Disclaimer: Grimm gehört NBC, Universal, GK Productions, Hazy Mills Productions und Open 4 Business Productions. Mir nix.

A/N: Ein kleiner, zugegeben fieser Gedankengang zum Thema „was wäre wenn". Eine AU zu 1.08 Game Ogre. Was wäre wenn Juliette tatsächlich, wie Nick es ihr gesagt hatte, das Haus verlassen hätte anstatt in die Küche zu rennen? Ich ignoriere hier, daß Oleg Nick als Grimm erkannt hat – zunächst!

Zeit: Innerhalb 1.08 Game Ogre, allerdings AU


Alles war verschwommen, als Nick wieder zu sich kam. Er brauchte einen Moment, ehe er begriff, daß Blut wohl in seine Augen gelaufen war und nun seine Sicht verschleierte. Er hustete, verzog daraufhin sofort das Gesicht vor Schmerz und versuchte sich zu orientieren.

Wohnzimmer, er war noch immer im Wohnzimmer.

Er hustete wieder und spuckte schließlich einen Blutklumpen aus, während er sich mühsam herumrollte.

Jeder Knochen in seinem Leib schien zu schmerzen, und offensichtlich nicht nur die Knochen. Seinen linken Arm konnte er gar nicht bewegen, den rechten nur mühsam. Sein Kopf schmerzte, das Atmen fiel ihm schwer und ihm war noch immer schwindlig.

Mühsam setzte er sich auf, hielt den Kopf gesenkt und lehnte sich mit dem Rücken gegen das verschobene Sofa.

Nur allmählich kamen ihm die letzten Ereignisse wieder in den Sinn: Oleg Stark, der durch das Eßzimmerfenster brach und ihn angriff. Er selbst, der sich nicht gegen den so viel größeren und kräftigeren Mann verteidigen konnte. Seine Waffe, die irgendwo in den Trümmern der Einrichtung liegen mußte. Und … Juliette!

Nick hob ruckhaft den Kopf und mußte wieder blinzeln.

„Juliette ..." keuchte er, versuchte auf die Beine zu kommen, doch seine Knie waren zu weich. Er sank auf den Boden zurück und kämpfte gegen den Brechreiz. Da hörte er die Schritte.

Nicht Juliettes leichte Schritte, die er überall wiedererkannt hätte, nein. Schwere Schritte von schweren Arbeitsstiefeln.

Nick schluckte.

Stark war noch immer hier. Und wenn der Riese, oder was immer er auch sein mochte, noch in seinem Haus war, war er, Nick, noch immer in akuter Gefahr. Er brauchte etwas, womit er sich verteidigen konnte.

Er öffnete die Augen wieder, sein Blick irrte suchend über die Trümmer des Mobiliars, der Scherben, der umgeworfenen gerahmten Fotos auf der Suche nach seiner Waffe. Dabei sah er Stark, wie der einfach die Kordel eines der Vorhänge im Wohnzimmer herunterriß.

Nick schluckte wieder, mühsam beugte er sich vor und versuchte, wenn er schon nicht aufstehen konnte, so doch zumindest irgendwo in Sicherheit zu kriechen.

Er mußte von Stark weg! Am besten gestern und am besten ans andere Ende des Kontinents. Solange er in einem Haus mit dem Ausbrecher war war die Gefahr groß, daß dieser ihn schließlich doch erkennen würde. Nick hatte die drei anderen Leichen gesehen, die Oleg Stark auf seinem Rachefeldzug hinterlassen hatte. Er hatte kein Verlangen danach, die Nummer vier zu werden.

Doch weit kam er nicht, ehe die große Hand des gewaltigen Mannes ihn im Nacken packte und hochriß.

Nick ächzte vor Schmerz und wand sich in dem festen Griff, was Stark allerdings so gar nicht zu stören schien.

Deutlich sanfter als bisher, dennoch immer noch voller zerstörerischer Kraft warf er den kleineren Nick aufs Sofa und beugte sich über ihn.

Nick fühlte, wie die Tasche für seine Handschellen geöffnet wurde.

„Scheiße!" ächzte er und versuchte sich irgendwie wegzuwinden. Doch Stark war genau das für Nick: zu stark!

Er fühlte sich wie ein kleines Kind, daß sich irgendwie gegen einen Erwachsenen zur Wehr setzen mußte. Da sein linker Arm ihm ohnehin nicht mehr gehorchen wollte, war es für Stark ein leichtes, seine Rechte zu greifen und auf den Arm auf den Rücken zu verdrehen, bis Nick glaubte, auch dieser Arm werde ausgekugelt. Schmerzerfüllt stöhnte er, während er das kalte Metall an seinem Handgelenk fühlte. Mit einem metallischen Ratschen rastete das Schloß der Schelle ein und Nicks Hände waren auf seinen Rücken gefesselt.

Stark riß ihn wieder auf die Füße und schleppte ihn in Richtung Haustür.

Was hatte er mit ihm vor?

Nicks Herz krampfte sich zusammen vor Angst. Es war wirklich das erste Mal, sowohl seit er Polizist geworden war und erst recht, seit seine Grimmkräfte erwacht waren, daß er um sein Leben fürchtete.

Hätte er sich doch an Monroe gewandt! Vermutlich wußte der Blutbad wesentlich besser als er, was das hier für ein Wesen war und wie man es bekämpfte.

Stark schleppte ihn einfach aus dem Haus hinaus.

Nick hatte erwartet, daß er beginnen würde wie am Spieß zu brüllen, hatte er einmal die Schwelle überschritten. Aber er konnte nicht. Nicht nur, daß er kaum genug Luft zum Atmen hatte, er fürchtete wirklich um die Nachbarn und daß Stark am Ende noch Amok laufen würde.

Der gewaltige Mann schleppte ihm zu einem Pickup, riß die Beifahrertür auf und drängte Nick in den Wagen, allerdings nicht auf den Beifahrersitz. Sondern in den Fußraum. Alles Winden und sich Wehren brachte dem Grimm nichts, er wurde mehr oder weniger in den Wagen geworfen. Dann nahm Stark sich die Zeit und fesselte Nicks Knöchel mit der abgerissenen Kordel, holte schließlich noch einen von Juliette Schals aus einer Jackentasche und verband Nick damit die Augen.

Der junge Grimm hörte, wie sich die Beifahrertür schloß. Immer noch mit den Schmerzen kämpfend versuchte er sein Handy zu erreichen, daß, wie immer, in seiner Hosentasche steckte. Da hörte er die Fahrertür und fühlte, wie die andere Seite des Wagens sich neigte, als Stark einstieg. Unwillkürlich beschleunigte Nicks Atem sich, sein Herz schlug hart gegen seine Rippen.

Was hatte Stark mit ihm vor? Wohin brachte er ihn?

Der Motor sprang an, dann fühlte Nick einen deutlichen Ruck, als der Pickup losfuhr.

„Was … was wollen Sie von mir?" flüsterte er endlich heiser und kurzatmig.

„Klappe!" kam sofort die Antwort. „Sei still, dann passiert dir erst einmal nichts."

Nick biß sich auf die Lippen.

Juliette. Wo war sie?

Er erinnerte sich, daß sie ihn gerufen hatte, er erinnerte sich auch daran, daß er ihr befahl zu verschwinden, damit Stark sie nicht auch noch in die Finger bekam. Aber dann … ?

Nick war es, als habe Juliette sofort das Haus verlassen. Das einzige, woran er sich wirklich noch erinnerte war die Unterseite von Starks Stiefel, die auf sein Gesicht niedersauste.

Er mußte das Bewußtsein verloren haben nach dem Tritt. Würde erklären, warum er auf dem Boden aufgewacht war vor ein paar Minuten.

Aber was war dazwischen passiert? War Stark Juliette nach? Hatte er sie getötet? War sie entkommen?

Und das wichtigste im Moment: hatte Stark ihn als das erkannt, was er war? Stark hatte vor ihm sein wahres Gesicht gezeigt, das bedeutete üblicherweise, daß er ihn umgekehrt als Grimm erkannt haben sollte. Nick war sich aber nicht sicher. Alles war so schnell gegangen ...

Sein Handy sprang an. Nick zuckte zusammen, als es plötzlich losklingelte.

Konnte er es wagen? Würde er überhaupt an das Gerät herankommen?

Der Pickup wurde angehalten. Nick kroch tiefer in das Fußabteil hinein, fühlte sich aber gleich an den Haaren wieder unter dem Handschuhfach hervorgezogen. Grobe Hände tasteten über seine Jeans, dann zog Stark das iPhone aus seiner Tasche. Das Klingeln verstummte.

Mit einem unverständlichen Grummeln fuhr Stark wieder los, und Nick fühlte, wie die Hoffnung in ihm sterben wollte …


Monroe legte sein Telefon zur Seite und runzelte die Stirn.

Komisch, er hatte eigentlich geglaubt, daß Nick sich wegen weiterer Details zur Geschichte der Uhr melden oder zumindest auf ein Bier vorbeikommen würde, um ihn auf den Laufenden zu halten. Als beides nicht passierte hatte er kurzentschlossen die Nummer des Grimms gewählt. Der Ruf war durchgekommen. Es hatte mehrmals geklingelt, ehe die Leitung dann plötzlich auf Mailbox umschaltete.

Monroe wußte nicht warum, aber er hatte ein ganz schlechtes Gefühl bei der Sache. Ein paar Nachforschungen hatten ergeben, daß es heute im Laufe des Tages einige unschöne Zwischenfälle gegeben hatte in der Menschen- wie in der Wesenwelt. Monroe hatte, als er einkaufen gegangen war, gehört, daß sich ein Oger in Portland herumtreiben sollte. Ein Oger und ein Grimm in der gleichen Stadt, dazu wohl einige Leichen, keine gute Mischung.

Monroe war unruhig.

Wenn wirklich ein Siegbarste Portland unsicher machte, wie er gehört hatte, dann wollte er besser nicht in Nicks Haut stecken. Früher oder später würden die beiden sich notgedrungen gegenüberstehen, dafür sorgte schon allein Nicks Job als Polizist.

Monroe betrachtete nachdenklich sein Handy, sein sorgsam bereitetes Abendessen nahm er gar nicht wahr.

Schließlich entschloß er sich. Er hatte schon vor einer Weile herausgefunden, wo der frischgebackene Grimm wohnte. Also würde er sich dort einmal umsehen.

Monroe schaltete das iPod aus, stand auf, ließ den Teller und das Weinglas unangerührt und schnappte sich statt dessen Jacke und Autoschlüssel.

Kurz darauf dann tuckerte er in seinem altten VW-Käfer die Straßen hinunter auf dem Weg zu Nicks Haus.

Kaum war er schließlich in die Lane eingebogen, in der das Haus stand, fielen ihm die ganzen blinkenden Lichter vor einem der Häuser auf.

Monroes Herz wollte stehenbleiben, als er die Hausnummer erkannte. Das war Nicks Haus!

Der Blutbad hielt den Käfer an und starrte die Einfahrt hinauf. Was er von hieraus sehen konnte sah auch wie ein Schlachtfeld. Die Haustür hing schief in den Angeln, der Blick auf den Raum dahinter lag frei und Monroe konnte einen umgestürzten Tisch sehen.

Er brauchte Gewißheit und kurbelte das Fenster herunter, streckte seine Nase heraus und nahm einen tiefen Zug Abendluft.

Unverkennbar Grimmduft. Nicks Eigengeruch war für ihn so deutlich lesbar, daß er sich wieder einmal wunderte, warum die doch reiche Wesengemeinde Portlands nicht schon komplett über den Neuzugang informiert war.

Aber da waren noch andere Gerüche in der Luft. Ein schwerer Duft schien direkt mit Nicks zusammenzuhängen. Einen Geruch, wie Monroe ihn nur einmal wahrgenommen hatte in seinem Leben. Als er selbst noch ein Kind gewesen war und dieser Siegbarste den Vater seines besten Freundes zu Tode prügelte in dessen eigener Garage.

„Bitte fahren Sie weiter, Mister. Hier gibt es nichts zu sehen", riß eine ihm fremde Stimme ihn aus seinen Gedanken.

Monroe blickte auf und blinzelte, als er direkt in den Strahl einer Taschenlampe sah. „Könnten Sie das Licht runternehmen?" fragte er, seine Augen mit einer Hand schützend.

„Das ist doch ..." hörte er eine andere, ihm bekannte Stimme, eilige Schritte näherten sich ihm. Als er endlich wieder aufsah, sah er zum einen einen ihm unbekannten Asiaten in Polizeiuniform und der besagten Taschenlampe in der Hand bei seinem Wagen stehen, neben ihm aber … Hank Griffin, Nicks Partner.

„Detective Griffin", begrüßte Monroe den Afroamerikaner.

„Was machen Sie hier?" verlangte der sofort zu wissen.

„Ich äh ..." Monroe sah zum Haus hinauf, in dessen Inneren gerade eine hochgewachsene Gestalt mit auffälligem Profil verschwand. „Ich wollte eigentlich Nick die Informationen über die Uhr zukommen lassen. Nur für den Fall", erklärte er dann. „Wissen Sie, ich habe noch einiges mehr herausgefunden."

Griffin stützte sich mit einer Hand am Fensterrahmen des Käfers ab. „Nick ist nicht hier", sagte er schließlich ernst.

Monroe sah wieder zum Haus „Was ist passiert?" fragte er.

In Griffins Gesicht arbeitete es. „Sieht aus, als habe unser Verdächtiger zugeschlagen. Nicks Lebensgefährtin hat von einem der Nachbarn aus den Notruf angerufen. Die Zeit allerdings hat der Verdächtige dann wohl genutzt, um Nick zu entführen", erklärte er schließlich.

Monroe sah nicht zum ersten Mal, wenn jemand etwas sehr persönlich nahm. Und dieser Hank Griffin nahm gerade etwas sehr persönlich.

„Warum sollte jemand Nick entführen?" fragte er.

Griffins Augen wurden hart. „Um sich an mir zu rächen!" stieß er hervor. Irgendetwas riß ihn in die Gegenwart zurück und er richtete sich auf. „Es wäre besser, wenn Sie jetzt wieder fahren, Mr. Monroe. Die Informationen können Sie auch mir geben."

Monroes Blick glitt wieder zum Haus hinauf.

Wenn der Geruch des Siegbarste bedeutete, daß der Verdächtige von Nick und Griffin eben dieser Siegbarste war, dann war Nick in akuter Lebensgefahr!