Hier ist meine neue FF. Die Idee kam mir schon vor Jahren als ich einen Song von Glashaus gehört habe (den Song verrat ich nicht...verrät zu viel über den Verlauf der Geschichte ;)). Danke an Bina, die mir an gewissen Stellen immer wieder geholfen hat und mir auch neue Ideen für den Verlauf der Geschichte gegeben hat...danke Sweety :)

Kapitel 1

Der Tag, an dem sich mein Leben grundlegend veränderte ist auf den Tag genau 2 Jahre, 6 Monate und 3 Tage her. Warum ich mich so gut daran erinnern kann? Ich weiß es nicht, aber wahrscheinlich, weil ich vorher nie etwas Gleichwertiges empfunden habe.

Oh, Entschuldigung. Das ist mir jetzt aber wirklich peinlich ich red' hier einfach drauf los, ohne mich richtig vorzustellen. Also ich heiße Lisa, eigentlich Elisabeth Maria, bin 27 Jahre alt, wohne in Kanada und habe einmal in Berlin gelebt, studiert und...Nein, dazu kommen wir später.
Damit ihr versteht, warum sich mein Leben vor gut 2½ Jahren so veränderte möchte ich euch nun meine Geschichte erzählen.
Wo soll ich nur anfangen.. Kindheit?...Schulzeit?...Hmm, ja das könnte passen. Wobei ER ja immer gesagt hat, dass es den perfekten Anfang sowieso nicht gebe...egal.
In den ersten Jahren meines Lebens bin ich in der DDR aufgewachsen. Das Dorf, in dem ich gelebt habe heißt Göberitz und liegt bei Berlin. ER nannte es damals immer Lisas kleine Märchenwelt, in dem einem sogar der gestiefelte Kater und Rotkäppchen auf der Straße oder in der Kaufhalle begegnen könnten. Außerdem meinte er immer, dass meine rosarote Brille diesen Eindruck noch verstärke und er wahrscheinlich auf einem weißen Schimmel angeritten kommen müsste um mich aus meinem holden Dachverließ zu befreien. Seltsamerweise war ich nie gekränkt, wenn ER das sagte, weil ich aus meinem tiefsten Inneren heraus wusste, dass ER es nie böse meinte oder mich damit aufziehen wollte, es ist halt einfach seine Art die Dinge zu sehen und ihnen einen Namen zu geben.
In der Schule hab ich immer zu den Besten gehört, was mir nicht unbedingt zu großer Beliebtheit verholfen hat. Außerdem waren meine rückblickend ziemlich unmodische Brille und meine Zahnspange auch nicht gerade hilfreich um in den Kreis der Oberen Liga aufzusteigen.
Nebenbei gesagt, was andere Frauen einen Tag nennen, an dem die Frisur nicht sitzt hatte ich bisher mein Leben lang, meine Haare wollten nie so, wie ich es wollte.
Aber trotz meines nun sagen wir mal nicht gerade vorteilhaften Äußeren hatte ich immerhin zwei sehr, sehr gute Freunde – Jürgen und Yvonne.
Wenn ich mich daran zurück erinnere, wie Jürgen und ich uns damals kennengelernt haben muss ich heute noch irgendwie schmunzeln auch wenn mir damals nicht gerade nach lachen zumute gewesen war. Ich hatte schon mit 4 Jahren meine erste Brille und nicht etwa eine schöne bunte, kindgerechte bei der die anderen Kinder nicht gleich anfangen dich zu hänseln, sondern das älteste und ungünstigste Modell, was es damals beim Optiker gab. Wenn ich heute die Fotos von damals sehe frage ich mich manchmal, wie meine Eltern mir bloß so etwas antun konnten. Jedenfalls war ich auch gezwungen sie an jenem Tag zu tragen, an dem Jürgen Decker meinen Weg kreuzte... Natürlich haben viele Kinder den Drang sich gegen Schwächere zu verbünden, gerade wenn es um die Dorfjugend ging, doch ich war ein besonderes Exemplar Marke "Friedfertig, Scheu und sich nicht wehrend" auf das es besonders Manfred Olchewski abgesehen hatte. Den ganzen Vormittag versuchten Manfred und sein Gefolge mir meine Brille mit gezielten Ablenkungsmanövern streitig zu machen, bis es ihnen nach dem Mittagessen endlich gelang, das rosarote Modell Marke "Lisa Plenske" in ihre Hände zu bekommen. Ich konnte schon damals recht wenig ohne mein zweites Paar Augen sehen und so tapste ich halbblind über den Hof und lief irgendwann gegen ein anderes Kind während Manfred und seine Freunde weiter ihren Spaß an mir hatten und immer wieder so taten als würden sie mir die Brille zurück geben wollen. Ich weiß nicht, woher fünfjährige Kinder so gemein sein können, aber wahrscheinlich hatte sich Manfred seinen älteren Bruder zum Vorbild genommen, der an der Spitze der so genannten "Dorfrebellen" stand und Schwierigkeiten praktisch magisch anzog und seine Freunde machten es ihm einfach nach. Jedenfalls war das besagte Kind, gegen das ich lief kein anderer als Jürgen Decker, der sofort sah in was für einer Misere ich mich befand. Kurz darauf hatte ich dann auch meine Brille wieder. Zwar waren die Gläser voller Fingerabdrücke, aber ich konnte wenigstens wieder etwas erkennen. So nahm ich dann auch wahr, wie der mehr als schmächtige Jürgen dem korpulenten Manni samt Gefolge drohte, dass beim nächsten Mal Jens Decker auftauchen und das Problem auf "seine Weise" lösen würde. Dazu sollte man wissen, dass neben dem Rebellen Olchewski die örtlichen Boxfreunde um Jens Decker den Ton in der Göberitzer Jugend angaben – sehr zur Freude von Jens' kleinem Bruder Jürgen. Tja, und kannte man einen Jürgen Decker und konnte sich sogar zu seinen Freunden zählen, kam man ebenfalls in diesen Genuss des besonderen "Personenschutzes".
Seit dieser Begegnung sind wir beide immer füreinander da, wir können uns hundertprozentig aufeinander verlassen und wissen wenn es dem anderen nicht gut geht. Ich bin glücklich, dass es Jürgen gibt, denn sonst hätte ich wohl einige Zeiten in meinem Leben nicht durchgestanden.
Yvonne hingegen hab ich damals in der 2. Klasse kennengelernt, als sie unsere Schule als "neuer Wirbelwind" beehrte. Ich glaub ihre Eltern sind aus dem tiefsten Sachsen nach Göberitz gezogen, weil ihr Vater bei uns in der LPG Arbeit bekommen hatte. Naja so ganz sicher bin ich mir dabei nicht mehr, aber wie und warum es Yvonne nach Göberitz verschlagen hat, ist ja auch egal. Hauptsache ist doch, dass sie da war und wir Freunde wurden. Jedenfalls redete sie gleich am ersten Tag soviel, dass ich kaum zu Wort kam und lud sich danach praktisch jeden Tag von selbst zu uns ein, dass eine Freundschaft für' s Leben praktisch besiegelt war. Yvonne wollte alles mit "Pepp" versehen, wie sie es nannte und inspirierte mich und Jürgen immer zu den absurdesten Ideen, denen ich mich dann kurz vor Torschuss meist doch entzog. Lisa Plenske war eben zu anständig und ängstlich um irgendwem Streiche zu spielen oder gar andere Dinge in Angriff zu nehmen. Erst recht nicht, wenn es um solche Dinge wie Liebe und Jungs ging, die im pubertären Stadium auch in meine kleine Fantasiewelt Einzug hielten. Man beachte, die Betonung liegt auf Fantasie, denn außerhalb meiner eigenen kleinen Welt, bekam ich nicht mehr als ein schüchternes "Hallo" heraus, wenn ein Junge sich mir näherte. Erst recht nicht, wenn es um Markus Schmidt ging - DEN Schulschwarm schlechthin. Ich glaube die Hefte die seinen Namen zierten könnten einem ganzen Dorf in der Mongolei einheizen. Auch wieder so eine Sache bei der ich heute schmunzeln muss und ER, nicht Daniel, würde es bestimmt wieder als 1a Beispiel für meine rosarote Brille anfügen. Yvonne machte es sich in dieser Phase meinen Lebens natürlich zur Aufgabe, der kleinen, vernebelten Lisa ihren Prinzen zu verschaffen - mit dem Resultat, dass Daniel sprichwörtlich in Flammen aufging, da ich bei der Gruppenarbeit im Chemieunterricht vor lauter Aufregung den Gasbrenner umstieß und seiner Lieblingsjacke damit das Leben nahm. Dass er mich danach mied, als wäre ich der Teufel in Person, verstand sich natürlich von selbst.
Jürgen versuchte danach mich aus meinem Tal der Tränen zu reißen, indem er mich mit dem Kapitän der Schach AG auf Göberitzer Expedition schickte - jedoch endete dies dann damit, das Johannes bei dem plötzlich aufkommenden Gewitter wie ein Kleinkind zu weinen anfing und ich uns aus dem Göberitzer Forst lotsen musste, während Johannes sich schmerzhaft an meinen Arm klammerte. Vielleicht liegt darin auch meine Antipathie gegen Schach begründet..
Jedenfalls, war man in unserer Dreierkonstellation, von Jürgen, Yvonne und mir, immer mit dem Code "Die 3 Musketiere" betitelt, nie allein...und hatte ehrlich gesagt auch nie die Chance dazu. Später kam laut Jürgen unser persönlicher D'Artagnan dazu.
Auch Yvonne hat mir in den letzten Jahren sehr geholfen und mich immer wieder aufgebaut, wenn mich der Mut oder etwas anderes verlassen hatte.
Wer weiß, wo ich heute ohne die beiden wäre...

Mein Abitur hab ich ziemlich gut bestanden...okay, ich bin ehrlich, auch wenn mir das ein wenig, nein sogar sehr unangenehm ist und ER bestimmt wieder lachen würde, weil ich im Moment total verlegen bin und schon merke wie sich wieder einmal meine Wangen knallrot färben, es war das Beste des ganzen Jahrgangs 2000 meines Gymnasiums. Eigentlich wollte ich nach dem Abi sofort studieren.
Ja, die Uni war schon immer mein ganz großer Traum. Ich wollte BWL mit Nebenfach Mathematik studieren und hatte sogar schon meine Zulassung, aber wie es so häufig im Leben ist kam es anders als gedacht. Meine Eltern konnten sich das Studium mit all seinen Kosten nicht mehr leisten, da mein Vater seinen Job verloren hatte und Mama auch nur so viel verdiente, dass es gerade so zum überleben reichte. Wir mussten zu dieser Zeit den sprichwörtlichen Pfennig dreimal umdrehen. Klar habe ich Unterstützung beantragt, BAföG wie diese Unterstützung so schön heißt. Ich hatte in solchen Sachen aber noch nie wirklich viel Glück und so auch dieses Mal...ich hätte grad mal so viel bekommen, dass es für das Mensaessen gereicht hätte. Warum? Das hab ich bis heute nicht verstanden.
So musste ich mich also für die nächsten Jahre von dem Traum zu studieren verabschieden und eine Lehre beginnen. Meine Eltern meinten es sei zu diesem Zeitpunkt das Beste für mich und so begann ich meine Lehre als Bürokauffrau in der Kreisverwaltung unseres Landkreises. Die Lehre machte Spaß und dort konnte ich beweisen, was ich drauf hatte. Trotz meines sehr guten Abschlusses wurde ich nicht übernommen und so bewarb ich mich nochmals mit neuer Hoffnung für das BWL-Studium. Ich wurde tatsächlich ein zweites Mal zugelassen. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen wie glücklich ich damals war. Sollte mein Traum vom Studium nun doch endlich in Erfüllung gehen? Durfte ich überhaupt davon träumen? Klar war da immer noch die Stimme im Hinterkopf, die mir immer wieder sagte, dass ich es sowieso vergessen könne, da ich mir das Studium nicht leisten konnte. Doch dieses Mal meinte das Schicksal es gut mit mir und ich bekam so viel BAföG, dass ich es mir endlich leisten konnte zu studieren...meinen kleinen Traum zu verwirklichen.
Trotzdem bewarb ich mich noch für eine Teilzeitstelle, denn ich wollte auch praktische Erfahrungen sammeln und nebenbei meine Eltern etwas unterstützen.
Ich schickte an die verschiedensten Firmen Bewerbungen und einige luden mich sogar zu Vorstellungsgesprächen ein. Doch sobald ich dort erschien waren all meine Referenzen, mein super Abi, die Lehre, die ich mit Auszeichnung bestanden hatte und auch meine ganzen freiwilligen Aktivitäten in der Gemeinde unwichtig. Es zählte nur noch mein Äußeres. Die Personalchefs sahen nur die dicke Brille, die Zahnspange, die ich mit 23 Jahren immer noch tragen musste, meine unbändigen Haare und meinen altmodischen Kleidungsstil. Letztendlich wurden dann immer die weniger qualifizierten Bewerberinnen genommen. Warum? Sie sahen super aus.
Jedoch die Firma, von der ich es am wenigsten erwartet hatte stellte mich dann tatsächlich ein. Es war Kerima Moda, eines der größten Modeunternehmenn Deutschlands.
Ihr könnt euch meine Verwunderung sicherlich vorstellen, als mir der Personalchef Max Petersen sagte, dass sie mich aufgrund meiner außergewöhnlich guten Referenzen als Assistentin des Juniorchefs einstellen würden. Ich, die graue Maus aus der Märchenwelt Göberitz wurde die Assistentin von David Seidel, dem Playboy der deutschen Modebranche. Erst sehr viel später wurde mir bewusst, dass ich nur zur Beruhigung seiner Verlobten Mariella von Brahmberg eingestellt wurde.
Tja, und wie sollte es anders sein ich, das Landei ohne jegliche Erfahrung in Sachen Liebe, verliebte mich in den Juniorchef.
Heute mit inzwischen fast 4 Jahren Abstand erkenne ich immer mehr, dass diese ganze angebliche Verliebtheit nie mehr war als eine Schwärmerei. Doch wie sollte ich das damals erkennen? Ich hatte mich doch außer für Daniel Schmidt vorher nie wirklich für Jungs interessiert. Es gab in der Schulzeit für mich immer nur meine Freunde und Bücher.
Ich liebe es nämlich zu lesen, dann kann ich mich immer in andere Welten träumen und Abstand von meinem Leben und all meinen Problemen nehmen. Es gibt kaum etwas tolleres als die in den Büchern beschriebenen Welten und Geschichten in meiner Phantasie Wirklichkeit werden zu lassen...außer IHN...Damals hab ich immer auf der Fensterbank in meinem Zimmer gesessen. Heute setze ich mich an den Strand in der Nähe von Victoria, der Hauptstadt vom westlich gelegenen British Columbia, und versuche mit der Hilfe meiner Bücher dem Alltag zu entfliehen. In letzter Zeit bin ich immer häufiger am Strand. Ich glaube es hat damit zu tun, dass dieser lebensverändernde Tag von dem ich am Anfang gesprochen habe demnächst 3 Jahre her ist.