Kapitel 14

John schreckte von seiner Liege hoch. In der offenen Tür stand eine Person. Als er im Halbdunkel Riley erkannte, lies er die Waffe, die er automatisch gezogen hatte wieder sinken, genau so wie seinen Kopf. Stumm sah er Riley an, deren Gesicht im Schatten lag.

Riley zögerte, trat aber dann doch ein und schloss die Tür. Nur sehr wenig Licht drang vom halbdunklen Gang durch die Fenster des Raumes. Sie ging langsam bis zu seiner Liege und sah dann auf ihn hinab.

„Sags ruhig. Was immer Du auch zu sagen hast. Heute ist der Tag.", sagte er leise und starrte zu ihr auf.

Riley zögerte noch. „Du kannst mir auch Alles sagen, das weißt Du".

John schwieg. Was hätte er auch sagen sollen. Dass er dämlich war und sich vielleicht die letzte Chance mit Cameron verdorben hatte... So viel Mut es auszusprechen hatte er aber nicht.

Seufzend lies sich Riley auf den Boden nieder und lehnte sich mit dem Rücken in der Mitte gegen die Liege. „Ich verstehe Es", sagte sie nach einer Weile.

John sah auf ihr Profil „Was verstehst Du?"

Riley drehte den Kopf und sah ihn an. „John Connor zu sein ist einsam", sagte sie nachdenklich. „Du bringst jeden den Du magst in Lebensgefahr".

John schwieg. Er wusste dass sie Recht hatte.

Riley hatte wieder nach Vorne gesehen und drehte nun erneut den Kopf. „Cameron kann mit diesen Gefahren umgehen. Sie ist kugelfest".

John Schüttelte leicht den Kopf. „Du weißt nicht wie falsch Du liegst", sagte er leise. „Sie ist alles Andere als unzerstörbar. An meinem Geburtstag hätten wir sie fast verloren... hätte ich sie fast verloren", fügte er noch leiser hinzu. Sie kann mit den Gefahren umgehen. Allerdings wagt sie zu viel. Das ist aber nicht der Grund..."

„... aus Dem Du sie liebst?" Beendete Riley den Satz, als er nicht weiter sprach.

Jetzt nickte John. „Ich hab mich in sie verliebt, bevor ich wusste wer sie war. Selbst als sie mich töten wollte hab ich sie beschützt".

Riley starrte ihn an. „So sehr?" War alles was sie fragte.

John seufzte. „Ich weiß es ist verrückt aber...". Wieder fehlten ihm die Worte. Er zuckte nur mit den Schultern. Dann richtete er sich auf seinen Ellenbogen auf. „Nachdem sie mich töten wollte sagte Sie mir, dass mir die Leute nicht mehr vertrauen würden, weil ich mein Leben für sie riskiert habe. Am nächsten Tag bist Du aufgetaucht. Möglicherweise ist das eine Folge davon".

Riley runzelte die Stirn. „Wie meinst Du das?"

„Alles was wir hier in der Gegenwart tun verändert die Zukunft. Nachdem wir damals Cyberdyne zerstört hatten hat sich der J-Day um Jahre verschoben und als ich Cameron gerettet habe hab ich möglicherweise selbst dafür gesorgt, dass Jesse in die Vergangenheit reist und Dich mitbringt um uns zu trennen", versuchte er zu erklären.

Riley kratzte sich am Kopf. „Wenn man darüber nachdenkt könnte man verrückt werden"

„Willkommen in meiner Welt", sagte er mit einem Auflachen.

Minutenlang hingen Beide ihren Gedanken nach.

„Du hast immer nur sie geliebt, oder? Für mich war da nie Platz", fragte Sie schließlich in die Stille.

Er lies sich wieder zurücksinken. „So war das nicht. Eine Zeit lang habe ich wirklich gedacht Du wärst die Richtige für mich".

„Ja, wirklich?" Fragte sie ehrlich erfreut.

„Ehrlich", entgegnete er.

„Und was tun wir jetzt?" Fragte sie interessiert. „Wie willst Du Sie zurückzugewinnen?"

Er setzte sich auf. „Du willst mir helfen?"

Riley stützte sich mit beiden Händen am Rand der Liege ab, stemmte sich hoch und lies sich nach hinten gegen die Wand sinken, an der John lehnte.

„Du hast mich da raus geholt, obwohl Du damit gegen Camerons …... Wünsche handeln musstest und dann hast Du noch dieses Schauspiel inszeniert, um mich zu schützen". Riley nickte. „Ich denke, ich schulde Dir was".

John blickte sie einige Sekunden von der Seite an. Dann schüttelte er den Kopf. „Du schuldest mir Nichts. Im Gegenteil. Ich bin Schuld, dass Du erst in diese Lage gekommen bist".

Riley starrte kurz nach Vorne, dann sah sie ihn an. „Machst Du das immer?"

Er sah sie wieder an. „Was meinst Du?"

„Die Schuld bei Dir selbst zu suchen", entgegnete sie und boxte ihm leicht gegen die Schulter.

John lächelte kurz, seufzte schließlich und sah auf seine Knie. „Aber ich habe Schuld. Meinetwegen sind so viele gestorben. Schon vor meiner Geburt wurde... wurde der Soldat getötet, der meine Mutter vor einer Maschine beschützt hat. Dann... dann wurden meine Pflegeeltern von einer weiteren Maschine getötet. Also..." Nun drehte er den Kopf und sah sie im Halbdunkel wieder an. „...also ja, es ist meine Schuld".

Riley dachte einen Moment nach. „Diese Leute sind nicht Deinetwegen gestorben. Sie sind für Dich gestorben".

John schüttelte den Kopf. „Das sagen meine Mom, Derek und selbst Cameron auch. Für mich macht das aber keinen Unterschied".

Riley dachte erneut über seine Worte nach. „Doch", sagte sie schließlich. „Genau das macht den Unterschied. Das ist der Unterschied, zwischen Dir und den Anderen. DU gibst immer zuerst DIR die Schuld. Deshalb wirst DU auch gegen Skynet gewinnen und deshalb hast DU auch verdient glücklich zu sein. Deshalb..." Sie hob die Hand und streichelte seine Wange. „... deshalb hast Du es verdient Cameron lieben zu dürfen." Riley beugte sich zu ihm und küsste John auf den Mundwinkel. „Und genau deshalb …...helf ich Dir".


Kapitel 15

Naomi merkte erst dass Etwas nicht stimmt als Sarah plötzlich in Schweiß ausbrach und anfing sich unruhig zu bewegen. Sie beobachtete wie sich Sarahs Gesicht offenbar entsetzt verzog.

Längst schon hatte Naomi Sarah liebevoll in ihre Arme gezogen, streichelte ihren Kopf und sprach leise, beruhigend auf sie ein. „Schhhhhh Mom, Alles ist gut." Trotzdem wurde Sarah immer unruhiger bis sie sich schließlich aufbäumte und einen Schrei ausstieß.

„NEIN!"

Sarah hatte die Augen aufgerissen und starrte vor sich. Dann erst drehte sie den Kopf und sah Naomi an. Es dauerte mehr als 10 Sekunden, bis sich Sarahs Atem auf ein normales Niveau reduziert hatte.

Naomi sah, wie Sarah langsam die Hand hob. Wie in Zeitlupe näherte sich die Hand ihrem Gesicht. Dann berührte die Hand ihre Wange und Naomi schloss die Augen. Im nächsten Moment erhielt sie einen Stoß, der sie aus dem Bett auf den Boden beförderte. Als sie sich enttäuscht wieder aufrichtete sah sie Sarah die mit wütendem Gesicht auf die Tür zeigte.

Sarah sah wie Naomi sich aufrappelte. Sie glaubte sogar Tränen in ihren Augen zu sehen. Die Farbige stürmte hinaus und warf die Tür mit lautem Knall hinter sich zu.

Weinend rannte Naomi durch den Gang an dem verwundert aus seiner Tür blickenden Derek vorbei und in Sarahs Zimmer brach diese gerade in Tränen aus und rollte sich schluchzend zu einem Ball zusammen.

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Nachdem Riley gegangen war saß John noch lange in der Dunkelheit und dachte über das nach was sie gesagt hatte.

Riley hatte ihm gesagt, dass er Cameron lieben durfte. Dass sie es versteht. Er fragte sich, warum die Anderen das nicht verstehen konnten. Vor Allem seine Mom würde dagegen sein aber auch Widerstandskämpfer wie Jesse. John wusste nicht, ob er in der Lage sein würde den Leuten klar zu machen, dass Cameron anders war.

Dann fiel ihm Derek ein. Wie sehr dieser sich verändert hatte und Cameron nun zumindest tolerierte. Allerdings war er auch sein Onkel also zählte er eigentlich nicht.

Aber... es war ein Anfang.

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Sarah stand unter Schock. Ihr nackter Körper war nass vor kaltem Schweiß. Und sie hasste sich dafür. So fühlte sie sich auch immer, wenn in ihren Träumen John getötet wurde. Kalter Schweiß und der Puls raste. Sie hasste sich dafür, weil sie für eine Maschine ähnliche Gefühle hegte wie für ihren Sohn.

'Wie konnte ich das Ding nur so weit zu mir durchdringen lassen', dachte sie wütend auf sich selbst.

Fast wäre ihre Maske gefallen. Sie hatte einen kurzen Moment Erleichterung zugelassen, bevor sie die Maschine weggestoßen hatte.

Und... es tat ihr auch noch leid.

Sie kniff die Augen zusammen und schüttelte den Kopf.

'Ich bin krank', dachte Sie verzweifelt. 'Ich bin so geschwächt, dass ich nicht mehr klar denken kann. Das und weil John nicht bei mir ist...'

Ihr Gedankengang brach ab, als sich eine Hand auf ihre Schulter legte.


Kapitel 16

„Es ist keine Schande Gefühle zu zeigen", sagte eine Stimme.

Erschrocken drehte Sarah den Kopf und zog sogleich die Decke enger um ihren nackten Körper. „Derek?" Fragte sie entsetzt. „Wovon zum Teufel redest Du?"

Derek lachte leise, brach aber ab, als er das wütende Funkeln in ihren Augen sah. Er wies mit dem Daumen über seine Schulter. „Ich rede von dem tränenüberströmten Blechhaufen da draußen. Wenn sie nicht schon braun wäre würde man sicher den Rost auf den Wangen sehen".

Das wütende Funkeln in Sarahs Augen wurde intensiver. „Was redest Du für einen Blödsinn. Was hat das mit Gefühlen zu tun?"

„Na ja...". Er kratzte sich am Kopf. „...ich meine, es ist ok, dass Du auf die Maschine wütend bist. Wenn Du willst können wir sie jederzeit los werden".

Das böse Funkeln verschwand für einen kurzen Augenblick aus Sarahs Augen und machte einem entsetzten Ausdruck platz. Es dauerte nur eine Sekunde aber Derek hatte damit gerechnet, so dass er es sah.

„VERSCHWINDE SOFORT AUS MEINEM ZIMMER!" Schrie Sarah plötzlich los und versuchte ihn zu schlagen.

Der kampferprobte Derek Reese wich dem Schlag aus und zuckte zurück. „Du weißt wo Du mich findest falls Du doch...", Derek brach ab und wirbelte herum als Sarah zu ihrem Wecker griff. Mit einem Grinsen im Gesicht flüchtete er aus dem Raum, die Tür hinter sich zuwerfend, an der eine Sekunde später der Wecker zerschellte.

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Naomi saß auf draußen auf der Vortreppe. Beide Hände umklammerte den Pfosten des Geländers und hinterließen tiefe Abdrücke. Ihr tränenüberströmtes Gesicht lehnte gegen den Pfosten oberhalb ihrer Hände.

„Sie mag Dich".

Naomi hatte bemerkt, dass sich Derek Reese neben sie gesetzt hatte. Allerdings ignorierte sie ihn erstmal. Erst als er sie ansprach sah sie kurz zu ihm. „Was geht Dich das an?"

„Oh, es geht mich etwas an. Wir kämpfen hier gegen einen übermächtigen Feind da können wir keine Auseinandersetzungen untereinander gebrauchen. Ich hab nichts dagegen wenn Du Dich an ihren Rockzipfel hängen willst aber steh ihr nicht im Weg".

Nun blickte Naomi mit geröteten Augen zu Derek. „Ihr im Weg stehen?"

Derek sah nach vorne auf die Wiese vor dem Haus. „Emotional. Wir können keine Sarah Connor gebrauchen, die von ihren eigenen Gefühlen so abgelenkt ist, dass sie nicht mehr weiß worum es geht".

„Gefühle?" Fragte Naomi traurig. „Sie ist doch nur wütend auf mich. Wütend ist sie doch immer".

Derek lachte kurz auf. „Deshalb liegt sie heulend in ihrem Bett was?"

Naomi sah ihm wortlos zu, als er sich erhob und ins Haus ging.

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Als John den kleinen Lesesaal betrat, den die Maschinen zu ihrem Hauptquartier erkoren hatten telefonierte Cameron gerade.

John ging an den Tischen vorbei und besah sich die Dokumente, Fotografien und Landkarten.

Cameron beendete das Gespräch und wandte sich an Suzie und Riley, die sich leise unterhalten hatten. „Der T1001 ist …... dankbar", sagte sie zögerlich. „Er war in der Lage Savannah Weaver vor dem T888 zu schützen".

„T1001?" Warf John fragend ein.

Cameron sah kurz zu Suzie und wandte sich dann ab.

Suzie hatte den Wink verstanden und sah zu John. „Ein Flüssigmetall Terminator, der auf unserer Seite steht. Er hat die Rolle von Catherine Weaver eingenommen, die mit ihrem Mann zusammen bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben gekommen ist. Die Beiden haben eine Tochter... Savannah...".

„Moment mal", unterbrach John sie. „Heißt das etwa, dass eine Maschine ein Kind großzieht? Warum? Warum die Kleine nicht einfach in ein Internat abschieben oder ganz verschwinden lassen?"

Suzie zuckte mit den Schultern. „Das wissen wir nicht. Nur, dass diese Maschine eine Künstliche Intelligenz entwickelt".

„Skynet?" Fragte John alarmiert.

„Nein, zumindest nicht in unserer Zeitlinie", entgegnete Suzie. „Diese KI soll gegen Skynet kämpfen. Sie basiert auf dem gleichen... Basiscode wie Skynet".

„Woher stammt der Basiscode?" Fragte John verwundert.

Suzie, die schon mit dem technischen Begriff Probleme gehabt hatte zuckte hilflos mit den Schultern.

John dachte mit gesenktem Kopf eine Weile nach. Schließlich blickte er auf und sah zu Cameron, die aus dem einzigen Fenster starrte. Langsam ging er zu ihr.

„Cameron?" Fragte er dann leise auf eine Antwort hoffend.

Cameron zeigte lange keine Regung. Nichts deutete darauf hin, dass sie gewillt war John eine Erklärung zu geben.

John wandte sich seufzend ab.

„Sie lehren sie Moral, menschliche Werte, das menschliche Leben als wichtig einzustufen".

„Sie?" Fragte er neugierig.

Cameron wandte den Kopf. „James Ellison und Catherine Weaver".

„Ellison? James Ellison steckt da mit drin?" Fragte John aufgeregt.

Cameron nickte ein Mal. „Er hat ebenfalls Cromarties Körper ausgegraben und an Catherine Weaver übergeben. Sie benutzen ihn als Interface".

„Also doch", sagte John spontan. „Aber... sie entwickeln die Technik nicht zurück?"

„Nicht soweit wir wissen". Mit diesen Worten war das Gespräch für Cameron erledigt und sie sah wieder aus dem Fenster.

„Allerdings...", warf Suzie in diesem Moment ein. „... ist das Endoskelett über ein Kabel mit dem Computer verbunden. Damit die KI Mobil sein kann benötigt sie einen Chip. Da Skynet dazu übergegangen ist, die Chips der Terminatoren mit einem Selbstzerstörungsmechanismus ..."

„Suzie!" Unterbrach in diesem Moment Cameron. „Das ist jetzt unwichtig", fügte Cameron hinzu.

'Wenn Blicke töten könnten...' Dachte John als er den Blick sah, den Cameron Suzie zuwarf. Sogar ein leichtes blaues Leuchten war kurz sichtbar. 'Was da wohl hintersteckt?'

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10 Tage später.

Naomi stand am Küchenfenster, während Sarah am Tisch saß und über den Rand der Tasse hinweg die Maschine beobachtete. Derek hingegen grinste in sich hinein während er mit der Bierflasche in der Hand an den Türrahmen gelehnt die Beiden beobachtete.

Lange Minuten redete keiner der Drei ein Wort. Dann klingelte Naomis Handy.

Naomi identifizierte sich über eine Reihe von Tönen, die sie mit ihrem Stimmprozessor erzeugte.

Sarah hatte sich aufgerichtet. Wieder einmal war sie überrascht Naomi etwas nicht menschliches tun zu sehen.

Naomi hatte auf Camerons Code mit ihrem eigenen geantwortet. „Ja?"

„Verstehe. Das hat keine Zeit...?" Naomi sah zu Sarah „Einverstanden, wir werden da sein." Dann beendete sie das Gespräch.

Sarah hatte sich erhoben. Schnell hatte sie begriffen, dass etwas über ihren Kopf hinweg entschieden worden war. Wütend blickte sie Naomi an. „War das Cameron? Was habt ihr ausgeheckt?"

„Wir haben ein Treffen mit Weaver", sagte Naomi unbeeindruckt.