»Er ist tot.« sagte Sokka und erhob sich wieder.

Toph verdrehte die Augen »Klasse Sherlock. Das haben wir bereits vor zwei Stunden festgestellt.«

»Bitte nicht streiten!« Mischte sich Aang ein, »Bitte… nicht jetzt.«

Das Team Avatar, bestehend aus Aang, Sokka, Katara, Toph, Suki und Zuko hatte sich um den toten Bumi in einem Halbkreis aufgestellt.

Der ehemals mächtigste Erdbändiger saß zusammengesunken in einen hochlehnigen Thron. Die Augen immer noch weit aufgerissen. Der Tod hatte ihn in seinen eigenen vier Wänden ereilt – einem abgelegenen Landhaus irgendwo im Niemandsland.

»Der Jüngste war er ja nicht mehr« warf Zuko vorsichtig ein. Als niemand etwas sagte fügte er hinzu: »Ich meine,… wie alt war er? Über 100! Da kann so etwas nun mal passieren. Plötzlicher Herzstillstand nennt man das.«

Katara funkelte ihn an »Und vorher schickt er uns natürlich eine Einladung, oder was?« sie hielt Zuko einen zerknüllten Zettel hin.

»Ich habe es selber auch schon gelesen.« brummte Zuko und drehte den Kopf weg, »ich gebe ja zu, dass es seltsam ist aber…«

»Aber?« hakte Katara nach.

»Was er sagen will ist, dass dieser Bumi ohnehin irgendwie schon immer ein Rad ab hatte« unterbrach Toph die Beiden und drehte den Kopf zu Aang, »Nichts für ungut Aang.«

»Ich kann das einfach nicht glauben« seufzte Aang und nahm Katara den Zettel ab. Laut las er vor:

Hey hey! Bumi gibt eine eeeeeeecht gute Party in

Seinem Landhaus.

Kommt alle und wir feiern biiiiiiis in die Nacht. Vielleicht auch in den Morgen? Wer weiß das schon? AHAHAHAHA

Ich erwarte euch in meinem kleinen „Geheimanwesen"

Ein Geheimgast wird auch da sein!

Flopsi lass das.

Sokka blickte abwechselnd vom Zettel zu Bumi »Klingt nach den normalen Bumi wenn du mich fragst.«

»Nach bevorstehenden Selbstmord klingt es ebenfalls nicht« sagte Suki an Sokka gerichtet. Eine große Lupe fand sich in Sokkas Hand wieder. Die Lupe wurde auf die starren Augen des Toten gerichtet »Jaah,…« stimmte er ihr zu, »fehlt nur noch ein „Falls ich tot bin könnt ihr schon mal anfangen zu feiern".«

»Das ist nicht witzig Sokka!« Rief Katara. Toph hielt sich verdächtig die Hand vor dem Mund während die anderen betreten schwiegen.

»Ich frage mich nur was er mit dem „Geheimgast" meinte.« murmelte Aang.

»Glaubst du… dieser Geheimgast war auch sein Mörder?« fragte Sokka und sah ihn durch die Lupe an.

»Ich bin mir nicht sicher… ich weiß es einfach nicht.«

»Vielleicht war Bumi gar nicht das Ziel des Mörders.« warf Zuko ein und deutete mit einer weitreichenden Geste auf das geräumige Foyer, »vielleicht wartet er oder sie hier schon irgendwo auf uns.«

In diesem Moment gab es ein splitterndes Krachen im Anwesen.

Suki, Katara und Sokka schrien auf, während Aang, Zuko und Toph herumfuhren.

»W-was war das?« fragte Sokka.

Wie zur Antwort wiederholte sich das splitternde Krachen. Die Eingangstür fiel aus ihren Angeln und das orange Licht der untergehenden Sonne durchflutete das Foyer. Ein Mann stand im Türrahmen.

Sokka flüchtete hinter Toph. Geschockt standen die Anderen still.

Der Mann trat einen Schritt nach vorn und lächelte »Ja was machst du denn hier mein Neffe?«

Zukos Augen weiteten sich »Onkel! Das gleiche könnte ich dich auch fragen!«

Hinter Iroh offenbarten sich nun noch zwei weitere Männer. Haru und Jeong-Jeong. Sie sahen sich mit großen Augen um. Ihre Blicke blieben bei Bumi hängen. Entsetzen gab es keines in auf ihren Gesichtern. Eher Belustigung. Anscheinend glaubten sie Bumi wäre mit offenen Augen eingeschlafen.

»Wir drei haben eine Einladung bekommen. Eine Einladung zum Tee.« freute sich Iroh und zeigte seine Einladung. Ganz unten hatte jemand eine Teetasse hingemalt.

»Wir haben ebenfalls alle eine Einladung bekommen« erwiderte Zuko, »dummerweise gibt es nur ein Problem: Unser Gastgeber ist tot. Wir haben ihn hier so aufgefunden.« Er trat zur Seite und deutete mit dem Arm auf Bumi.

»Was?!« rief Iroh aus und stolperte nach vorn. Er kniete sich vor Bumi hin und legte seine Hand auf Pulsschlagader. Dann sah er über seine Schulter auf »Was genau ist hier passiert?«

Aang erzählte den drei Neuankömmlingen von ihrer grausigen Entdeckung. Auch die Verdächtigungen, es könne sich um Mord handeln ließ er nicht aus.

Iroh schüttelte den Kopf »An Mord glaube ich eher weniger. Ich sehe keine Anzeichen von Gewalt. Bumi ist-… war alt. Der älteste Mensch den ich überhaupt kenne. Irgendwann musste das hier passieren.«

»Aber warum ausgerechnet jetzt?« mischte sich Haru ein.

»Der Tod kommt plötzlich in so einem hohen Alter, junger Erdbändiger« erwiderte Iroh und sah in die Runde, »außerdem gibt es kein Motiv, oder? Warum sollte man Bumi töten?«

»Um uns hier zu halten, Onkel.«

Bevor Iroh etwas antworten konnte trat Aang in die Mitte »Was auch immer hier passiert ist, wir müssen der Sache auf den Grund gehen oder? Wir sollten uns hier häuslich einrichten und…-«

»Bist du vollkommen wahnsinnig?!« fragte Sokka, »wir überleben hier keine Nacht! Der Killer wartet vielleicht schon um die nächste Ecke!«

»Oh man Sokka. Wenn du solche Angst vor toten alten Leuten hast, solltest du später nicht im Altersheim arbeiten.« witzelte Toph.

»Haha sehr witzig. Wenn du mich morgen früh erhangen im Kleiderschrank findest wirst du es nicht mehr so komisch finden!«

»Ich finde Sokka hat Recht« meinte Katara, »mir ist nicht wohl bei den Gedanken hier zu übernachten.«

Im nächsten Moment vermengte sich das Gerede zu einem einzigen nervtötenden Tosen.

Iroh hob schließlich die Arme und ließ zwei Flammen aufblitzen. Augenblicklich kehrte Stille ein.

»Wir haben gar keine Wahl! Wir hier heute übernachten müssen! Schaut doch mal nach draußen!«

Die Köpfe drehten sich zum Ausgang des Anwesens. Die Sonne war nur noch ein kleiner hervorlugender Rand am gebirgigen Horizont. Die Nacht brach an.

»Wollt ihr in tiefster Finsternis zurückkehren?!« fragte Iroh und blickte jeden in der Runde einzeln an, »die nächste Siedlung ist etliche Kilometer weit entfernt! Appa kann uns nicht alle tragen. Wollt ihr wirklich stundenlang durch diesen dichten Wald laufen? Also ich für meinen Teil freue mich auf mein warmes Bett hier.«

Mit diesen Worten schulterte Iroh seine Reisetasche und ging auf die große Saloontür zu. Jeong-Jeong hielt ihn fest »Du freust dich vielleicht, Iroh. Ich aber habe irgendwie das Gefühl eines der ersten Opfer dieses Wahnsinnigen zu werden.«

»I-ich auch. Ich habe dieses Gefühl auch.« stimmte Haru zu.

»Es wird nichts passieren.« antwortete Iroh und verschwand in den Saloon.

»Wir werden hier alle sterben.« seufzte Sokka und folgte Iroh.

Die Gestalt hatte jeden ihrer Schritte beobachtet.

Sie war zufrieden.

Durch die großen, dreckigen Fenster an der Front des Anwesens hatte man alles beobachten können. Ihre Unsicherheit, die Unentschlossenheit, ja sogar Sokkas jämmerliche Angst.

Sie krallte sich fester in die Baumrinde und lächelte.

Das würde ein Riesenspaß werden.