kursiv bedeutet auf Englisch gesprochen

1. unfreiwilliger Gast

BÄÄÄM! Der Knall wurde von einem lauten Scheppern gefolgt. Mein Buch fiel mir aus der Hand und ich rannte entsetzt in die Küche. Ich hatte geahnt, dass es keine gute Idee sein würde IHN kochen zu lassen, aber er wollte ja unbedingt. Jetzt sah ich meine geliebte Küche schon in Einzelteilen vor mir. Ich sah einen Schatten vom Herd weghuschen. „Was zum Teufel hast du getan?", brülle ich ihn an. Entschuldigend sah er mich an und blicke dann zum Herd. Dort lag eine Keramikschüssel, oder besser deren Einzelteile, getränkt in Suppe. Ich seufzte lautstark auf, etwas übertrieben aber meiner Meinung nach gerechtfertigt. „Zum Kochen nimmt man einen Topf, wie diesen hier…", ich langte in ein Regal neben der Tür „Hast du wirklich noch nie einen Topf gesehen? Das kann doch nicht wahr sein!" Wieder nur ein entschuldigender Blick, er war mit der Gesamtsituation überfordert, so wie ich es auch war.

Vor zwei Tagen hatte ich ihn getroffen. Er sah nicht wirklich viel anders aus als jeder normale Student an unserer Universität aber dennoch stach er irgendwie aus der Menschenmenge hervor. Ich glaube es war sein gesamtes Erscheinungsbild, welches mir einfach so bekannt vorkam. Bei unserem ersten Treffen war ich in Eile und konnte ihn nicht ansprechen, als er jedoch am Abend etwas verloren auf der Bank bei der Bushaltestelle saß begann ich ein Gespräch. Na gut ich musste feststellen das er kein Wort verstand und mich nur verwundert anblickte. Nach einem kurzen „Sorry, what did you say? (Tschuldigung, was hast du gesagt?)" versuchte ich es auf Englisch erneut. Er wusste offensichtlich nicht wo er war oder wie er hier her gekommen war. Seinen Namen wollte er mir nicht sagen und als ich die Polizei rufen wollte um ihm zu helfen wurde er panisch. Da es schon recht kalt geworden war hatte ich ihm einen Schlafplatz angeboten, vielleicht nicht gerade die schlauste Idee einen wildfremden Mann mitzunehmen aber ich wollte ihm helfen.

Heute war Sonntag und eine Freundin, die noch nichts von meinem `Gast` wusste, wollte vorbeikommen. Um genau zu sein hatte ich sie eingeladen. Ich wusste jetzt wer der fremde Mann war, konnte es aber nicht ganz glauben und wollte ihre Meinung hören.

Aber nun musste ich erst einmal Ordnung in der Küche schaffen. Der junge Mann versuchte mir eifrig zu helfen jedoch schickte ich ihn nach knappen 40 Sekunden aus dem Raum. Er gab sich ja alle Mühe, sodass ich ihn nicht rausschmeißen würde, aber alles was er versuchte endete in einem Chaos. Diesmal hielt sich das Chaos ja noch in Grenzen und über die zerdepperte Schüssel konnte ich auch hinwegsehen. Gestern hatte er jedoch, beim Versuch mir beim Kuchenbacken zu helfen, ein ganzes Kilo Mehl in meiner Wohnung verteilt. Ich musste lachen, er war wie ein kleines Kind. Lange konnte ich jedoch nicht nachdenken oder aufräumen, es klingelte an der Tür.

„Yo, wie geht's Tamy!", wurde ich von meiner Freundin … begrüßt. „Soweit ganz gut. Du, ich hab ein kleines Prob…", setzte ich an. … hatte ihn entdeckt, es war ja auch wirklich naiv gewesen zu glauben er würde im Wohnzimmer bleiben. „Tamy… sag mir bitte dass ich mich vergucke. Da steht nicht wirklich Trafalgar Law in deinem Flur oder?"