Disclaimer: Nix mir, es deprimiert, dass ich das immer schreiben muss .. Ansonsten mal wieder ein kleines bisschen Genrefremdes austoben, weil... ja, weil ich Charles nicht leiden kann. Oh Gott, gleich erschlagen mich die Fangirls. Charles ist böse. Warum? Weil er Cromwell fälschlicherweise anklagt. Und die Nummer mit dem besoffenen Henker am Ende – uargh. Mistratte. Verzeih ich ihm nie! Nie! Nie! Nie! Nimmernicht! Ich hab einen Tick mit Cromwell.

Spielt Ende dritte Staffel, allerdings nicht ganz so gerafft wie in der Serie, immerhin war Henry ja nun doch 7 Monate mit Anna von Kleve liiert und der Aufstand der Pilger auch nicht gerade in drei Tagen vorbei. Das Gedicht ist aus the faerie queene von Edmund Spenser und passt theoretisch nicht in die Zeit, da es von 1590 ist. Seht es mir als künstlerische Freiheit nach.

Genesis of mind

And as she lookt about, she did behold,

How over that same dore was likewise writ,

Be bold, be bold, and every where Be bold,

That much she muz'd, yet could not construe it

By any ridling skill, or commune wit.

At last she spyde at that roomes upper end,

Another yron dore, on which was writ,

Be not too bold; whereto though she did bend

Her earnest mind, yet wist not what it might intend.

Das Wetter war umgeschlagen und es wurde kalt. Dennoch schienen die drei Männer im Raum der Kälte regelrecht zu trotzen, denn keiner von ihnen schickte nach einem Diener, um Feuer zu machen. In Charles Brandons Anwesen ging es schon seit einigen Wochen merkwürdig zu, die Dienstboten gingen auf Zehenspitzen und wenn es nur irgend möglich war, ihrem Herrn aus dem Weg. Selbst Lady Katherine tat es, seitdem ihr Gemahl aus dem hohen Norden zurückgekehrt war. Er wirkte verändert. An manchen Tagen fürchtete sie sich vor ihm. Und vor seinen Gästen. Merkwürdige Leute gingen ein und aus, Menschen, mit denen er sich früher niemals abgegeben hätte. Einer von ihnen war Francis Bryan und seine schaurige Erscheinung war nicht das einzige, vor dem sie zurückschreckte. Auch sein Blick, bar jeder Ehrerbietung schreckte sie.

So kam es also, dass an diesem Tag kein knisterndes Feuer die Herren wärmte und die Diener verschreckt in der Halle kauerten, statt die Herren in der Schreibstube des Herzogs zu bewirten.

Lady Katherine lauschte halbherzig ihren Stimmen. Immer und immer wieder waren es die gleichen Gespräche und sie war ihrer langsam müde. Es ging ständig um „ihn". Sie benutzten absonderliche Namen für ihn, die immer mit dem Teufel Hand in Hand gingen, sodass sie bei manchen Schmähungen eilig das Kreuz schlug. Der Fanatismus, der aus diesen Gemächern drang, war widerwärtig und manches Mal musste sie ihren bequemen Sessel verlassen, ihre Stickereien niederlegen und vor die Tür gehen, als könnte sie damit die Niedertracht abschütteln, die durch die Ritzen des Gemäuers kroch.

In den schillerndsten Farben malten sich die Herren seinen Niedergang aus, wenn sie tranken, dann war es noch ärger. Grobheiten und Blutrünstigkeit waren dann an der Tagesordnung. Und auch ihr Mann sprach nicht selten davon. So hatte sie ihn niemals erlebt, so voller Hass und voller düsterer Gedanken. So richtig wusste Lady Katherine nicht, was „er" ihrem Gemahl getan hatte, denn darüber sprachen die Herren nie. Einig waren sie sich nur darin, dass sie ihn alle hassten.

Seine Verfehlungen und neuesten Missetaten wurden ausgiebig besprochen und kommentiert. Manchmal fragte sich Lady Katherine, ob „er" wohl davon wusste. Aber man munkelte, dass „er" alles wusste. Ein ausgedehnteres Netz an Spitzeln besaß niemand. Nun, auch sie selbst war diesem merkwürdigen Emporkömmling und Reformator nicht gerade wohlwollend gestimmt, die Ablehnung war nicht das, was ihr so sehr missfiel.

„Ihr müsst deutlicher sprechen", bat Sir Francis Bryan ihren Mann gerade.

„Nun, es wäre doch günstig, ein wenig genauer zu wissen, was in seinem Kopf vorgeht", sprach ihr Mann.

Ohne es wirklich zu wollen, lauschte Lady Katherine nun doch.

„Mit Verlaub, wenn wir das wüssten, dann wäre es ein leichtes, ihn anzuklagen und zur Strecke zu bringen." Die kalte Stimme gehörte dem Bruder der toten Königin.

Lady Katherine konnte ihm zwar nicht den Empfang in ihrem Heim verweigern, doch hätte sie es liebend gern getan. Dieser Mann war unheimlich.

„Vielleicht gäbe es da eine Möglichkeit", ersann ihr Mann.

„Unmöglich. Der Teufel selbst führt seine Hand und ihm will alles gelingen, was er nur anpackt", widersprach der Bruder der toten Königin.

„Es muss ihn unvorbereitet treffen", widersprach Sir Francis Bryan.

„Und wie soll das gehen? Er hat keine Neigungen, keine Leidenschaften. Es heißt, dass er nicht einmal trinkt", behauptete die kalte Stimme.

„Und Weiber?"

„Jeder mag Weiber", behauptete Bryan und alle drei lachten.

„Das solltet Ihr den Griechen sagen, ich habe gehört...", erwiderte ihr Mann.

Wieder Lachen. Lady Katherine verdrehte die Augen, ob des geschmacklosen Scherzes.

„Und?", fragte Bryan lauernd. „Ist er ein Grieche?"

„Nun, er hat einen Sohn", entgegnete der Bruder der toten Königin.

„Auch das haben viele. Aber vielleicht sind Weiber der Schlüssel. Sie sehen und hören oftmals Dinge, die man nicht für möglich hält."

Wie geringschätzig Charles von Frauen sprach. Angewidert legte Lady Katherine ihre Stickereien nieder und winkte ihrem Hausmädchen, damit sie die Näharbeiten entfernen möge.

„Ich halte das für unmöglich", beharrte der Bruder der toten Königin auf seine Meinung. „Wie ich bereits sagte: keine Leidenschaften, keine Exzesse, der Teufel erfüllt ihn ganz und gar."

„Dagegen würde ich sogar wetten", brummte Sir Francis.

„Wie bedauerlich, dass ich nichts von Wetten halte."

„Mir scheint, Ihr seid beinahe so leidenschaftslos wie er", entgegnete Bryan.

Charles schien das anders zu sehen, doch bevor Lady Katherine erfuhr, was ihrem Gemahl vorschwebte, hörte sie, wie sich Schritte näherten und dann die Tür zum Schreibzimmer zugeschlagen wurde.

Kaum vier Tage später tagte die ungleiche Gesellschaft wieder in des Herzogs Studierzimmer. Lady Katherine war mittlerweile dazu übergegangen, diese Treffen nur noch mit Kopfschütteln hinzunehmen, denn ihr Mann äußerte sich niemals dazu. Und wenn, dann waren es halbgare Entschuldigungen, die nicht einmal ein kleines Kind hätte glauben können.

Ganz ungeniert ging Lady Katherine mittlerweile im Studierzimmer ein und aus, die Herren bemerkten sie gar nicht. Weder ihre missbilligende Miene, noch sie als ganze Person. Es widerte sie regelrecht an, was diese Männer da miteinander besprachen. Wo war nur der Charles hin, der aufrecht dem Leben entgegen getreten war? Wo war der Charles, der guten Gewissens in den Spiegel gesehen hatte? Nun, in diesem Raum befand er sich jedenfalls nicht.

„Gentlemen, ich habe hervorragende Neuigkeiten", eröffnete ihr Mann dieses nicht besonders geheime Treffen.

Sie schienen sich hier frei und ungestört zu fühlen. Ja, tatsächlich, wie sie gesagt hatten. Hier gab es nur Weiber, die alles hörten. Nicht aber „seine" Spione. Ob sie je darüber nachgedacht hatten, dass es auch Frauen unter seinen Spionen geben könnte? Darüber musste Lady Katherine beinahe lachen. Es war jedoch kein freudvolles Lachen, dass da aus ihrer Kehle hervorkroch.

„Ich habe eine Dame aufgetrieben, die wir problemlos an den Hof bringen können und die sich unseren Wünschen in jedweder Weise fügen wird."

Lady Katherine hatte keine Ahnung, von wem ihr Mann sprach. Ach, war das überhaupt wichtig? Irgendeine Kurtisane, die er bestochen hatte, würde es wohl sein.

Angewidert verzog sie die Lippen. Sir Francis sah das, doch er sagte kein Wort. Stattdessen starrte er sie durchdringend an, als wolle er mit seinem gesunden Auge geradewegs durch die Stoffe ihrer Kleidung dringen.

„Das ist mit einigen Problemen verbunden. Wie man hört, ist der König auf Brautschau und eines Eurer Mädchen, mit Verlaub, wäre vielleicht zu hübsch. Nachher zieht sie die Aufmerksamkeit des Falschen auf sich und was dann? Dann haben wir eine Dirne auf dem Thron", gab der Bruder der toten Königin zu bedenken.

Die drei Männer lachten lauthals. Lady Katherine verstand nicht, was es daran zu lachen gab.

„Der König wird sich an dieser nicht erfreuen. Sonderlich hübsch ist sie auch nicht und wenn ich sie als meine Cousine ausgebe, wird er sie behandeln, als sei sie seine eigene Schwester. Außerdem ist sie keine Dirne, aber dennoch käuflich", beharrte Charles.

„Wie soll das eine mit dem anderen Hand in Hand gehen?", fragte Sir Francis interessiert und nahm einen Schluck aus seinem Becher.

Schon seit ein paar Wochen neigten die Drei zu exzessivem Alkoholkonsum, Lady Katherine merkte es, wenn Charles abends in ihre Gemächer kam. Er stank nach Wein und Hochprozentigem, was ohne Frage auf Francis Bryans Konto ging.

„Nun, sie hat ihre Gründe, mir zu Diensten zu sein und es tunlichst zu unterlassen, mich zu täuschen", entgegnete Charles.

Lady Katherine stand auf und griff nach der leeren Fruchtschale auf dem Tisch der Männer. Dieses Gespräch konnte sie einfach nicht ertragen. Vermutlich sprach Charles von irgendeiner seiner Eroberungen, von denen er ihr versichert hatte, dass es schon lange vorbei sei. Nun hielt er sie am Kragen, da ihre Ehre bedroht war. Wann hatte sich ihr Gemahl in dieses niederträchtige Etwas verwandelt? Der Teufel war nicht mit „ihm", sondern mit ihrem Mann!

„Eine solche Verbündete könnte in der Tat Gold wert sein", hörte sie noch von Sir Francis, dann schlug sie die Tür hinter sich zu und verließ die dunklen Räume.

Erst im Innenhof atmete sie erleichtert auf, als sie den Himmel sehen konnte. Grau zogen die Wolken dahin, schwarz türmten sie sich auf und verhießen Regen. Lady Katherine ließ sich auf den Stufen der Pforte nieder und vergrub das Gesicht in den Händen.

Was hatte der Feldzug in den Norden nur aus ihrem Mann gemacht? Was hatte es aus ihnen gemacht? Ihr Kind, verloren, ihr Sohn entzog sich seinem Vater, sie selbst weigerte sich, das Bett mit ihm zu teilen, seitdem er zurückgekehrt war, ein Gemahl, der die Liebe des Königs der ihren vorzog und sich mit allerhand Gelichter herumtrieb. Denn nichts anderes waren diese Männer.

Sie hörte Schritte hinter sich, doch sie sah nicht auf. Sie nahm nicht an, dass die Männer schon gehen würden, also konnte nur eines ihrer Dienstmädchen etwas von ihr wollen.

Doch zu Lady Katherines Erstaunen blickte sie in Charles' Gesicht.

„Ich mag es nicht, was du da treibst", sagte sie unumwunden.

Die Züge ihres Mannes glätteten sich und er setzte wieder die verhasste, ausdruckslose Maske auf.

„Das geht dich nichts an."

„Es geschieht in meinem Haus. Natürlich geht es mich etwas an."

„Du vergisst dich", entgegnete er drohend.

„Ich möchte keine deiner Mätressen in diesem Hause sehen", erklärte sie finster.

Er schreckte sie schon lange nicht mehr.

Einen kurzen Moment meinte sie, Überraschung in seinem Gesicht zu sehen, dann war es fort.

„Sie ist nicht meine Mätresse, Katherine."

„Wie kommt es dann, dass du über sie verfügen kannst, wie es dir beliebt?"

„Das hat andere Gründe. Und im Übrigen wünsche ich, dass du nicht mehr davon sprichst."

Wutentbrannt raffte sie ihre Röcke und sprang auf. „Natürlich, Euer Gnaden!"