Kapitel 21: Tag der Abrechnung

Der Prinz hatte sich einen besonders schönen Ort ausgesucht, um nachzudenken. Allerdings schenkte er dem keinerlei Beachtung. Er hatte nie gelernt, schöne Dinge zu bewundern. Er war hier einfach gelandet, weil die Gegend einsam war. Er saß auf dem Geländer einer Brücke, unter seinen Füßen rauschte ein nacht-schwarzer Fluss hinweg. Es war dunkel, schon seit Stunden, deswegen war schon lange niemand mehr vorbei gekommen. Er hatte sich bisher zusammengerissen und keinem Menschen auch nur ein Haar gekrümmt. Wegen Bulma. Er wollte ihr nicht noch mehr wehtun.

Denn eines hatte er begriffen: er konnte nicht hier bleiben. Er passte nicht auf diesen ‚schönen' Planeten mit seinen schwachen Bewohnern. Er würde sich ein Leben lang verstecken müssen, oder er würde irgendwann gezwungen sein, Menschen zu töten. So wie die Dinge lagen, hatte die Verbindung zwischen ihm und Bulma keine Chance. Anders als Kakarott hatte er kein reines Herz. Er würde sich nie mit den Menschen vertragen. Das wollte er auch gar nicht. Für Bulma hätte er es vielleicht sogar versucht. Aber als er sie zusammen mit den anderen gesehen hatte, hatte er endgültig begriffen, dass er fehl am Platze war.

„Verzeih mir, Bulma.", sagte er in die Nacht hinein, den Kopf nach unten geneigt, den Blick ins schwarze Wasser. „Ich werde zurück nach Hause fliegen."

***

Unruhig lief Bulma zum Fenster und schob die Vorhänge beiseite. Aber wie schon hundertmal vorher, zeigte der Blick nach draußen ihr nur die Dunkelheit der Nacht. Von Vegeta immer noch keine Spur. „Du solltest schlafen gehen, Bulma.", sagte Chichi vorsichtig.

„Wo bleibt er nur?", fragte sie sorgenvoll. „Was, wenn er schon auf dem Weg nach Vegeta-sei ist?"

„Wie denn? Das Schiff ist doch noch hier!", beschwichtigte Chichi.

Bulma ließ den Vorhang los und drehte sich um. „Genau deswegen habe ich Angst. Ich fürchte, wenn ich mich hinlege, kommt er um das Schiff zu holen und morgen wenn ich aufwache, ist er weg."

„Du kennst ihn inzwischen wirklich gut.", sagte Kakarott. Bulma und Chichi schauten ihn überrascht an. Eigentlich waren er und Chichi schon schlafen gegangen, aber als sie Bulma gehört hatte, war Chichi aufgestanden, um ihr beizustehen. Jetzt stand auch noch Kakarott mit zerzaustem Haar und nur in Shorts, die er von Yamchu ‚geliehen' hatte, in der Tür. Sein Gesichtsausdruck wirkte ungewöhnlich ernst. „So ein Abgang würde zu ihm passen.", sagte der Saiyajin und setzte sich auf die Couch. „Aber wir können sowieso nichts tun. Wir können nur abwarten. Denn wenn er weg will, kann ihn keiner von uns aufhalten."

Bulma seufzte leise. „Wenn er mir das wirklich antut..." Wieder ging sie zum Fenster und schaute nach draußen. „Vegeta, wo bist du...?", murmelte sie. Dann erregte etwas am Himmel ihre Aufmerksamkeit und sie fragte erstaunt: „Was ist das denn??"

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Noch immer einsam in der Dunkelheit, zuckte Vegeta plötzlich zusammen und krümmte sich. Was war das für ein merkwürdiges Gefühl? Sein Herz zog sich beklemmend zusammen und erst dann drang die Erkenntnis an sein Bewusstsein, dass er eine neue Präsenz fühlte. Er hob den Kopf und sah, wie sich ein Objekt über den Himmel bewegte und dabei einen Lichtstreifen hinter sich her zog. Ein Raumschiff.

Seine Stirn legte sich in Falten und er atmete tief ein. Damit hatte er nicht gerechnet. Er musste Kakarott verständigen, wenn der es nicht auch bereits gespürt hatte.

Er sprang vom Geländer und flog los, zurück zur Capsule Corporation. Sein Flug dauerte nur wenige Augenblicke, und doch stand Kakarott bereits draußen im Garten, als er ankam. Und zwar zusammen mit den beiden Frauen. Er kam leichtfüßig auf dem Boden auf und Kakarott begrüßte ihn mit einem ernsten: „Hast du es auch gesehen?"

Er nickte. „Ich kann ihn sogar fühlen. Ich verstehe nicht, was er hier will."

„Vegeta!", rief Bulma, noch ehe Kakarott antworten konnte. Sie kam auf ihn zu gestürmt und fiel ihm um den Hals. Er ließ es sich reglos gefallen und schob sie nach ein paar Sekunden von sich. „Vegeta, wo warst du?", fragte sie. Als sie sein ernstes Gesicht sah, wurde sie ruhig und fragte besorgt: „Was ist los? Du siehst so ernst aus."

„Ein Raumschiff landet in diesen Minuten auf der Erde.", erklärte er. „Es kommt von Vegeta-sei. Du und Chichi, ihr solltet euch in Sicherheit bringen."

„Warum? Ist das Peaches?"

„Nein." Vegeta drehte seinen Kopf in eine Richtung und dann gleißte helles Licht am Horizont, als das Schiff landete. „Viel schlimmer. Es ist Freezer."

***

Vegeta und Kakarott mussten nicht lange suchen, um das Raumschiff zu finden. Freezer hatte sich zum Glück keine Stadt ausgesucht, um zu landen. Es war eine relativ verlassene Gegend, vereinzelt standen Häuser, aber größtenteils bestand sie nur aus großen Wiesen und kleinen Wäldchen. Der Prinz und Kakarott landeten etwa zehn Meter vom Raumschiff entfernt und starrten erwartungsvoll auf die Luke, die sich in diesem Moment öffnete.

„Vegeta. Lange nicht gesehen, was?", sagte die fiese Stimme, die dem Prinzen augenblicklich einen Schauer über den Rücken jagte.

„Freezer.", knurrte er. Dann besann er sich und deutete widerwillig eine Verbeugung an. „Lord Freezer. Was führt euch hierher?"

„Eine Stimme hat mir gesteckt warum du plötzlich ohne einen Auftrag den Planeten verlassen und dein Volk allein gelassen hast.", sagte Freezer und trat zur Seite. Hinter ihm tauchte noch jemand auf. Vegeta hatte es bereits geahnt.

„Peaches.", sagte er wütend. „Warum hast du Freezer da mit hineingezogen?"

Sie grinste böse. „Ich habe mir Sorgen gemacht, Vegeta. Ich dachte, vielleicht steckst du in Schwierigkeiten. Also habe ich Lord Freezer Bescheid gesagt."

Vegeta ballte die Hände zu Fäusten. „Dieses verlogene Miststück.", zischte er. Dann wandte er sich wieder Freezer zu, in einem Versuch, zu retten was noch zu retten war. „Lord Freezer. Ich hatte hier einige persönliche Dinge zu erledigen, die weder euch noch meine... Frau... betreffen. Es tut mir leid, dass ihr wegen ihr diese lange Reise angetreten habt. Wenn ihr nichts dagegen habt komme ich mit und wir kehren nach Vegeta-sei zurück."

„Oh, nicht so eilig.", sagte Freezer. „Ich frage mich, was auf diesem Planeten voller Schwächlinge so interessant sein könnte, dass du dich über meine Befehle hinweg setzt."

Bevor er antworten konnte, landeten weitere Personen rund um das Raumschiff. Der Namekianer, der kleine Glatzkopf, und der Typ mit der Narbe, der unglückseligerweise Bulma und Chichi bei sich hatte. Peaches wurde bei dem Anblick leichenblass. „Aber das... das ist nicht möglich!", keuchte sie. „Wie kann das sein? Ich hatte sie getötet! Wie... Es stimmt also doch! Diese Dragonballs gibt es wirklich!"

„Was?", rief Bulma.

„Woher weiß sie von den Dragonballs?", knurrte Vegeta. Er presste die Lippen aufeinander, als er die Konsequenzen dieser Erkenntnis begriff. Wenn Freezer die Dragonballs in seine Hände bekäme, dann wäre er endgültig unbesiegbar. Und Vegetas Rachepläne würden sich in Luft auflösen.

Freezer setzte sich in Bewegung und schritt von der Luke runter, auf Vegeta zu. Direkt vor ihm blieb er stehen und funkelte ihn an. „Es gibt auf diesem Planeten etwas, das so mächtig ist, Tote wieder zum Leben zu erwecken? Und du hältst es nicht für nötig, mich darüber zu informieren?" Vegeta hatte keine Antwort. Aber Freezer hatte wohl auch keine erwartet. Seine Faust zischte vor und traf den Prinzen mitten ins Gesicht. Vegeta flog meterweit nach hinten und landete im Gras.

„Vegeta!", kreischte Bulma und auch Kakarott rief seinen Namen und kam zu ihm gerannt.

Er richtete sich auf und wischte sich über das Gesicht. Blut klebte an seinem Handschuh. „Dieser verdammte Bastard.", zischte er. Kakarott kniete neben ihm. „Wie lange soll ich mir das noch gefallen lassen?"

„Vegeta, bist du verletzt?", fragte Kakarott geschockt. Er war Freezer schon öfter begegnet, aber Vegeta hatte immer vermieden, ihn derartige Szenen sehen zu lassen. Er hatte nie gewollt, dass Kakarott ihn so sah. Oder Bulma.

„Nur mein Stolz.", sagte er leise und stand wieder auf. Da sie außer Hörweite waren, nutzte er die Gelegenheit. „Hör mir zu, Kakarott. Vielleicht lässt sich ein Kampf nicht vermeiden. Ich lasse nicht zu, dass er die Dragonballs in die Finger kriegt. Wenn es soweit kommt, dann will ich, dass du die Frauen weit weg in Sicherheit bringst. Hast du mich verstanden?"

Kakarott sah erst aus, als wollte er widersprechen, aber dann nickte er und antwortete: „Ja, Vegeta."

Gemeinsam kamen sie zurück zu Freezer und Vegeta beugte widerwillig den Kopf. Es war unendlich demütigend, dass Bulma dies mit ansehen musste. Aber er tat es auch für sie. Wenn er einen Kampf anfing und ihn verlor, würde die Erde zerstört werden. „Es tut mir leid, Lord Freezer. Ich hätte euch davon berichten sollen."

„Allerdings. Ich möchte mir diese wundersamen Dragonballs mal ansehen. Zeig sie mir."

„Das kann ich nicht."

Der Tyrann zuckte die Schultern. „Na schön. Dann frage ich die Frau, die eigentlich hätte tot sein sollen. Sie wird mich hinführen."

„Die Dragonballs sind nutzlos!", rief Vegeta. „Wir haben einen Wunsch geäußert, nun sind sie ein halbes Jahr lang unbrauchbar."

„Dann holen wir sie und ich warte!", sagte Freezer und schritt auf Bulma zu.

„Das kann ich nicht zulassen!", rief Vegeta und stellte sich vor sie. Er ballte die Hände zu Fäusten und powerte sein Ki hoch. „Du wirst die Dragonballs nicht anfassen! Eher zerstöre ich sie!"

Freezer lachte überheblich. „Willst du dich wirklich mit mir anlegen, Affenprinz? Den Mut dazu hattest du noch nie."

Ein Grinsen stahl sich auf Vegeta's Gesicht. „Ich habe lange auf die richtige Gelegenheit gewartet. Oder hast du gedacht, wir Saiyajin würden uns das für immer gefallen lassen?"

„Du riskierst aber ne verdammt dicke Lippe, dafür dass du niemand hast, der mit dir kämpfen könnte.", spottete Freezer.

„Er hat mich.", sagte Kakarott ernst und stand einen Augenblick später neben Vegeta. „Zwei Saiyajin sind mehr als genug um dich zu besiegen!"

„Na schön, wenn ihr unbedingt sterben wollt...", sagte Freezer leichthin.

„Unterschätze mich nicht, Freezer.", knurrte Vegeta. „Kakarott, bring die Frauen in Sicherheit. Ich kümmere mich um ihn." Kakarott nickte und verschwand von seiner Seite. Bulma keifte, als er sie in die Luft hob, aber die beiden Saiyajin ignorierten sie. Wenn es zum Kampf kam, durften sie nicht mal in der Nähe sein.

„Wir helfen euch.", sagte eine finstere Stimme und der Namekianer trat vor. „Dieser Typ kriegt die Dragonballs ganz sicher nicht!" Auch der Glatzkopf und die anderen schienen sich dafür entschieden zu haben, zu kämpfen. Aber Vegeta beachtete sie kaum. Freezer gehörte nur ihm. Er würde sich für all die Demütigungen rächen.

Vegeta's ganzer Körper zitterte in fiebriger Erwartung. Nun war es endlich soweit. Wie lange hatte er diesen Tag herbeigesehnt? Er war nicht länger ein Gefangener, sondern konnte dem Tyrannen endlich wieder als stolzer Prinz der Saiyajin entgegentreten und für seine, für ihrer aller Freiheit, kämpfen.

Der Tag der Abrechnung war endlich gekommen.

Nächstes Kapitel: Auf Leben und Tod

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Kitten wird nur noch 2 Kapitel haben. Ich werde danach keine neue DBZ FF mehr anfangen, mir gefällt DBZ einfach nicht mehr. Aber wenn es Naruto Leser unter euch gibt, lest euch doch mal meine Naruto FFs durch!