Alle Charaktere und sämtliche Rechte an ‚NCIS: Los Angeles' gehören CBS und Shane Brennan Productions. Die folgende Geschichte dient keinerlei kommerziellen Zwecken, sondern wurde nur zum Vergnügen für Fans geschrieben. Eine Verletzung des Copyrights ist nicht beabsichtigt. Alle weiteren Personen gehören der Autorin.

Viel Spaß beim Lesen und ich freue mich auf Eure Rückmeldungen.

Kapitel 1 - Erste Schritte

Hetty stand auf der Empore und sah auf die Reste ihres Teams hinab. Sam, Kensi und Joann waren angespannt, leicht reizbar und übermüdet. Seit drei Wochen versuchten sie, zu dritt das gleiche Arbeitspensum zu erfüllen, wie bisher zu sechst. Eine unmögliche Aufgabe. Dazu die emotionale Belastung, die durch den abrupten Verlust der Partner entstanden war. Zudem litten Kensi und Joann auch noch darunter, dass sie keinen Kontakt zu ihren Freunden hatten und natürlich vermisste Sam auch seinen besten Freund. Hetty seufzte. Sie hatte in der Zwischenzeit einige ihrer Kontakte aktiviert, aber der Informationsfluss war nur ein tröpfelndes Rinnsal. Sie musste Geduld haben, aber gerade jetzt fiel ihr das sehr schwer. Nun, etwas konnte sie trotzdem für ihre Leute tun. Hetty griff zu ihrem Handy.

Joann murmelte leise vor sich hin und klang dabei sehr knurrig. Sie schloss die Akte, an der sie gerade arbeitete und pfefferte sie schwungvoll auf den recht großen Stapel, der auf ihrem Tisch lag. Prompt geriet der Stapel ins Rutschen. Hektisch versuchte Joann, ihn festzuhalten. Leider stieß sie dabei gegen ihren Schreibtisch. Während sich die Akten über ihren Schreibtisch und auf den Boden ergossen, ergoss sich der Inhalt ihres Kaffeebechers über die Akten, die nicht heruntergefallen waren. Joann starrte auf das entstandene Chaos.

„Oh, oh." Kensi wartete auf Joanns Ausbruch, doch es kam nichts. Ihre Freundin rührte sich nicht, gab keinen Laut von sich.

Auch Sam hatte erwartet, dass Joann wie ein Bierkutscher fluchen würde. Dieses schweigsame Starren war ihm unheimlich. „Joann?"

Joann holte tief Luft. „Alles in Ordnung." Sie griff nach ein paar Papiertaschentüchern und versuchte, den Kaffee aufzuwischen. Dann hob sie die Akten auf und stapelte sie wieder. Als ihr Tisch wieder sauber und aufgeräumt war, verließ Joann, immer noch schweigend, den Bürobereich.

„Ich warte schon seit Tagen auf einen Wutausbruch von Joann. Man kann ihre innere Anspannung praktisch greifen." Sam war ernsthaft besorgt. „Aber dieses Schweigen ist beängstigend."

„Ja. Joann schweigt nur, wenn sie nachdenklich ist. Eine wütende Joann schimpft, flucht und schlägt auf den Sandsack ein." Kensi schüttelte den Kopf. „Das da gerade war nicht unsere Joann. Und wo ist sie hingegangen? Der Sandsack ist oben."

Sam stand auf. „Ich glaube, ich weiß wo sie ist." Ein schwaches Lächeln umspielte seine Lippen. „Ich werde mir unsere ‚Kleine' mal vorknöpfen."

Diese Bemerkung brachte auch Kensi dazu, ein wenig zu lächeln. „Ich glaube nicht, dass es eine gute Idee ist, Joann jetzt so zu nennen. Obwohl ich die Reaktion gerne sehen würde."

Joann befand sich dort, wo Sam vermutet hatte. Einen Moment stand er vor der Tür und sah ihr zu. Ruhig und konzentriert feuerte Joann auf die Scheibe. Sie ließ das Magazin einfach herausfallen, setzte das nächste in Sekundenschnelle ein und feuerte weiter. Schließlich betrat Sam den Schießstand, griff nach einer Brille und den Ohrenschützern und wartete ab. Bei diesem Tempo würde es nicht lange dauern, bis sie alle Magazine verschossen hatte.

„Was, Sam?"

„Ich weiß, dass Du G versprochen hast, Dich zu benehmen. Das heißt aber nicht, dass Du nicht mehr schimpfen darfst, wenn Dir ein Missgeschick passiert. Ein kräftiger Fluch hin und wieder ist gesund." Sam seufzte, da Joann ihn nur unverwandt ansah. „Jo, wann hast Du das letzte Mal etwas getan, dass Dir Spaß macht und Dich entspannt? Schwimmen, Surfen, Kamptraining mit Deinem Vater, ein Buch lesen? Oder mal wieder den Sandsack verprügeln?"

„Dafür habe ich keine Zeit, Sam." Joann packte ihre Sachen zusammen und ging in die Waffenkammer.

Sam folgte ihr. „Hast Du vergessen, dass wir alle einen Ausgleich zu unserem Beruf brauchen?"

„Mir geht es gut, Sam."

„Nein, Jo, Dir geht es nicht gut. Keinem von uns geht es gut." Zum ersten Mal, seitdem das Team auseinandergerissen worden war, zeigte Sam, wie es ihm wirklich ging. Er sah plötzlich müde aus und auch ein Hauch von Verzweiflung war in seinen Augen zu sehen. Dann setzte er wieder seine gewohnt ausdruckslose Miene auf.

Aber Joann gab nicht nach. „Es ist alles in Ordnung mit mir. Ich bin müde wegen der vielen Überstunden, das ist alles." Wenn sie zugeben würde, wie es in ihr aussah, würde sie in viele Stücke zersplittern und nie wieder ganz werden. Daher konzentrierte Joann sich darauf, ihre Sig-Sauer zu reinigen und die Magazine neu zu laden. Sie würdigte Sam keines Blickes mehr.

Kensi hatte Mühe, ihr Gähnen zu unterdrücken. In den vergangenen drei Wochen hatten sie nur wenig geschlafen und viel gearbeitet. Langsam forderte der Schlafmangel seinen Tribut. Mühsam riss Kensi ihre Augen auf und fing zum dritten Mal ihren Bericht an.

„Hallo, Kensi."

Abrupt riss sie ihren Kopf hoch und starrte ziemlich fassungslos den großen, schlanken Mann an, der plötzlich an ihrem Schreibtisch aufgetaucht war.

„Nate!"

Kensi sprang so abrupt auf, dass ihr Stuhl umfiel. Bevor Nate auch nur etwas sagen oder tun konnte, umschlangen ihn zwei kräftige Arme. Mit einem warmen Lächeln erwiderte er die stürmische Umarmung. Dann schob er Kensi sachte von sich, sah sie prüfend an und wartete ab.

„Hat Hetty Dich zu Hilfe geholt?"

„Sie dachte, Ihr braucht Unterstützung."

Kensi nickte. „Es sieht nicht so gut aus. Mehr Arbeit, als wir bewältigen können." Sie zögerte leicht. Dann fügte sie kaum hörbar hinzu. „Wir vermissen die Jungs und machen uns ziemliche Sorgen. Vor allen Dingen, weil Hetty gar nichts sagt."

Nate nickte. Er hatte von Hetty einige Informationen bekommen, die ihm Kopfzerbrechen bereiteten. Das Team, oder besser gesagt, die Überreste davon, waren diesbezüglich noch nicht informiert worden. Es wurde Zeit, dass Hetty mit ihren Leuten sprach.

„Und wie war Dein Ergebnis?"

Ruckartig riss Joann ihren Kopf hoch und sah ihr Gegenüber verblüfft an.

„Mike!" Joann runzelte die Stirn. „Hetty hat Dich her beordert."

Lächelnd zuckte er mit den Schultern. „Meinen Fall habe ich vor zwei Tagen abgeschlossen, also kann ich Euch auch ein bisschen unterstützen." Das Lächeln verschwand aus Renkos Gesicht. „Soweit ich gehört habe, könnt Ihr jede Hilfe brauchen, die Ihr kriegen könnt."

Misstrauisch sah Joann Renko an. „Was hast Du gehört?" Ihr Ton war scharf.

Erstaunt über Joanns Reaktion, musterte er sie. Renko hatte schon mehr als einmal mit Joann gearbeitet, jedes Mal ohne Probleme. Sie hatten sich immer gut verstanden. Das Misstrauen und der scharfe Tonfall passen nicht zu dem guten Verhältnis, das bisher zwischen ihnen geherrscht hatte. Renko sah die Schatten unter Joanns Augen, die fest zusammengepressten Lippen und die angespannte Körperhaltung. Dazu die Vehemenz, mit der sie den Lauf der Waffe reinigte. Das alles sagte Renko, was er wissen musste.

„Dass jemand versucht, Euch fertig zu machen, indem er Euer Team zerstört. Jetzt habt Ihr mehr Arbeit, als Ihr zu dritt bewältigen könnt. Und dass Ihr immer noch nichts von Callen und Deeks gehört habt." Renkos Stimme war sanft. „Ich mache mir auch Sorgen, schließlich sind Callen und ich Freunde."

Die Schärfe verschwand aus Joanns Stimme, aber das Misstrauen blieb. „Der Buschfunk scheint ja zu funktionieren. Waren wir nicht eine geheime Einheit?"

Renko schmunzelte leicht. „Keine Sorge, der Buschfunk beschränkt sich auf das OSP." Dann wurde er wieder ernst. „Hetty will, dass wir beide bis auf weiteres zusammenarbeiten. Kannst Du damit leben?"

Langsam nickte Joann. „Ja, Mike, das kann ich." Das Misstrauen war aus ihrer Stimme verschwunden.

„Dann zurück zum Anfang: Wie war Dein Ergebnis?" Renko grinste Joann frech an.

„Was kann ich für Sie tun, Mr. Hanna?" Hetty sah von ihren Unterlagen hoch.

„Mir sagen, was los ist." Sam sah seine Vorgesetzte direkt an. „Vor drei Wochen wurde unser halbes Team in alle Winde verstreut. Wer steckt dahinter? Und wann kommen unsere Leute wieder?"

Hetty betrachtete Sam schweigend. Dann nickte sie langsam. „Holen Sie alle zusammen, Mr. Hanna, auch Mr. Getz und Mr. Renko. Wir treffen uns in fünf Minuten in der Ops."

„Alle, die nicht zu diesem Team gehören, raus hier. Sofort." Energisch sorgte Hetty dafür, dass sie in der Ops unter sich waren. Dann sah sie ihre Leute nachdenklich an.

„Ich weiß, dass Sie alle eine harte Zeit hinter sich haben. Und ich muss Ihnen leider sagen, dass es noch nicht vorbei ist. Zur Unterstützung habe ich Mr. Getz und Mr. Renko kommen lassen." Hetty seufzte leise. „Wir werden jede Unterstützung brauchen, die wir kriegen können." Wieder machte Hetty eine Pause.

„Wer steckt dahinter, Hetty?" Sam gab nicht auf.

„Haben Sie gehört, was mit Callen und Deeks ist?" Nur ein kaum merkbares Zittern in ihrer Stimme verriet, dass Kensi Angst vor der Antwort hatte.

„Ich kann Ihnen nur sagen, dass beide leben." Hetty musterte nachdenklich ihre Leute. „Meine Quellen sagen mir, dass jemand von ganz oben dahinter steckt, wahrscheinlich vom SECNAV."

„Da müssen Sie aber jemandem übel auf die Füße getreten sein, Hetty." Sam sah seine Chefin neugierig an.

„Das Problem ist, Mr. Hanna, dass ich bisher nicht herausfinden konnte, wem ich auf die Füße getreten bin. Wer auch immer das ist, hat sehr viel Macht und Beziehungen."

„Genug Macht, um G und Ray versetzen zu lassen. Und Beziehungen zum L.A.P.D., um Marty zurückzubeordern." Sachlich setzte Joann Hettys Informationen um.

„Richtig, Miss MacKenzie. Leider gibt es im SECNAV eine Menge Leute, auf die diese Beschreibung passt. Und auf Grund der Umstände muss ich bei meinen Nachforschungen extrem vorsichtig und unauffällig sein. Das dauert seine Zeit."

„Was ist mit Eric und Nell? Die zwei kommen doch überall rein." Kensi lächelte ihre beiden Kollegen an.

„Wir wurden bisher nicht mit Nachforschungen in dieser Richtung beauftragt." Obwohl Kensi gefragt hatte, sah Nell bei ihrer Antwort Hetty an. „Vielleicht sind wir für so einen Auftrag nicht vertrauenswürdig genug."

Die Kollegen grinsten. Wenn Nell es drauf anlegte, konnte sie ganz schön scharfzüngig sein.

Aber Hetty schüttelte den Kopf. „Sie sollte es besser wissen, Miss Jones. Jemand, der hochrangig und einflussreich genug ist, um mir solche Probleme zu verursachen, ist gefährlich. Ich habe schon drei Mitarbeiter verloren und wollte das nicht noch bei weitere riskieren."

„Nell hat nicht ganz Unrecht, Hetty. Sie hätte uns die Entscheidung überlassen sollen, ob wir helfen wollen oder nicht. Schließlich macht dieser Jemand nicht nur Ihnen Probleme, sondern auch uns." Sams Gesichtsausdruck zeigte eine Mischung aus Enttäuschung und Sorge.

„Es war schon immer meine Aufgabe, Ihnen den Rücken freizuhalten, damit Sie Ihre Arbeit machen können, Mr. Hanna."

„Dann ist jetzt an der Zeit, dass wir Ihnen den Rücken freihalten, Hetty." Sam ließ keinen Zweifel aufkommen, dass er es ernst meinte.

„Und dass wir unsere Kollegen zurückbekommen." Joann sah Hetty durchdringend an. „Ich weiß, dass Sie viele Jahre alleine auf sich aufgepasst haben, Hetty. Aber der Kalte Krieg ist vorbei und heutzutage arbeitet man im Team." Nachdem Joanns Blick über ihre Kollegen gewandert war, sah sie wieder Hetty an. „WIR sind Ihr Team. Ich dachte, dass wüssten Sie."

Langsam sah Hetty einen nach dem anderen an. Dann nickte sie zögernd. „Ihnen ist klar, was das bedeutet? Wenn es schief geht, wird es das Ende Ihrer Karrieren bedeuten. Vielleicht schlimmeres."

„Wenn das hier schief geht, ist das Ende unsere Karrieren das kleinste Problem." Renko fasste die Gedanken aller in wenigen Worten zusammen.

„Dann wird Zeit für einen Plan." Joann wirkte zum ersten Mal seit Tagen nicht mehr so angespannt. „Aber vorher wüsste ich gerne, was sie über Marty und G wissen."

Hetty nickte zustimmend. „Meinen Quellen zufolge ist Mr. Deeks wirklich in einem Undercovereinsatz. Mehr Details dazu konnte ich bisher nicht bekommen, da die Informationen zu diesem Einsatz vom L.A.P.D. streng geheim gehalten werden. Was Mr. Callen betrifft, sind meine Informationen noch spärlicher. Auch er ist in einer streng geheimen Undercovermission unterwegs, bisher konnte ich nicht herausfinden wo."

„Und woher wissen Sie dann, dass G noch lebt?" Es war Sam, der diese Frage stellte.

„Das ist leider kein Wissen, sondern nur eine begründete Vermutung. Meine Quelle konnte keine Einzelheiten erfahren, aber bisher soll in der zuständigen Operationszentrale Ruhe herrschen. Das ist eigentlich immer ein gutes Zeichen." Hetty versuchte, beruhigend zu lächeln. „Ich hatte gehofft, noch mehr zu erfahren, deswegen habe ich Sie bisher nicht informiert."

Joanns Augen funkelten vor Zorn. „Jedes Bröckchen an Information ist besser als Unwissenheit!"

Beruhigend legte Sam seine Hand auf Joanns Schulter. Doch so leicht ließ sie sich nicht beruhigen. Joann schüttelte seine Hand ab.

„Seit drei Wochen machen wir uns Sorgen um G und Marty und Sie sagen kein Wort! Ich finde, dass…"

„Es reicht, Joann." Scharf wies Sam seine Kollegin zurecht. „Im Moment geht es beiden gut, nur das ist wichtig. Wir kümmern uns jetzt um einen Plan." Wütend drehte sich Joann zu Sam. Aber er sprach weiter, bevor sie auch nur ein Wort sagen konnte. „Das ist jetzt der Moment, an Dein Versprechen zu denken. So eine Situation hatte G gemeint und nicht einen umgefallenen Kaffeebecher."

Abrupt klappte Joann ihren Mund zu, ihre Miene wurde ausdruckslos und sie wich ein paar Zentimeter zurück. Wieder hatte sie die distanzierte Haltung der vergangenen drei Wochen. Sam seufzte, dass war nicht seine Absicht gewesen.

Aufmerksam war Nate der ganzen Diskussion gefolgt. Seit Hetty seinen Arbeitsbereich erweitert hatte und er weltweit im Einsatz war, hatte er nur Stippvisiten bei seiner ehemaligen Einheit verbracht. Bei jedem dieser Kurzbesuche hatte er aber den Eindruck gewonnen, dass es allen gut ging - soweit das in diesem Beruf überhaupt möglich war - und dass die Gruppendynamik funktionierte. Durch das Auseinanderreißen hatte sich diese jedoch verändert. Dazu kamen Sorgen, die viele Arbeit und der Schlafmangel, so dass es nur eine Frage der Zeit war, bis es zu einer Katastrophe kam. Nate seufzte leise. Es würde ein hartes Stück Arbeit werden, das Team zusammenzuhalten, ohne das es ernsthafte Probleme gab. Mit Sicherheit würde es helfen, dass sie jetzt in Hettys Nachforschungen mit einbezogen würden.