Prolog: Nie wieder gut.

Als ich den Raum betrete, bin ich zum ersten Mal in meinem Leben nervös. Ich bin ein Saiyajin und eigentlich kenne ich keine Angst. Ich bin megastarken Feinden und unglaublichen Ereignissen stets furchtlos entgegengetreten.

Aber dich so zu sehen ist beinah zu viel für mich. Du bist blass, dein Gesicht wirkt eingefallen. Dein Ki, sonst so unglaublich stark und aggressiv, ist wie ein schwaches Licht, ich kann fühlen, dass es von Minute zu Minute schwächer wird.

„Hallo.", sage ich vorsichtig, ich weiß, dass du nicht schläfst, obwohl du deine Augen geschlossen hast.

„Ah. Kakarott.", kommt es von dir und du öffnest sie um mich anzusehen, während ich mich auf einen Stuhl neben deinem Bett setze. Deine Stimme ist dunkel, ich bin sicher, du bemühst dich, sie so klingen zu lassen wie immer. Aber du kannst mir nichts vormachen. Ich spüre, wie es um dich steht. Ich wüsste es auch, wenn da nicht all die Schläuche in deinem Körper wären, die Apparate, die deine Körperfunktionen überwachen, das ständige Piepsen, das mich gleichzeitig beruhigt und mir Angst macht.

„Vejita. Wie fühlst du dich?", kommt es krächzend über meine Lippen. Spürst du, wie nahe es mir geht, dich so zu sehen?

Du grinst mich an, wie ich es erwartet habe. Selbst jetzt bist du noch so unglaublich stark. „Mir ging es schon schlechter.", antwortest du mir. Das stimmt vielleicht sogar. Dafür ging es mir allerdings niemals schlechter in meinem Leben. „Schön, dass du gekommen bist." Das aus deinem Mund zu hören, erstaunt mich.

Das schleichende Gefühl von Angst nistet sich in meinem Herzen ein. Deine Worte klingen nach Abschied. Du hast mich herbestellen lassen, um dich zu verabschieden. Und vielleicht auch, weil du sonst niemand mehr hast. Na gut, Trunks war hier, ich bin ihm auf dem Flur begegnet. Aber er ist inzwischen erwachsen, seine Familie wartet auf ihn. Vermutlich war auch Bra im Laufe des Vormittags hier. Aber sie arbeitet im Ausland, auch sie hatte vermutlich nicht viel Zeit für dich. Deine Kinder wissen nicht, wie es um dich steht, oder? Du warst schon immer ein Meister darin, deine Gefühle vor anderen abzuschirmen. Aber mich kannst du nicht täuschen. Du weißt, dass es zu Ende geht. Ich selbst muss es erst noch begreifen.

Nachdem ich selbst nichts sage, ergreifst du wieder das Wort. „Die Ärzte sagen, ich habe nicht mehr lange. Aber das weißt du sicher schon, Kakarott. Verflucht, und ich hatte gehofft, Saiyajin leben ewig!" Dein Galgenhumor zaubert ein zaghaftes Lächeln auf mein Gesicht. Deine Stimme klingt so anders als sonst, als du hinzufügst: „Es ist schön, dass du gekommen bist, um dich zu verabschieden."

Zum ersten Mal begreife ich wirklich, dass du mich verlassen wirst. Dass du sterben wirst. Im Laufe der Jahre habe ich viele meiner Freunde sterben sehen. Bulma, Yamchu, Chichi,.. die Liste ist endlos lang. Aber bei keinem ist es mir so nahe gegangen wie bei dir jetzt. Wieso musst du sterben? Du bist ein Saiyajin! Du darfst nicht sterben! In all den Jahren warst du mir die einzige Stütze. Unsere wöchentlichen Treffen, das gemeinsame Training... das gab mir Kraft, alles zu ertragen. Hab ich dir das jemals gesagt?

Auch ich habe gedacht, du würdest ewig leben. Aber ich dachte es wirklich. Menschen sterben. Das wusste ich. Aber du..? Du musst inzwischen über 100 Jahre alt sein, so wie ich auch. Wir haben beide aufgehört zu zählen, aber wir sind sehr alt. Und deine Zeit ist offensichtlich abgelaufen. Wie kann das bloß sein? Die Jahre sind so schnell vergangen...

Ich zwinge ein Lächeln auf mein Gesicht aber es misslingt wahrscheinlich kläglich. „Gibst du so schnell auf? Ich dachte immer, der Saiyajin no Ouji würde bis zum letzten Atemzug kämpfen?", sage ich und versuche, es scherzhaft klingen zu lassen. Aber es ist kein Witz. Du sollst kämpfen! Du darfst nicht aufgeben!

„Ich wollte es auch sehr lange nicht wahrhaben. Aber jetzt, da ich nicht mal mehr aus eigener Kraft aufstehen kann, muss ich es wohl einsehen...", antwortest du und es zerreißt mir schier das Herz. Weißt du denn nicht, dass...

Du versuchst, dich in einem Bett aufzurichten. Ich stehe sofort auf und helfe dir, stütze dich. Diesmal schubst du mich nicht beiseite. Vermutlich nur, weil du nicht mehr die Kraft dazu hast. Oh, Vegeta... Leise aber entschlossen höre ich deine Stimme an meinem Ohr: „Bring mich hier weg, Kakarott."

Ich begreife sofort, was du von mir willst. Es hätte mich überrascht, wäre es nicht so gewesen. Du willst nicht hier im Krankenhaus sterben. Also deswegen hast du mich rufen lassen. Noch bevor ich dir geantwortet habe, fängst du an, die Schläuche mit brachialer Gewalt aus deinem Körper zu reißen. Blut tropft auf die Decke, auf einmal hört das Piepsen auf und weicht einem langgezogenen Piepton. Draußen werden Stimmen laut. Das Personal wird jede Minute hier auftauchen. Wenn ich dich fortbringen will, dann jetzt. Rasch lege ich meinen Arm um dich und überlege, wohin ich dich bringen könnte.

Ich lege zwei Finger an die Stirn und sehe noch, wie die Tür aufgerissen wird. Dann verschwimmt das triste Krankenzimmer vor meinen Augen und macht der felsigen, mir wohl bekannten Landschaft Platz.

Als ich auf dich runter sehe, bemerke ich dein Grinsen. Du hast diesen Ort natürlich auch wiedererkannt. Die Steinwüste, in der wir damals das erste Mal gegeneinander kämpften. Es scheint uns letztendlich immer wieder hierher zu ziehen. Hier haben wir in den letzten Jahren oft zusammen trainiert. Wir haben an diesem Ort deutlich unsere Spuren hinterlassen, tiefe Krater und unnatürliche Ausbuchtungen in den Felsen zeugen von unseren harten Zweikämpfen. „Ich wusste, dass du diesen Ort wählen würdest, Kakarott.", sagst du heiser. Wir sitzen auf einem hohen Felsvorsprung der uns Sicht auf die gesamte Umgebung gibt. Es ist schon spät, drüben am Horizont geht die Sonne bereits unter.

Staubiger Wind weht über uns hinweg und du hustest kraftlos. Dein Oberkörper ist gegen meinen gelehnt, ich stütze dich mit einem Arm, der andere liegt auf deiner Brust, die sich hektisch hebt und senkt. Hier draußen bist du der Witterung ausgesetzt, sie schwächt dich zusätzlich. Deine Ki-Signatur wird immer schwächer. Habe ich einen Fehler gemacht, dich herzubringen?

In dem Moment legt sich deine Hand auf meine und du sagst leise: „Danke für diesen letzten Freundschaftsdienst, Kakarott. Wenn du mir noch irgendwas zu sagen hast, dann solltest... du dich beeilen."

Ich weiß. In meinem Kopf schwirren tausend Worte, aber als ich den Mund öffne, kommt nichts heraus. Ich habe dir noch so viel zu sagen. Vor allem eins. Es ist meine letzte Chance, es dir zu sagen, aber wage ich es? Ich drückte dich fester an mich, lege meinen Kopf auf deinen und die Worte die ich spreche, kommen direkt aus meinem Herzen: „Geh nicht."

Ich höre dein kraftloses Lachen. „Ich habe doch noch nie auf dich gehört, Kakarott. Warum denkst du, ich fange jetzt damit an?" Deine Worte sind jetzt abgehackt, ich merke, dass du versuchst, dich am Leben festzuhalten. Aber die Krankheit ist stärker.

Ich muss es dir sagen, bevor es zu spät ist. Gleich ist es für immer zu spät. „Vejita, ich.." Ich zögere.

Und dann sagst du: „Die Ewigkeit wird... wird... ziemlich einsam sein... ohne dich, Kakarott.." Ich spüre, wie eine bittere Träne über meine Wange rollt und auf dein Gesicht tropft. „Heulsuse."

Am Horizont ist die Sonne bereits zur Hälfte hinter den Bergen verschwunden. Mit deinen schwarzen Augen siehst du zu, wie der Tag zu Ende geht. Mit jedem Sonnenstrahl verschwindet auch deine Lebensenergie.

Ich spüre, wie dein Licht verlöscht.

Und es zerreißt mein Herz. Ich muss es dir sagen, aber dann geht alles so schnell. Der Augenblick brennt sich in mein Gedächtnis, ich werde nicht ein Detail dieser Szene jemals wieder vergessen können. Dein Atem wird schwächer.

Noch nie im Leben habe ich mich so hilflos gefühlt. Ich will dir noch so viel sagen. Vor allem aber will ich dir ins Gesicht schreien, dass du mich nicht verlassen sollst. Will dich anbrüllen, dich zur Vernunft bringen, dir beweisen dass du noch nicht sterben kannst, DARFST!

Denn ich liebe dich.

Ein letztes Mal drückst du meine Hand und dann sagst du gequält: „Vergiss nicht, Kakarott... was uns.. nicht umbringt... macht uns stärker." Ich kann nicht glauben, dass du das gesagt hast. Großer Gott, warst du schon immer so... zynisch? Vermutlich. Ich muss dir auch noch etwas sagen. Aber dann..

Am Horizont verschwindet die Sonne endgültig hinter der Bergkette und mit ihr verlöscht dein Ki endgültig.

Auf einmal hebt sich deine Brust unter meiner Hand nicht mehr. Deine Augen sind geschlossen. Ein Windstoß fegt über die Ebene und reißt die Tränen, die jetzt endlich ungehemmt fallen, von meinem Gesicht. Du bist tot. Ich werde dich nie, niemals mehr wiedersehen. Und ich habe dir nicht gesagt, dass ich dich liebe.

Ich schreie meinen Schmerz in die angebrochene Nacht hinein. Es wird nie mehr so sein wie es war. 

Nie wieder gut.

Nächstes Kapitel: „Mein erster egoistischer Wunsch."