog wieder auf die etwas größere Nebenstraße ein, über die er gerade gekommen war. Da sah er aus den Augenwinkeln, wie sich eine Tür zu einem Laden öffnete und eine vertraute Gestalt herauskam.

Monroe, ein Wider-Blutbad, sah ihn überrascht an und hob die Hand zum Gruße. Nick hatte wirklich weder Zeit noch Atem im Moment, um sich um seinen Wesen-Freund zu kümmern. Er nickte kurz und nahm wieder mehr Tempo auf, dem Skalengeck nach, der gerade erneut eine Abzweigung nahm.

Was dachte dieser Kerl sich eigentlich, wie er ihn loswurde? Wenn sein Hirn nicht vollkommen von Jay zerfresssen war mußte er doch wissen, wer ihm da auf den Fersen war.

„Portland PD!" rief Nick kurzatmig, sparte sich den Rest. Der Ruf hatte eh mehr den vereinzelten Passanten gegolten denn seinem Verdächtigen.

Wieder schlug der Skalengeck einen Haken, was Nick allerdings näher an ihn heranbrachte.

Der Detective und Grimm dachte nicht weiter nach, sondern ergriff seine Chance. Mit einem Hechtsprung warf er sich auf den Skalengeck und brachte ihn mit sich zu Fall.

„Ich sagte … stehenbleiben!" keuchte Nick und griff nach seinen Handschellen. „Was ist daran so schwer zu verstehen?" Er ließ die Handschnellen zuschnappen und richtete sich selbst auf, ehe er den Skalengeck mit sich auf die Füßte zog.

„Man bricht nirgendwo einfach so ein, erst recht nicht, wenn die Polizei nebenan ist. So schlau solltest du zumindest sein", erklärte er dem Wesen, das sich jetzt wieder in seiner menschlichen Gestalt zeigte.

„Nicht töten, Grimm! Nicht töten, bitte", wimmerte der Mann im gebrochenen Englisch.

Nick verdrehte die Augen. „Nein, nicht töten. Aber Gefängnis dürfte schon drin sein. Marsch!" Unsanft stieß er das Wesen vor sich her den Weg zurück, den sie gerade gekommen waren, hielt ihn dabei am Kragen fest, damit er nicht am Ende in einem Anfall von rauschsüchtiger Genialität wieder das Weite suchte.

„Hast du trainiert?" keuchte Hank heran, das Gesicht schweißbedeckt.

Nick runzelte die Stirn und übergab seinen Gefangenen an seinen Partner.

„Wie dämlich muß man eigentlich sein, um einen Einbruch unter den Augen von zwei Polizistien durchziehen zu wollen, eh?" fragte Hank und schüttelte den Skalengeck.

Nick zuckte mit den Schultern. „Wir haben ihn ja und es ist nichts passiert sonst", seufzte er, noch immer etwas kurzatmig.

„Und ich wette, du gehst seit neuestem Laufen." Hank bedachte ihn mit einem vielsagenden Blick.

Nick winkte ab und ging an Hanks Seite zurück. Dabei fiel ihm ein, wen er da gerade gesehen hatte. Irgendwie eigenartig, Monroe in dieser Gegend zu treffen …

Nick sah sich aufmerksam um und fand schließlich den alten eierschalenfarbenen VW Käfer seines Wesen-Freundes.

„Geh schon mal vor und zeig unserem Freund hier den Rücksitz", wandte er sich an Hank.

Der sah ihn überrascht an, nickte dann aber. „Na komm, Freundchen. Wollen wirs dir mal gemütlich machen, was?"

Nick sah sich kurz um, dann hatte er die große Gestalt seines Freundes ausgemacht und hielt auf ihn zu.

„Hey, lange nicht gesehen!" begrüßte er den Blutbad lächelnd.

Der drehte sich zu ihm um und musterte ihn von Kopf bis Fuß. „Du bist schneller geworden", kommentierte er das eben Geschehene.

Nick runzelte die Stirn. Monroe war recht blaß um die Nase. Seine Augen wirkten verschleiert. Als der Detective einen Blick zu dem Laden hinüberwarf, aus dem er seinen Freund hatte kommen sehen, runzelte er erst recht die Stirn. Eine Tages-Klinik.

„Stimmt was nicht?" fragte er.

„Was soll nicht stimmen?" Monroe zuckte mit den Schultern. „Hab mir irgendwo eine Erkältung eingefangen, das ist alles. Muß ich ausschlafen und gut inhalieren, dann ist das ganze schnell vorbei."

Nick nickte und stemmte die Hände in die Hüften. „Du würdest mir doch erzählen, wenn was nicht stimmt, oder?"

Monroe bedachte ihn eines kühlen Blickes. „Als würde es dich interessieren. Übrigens … was hat der Skalengeck angestellt, daß du ihn quer durch das Viertel hetzt?"

Nick verzog das Gesicht und zuckte mit den Schultern. „Die dumme Nuß hat versucht, Hanks Wagen zu knacken", er schüttelte den Kopf.

Monroe schmunzelte. „Ist nicht wahr! Am besten hat ers versucht, als ihr zwei daneben standet, oder?"

Nick lachte gut gelaunt. „Nicht ganz. Wie gesagt, wir waren auf dem Weg zurück zum Revier. Vermutlich dachte er, irgendwas im Wagen sei wertvoll genug, um seine nächste Dosis kaufen zu können."

Monroe hob die Brauen und … nieste lautstark.

„Wow! Mann, das ist wirklich ne dicke Erkältung!" staunte Nick.

Monroe zog die Nase hoch. „Geht schon wieder. Wie gesagt, ein paar Tage Ruhe und ..." Er stockte und runzelte nun seinerseits die Stirn. „Du wolltest doch nicht zu mir kommen, oder?"

Nick setzte ein Lächeln auf. „Wenn du mich so bittest … ?"

„Och ..." Monroe seufzte und zog wieder die Nase hoch. Er wickelte sich in seinen Mantel und verzog das Gesicht. „Aber sei pünktlich", befahl er dann.

Nicks Lächeln wurde breiter.

Monroe schniefte. „Und … es gibt Sauerkrautauflauf. Also bring Hunger mit." Damit ließ er den jungen Grimm auf der Straße stehen und ging zu seinem Käfer.

„Sauerkrautauflauf?" echote Nick und drehte sich um.

Was war denn nun wieder Sauerkrautauflauf?

Egal, rief er sich dann zur Ordnung, während er beobachtete, wie der Käfer in den kaum vorhandenen Verkehr einscherrte. Monroe war ein begnadeter Koch. Was auch immer sich hinter diesem Namen verbergen mochte, es würde ihm schon schmecken.


Monroe fühlte sich nicht einen Deut besser, als es abends an seiner Tür klopfte. Ein Blick auf seine Sammlung von Uhren zeigte dem Blutbad, daß sein sich selbst eingeladener Gast ausnahmsweise einmal pünktlich war.

Müde schlurfte Monroe zur Haustür und öffnete. Auf der Schwelle stand, wie nicht anders zu erwarten, ein freundlich lächelnder Nick und holte hinter seinem Rücken … eine leuchtend rote Geschenktüte hervor.

Monroe hob eine Braue. „Was ist das?" fragte er vorsichtig.

Nick neigte dazu, seine Arbeit mitzubringen. Meist in Form von mehr oder weniger gut ausgeschmückten Berichten. Ab und an aber …

Er verlangte doch wohl jetzt nicht von ihm, daß er etwas ausschnüffeln sollte, oder?

„Du hast mich eingeladen. Und als guter Gast bringt man nun mal ein Geschenk mit", strahlte Nick.

Monroes Gesicht erstarrte zu einer Maske.

Wie oft hatte der Grimm jetzt schon seine Abende hier verbracht? Wie oft mitgegessen? Wie oft hatte er ihn in seine Fälle verstrickt?

„Was waren das bisher? Arbeitsessen?" fragte Monroe leise und streckte vorsichtig seine Hand nach der dargereichten Tüte aus.

Rot … Rot war seine Lieblingsfarbe! Irgendwie konnte Monroe nicht anders als selig zu lächeln nur allein über die Tüte. Ein wenig gerührt machte er denn doch Platz und ließ seinen Freund eintreten.

Kaum daß Nick die Schwelle überquert hatte, als er auch schon die Nase rümpfte und mit der Hand vor seinem Gesicht herumwedelte, als wolle er einen besonders schlechten und hartnäckigen Geruch vertreiben.

„Monroe! Aus welchem Grab hast du die Leiche geklaut? Hier stinkts erbärmlich!"

Der Blutbad zog die Nase wieder hoch und schloß die Tür. „Du wolltest einen Krankenbesuch machen", entgegnete er.

Nick hielt sich den Ärmel seiner Jacke vor Mund und Nase. „Als du Inhalation erwähntest dachte ich eher an Menthol, vielleicht Minze. Aber das hier … was verrottet denn da?"

Monroe schritt hocherhobenen Hauptes an seinem Freund vorbei, die rote Geschenktüte noch immer ungeöffnet in der Hand. „Ein altes Hausrezept meiner Familie. Hilft immer."

„Gegen was? Besuch?"

Oh du Unwürdiger, kam es Monroe in den Sinn, doch er würdigte diese Bemerkung keiner Antwort mehr, sondern ging in die Küche, um nach dem Abendessen zu sehen und nebenbei sein Geschenk auszupacken – natürlich möglichst ohne die rote Tüte zu zerstören.

Rot …

Irgendwie fühlte er sich doch gerührt, daß Nick sich seine Lieblingsfarbe gemerkt hatte. Immerhin hatte er den Grimm ja erst darauf aufmerksam gemacht, daß sie kaum persönliches austauschten. Zumindest daran hatte sich seitdem einiges geändert – zum weitestgehend besseren, wie er selbst fand.

„Ganz ehrlich, was ist das für ein Kraut?" fragte Nick, der ihm ganz ungeniert in die Küche gefolgt war.

„Baldrian, Süßholz und getrocknete Distelblüten", antwortete Monroe, stellte die Tüte wie einen sakralen Gegenstand vor sich auf den Küchentisch und bewunderte sie von allen Seiten.

„Baldrian? Du nimmst wirklich Baldrianöl zur Inhalation?" staunte Nick. „Oh Mann, die Katzen der Umgebung müssen dich sehr lieben!"

„Hier gibt es keine Katzen", entgegnete Monroe.

„Wo ich wohne schon", wandte Nick vielsagend ein, was den Blutbad so gar nicht störte.

Langsam und vorsichtig begann er die Tüte zu öffnen und fand darin … eine Flasche!

Monroe holte sie heraus und staunte nicht schlecht, als er bemerkte, daß sie seinen Liebling-Merlot enthielt. Nick schien ja wirklich aufgepaßt zu haben.

„Du hast es dir tatsächlich gemerkt!" staunte er.

Nick zuckte mit den Schultern. „Ich dachte, besser der Wein als eine Flasche Bier."

„Sehr gute Idee", lobte der Blutbad, stellte die Flasche an die Seite und begann, sehr sorgsam, die Tüte zu falten.

„Was den Fall angeht ..." begann Nick jetzt vielsagend.

Monroe war beschäftigt mit der Tüte, nickte aber stumm.

„... ähm, naja, da ist ein Pfandleiher erstochen worden heute morgen", fuhr Nick fort und zog seinen Notizblock aus der Tasche. „Ob er Wesen war weiß ich nicht. Aber seine Tochter ..." Er schlug eine bestimmte Seite auf und hielt Monroe dann eine seiner kleinen, aber durchaus gelungenen Zeichnungen hin.

Der Blutbad blickte seufzend auf, sich in seiner hingebungsvollen Arbeit gestört fühlend. Aber immerhin hatte Nick an ihn gedacht …

Er konzentrierte sich auf die Zeichnung und nickte. Das Bild zeigte ein typisches Wesen-Gesicht mit überlanger , gebogener Nase und Gefieder. Die Augen schienen riesig im Vergleich zum Rest, und waren ebenfalls von Federn umkränzt, was dem Gesicht tatsächlich etwas eulenhaftes gab.

„Geheimniskauz" identifizierte Monroe. Dabei ging ihm wieder einmal auf, daß in Nick ein Künstler steckte. Die meisten seiner Zeichnungen zeugten von mehr als nur guter Beobachtungsgabe, allerdings auch von Ungeduld.

Monroe war sich sicher, hätte seine Tante diese Gabe besser gefördert, Nick würde heute nicht Detective bei der Mordkommission sein.

„Geheimniswas?" fragte der Grimm nach.

„Geheimniskauz", wieder holte Monroe nasal und zog die Nase hoch. Dann wandte er sich ab und trat zum Backofen, in dem der Auflauf schmorte.

Nick betrachtete stirnrunzelnd seine eigene Zeichnung. „Und was hat es mit diesen Geheimniskäuzen auf sich?"

„Ihr solltet euch den Laden des Pfandleihers noch einmal genau ansehen", schlug Monroe vor. „Diese Typen strotzen nur so von Geheimnissen, oder dem, was sie für Geheimnisse halten. Ob da je was wertvolles drunter ist ..." Er zuckte mit den Schultern, streifte die Kochhandschuhe über und öffnete die Backofentür. „Hol schon mal Teller und Besteck", befahl er über die Schulter hinweg.

Nick steckte seinen Notizblock wieder ein und nickte. Genau wissend, wo er was finden konnte, öffnete er die entsprechenden Türen und Schubladen und deckte für sie beide den Eßtisch in der Ecke des Wohnzimmers, während Monroe seinem Auflauf den letzten Schliff gab – eine besondere Würzmischung, die er gemeinsam mit einer hauchdünnen Schicht Gratinkäse auf dem Auflauf verteilte, ihn dann noch einmal für zwei Minuten in den Ofen zurückschob.

Nick holte währenddessen für sich eine Flasche Bier aus dem Kühlschrank. „Du willst auch eine?" erkundigte er sich.

Monroe wies auf die Thermoskanne voller Tee, den er extra kräftig aufgebrüht hatte. „Eine Tasse wäre nett."

Nick nickte und holte eine aus dem Schrank, ehe er wieder ins Wohnzimmer verschwand.

Irgendwie war es rührend, dachte Monroe, diese Idylle, die sie manchmal teilten. Dann fragte er sich allen Ernstes, wie Juliette den Antrag hatte ablehnen können. Nick schien der perfekte Mann zum Heiraten zu sein. Nun gut, Monroe kannte nicht alle Eigenheiten des Grimms. Vielleicht bevorzugte es Nick, in seiner Unterwäsche vor dem Fernseher zu sitzen, oder räumte nie seinen Kram weg, so wie er es immer wieder gern hier tat. Solche Eigenheiten konnten mit der Dauer schon eine Beziehung strapazieren …

Nick kehrte zurück und schnappte sich auch noch die Thermoskanne, um sie rüberzubringen. „Wenn meine Geruchssinne nicht komplett getötet wurden, riecht es interessant", merkte er dabei an.

Kretin!

„Tisch ist gedeckt und bereit. Und, wie du bestellt hast, habe ich Hunger", meldete Nick, als er wieder zurückkehrte in die Küche.

„Dann kanns ja losgehen." Monroe öffnete die Ofentür erneut und griff hinein. „Hier ist er! Der beste Sauerkrautauflauf jenseits Deutschlands!" meldete er und richtete sich, die gläserne Auflaufform in den behandschuhten Händen, wieder auf. Er drehte sich zu Nick um, ein Lächeln auf den Lippen. Und dann … kippte der Blutbad einfach um und blieb still liegen. Er hörte nicht mehr das Klirren, als die gläserne Form auf dem Boden zerbrach, ebensowenig wie Nicks entsetzten Ruf.