Die Zeit nach der Revolution ist in meinem Kopf nicht mehr ganz vorhanden. Zumindest bin ich mir nicht sicher was echt, und was einfach meiner Alpträume entsprungen ist. Doch das erste Telefonat mit Gale, das blieb hängen in meinem Gedächtnis und ließ sich nicht verdrängen. Es war bevor Peeta und ich zusammen gekommen sind. Bevor ich wusste das es Peeta ist, ohne den ich nicht überleben kann. Denn heute weiß ich, dass Gale damals Recht hatte. Er kannte mich schon immer besser, als ich mich selber.

*Flashback*
Ein Schrei. Ich sitze zusammengerollt auf dem Sofa als ich meine Augen öffne. Es war mein Schrei. Noch immer zitter ich am ganzen Körper von meinem Alptraum. Ich versuche mich zu beruhigen.

Ich bin Katniss Everdeen. Ich war in den Hungerspielen. Ich habe Coin getötet. Prim ist tot. Jetzt bin ich in Distrikt 12. Ich bin in Sicherheit. Ich bin allein.

Gale war nicht da. Als ich von meinen ersten Hungerspielen zurück gekommen bin, dachte ich alles konnte so sein wie früher. Und ich hatte mich geirrt. Das Ende der ersten Hungerspiele begann mit dem Anfang meiner zweiten Hungerspiele, und ob diese schon geendet haben bin ich mir bis jetzt nicht sicher. Denn meine Mutter ist nicht mehr hier. Prim, die ich mit meinem Leben retten wollte, ist tod. Und Gale ist … Ich wusste es nicht. Irgendwann hatte ich erfahren, dass auch er nicht zurück kommen wird. Irgendein hoher Posten in Distrikt 2. Wer hätte das gedacht, ausgerechnet der Ort, wo er theoretisch hunderte unschuldige Menschen umgebracht hat?
Und obwohl ich mir einreden wollte, ich brauchte weder ihn, noch Peeta der seit seiner Rückkehr täglich Brot vorbei bringt, wusste ich innerlich das ich Gale vermisste.
Er hat sich bis jetzt kein einziges Mal gemeldet, keine Notiz, kein Anruf. Mehrmals habe ich zum Telefon gegriffen, aber jedes mal hat mich der Gedanke an Prim zurück gehalten. Ich wusste es war nicht seinen Schuld. Aber trotzdem malte ich mir immer aus, dass Prim möglicherweise am Leben wäre, hätte Gale nicht an seiner Menschenfalle gearbeitet.
Für eine lange Zeit sitze ich nur da und starre das Telefon an. Ich wusste, letztendlich musste ich ihn anrufen. Eines Tages habe ich eine Notiz von Greasy Sae gefunden, mit der Nummer von Gale. Mit zitternden Fingern ergriff ich den Hörer und wählte die Nummer, dieses Mal würde ich stark bleiben und es durchziehen.
Ich höre das nicht allzu vertraute Tuten. Ich zähle. Wenn er bis 10 nicht antwortet versuche ich es ein anderes Mal.
1...
2...
3...

Hallo?

Ich halte meine Luft an. Alles dreht sich. Es ist seine Stimme, Gales Stimme. Ich wusste nicht wie lange ich sie schon nicht gehört habe. Der Klang erinnert mich an unsere stillen Stunden im Wald, bevor sich mein Schicksal verändert hat.

Hallo? Wer ist da?

Nein, eigentlich ist es nicht mehr seine Stimme. Gale hat sich geändert, auch bei ihm sind die Erinnerungen an den Krieg nicht einfach so vorbeigegangen. Er klingt leicht verbittert und müde.
Ich höre ihn etwas murmeln, eine Reihe von Schimpfwörtern oder etwas in der Art. Ob er weiß, dass ich es bin? Ob er deshalb noch nicht aufgelegt hat?

„Ich bins..."

Stille am anderen Ende des Hörers.

Katniss?

Wer sonst? Ich habe immer noch die gleiche Stimme wie früher!

„Gale?"

Nur um auf Nummer sicher zu gehen, obwohl ich genau wusste, dass ich mich nicht verwählt hatte. Seine Stimme konnte ich unter hunderten heraushören.

Kätzchen, du hast mich doch angerufen, oder? Nicht das ich es nicht will. Ich habe schon die ganze Zeit auf deinen Anruf gewartet. Ich mein, ich hätte dich auch anrufen können, aber ich dachte du brauchtest Zeit...

Das war nicht der Gale, der soviel unnötiges Zeug redet. Ha! Sein schlechtes Gewissen. Auch wenn ich es ihm nicht übel nehmen wollte, ok, nein ehrlich gesagt wollte ich es ihm übel nehmen. Es ihm nie verzeihen. Dann darf er es ruhig genauso skrupellos erfahren, wie er es einfach gemacht hat. Keine Zeit der Welt hätte gereicht um zu verstehen!
Statt ihm alles an den Kopf zu werfen, sage ich nur ein Wort.

„Warum?"

Erneute Stille. Diese Schärfe hatte er wohl nicht erwartet.

Ich konnte es einfach nicht, Kätzchen. Als wir uns das letzte Mal gesehen hatten, als ich dir den Bogen gebracht hatte, habe ich die Verachtung in deinen Augen gesehen. Ich wusste nichts würde deine Meinung gegenüber mir verändern, du hast Prim dafür zu sehr geliebt.

Ich verachte dich nicht. Aber du warst nicht da für mich, obwohl du wusstest, dass ich dich gebraucht hätte. Stattdessen gibst du mir jetzt die Schuld dafür? Die Verachtung in meinen Augen hat dich davon abgebracht? Du hast so viele unschuldige Menschenleben wegen deiner Überzeugung getötet und hast den Mut jetzt genau in jenem Distrikt ein gehobenes Leben zu leben? Du solltest jetzt aufhören mich Kätzchen zu nennen.
Doch ich habe jetzt nicht die Geduld das ihm zu sagen. Nicht wo ich mich so gut halte und mein Feuer unter Kontrolle habe.

„Gale, ich muss gehen, tschüss."

Kätzchen, du weißt ich...

*Flashback Ende*

Ich gab ihm nie eine Chance zu Ende zu reden und würde auch nie erfahren, was er sagen wollte. Es erinnerte mich an damals, als die Friedenswächter ihn aus meinem Zimmer gezogen hatten, als ich ihn zum letzten Mal vor meinen ersten Spielen gesehen hatte. Es war auch ein Abschied, genau so wie dieses Telefonat. Danach rief er immer wieder an. Und irgendwann hörte er auf mich Kätzchen zu nennen. Und während Peeta und ich wieder zusammen wuchsen, wuchsen Gale und ich auseinander.

Ihr habt doch bestimmt die Anspielung verstanden auf den Teil aus dem Buch, wo Gale aus dem Zimmer gerissen wird? Was glaubt ihr wollte er da sagen und was glaubt ihr wollte er in diesem Kapitel sagen?

Sooo... das war jetzt das Kapitel wo Gale quasi drinne ist! Aber keine Sorge, die werden sich schon noch zusammenraffen!
Ich hoffe euch hat das Kapitel gefallen! ich werde mich über eure Meinung freuen :)
Danke fürs Lesen!
Eure LittleRedCherrie ❣
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