So schnell ist der Sommer um. Der Herbst ist da, man kann sich mit einem Tässchen Tee oder was Vernünftigem vor den Kamin setzen und mal was richtig Gutes lesen. Passend dazu gibt's vom Rudel einen neuen Kalender! Diesmal nicht nur Harry Potter, denn das Rudel kann auch anders.
Ich beobachte diesen verrückten Viecherhaufen ja schon länger und ich muss sagen, es ist ein Rätsel! Wo kommen diese bekloppten Ideen nur her?
Egal, Ihr habt nun jede Menge tollen Lesestoff und in allen Geschichten kommt auch noch, völlig unentgeltlich, ein Rätsel vor.Ganz viel Spaß wünschen das Rudel und auch Euer rätselhafter Moderator!*prrrffffttttt*

Den Anfang macht Zuckerdrache mit einem Crossover, Harry Potter x Sherlock Holmes.

www. fanfiktion. de/u/Zuckerdrache

(Nehmt bitte die Leerzeichen nach www. und nach fanfiction. raus)

Crossover Harry Potter / Sherlock Holmes - Autor: Zuckerdrache
Genre: Mystery / Abenteuer – P12

Harry-Potter-Fandom:
Harry Potter, Zauberschüler in Englands altehrwürdiger Zaubererschule Hogwarts, wird während seiner gesamten Schulzeit vom bösen Zauberer Lord Voldemort verfolgt. Der hat schon Harrys Eltern getötet und will nun auch Harry vernichten, da Harry gemäß einer Prophezeiung sein Sargnagel sein soll. Harry entkommt immer wieder unbeschadet, denn er ist „der Junge der lebt." Zusammen mit seinen Freunden erlebt er viele Abenteuer, funkt dem Dunklen Lord und seinen Todessern immer wieder ins Handwerk, absolviert nebenbei noch seine Schulausbildung und macht schließlich nach sieben Jahren seinem größten Feind in der großen Schlacht um Hogwarts den Garaus.

Sherlock-Holmes-Fandom:
Wer kennt nicht den von Sir Arthur Conan Doyle erdachten britischen Privatdetektiv, der zur Zeit des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts in der Baker Street 221b in London lebt und gemeinsam mit seinem Freund und Helfer Dr. Watson im Auftrag ratsuchender Klienten ermittelt oder gar der Polizei beratend zur Seite steht? Wohl fast jeder hat schon mitverfolgt, wie er beobachtet, seine Schlüsse zieht und mit analytisch-rationalem Denken immer zu einem Ergebnis kommt, denn für ihn ist nichts unmöglich und die Logik führt ihn immer zu einer Lösung.

Summary:
Nach dem Krieg ist Harry Potter seiner Bestimmung gefolgt und ist Auror geworden, um auch weiterhin die Zaubererwelt von allem Bösen zu befreien. Auch wenn dort gerade keine allzu schlimmen Bösewichte mehr unterwegs sind und das ehemalige Goldene Trio jetzt ein recht beschauliches Leben führt, so geschehen doch hin- und wieder mysteriöse Dinge, die Harry unbedingt ergründen muss. Ein besonderer Film im Muggel-Fernsehen führt ihn, zusammen mit seinem besten Freund Ron auf die Suche. Eine Suche mit dem Ziel, ein Mysterium zu enträtseln. Aber kann wirklich jedes Rätsel gelöst werden?

Zwischen Himmel und Erde….

Sommerliche Hitze hielt London gefangen. Der Grimmauld Place Nr. 12 präsentierte sich dem Betrachter ruhig, mit geschlossenen Fenstern und heruntergelassenen Rollos. Harry Potter bewohnte, neben seinem Elternhaus in Godric's Hollow, das ehemalige Haus der Familie Black seit Ende des Krieges und hatte es sich inzwischen modern und wohnlich eingerichtet. Er lebte inzwischen auch nicht mehr alleine hier, denn wenn Ginny Weasley, seine Wieder-Freundin, nicht gerade mit den Hollyhead Harpies unterwegs war, teilte sie Tisch und Bett mit ihm. Heute allerdings war Ginny shoppen. Aber Ron war hier und es war einfach … Männertag.

„Hey Harry, bring noch Butterbier mit.", brüllte Ron seinem besten Freund hinterher. Der war gerade die Treppe zur Küche hinuntergegangen, um ihrem Nachmittagshunger mit einer Ladung Sandwiches etwas entgegenzusetzen. Mit einem riesigen Teller voll belegter Schnitten und dem gewünschten Getränk kam er wieder ins Wohnzimmer zurück.

„Hier Ron, dein Butterbier. Und weitere Nahrung für den knurrenden Magen. Kreacher hat wirklich Essen für eine ganze Armee vorbereitet."

Harry stellte den Teller und drei weitere Flaschen Butterbier vor sich auf den Couchtisch und drückte Ron sein Bier in die Hand. Der biss schon ins erste Sandwich, als sein Blick wieder auf die Schlagzeile des Tagespropheten fiel, den er eben genervt auf den Sessel neben sich geworfen hatte.

„Ich fass es einfach nicht, dass Hermine sich ausgerechnet das Frettchen ausgesucht hat."

Schnaubend setzte er die Bierflasche an. Mehrere Schlucke später wanderte sein fragender Blick zu Harry, der in aller Ruhe ein Sandwich aß und keinerlei Anstalten machte, seine Feststellung zu kommentieren.

„Wie findest du das?", setzte Ron nach und boxte Harry zur Unterstreichung seiner Frage in die Seite.

„Es geht nicht darum wie ICH das finde! Sie liebt ihn, er liebt sie und sie sind jetzt ein Paar. Wir haben uns alle geändert, Ron. Oder glaubst du Ginny wäre heute mit deiner Freundin shoppen gegangen, wenn die noch die Won-Won-Lavender von früher wäre? Vertrau' Hermine einfach."

Harry prostete seinem Freund zu und trank genüsslich von seinem Butterbier.

„Ihr vertrau ich ja auch, das weißt du. Immer. … Aber ihm?" Rons Augen drückten die Skepsis aus, die er mit Worten nicht weiter erläutern wollte.

„Ihm kannst du auch vertrauen, glaub' mir das. Er hat sich wirklich geändert.", versicherte ihm Harry bestimmt, ohne aber weiter darauf einzugehen.

„Dein Wort in Merlins Ohr.", seufzte Ron und griff sich die Fernbedienung des riesigen Flachbild-Fernsehers, den Harry seit geraumer Zeit sein Eigen nannte.

„Jetzt mach schon an.", animierte Harry seinen Freund ungeduldig und lehnte sich mit Bier in der linken und einem Sandwich in der rechten Hand locker in die Polster zurück, um auf den Beginn ihres Fernsehnachmittags zu warten. An der Erörterung privater Dinge war er heute wahrhaftig nicht interessiert.

Ron zappte wahllos durch die Programme, da ihm noch immer Hermine und ihr neuer Freund durch die Gehirnwindungen schoss. So achtete er nicht wirklich auf das, was in den einzelnen Sendern zu sehen war. Erst als Harry laut „Stopp, lass den Sender. Das ist Sherlock Holmes." ausstieß, registrierte er, was auf dem Bildschirm vor ihm geschah.

Er erkannte zwei Männer, gekleidet wie distinguierte Herren Anfang des 20. Jahrhunderts, die unweit einer verfallenen Hütte umherliefen. Einer der beiden, ein hoch aufgeschossener, schlanker Mann mittleren Alters, steckte sich gerade eine Pfeife zwischen die Zähne, zündete sie genüsslich an und musterte dabei mit gerunzelter Stirn das ziemlich heruntergekommen aussehende Holzhaus und die Umgebung drum herum.

„Seit wann schaust du so was?", fragte Ron ziemlich gelangweilt.

„Schon eine ganze Weile. Ich find' es cool wie Holmes seine Fälle löst. Detailgenaue Beobachtung, nüchterne Schlussfolgerungen, analytisch-rationales Denken. Und weitestgehend gewaltfrei. Ich hab genug Action während der Arbeit."

Harry grinste Ron an, widmete sich aber gleich wieder dem Film. Harry liebte seine Arbeit als Auror und die damit verbundene Aufregung. Aber in seiner Freizeit hatte er es lieber ruhig und gemächlich, was Ginny mitunter verzweifeln ließ. Bei Ron war es eher umgekehrt. Seit er sich dazu entschlossen hatte, den Beruf des Auror aufzugeben und bei seinem Bruder George im Scherzartikelladen groß mit einzusteigen, war sein Leben ziemlich ruhig geworden. Daher lechzte er in seiner Freizeit nach aufregenden Unternehmungen. Wozu dieser Fernsehnachmittag beileibe nicht gehörte. Das tat er gerade nur Harry zuliebe. Ron brummte etwas unleidig in seinen nicht vorhandenen Bart, nahm einen kräftigen Schluck aus der Flasche und griff sich ein weiteres Sandwich, während er versuchte, einen Einstieg in die Szene zu finden. Er kannte Sherlock Holmes durchaus. Schließlich war sein Vater ein Liebhaber von allen Muggeldingen, auch so mancher literarischen Erfindung. Zahlreiche Muggelbücher zierten die Regale im Fuchsbau. Dazu gehörte auch der eine oder andere Roman über Sir Arthur Conan Doyles Figur des brillanten Privatdetektivs.

„Bei meiner Seele, Watson!", sagte Holmes gerade mit fester Stimme, „Ich war so sicher, hier etwas zu finden. Aber man kann diesen erbärmlichen Verschlag ja nicht einmal betreten. Alles ist vernagelt und fest verschlossen. Ich weigere mich, mich einer Axt zu bedienen, was unabdingbar wäre, aber in Anbetracht der Ermangelung einer solchen sowieso unmöglich."
Der dunkelhaarige Mann zog regelmäßig an seiner Pfeife und entließ jedes Mal kleine Rauchwölkchen in seine Umgebung, während er mit langsamen Schritten die Hütte umrundete. Dr. Watson folgte ihm in gebührendem Abstand, nicht ohne hin und wieder Ritzen oder Öffnungen im Holz oder im Fundament zu untersuchen.

Harry stierte wie paralysiert auf den Bildschirm, fokussierte genau wie Holmes diese Hütte, die im Mittelpunkt seines Interesses stand.
„Ron, schau dir diese Hütte mal genauer an. Findest du nicht, dass die genauso aussieht wie die Heulende Hütte in Hogsmeade?"

„Was? Wie?"
Ron schreckte auf, als ihn Harry so rüde aus seiner gerade gefundenen Konzentration herausriss.

„Na die Heulende Hütte. Die sieht genauso aus. Schau doch mal, … da … der Weg nach Hogsmeade. Und da, schau dir das an … da im Hintergrund. Die für Muggel zu sehende Burgruine, hinter der sich Hogwarts verbirgt. Dumbledore hat mir mit einem speziellen Zauber mal gezeigt wie Muggel Hogwarts sehen. Das sah genau SO aus."

Harry war total aus dem Häuschen und setzte sich abrupt auf, rutschte an die Kante der Couch, lehnte sich etwas nach vorne und stützte abwartend seine Unterarme auf den Oberschenkeln ab. Fast schien es, als wolle er gleich in den Fernseher eintauchen, was lediglich der im Weg stehende Couchtisch verhinderte.

„Das muss die Heulende Hütte sein! Ron … jetzt sag doch auch mal was."

Ron saß inzwischen genauso neugierig in den Startlöchern wie Harry, denn einen magischen Ort in einem Muggelfilm zu entdecken, war mehr als Zufall. Normalerweise verhinderten spezielle Zauber, dass sich überhaupt ein Muggel in die Nähe einer magischen Einrichtung begab, weil es für sie einfach nicht von Interesse war, diesen Ort ansehen oder aufsuchen zu wollen. Deshalb war dies äußerst ungewöhnlich.

„Was ist los Watson?", sagte Sherlock Holmes in diesem Moment zu seinem Partner. Dieser beugte sich gerade am Fundament nach unten und musterte genauestens das Erdreich.

„Der Boden hat hier eine andere Farbe als das umliegende Erdreich. Und ist nicht so kompakt festgetreten. Hier könnte jemand etwas vergraben haben."

Watson richtete sich wieder auf und musterte Holmes mit fragender Miene.

„Was erwarten sie von mir, das ich jetzt tue, Watson? Graben? Ich müsste mich meiner Finger bedienen, was ich zweifelsohne nicht tun werde. Das sollen andere tun."

Die Antwort kam prompt.
„Wieso sind wir dann überhaupt hier her gekommen, Holmes? Das verschwundene Buch des Giftmischers hier zu suchen lag zwar nahe, da er da drinnen gestorben ist, aber wir haben weder Hilfsmittel, um hineinzukommen, noch um hier draußen nach etwas zu graben. Ich frage mich wirklich, was sie hier zu finden gedachten."

Dr. Watson war sichtlich ungehalten und die Tatsache, dass ihnen jeglicher Zugang zum Inneren der Hütte verwehrt blieb, machte seine Laune nicht besser. Er fuhr spielerisch mit einer Schuhsohle über die lockere Erde und schnippte etwas Erdreich mit der Schuhspitze davon, wischte aber sogleich wieder mit dem Fuß darüber, so dass alles bald wieder so aussah wie vorher. Holmes beobachtete dieses Vorgehen mit stoischer Ruhe, wobei man ihm ansah, dass er keinerlei Sinn in Watsons fragwürdigem Tun entdecken konnte.

„Watson, ich sammle Fakten. Fakten, die ich Inspektor Lestrade zur Verfügung stellen kann. Soll er doch seine geneigte Aufmerksamkeit der gewaltsamen Öffnung dieses Gebäudes widmen, inklusive der Untersuchung aller Nischen und Öffnungen. Das Erdreich nicht zu vergessen. Mir ein Bild zu machen war mein primäres Ziel. Die Ausführung der notwendigen Handlangerarbeiten überlasse ich lieber anderen, während ich mich der Findung weiterer Indizien widme."

Bei diesen Worten wanderte sein Blick direkt geradeaus, so dass Harry meinte, Sherlock Holmes spräche mit ihm. Die grauen Augen des Detektivs bohrten sich geradezu in Harrys, so dass er sich irgendwie angesprochen fühlte. Auch als Holmes verstummte und lediglich an seiner Pfeife zog, blieb sein Blick auf seine Zuschauer fixiert, was Harry so kribbelig machte, dass er aufsprang. Bevor er etwas sagten konnte, wechselte die Szene, weg von der Hütte, weg von Holmes und Watson, hin nach London in die Baker Street. Aber das interessierte Harry nicht mehr. Er wandte sich entgeistert an Ron.

„Bin ich jetzt reif fürs Mungos oder haben die da wirklich gerade über das verschwundenen Buch eines Giftmischers gesprochen, der in dieser Hütte gestorben ist? Und diese Hütte IST die Heulende Hütte, so wahr ich der Junge bin, der lebt. Das ist doch total verrückt, findest du nicht?"

Harrys Wangen waren etwas gerötet und man merkte ihm an, dass der Freizeit-Harry sich gerade anschickte, dem Auror-Harry das Zepter in die Hand zu geben. Ron war aber nicht weniger aufgeregt. Schließlich schrie das förmlich nach einem Abenteuer. Aber er war noch etwas skeptisch. Schließlich war das nur ein Film.

„Naja, verrückt ist das schon. Woher sollten erfundene Muggel in einem Muggel-Film von Snapes Tod in der Heulenden Hütte wissen? Und von was für einem Buch reden die da? Hatte Snape ein Buch, das für jemanden wichtig sein könnte? So wichtig, dass er es suchen lässt?"

„Snapes Zaubertränkebuch.", antwortete Harry wie aus der Pistole geschossen. „Da waren etliche Flüche und Tränke drin, die er zusätzlich reingeschrieben hat. Denk an den Sectumsempra. Und viele Verfeinerungen der beschriebenen Tränke, die er dadurch eindeutig verbesserte. Sowohl ins Positive, als auch … naja, harmlose Tränke, die plötzlich eine verheerende Wirkung hatten. Das Buch war auf geniale Weise … vervollständigt. Allerdings frage ich mich, was ein Muggel damit anfangen könnte. Aber wenn ein Zauberer dahintersteckt? … Wobei …"
Harry stockte kurz in seinem Redefluss.
„ … das Buch dürfte eigentlich gar nicht mehr existieren. Ich hab' es damals im Raum der Wünsche versteckt. Und seitdem nie wieder gesehen. Keine Ahnung ob es noch dort war, als der Raum in Flammen aufging. Aber es ist sicherlich mit verbrannt."
Harry kratzte sich am Kopf.
„Aber wenn es nun doch jemand gefunden und mitgenommen hat? Vielleicht sogar Snape selbst! Wenn es doch noch existiert? Und dann wurde es versteckt. Vielleicht in der Heulenden Hütte. Und jetzt lässt es jemand suchen. Ob ein Zauberer dahinterstecken könnte?"

Ron schnaubte.
„Ein Zauberer, der Muggelschauspieler nach Hogsmeade schickt, um dort einen Sherlock-Holmes-Film zu drehen? Du vergisst das Geheimhaltungsabkommen. Und du vergisst vor allem … DAS … IST … NICHT … ECHT … SONDERN … EBEN … EIN … FILM!", betonte Ron übertrieben langsam und tippte sich dabei mit einem Finger gegen die Schläfe.

„Hey, untersteh' dich, mir den Vogel zu zeigen. Ich weiß ja auch nicht was ich davon halten soll. Aber wenn es doch nun mal die Heulende Hütte war. Das kannst du ja wohl nicht abstreiten, oder?", konterte Harry etwas angesäuert.

Ein zaghaftes Nicken bestätigte aber doch Harrys Einschätzung. „Irgendwie würde mich auch interessieren, wie Muggel das geschafft haben, bei der Heulenden Hütte einen Film zu drehen. Sollten wir das nicht untersuchen Harry?"

Der nickte enthusiastisch. Der Instinkt des Aurors war eindeutig geweckt und die Bedächtigkeit, die Harry normalerweise am Wochenende an den Tag legte war verschwunden.
„Ja, das finde ich auch. Wir sollten der Sache nachgehen, Ron. So viele Zufälle gibt es gar nicht. Da ist irgendetwas Rätselhaftes im Spiel. Du willst doch immer Abenteuer. Also lass' uns dieses Wochenende nicht rumhängen, sondern einem Rätsel nachforschen."

Jetzt war auch Ron wie elektrisiert. Egal ob das nun totaler Humbug war oder nicht. Im Stillen fragte sich Ron nämlich schon, ob sie beide vielleicht am Vormittag etwas zu viel Zeit darauf verwendet hatten, in sengender Sonne den Garten zu entgnomen. Aber die Möglichkeit, den Tag auf andere Art und Weise zu verbringen, als vor dem Muggel-Televisionsgerät rumzuhängen, ließ ihn alle Bedenken über Bord werfen.

„Weißt du was? Lass uns nach Hogsmeade fliegen. Gut, dass ich meinen Besen neulich hier vergessen habe. Los, komm…", versuchte Ron Harry vom Apparieren abzuhalten.

Harry nickte nur und stürmte noch schnell in die Küche. Er packte einige Sandwiches und eine Thermosflasche mit eisgekühltem Kürbissaft in einen Rucksack, bevor er Ron in den Garten folgte. Der stand bereits, seinen Besen in der rechten, Harrys Besen in der linken Hand, da und wartete. Harry legte noch einen Ignorierzauber über sie beide, bevor sie dann den magisch vergrößerten Garten hinter Harrys Stadthaus fliegender Weise verließen.

Die beiden fühlten sich ungemein wohl auf ihren Nimbus 3000, seines Zeichens das neueste und schnellste Modell aus dem Hause Nimbus. Harry war seit Ende seiner Ausbildung sehr viel am Schreibtisch tätig und Einsätze wurden per Apparation oder Portschlüssel absolviert. Das Fliegen fehlte ihm genauso wie Ron, der nur noch auf dem Quidditchfeld des Fuchsbaus oder bei Harry in Godric's Hollow den Besen unter den Hintern klemmte, um mit seinen Brüdern, Ginny, Harry oder anderen quidditchbegeisterten Freunden das Spiel wenigstens ab und zu zu pflegen. Deshalb freuten sich beide über diese willkommene Möglichkeit, ihrem liebsten Hobby mal wieder ausgiebig nachzugehen.

Die beiden jungen Männer ließen sich die warme Luft um die Ohren wehen, die durch die Geschwindigkeit allerdings eine angenehm kühlende Wirkung hatte. Harry legte zudem regelmäßig rasante Sturzflüge ein, als würde er einem imaginären Schnatz hinterher jagen. Ron setzte dann seinen Flug in gleichmäßiger Bahn fort, huschte aber gleich wieder in Harrys Windschatten, sobald der wieder in seine Höhe kam. Immer wieder drehte sich Harry um, um seinem Freund ein begeistertes Lachen zu schenken. Der grinste bis über beide Ohren und schaffte es sogar, Harry hin und wieder zu überholen. So jagten sie in rasantem Tempo nach Hogsmeade, das sie sehr viel schneller erreichten als zu ihrer Schulzeit der Hogwarts-Express, der im Vergleich zu ihren Besen eher im Schneckentempo unterwegs war.

Auch in Hogsmeade ließen sie den Ignorierzauber bestehen, so dass sie unbehelligt durch die Ortschaft laufen konnten, um den Weg zur Heulenden Hütte einzuschlagen.

„Puh, mein Hintern tut weh.", jammerte Ron, als sie den schmalen Weg entlang liefen. „Zurück apparieren wir aber lieber."

Harry grinste.
„Weichei. Aber keine Angst. Wir werden auf jeden Fall apparieren. Mein Allerwertester ist auch nichts mehr gewöhnt. Und vielleicht sind wir ja länger hier, dann wird es womöglich noch dunkel unterwegs."

Nach einiger Zeit tauchte endlich die Heulende Hütte vor ihnen auf. Auf einer kleinen Lichtung, von wild wuchernden Streuwiesen umgeben stand sie vor ihnen, … die Heulende Hütte.
Remus Lupins allmonatlicher Rückzugsort während seiner Schulzeit, …
… die Kulisse für Peter Pettigrews Entlarvung nach Sirius Blacks Flucht aus Askaban, …
… und letztlich Severus Snapes persönliche „Kammer des Schreckens", wo er Voldemorts Haustier Nagini zum Opfer fiel.

Im Grunde sah noch alles so aus wie damals und beide mussten schlucken, da unschöne Erinnerungen aufkamen. Harry zückte ganz automatisch seinen Zauberstab, als sie mit langsamen Schritten in das Rund festgetretener Erde einbogen, das die Hütte umgab und eine scharfe Abgrenzung zur bunten Farbenpracht der umliegenden Blumenwiese darstellte.

„Mist.", hörte Harry da Ron fluchen. Er drehte sich zu seinem Freund um und blickte ihn fragend an.

„Da Harry, die Stelle wo die Erde anders aussieht. Und wir haben auch nichts zum Graben dabei.", maulte Ron und begann mit dem Fuß vom Fundament weg die lockere Erde wegzuschieben.

Harry grinste und holte eine kleine Minischaufel aus seinem Rucksack, die er mit einem lautlosen Zauber auf normales Maß brachte. Er drückte Ron die Schaufel in die Hand.
„Grab du hier. Aber sei vorsichtig. Ich schau mich mal etwas um."

Ron begann sofort die lockere Erde wegzuschaufeln, während Harry, aufmerksam die Umgebung im Auge behaltend, die Hütte umrundete, in der Hoffnung, irgendetwas Verdächtiges zu entdecken. Allerdings konnte er nichts Ungewöhnliches finden und stand so bald wieder bei Ron, um das tiefe Loch zu bewundern, das der inzwischen gegraben hatte.
„Und? Noch nichts gefunden?"

Ron schüttelte voller Unmut den Kopf. „Absolut nichts. Keine Ahnung warum hier jemand ein Loch gegraben und es dann später wieder zugeschüttet hat."

„Mmh….", überlegte Harry laut, „ vielleicht doch nur ein Zufall. Eventuell ein Hogwartsschüler, der versucht hat, irgendwie in die Hütte zu gelangen. Die Stelle mit der lockeren Erde ist ziemlich groß. Grab noch etwas tiefer und du kannst reinspringen."

Harry grübelte noch einen Moment, fasste sich aber dann ein Herz und packte Ron am Arm.
„Lass es sein, Ron. Das führt zu nichts. Ich denke, wir sollten in die Hütte reingehen. Vielleicht finden wir da etwas."

Ron zuckte nur mit den Schultern und lehnte die Schaufel an das Fundament der Hütte, während Harry das herausgegrabene Erdreich mittels Zauber wieder in die ursprüngliche Position brachte, so dass das Loch wieder fast so aussah wie vorher. Ein dunkler Flecken lockerer Erde inmitten festgetretenen Bodens. Die wieder magisch verkleinerte Schaufel verschwand im Rucksack.

„Los komm, machen wir einen Spaziergang zur Peitschenden Weide.", kam es auffordernd von Harry.

Die Besen geschultert wanderten die beiden Männer mit forschen Schritten zu dem besonderen Baum, der ungefähr mittig zwischen Hogwarts und Heulender Hütte den Punkt markierte, an dem der Geheimgang begann, der einen ungesehen in das geheimnisvollste Gebäude von Hogsmeade gelangen ließ.

Kaum betraten Harry und Ron den näheren Bereich des Baumes, verwandelten sich die sanften Wiegebewegungen der Äste in wüstes Ausschlagen. Harry hatte nicht verlernt, wie man den Baum überlisten konnte. Mit geschultem Blick suchte und fand er den magischen Punkt, der die Peitschende Weide zu einem normalen, starren Baum werden ließ. Ein Zauber presste die bestimmte Wurzelknolle nach unten und augenblicklich verharrten die Äste in ihrer Bewegung. Harry und Ron nickten sich bestätigend zu und näherten sich der Öffnung am Fuße des Stammes, die beim Näherkommen immer größer wurde und letztendlich groß genug war, auch einem Erwachsenen auf unebenen Steinstufen das Eintauchen in den Geheimgang zu gewähren. Inzwischen war er für Harry und Ron aber nur noch in gebückter Haltung passierbar. Ihre Besen im Eingang zurücklassend, tauchten sie in ihre Vergangenheit ein.

Erinnerungen wurden wach, als die beiden den Gang entlang liefen. Lediglich mit dem Lumos Ihrer Zauberstäbe ausgeleuchtet sahen sie darin nicht viel weiter, als ihre Arme plus Zauberstab lang waren. Alles war schmutzig und voller Geröll. An einer Stelle mussten sie sich sogar an einem großen Findling vorbeidrücken, der ihnen den Weg versperrte. Die Schlacht hatte wohl auch hier ihren Tribut gezollt. Eine Explosion, der erschütternde Gang eines Riesen oder was auch immer hatte dem Geheimgang gehörig zugesetzt.

„Beim Barte Merlins, warum sprechen wir eigentlich keinen Alohomora und zaubern einfach die Tür der Hütte auf. Stattdessen quetschen wir uns hier durch dieses Nadelöhr." Ron schnaubte voller Anstrengung und wischte sich den Schweiß von der Stirn, denn er war inzwischen ziemlich ins Schwitzen gekommen.

„Du weißt doch, dass die Hütte nach der Bergung von Snapes Leichnam wieder magisch verschlossen wurde. Damit hier niemand sein Unwesen treiben kann. Schließlich ist hier ein Kriegsheld gestorben. Niemand kennt den Zauber. Nur ein Fluchbrecher wäre dazu in der Lage, den Zauber zu entschlüsseln. Und diesen Gang hier kennt niemand außer Dumbledore und den Rumtreibern, die alle tot sind, Snape selbst, der auch tot ist, und uns inklusive Hermine."

Harry zeigte nach vorne, wo sich ein vages Licht abzeichnete.
„Wir sind gleich da."

Und tatsächlich stiegen sie kurze Zeit später aus der Öffnung, die hinter einer Wand in den Flur der Hütte führte. Den Zauberstab im Anschlag betrat zuerst Harry, der Auror diesen besonderen Ort, an dem so wichtige Momente seines Lebens stattgefunden hatten. Ron folgte ihm auf dem Fuße. Sie klopften sich den Staub von der Kleidung und schauten sich um. Harry machte noch schnell eine Runde Kürbissaft raus, bevor die beiden sich wieder ihrer Umgebung widmeten.

Nichts deutete darauf hin, dass nach der Schlacht noch mal jemand hier gewesen war. Wie damals hing alles voller Spinnweben, eine dicke Staubschicht bedeckte den Boden, lediglich etwas dezimiert in freigetretenen Laufstraßen, die zur verschlossenen Eingangstür und den beiden Räumen der Hütte führten. In den größeren Wohnraum trat Harry gerade ein und sein Blick fiel sofort auf den dunklen Fleck an der gegenüberliegenden Wand. Hier war Severus Snape gestorben und das Blut des Tränkemeisters hatte den Boden getränkt, was sich jetzt noch in dieser dunklen Schattierung des Holzes zeigte.

„Bei Merlins Bart, hätte nicht gedacht, dass wir jemals wieder einen Fuß hier rein setzen würden."
Ron flüsterte fast. Auch er war gefangen von der geheimnisvollen und traurigen Atmosphäre, die dieser Ort ausstrahlte.

„Lass uns suchen.", meinte Harry nur und begann, überall dahinter oder darunter zu schauen, zu öffnen, was zu öffnen geht und jede Ritze und jeden Spalt zu untersuchen. Leider wurde er nicht fündig.
„Ich glaube wir sind da doch einer Finte aufgesessen.", maulte er angesäuert. Er hatte irgendwie gehofft, hier etwas zu finden. Aber anscheinend war das ein vergeblicher Wunsch gewesen.

Ron hieb noch zusätzlich in diese Kerbe.
„Naja, war halt doch einfach nur ein Film. Und ein blöder Zufall, dass die Hütte so ähnlich aussah und es da um einen Giftmischer ging. Da haben wir uns wohl was einbilden wollen… Aber war doch nett. Wenigstens hatten wir keine Langeweile."

„Scheiße Ron, aber irgendwie hab ich so ein blödes Gefühl, dass da doch was ist." Harry grübelte versonnen und ließ seinen Blick über die Stelle schweifen, an der Snape gelegen hatte.
„Wo hätte man hier noch was verstecken können?"

Harry hatte die Worte kaum ausgesprochen, als ihm eine Unebenheit zwischen den einzelnen Bodenbrettern auffiel. Ein Brett direkt an der Wand lag nicht ganz plan und schien nur oberflächlich aufgelegt. Harry war mit wenigen Schritten dort und hockte nun davor, die Hand schon ausgestreckt, um das gelockerte Holz anzuheben.

„Meinst du da ist was drunter?" Ron ließ sich neben ihm nieder und sah ihn fragend von der Seite an.

Das Anheben der Schultern und das Lüpfen der Diele waren eins.

„Boah, tatsächlich. Da ist kein Boden drunter. Eine Öffnung." Ron sprach einen Lumos und leuchtete in das Dunkel, konnte aber auf den ersten Blick nichts entdecken.

„Die Öffnung ist zu klein. Geh mal zur Seite."
Harry sprach einen „Bombarda Minimalis" und lockerte somit die umliegenden Bodendielen. Eine konnte er noch entfernen, so dass die Öffnung nun eine angenehme Größe hatte, um alles gut ausleuchten zu können. Ron leuchtete ihm, während Harry auf dem Bauch liegend die winzige Geheimkammer absuchte. Alles war tiefschwarz. Der Boden, die Wände. Auch Rons Lumos führte kaum dazu, dass Harry etwas ausmachen konnte. Irgendwie schien dieses Loch im Boden sämtliches Licht zu schlucken, so dass man wirklich nichts erkennen konnte. Doch dann …

„Da …, da drüben, da liegt was. Leuchte mal mehr in das rechte Eck.", rief Harry angestrengt keuchend aus.

Ron tat wie ihm geheißen und Harrys Herz begann vor Aufregung schneller zu schlagen. Da lag definitiv etwas. Etwas flaches, aber es war eindeutig eine Erhebung in dieser Schwärze. Er robbte etwas nach vorne und streckte seinen Arm aus, begann umherzutasten. Er erfühlte eine schmale, relativ große Schachtel, griff zu und förderte das schwarze Etwas zu Tage. Schließlich saßen Harry und Ron nebeneinander an der Wand, unweit der Stelle, an der ihr ehemaliger Tränkemeister Harry das letzte Mal in die Augen geblickt hatte und musterten die schwarze Schachtel, die in etwa die Größe eines Buches hatte.

„Ich fress' einen Besen, wenn da jetzt das drin ist von dem ich denke, dass es da drin sein könnte."
Harry hielt die Schachtel fast platzend vor Neugier in den Händen, traute sich aber nicht, den Deckel zu heben.

„Hey, sag nichts, was du später bereuen könntest. Du willst doch wohl nicht deinen Nimbus fressen müssen, oder?"
Ron lachte und zeigte demonstrativ auf die Schachtel.
„Nun mach schon auf."

Harry nestelte nervös daran herum, bis er es endlich schaffte, den Deckel anzuheben. Und dann …

… fiel ihm das Behältnis fast aus der Hand.

Vor ihm lag tatsächlich und wahrhaftig das besagte Schulbuch „Zaubertränke für Fortgeschrittene" von Libatius Borage. Ehrfürchtig öffnete Harry das Buch … und tatsächlich. Es war eindeutig das Zäubertränkebuch des Halbblutprinzen, mit all seinen Vermerken, Andeutungen, Erleichterungen, Verbesserungen und Neuerfindungen … und dem Schriftzug, der es eindeutig als Eigentum des Halbblutprinzen auswies, der, wie er jetzt wusste, niemand anderer als Severus Snape war. Eingehüllt war das Buch noch immer in den neuwertigen Umschlag, den er selbst damals von seinem neu bestellten Buch magisch entfernt und um das viel ältere Buch des Halbblutprinzen gezaubert hatte.

Harry war begeistert. Er hatte es wieder.
„Ron, wir haben tatsächlich Snapes Buch gefunden. Das ist wirklich der absolute Wahnsinn. Wie kommt das Buch bloß hierher? Meinst du, er hat es tatsächlich selbst hier versteckt? Womöglich kurz vor seinem Tod?"

„Keine Ahnung." antwortete ihm sein Freund. „Aber lass uns hier verschwinden. Wir haben was wir wollten. Aber hier fühl' ich mich wirklich nicht sonderlich wohl. Gehen wir…."

Ron stand auf und machte Anstalten zur Tür zu gehen, während Harry noch immer wie gebannt das Buch in Händen hielt. Vorsichtig legte er es wieder in die Schachtel und verkleinerte diese magisch. Er steckte sich das kleine Päckchen in die Hosentasche und verschloss diese sicherheitshalber mit einem Zauber, so dass er nicht nur immer fühlen konnte, dass es noch da war, sondern er auch sicher sein konnte, dass es da blieb. Er stand auf, verschloss provisorisch die Öffnung im Boden und folgte Ron, der bereits am Eingang zum Geheimgang auf ihn wartete. Schneller als auf dem Hinweg brachten die beiden den wirklich etwas zu niederen Gang erneut in gebückter Haltung hinter sich. Sie waren froh, als sie endlich am Ende des Ganges ihre Besen abgreifen konnten und unter der Peitschenden Weide wieder an die frische Luft kamen. Während sie sich erleichtert wieder in die gewohnte Aufrechte streckten, beobachteten sie voller Begeisterung und leiser Wehmut die goldene Sonnenscheibe, die sich in einem den Himmel bereits langsam verfärbenden Schauspiel gerade hinter Hogwarts anschickte, den allabendlichen Sonnenuntergang einzuläuten. In gebührendem Abstand zur Peitschenden Weide betätigte Harry erneut auf magischem Weg die Wurzelknolle, die den Baum wieder zum Leben erweckte. Sie schlug mit den Ästen ganz fürchterlich um sich und erst als Harry und Ron schon wieder auf halbem Weg nach Hogsmeade waren, hatte sich die Weide soweit beruhigt, dass ihre Zweige nur noch ganz langsam und leicht hin- und herwiegten, obwohl es eigentlich eher windstill war.

Bei der Hütte angekommen, hatten sie jeder ein Sandwich vertilgt und den restlichen Kürbissaft geleert. Sie hielten sich dort dann auch nicht weiter auf, sondern gingen gleich weiter in Richtung Appariergrenze. Ihr Ziel etwas zu finden hatten sie erreicht. Außerdem war es inzwischen fast Abend geworden. Nichts hielt sie noch hier. Einen letzten Blick auf Hogwarts werfend, wo sie so viele aufregende Abenteuer, aber auch schreckliche und prägende Momente erlebt hatten, apparierten die beiden zurück nach London.

Harry hatte sich eine Gasse unweit des Grimmauld Place ausgesucht, in die er immer apparierte, weil er davon ausgehen konnte, dass ihn dort niemand dabei beobachten konnte. Als die beiden aus der Gasse traten, um den Grimmauld Place in Richtung Nr. 12 zu überqueren, fiel Harry ein Mann auf, der vom Licht der bereits sehr tief stehenden Abendsonne irgendwie magisch in Szene gesetzt, mitten auf dem Platz stand und ihnen entgegenblickte, als würde er sie erwarten. Als er sie entdeckt hatte, begann er, lockeren Fußes auf sie zuzuschlendern. Harry sah aus dem Augenwinkel, wie Ron die Kinnlade herunterklappte. Und auch er selbst war drauf und dran, an seinem Verstand zu zweifeln.

Der Mann war recht groß, schlank und er trug trotz der an diesem Abend noch herrschenden lauen Temperatur Anzug und Inverness-Mantel. Harry erkannte das sofort, denn er hatte schon genügend einschlägige Filme gesehen. Das Gesicht des Mannes war hager und eine markante Nase, die Harry sehr an Snape erinnerte, stach daraus hervor. Haare konnte Harry nicht erkennen, denn der Mann trug Hut, eine Deerstalker-Mütze um genau zu sein. Harry konnte es zwar nicht fassen, aber da kam ein Mann auf sie zu, der aussah wie Sherlock Holmes. Gerade steckte er sich wieder seine Pfeife in den Mund und zog daran, blies den Rauch genüsslich aus. Immer näher kam er, während Harry und Ron wie angewurzelt stehengeblieben waren.

Und dann stand er vor ihnen, musterte die beiden mit seinen grauen Augen, lächelte und lüpfte grüßend kurz seinen Hut, unter dem dunkles, kurz geschnittenes Haar zum Vorschein kam. Obwohl die beiden Männer wahrlich nicht auf den Mund gefallen waren, fiel ihnen im Moment nichts ein, was sie hätten sagen können, so dass es der vermeintliche Holmes war, der zu sprechen begann.

„Nicht wahr meine Herren, es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die sich erst als unlösbares Rätsel herausstellen. Aber wenn man alle logischen Lösungen dieses Problems eliminiert, ist die unlogische, obwohl unmöglich, unweigerlich die richtige. Ich hoffe, sie haben Freude an ihrer Entdeckung und würdigen sie in entsprechender Weise. Ich darf mich verabschieden. Watson wartet auf mich in der Baker Street."

Und damit wandte sich der große, schlanke Mann wieder von ihnen ab und ging mit weit ausholenden Schritten in die entgegengesetzte Richtung davon, kleine Rauchwölkchen hinter sicher herziehend, die er in regelmäßigen Zügen seiner Pfeife entlockte.

Keiner der beiden immer noch entgeistert starrenden jungen Männer konnte etwas sagen. Als würde ein Zauber auf ihnen liegen, blieben sie stumm, bis die Gestalt am Ende der Straße um die nächste Biegung verschwunden war. Erst dann lockerten sich ihre Zungen wieder.

„Und was sollte und das jetzt bitte sagen?", raunte Ron dem nicht minder ratlosen Harry entgeistert zu.

„Dass uns Sherlock Holmes Snapes Tränkebuch zurückgebracht hat?"

Ron lachte amüsiert auf.
„Du glaubst doch wohl nicht im Ernst, dass der echt war? Der sah doch aus wie der Holmes im Film. Ein Schauspieler. Schließlich ist die Figur fiktiv."

Harry rollte genervt mit den Augen.
„Mensch Ron, ich weiß selbst, dass das eine Romanfigur ist. Aber wenn das ein Schauspieler war …. Was sollte das dann? Wieso das Ganze? Wieso verschafft uns der Mann Snapes Buch? Und wieso weiß er überhaupt davon? … Lass uns ein Butterbier trinken gehen. Nein, besser einen Feuerwhiskey, oder zwei ... oder drei. Vielleicht verstehen wir es dann besser."

Harry packte Ron am Arm und zerrte ihn mit sich, hin zum Haus Nr. 12, seinem zu Hause, wo sie hoffentlich das verrückte und rätselhafte Erlebnis, dessen Wahrheitsgehalt durch den sanften Druck von Snapes Tränkebuch in seiner Hosentasche unterstrichen wurde, etwas würden entschlüsseln können.
Aber das ist eine andere Geschichte ...