XI

Harry saß am Gryffindor-Tisch.

Wie jedes Jahr.

Die Kerzen schwebten durch den Raum, Schüler unterhielten sich angeregt.

Wie jedes Jahr.

Die Geister neckten die Erstklässler.

Wie jedes verdammtes Jahr.

Nur dieses Mal saß Harry nicht mit seinen Freunden zusammen.

Er saß zwischen den Zwillingen Fred und George und betrachtete den Lehrertisch.

Dort saß eine Frau, die ihn irgendwie an eine pinke Kröte erinnerte.

Und er hatte auch das ungute Gefühl, dass diese Person irgendetwas wusste. Oder irgendetwas vorhatte.

Aber... da war noch jemand anderes am Tisch der Lehrer.

Und Harry erkannte ihn sofort.

Es war derselbe Mann, der ihn vor den Dementoren gerettet hatte. Der Mann, der ihn zum Grindmaulplatz gebracht hatte. Und es war der Mann um den der Streit mit seinen Freunden ging.

Harry zog die Stirn kraus. Irgendetwas war nun wirklich seltsam an diesem Mann.

-o-

„Meine Lieben Schüler und Schülerinnen", begann Dumbledore nachdem der letzte Schüler einem Haus zugewiesen wurde. „Herzlich Willkommen an alle, die neu hier her gekommen sind und Willkommen zurück an alle Schüler."

Er deutete seine Hand auf die Lehrer. „Wie ihr bereits alle gesehen habt, haben wir zwei neue Gesichter hier am Lehrertisch."

Er deutete auf die Frau. „Dies ist Miss Dolores Umbridge. Sie wurde vom Ministerium hierher geschickt, um den Unterricht zu inspizieren."

„Bitte, Albus", unterbrach die Frau ihn, „Ich würde mich gerne selber vorstellen."

Dumbledore betrachtete sie überrascht, erlaubte es ihr dann aber.

Gin betrachte beide mit einem bitteren Geschmack im Mund. Der Drang, dieser Person das Leben zu nehmen war wieder zurück. Er hasste ihre Stimme, sie musste verschwinden!

Schatten begannen über den Boden zu kriechen. Jedoch bevor sie die pink gekleidete Person erreichten, zwang der Attentäter sich, den Angriff abzubrechen. Stattdessen hörte er genau zu, was diese Person zu sagen hatte.

All die Jahre, die er schon auf der Erde unterwegs war, hatten seine Sinne für die unterschwelligen Botschaften geschärft. Und was er da von Umbridge hörte, gefiel ihm gar nicht.

„Es scheint, als könnte ich ihre nervige Stimme doch irgendwann auslöschen", murmelte er vor sich hin.

-o-

Als Umbridge endlich fertig war, dauerte es fast zwanzig Sekunden bis sich ein verhaltener Applaus hören ließ.

Auch Dumbledore schien sich zu einem freundlichen Gesicht zwingen zu müssen.

Er stellte sich wieder an seinen Pult und breitete seine Arme aus und sofort hatte er wieder die Aufmerksamkeit alle Schüler.

„Miss Dolores Umbridge ist nicht die einzige Neuerung", erklärte er. Er deutete auf den silberhaarigen Mann. „Dies ist Mister Kiran Altair, er wird den Unterricht für Verteidigung gegen dunkle Künste aufnehmen", erklärte er. Er warf ihm einen Seitenblick zu, aber der Attentäter hatte nichts zu sagen. Daher klatschte der alte Zauberer in die Hände und das Festmahl war eröffnet.

-oOo-

Der nächste Tag begann für alle Beteiligten früh. Für einige sogar noch früher.

Die Lehrer ließen sich gesammelt von Hauselfen wecken, mit der Ausnahme von Gin. Er konnte diese Glubschäugigen Biester nicht leiden und hatte sich daher einen gewöhnlichen Wecker mitgebracht.

Seine Räumlichkeiten waren in einem Westlich-Japanischen Mischstil eingerichtet und enthielten alles, was er so benötigte. Alles war modern eingerichtet und er hatte sich auch Strom für seinen Laptop besorgt. Er hatte ebenfalls eine kleine Küchenzeile und ein modernes Bad.

Das grauenerregende Schrillen des Weckers schreckte ihn kurzzeitig hoch, sodass er mit voller Wucht auf der einen Seite des Bettes heraus fiel und den nervigen Alarm aus einer Rückenlage betrachten konnte. Alle Versuche, das Ding mit einem Blick zum Schweigen zu bekommen schlugen fehl, sodass er sich auf seine Schatten verließ.

Einige Minuten später schlurfte er in sein Bad. Die kalte Dusche und der schwarze Kaffee weckten ihn schließlich endgültig auf. Anschließend kehrte er wieder in sein Schlafzimmer zurück, um es in Ordnung zu bringen.

Der Wecker, der Beistelltisch und Teile der Wand waren zerstört. Seine Schatten hatten kurzen Prozess mit der Einrichtung gemacht.

Der Attentäter flickte kurz sein Handgelenk, murmelte einen ‚Reparo' Zauber dabei.

Erst dann machte er sich ein Frühstück.

Gestern bei dem Essen fiel ihm auf, dass ihm die englische Küche nicht zusagte und dass ihm nicht sehr wohl bei dem Gedanken war, nicht zu wissen wie das Essen nun wirklich hergestellt wurde.

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Dumbledore staunte nicht schlecht als sein neuer Kollege die Halle betrat. Er schien bereits fertig mit dem Essen zu sein.

„Guten Morgen", begrüßte er ihn.

Die Antwort war ein kurzes Murren.

„Ein schöner Morgen, nicht wahr?" versuchte der Alte es weiter.

Wieder nur ein Knurren.

„Warum sind Sie denn bereits wach?"

Plötzlich schossen mehrere Schatten hinter Dumbledore nach oben. Sie waren geformt wie Tentakel, hatten aber an jedem Ende eine kleine Hand. Und die umklammerten eine Zeitung, die mit einem gehörigen Krachen auf den Tisch geknallt wurde.

„Sie bekommen wohl nicht mit, wenn sich jemand nicht unterhalten will, oder?" fauchte der Silberhaarige.

„Oh doch, mein junger Freund", lächelte Dumbledore triumphierend. „Und Sie reden ja mit mir, oder?" Mit einem ‚Lumos' Zauber verscheuchte er die Schatten, die hinter ihm herumkrochen.

Er genoss den finsteren Gesichtsausdruck seines Gegenübers. Mit einem entwaffnenden Lächeln fragte er: „Und? Wie war die erste Nacht in Hogwarts?"

„So wie alle Nächte an einem neuen Ort", war die Antwort, „Oh. Und es wäre eine wirklich verständnisvolle Geste, wenn Sie mir erzählt hätten dass ich das Zimmer erst einrichten musste."

Er gähnte kurz. „Ich habe die Hälfte der Nacht damit verbracht, die Räume einzurichten."

Er streckte sich. „Verdammt", murmelte er dabei, „Früher ließ ich mich davon doch nicht aufhalten."

„Warum sind Sie dann so früh aufgestanden?"

Die Frage warf den Silberhaarigen etwas aus der Bahn.

„Was?"

„Ich fragte, warum Sie dann so früh aufgestanden sind. Ihre ersten Stunden sind erst in zwei Stunden, Sie hätten also noch ein wenig ausschlafen können."

Gin drehte sich um. „Ich hatte einfach keine Lust, mich mit gewissen anderen Leuten zu treffen."

Damit verließ er die Große Halle wieder.